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Semper, Karl: Die Philippinen und ihre Bewohner. Sechs Skizzen. Würzburg, 1869.

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Wo sich in den Visaya's zwischen den vielen kleinen und grösseren Inseln zahlreiche Einschnitte bilden, da sind hier den Winden ebensoviele Canäle vorgezeichnet, in welchen sie nun theilweise abgelenkt werden, so dass hier die Vertheilung des Regens eine lange nicht so regelmässige sein kann, wie in Luzon, und auch die Regenwinde selbst nur selten in ihrer ursprünglichen Richtung auftreten können. So war in Bohol die Vertheilung des Regens während zweier Beobachtungsjahre eine viel weniger schroffe, wie in Manila. Im Winter fiel hier das Maximum des Regens mit 209 Linien, im Frühling das Minimum mit 50 Linien; der Sommer zeigte 199 und der Herbst 123 Lin. Regen. Während also in Manila die kalte Jahreszeit auch die trockne war, erfreute sich der Winter in Bohol (mit 20°,1 R. mittlerer Temp.) starken Niederschlags; dagegen zeigten Sommer und Herbst auf dieser Insel eine verhältnissmässig grosse Regenmenge, so dass hier eigentlich nur von einer trocknen Jahreszeit im Frühlinge, aber nicht von einer nassen gesprochen werden kann. Linao im Innern des östlichen Mindanao's liegt in einem gegen Nordwesten hin sehr weiten offenen Thal, das gegen Osten durch eine 2-3000' hohe Bergkette geschützt ist. Dennoch ist auch hier der Winter die eigentlich nasse Jahreszeit; aber der Nordostwind, welcher diesen Gegenden den Regen bringt, dringt hier zur Strasse von Surigao und in dem Canal zwischen Leyte, Bohol und Cebu durch und tritt nun bei Butuan als NW.- oder NNW.-Wind herein in das Land der Manobo's. Je nach der verschiedenen Richtung der Zuflüsse des Agusan, welche bald mehr aus dem Südwesten, bald aus dem Norden oder Nordwesten kommen, schwellen dieselben durch den fallenden Regen in verschiedenster Weise an. Als ich im Jahre 1864 dieses Land im August und September, also gegen Ende des Südwest-Monsuns bereiste, waren die südwestlichen Zuflüsse alle voll von Wasser, während in dem östlichen Theile und in dem eigentlichen Agusan selbst der niedrigste Wasserstand herrschte. Nach einjährigen Beobachtungen des P. Juan Ruiz in Linao2 fielen dort im Jahre 1865 im Winter 826 Linien, im Frühling 302 L., im Sommer 265 L. und im Herbst 312 L. Unter sich verglichen fällt also hier die trockene Jahreszeit in den Sommer; aber trotzdem ist die während dieses trockenen Sommers fallende Regenmenge grösser als das Maximum

Wo sich in den Visaya’s zwischen den vielen kleinen und grösseren Inseln zahlreiche Einschnitte bilden, da sind hier den Winden ebensoviele Canäle vorgezeichnet, in welchen sie nun theilweise abgelenkt werden, so dass hier die Vertheilung des Regens eine lange nicht so regelmässige sein kann, wie in Luzon, und auch die Regenwinde selbst nur selten in ihrer ursprünglichen Richtung auftreten können. So war in Bohol die Vertheilung des Regens während zweier Beobachtungsjahre eine viel weniger schroffe, wie in Manila. Im Winter fiel hier das Maximum des Regens mit 209 Linien, im Frühling das Minimum mit 50 Linien; der Sommer zeigte 199 und der Herbst 123 Lin. Regen. Während also in Manila die kalte Jahreszeit auch die trockne war, erfreute sich der Winter in Bohol (mit 20°,1 R. mittlerer Temp.) starken Niederschlags; dagegen zeigten Sommer und Herbst auf dieser Insel eine verhältnissmässig grosse Regenmenge, so dass hier eigentlich nur von einer trocknen Jahreszeit im Frühlinge, aber nicht von einer nassen gesprochen werden kann. Linao im Innern des östlichen Mindanao’s liegt in einem gegen Nordwesten hin sehr weiten offenen Thal, das gegen Osten durch eine 2–3000′ hohe Bergkette geschützt ist. Dennoch ist auch hier der Winter die eigentlich nasse Jahreszeit; aber der Nordostwind, welcher diesen Gegenden den Regen bringt, dringt hier zur Strasse von Surigao und in dem Canal zwischen Leyte, Bohol und Cebú durch und tritt nun bei Butuan als NW.- oder NNW.-Wind herein in das Land der Manobo’s. Je nach der verschiedenen Richtung der Zuflüsse des Agusan, welche bald mehr aus dem Südwesten, bald aus dem Norden oder Nordwesten kommen, schwellen dieselben durch den fallenden Regen in verschiedenster Weise an. Als ich im Jahre 1864 dieses Land im August und September, also gegen Ende des Südwest-Monsuns bereiste, waren die südwestlichen Zuflüsse alle voll von Wasser, während in dem östlichen Theile und in dem eigentlichen Agusan selbst der niedrigste Wasserstand herrschte. Nach einjährigen Beobachtungen des P. Juan Ruiz in Linao2 fielen dort im Jahre 1865 im Winter 826 Linien, im Frühling 302 L., im Sommer 265 L. und im Herbst 312 L. Unter sich verglichen fällt also hier die trockene Jahreszeit in den Sommer; aber trotzdem ist die während dieses trockenen Sommers fallende Regenmenge grösser als das Maximum

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[42/0042] Wo sich in den Visaya’s zwischen den vielen kleinen und grösseren Inseln zahlreiche Einschnitte bilden, da sind hier den Winden ebensoviele Canäle vorgezeichnet, in welchen sie nun theilweise abgelenkt werden, so dass hier die Vertheilung des Regens eine lange nicht so regelmässige sein kann, wie in Luzon, und auch die Regenwinde selbst nur selten in ihrer ursprünglichen Richtung auftreten können. So war in Bohol die Vertheilung des Regens während zweier Beobachtungsjahre eine viel weniger schroffe, wie in Manila. Im Winter fiel hier das Maximum des Regens mit 209 Linien, im Frühling das Minimum mit 50 Linien; der Sommer zeigte 199 und der Herbst 123 Lin. Regen. Während also in Manila die kalte Jahreszeit auch die trockne war, erfreute sich der Winter in Bohol (mit 20°,1 R. mittlerer Temp.) starken Niederschlags; dagegen zeigten Sommer und Herbst auf dieser Insel eine verhältnissmässig grosse Regenmenge, so dass hier eigentlich nur von einer trocknen Jahreszeit im Frühlinge, aber nicht von einer nassen gesprochen werden kann. Linao im Innern des östlichen Mindanao’s liegt in einem gegen Nordwesten hin sehr weiten offenen Thal, das gegen Osten durch eine 2–3000′ hohe Bergkette geschützt ist. Dennoch ist auch hier der Winter die eigentlich nasse Jahreszeit; aber der Nordostwind, welcher diesen Gegenden den Regen bringt, dringt hier zur Strasse von Surigao und in dem Canal zwischen Leyte, Bohol und Cebú durch und tritt nun bei Butuan als NW.- oder NNW.-Wind herein in das Land der Manobo’s. Je nach der verschiedenen Richtung der Zuflüsse des Agusan, welche bald mehr aus dem Südwesten, bald aus dem Norden oder Nordwesten kommen, schwellen dieselben durch den fallenden Regen in verschiedenster Weise an. Als ich im Jahre 1864 dieses Land im August und September, also gegen Ende des Südwest-Monsuns bereiste, waren die südwestlichen Zuflüsse alle voll von Wasser, während in dem östlichen Theile und in dem eigentlichen Agusan selbst der niedrigste Wasserstand herrschte. Nach einjährigen Beobachtungen des P. Juan Ruiz in Linao ² fielen dort im Jahre 1865 im Winter 826 Linien, im Frühling 302 L., im Sommer 265 L. und im Herbst 312 L. Unter sich verglichen fällt also hier die trockene Jahreszeit in den Sommer; aber trotzdem ist die während dieses trockenen Sommers fallende Regenmenge grösser als das Maximum

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Zitationshilfe: Semper, Karl: Die Philippinen und ihre Bewohner. Sechs Skizzen. Würzburg, 1869, S. 42. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/semper_philippinen_1869/42>, abgerufen am 16.05.2021.