Schlegel, August Wilhelm von; Schlegel, Friedrich von (Hrsg.): Athenaeum. Bd. 3. Berlin, 1800.nichts anders als der Geist jener Revoluzion, die großen Maximen derselben, die wir aus eigner Kraft und Freyheit ausüben und ausbreiten sollen, ist in theoretischer Ansicht, so groß er sich auch hier zeigt, doch nur ein Theil, ein Zweig, eine Aeußerungsart von dem Phänomene aller Phänomen, daß die Menschheit aus allen Kräften ringt, ihr Centrum zu finden. Sie muß wie die Sachen stehn, untergehn oder sich verjüngen. Was ist wahrscheinlicher, und was lä[ß]t sich nicht von einem solchen Zeitalter der Verjüngung hoffen? -- Das graue Alterthum wird wieder lebendig werden, und die fernste Zukunft der Bildung sich schon in Vorbedeutungen melden. Doch das ist nicht das, worauf es mir zunächst hier ankommt: denn ich möchte gern nichts überspringen und Euch Schritt vor Schritt bis zur Gewißheit der allerheiligsten Mysterien führen. Wie es das Wesen des Geistes ist, sich selbst zu bestimmen und im ewigen Wechsel aus sich heraus zu gehn und in sich zurückzukehren; wie jeder Gedanke nichts anders ist, als das Resultat einer solchen Thätigkeit: so ist derselbe Proceß auch im Ganzen und Großen jeder Form des Jdealismus sichtbar, der ja selbst nur die Anerkennung jenes Selbstgesetzes ist, und das neue durch die Anerkennung verdoppelte Leben, welches die geheime Kraft desselben durch die unbeschränkte Fülle neuer Erfindung, durch die allgemeine Mittheilbarkeit und durch die lebendige Wirksamkeit aufs herrlichste offenbart. Natürlich nimmt das Phänomen in jedem Jndividuum eine andre Gestalt an, wo denn oft der Erfolg hinter unsrer Erwartung zurückbleiben muß. Aber was nothwendige Gesetze nichts anders als der Geist jener Revoluzion, die großen Maximen derselben, die wir aus eigner Kraft und Freyheit ausuͤben und ausbreiten sollen, ist in theoretischer Ansicht, so groß er sich auch hier zeigt, doch nur ein Theil, ein Zweig, eine Aeußerungsart von dem Phaͤnomene aller Phaͤnomen, daß die Menschheit aus allen Kraͤften ringt, ihr Centrum zu finden. Sie muß wie die Sachen stehn, untergehn oder sich verjuͤngen. Was ist wahrscheinlicher, und was laͤ[ß]t sich nicht von einem solchen Zeitalter der Verjuͤngung hoffen? — Das graue Alterthum wird wieder lebendig werden, und die fernste Zukunft der Bildung sich schon in Vorbedeutungen melden. Doch das ist nicht das, worauf es mir zunaͤchst hier ankommt: denn ich moͤchte gern nichts uͤberspringen und Euch Schritt vor Schritt bis zur Gewißheit der allerheiligsten Mysterien fuͤhren. Wie es das Wesen des Geistes ist, sich selbst zu bestimmen und im ewigen Wechsel aus sich heraus zu gehn und in sich zuruͤckzukehren; wie jeder Gedanke nichts anders ist, als das Resultat einer solchen Thaͤtigkeit: so ist derselbe Proceß auch im Ganzen und Großen jeder Form des Jdealismus sichtbar, der ja selbst nur die Anerkennung jenes Selbstgesetzes ist, und das neue durch die Anerkennung verdoppelte Leben, welches die geheime Kraft desselben durch die unbeschraͤnkte Fuͤlle neuer Erfindung, durch die allgemeine Mittheilbarkeit und durch die lebendige Wirksamkeit aufs herrlichste offenbart. Natuͤrlich nimmt das Phaͤnomen in jedem Jndividuum eine andre Gestalt an, wo denn oft der Erfolg hinter unsrer Erwartung zuruͤckbleiben muß. 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Wie es das Wesen des Geistes ist, sich selbst zu bestimmen und im ewigen Wechsel aus sich heraus zu gehn und in sich zuruͤckzukehren; wie jeder Gedanke nichts anders ist, als das Resultat einer solchen Thaͤtigkeit: so ist derselbe Proceß auch im Ganzen und Großen jeder Form des Jdealismus sichtbar, der ja selbst nur die Anerkennung jenes Selbstgesetzes ist, und das neue durch die Anerkennung verdoppelte Leben, welches die geheime Kraft desselben durch die unbeschraͤnkte Fuͤlle neuer Erfindung, durch die allgemeine Mittheilbarkeit und durch die lebendige Wirksamkeit aufs herrlichste offenbart. Natuͤrlich nimmt das Phaͤnomen in jedem Jndividuum eine andre Gestalt an, wo denn oft der Erfolg hinter unsrer Erwartung zuruͤckbleiben muß. Aber was nothwendige Gesetze </p> </div> </div> </div> </body> </text> </TEI> [98/0106]
nichts anders als der Geist jener Revoluzion, die großen Maximen derselben, die wir aus eigner Kraft und Freyheit ausuͤben und ausbreiten sollen, ist in theoretischer Ansicht, so groß er sich auch hier zeigt, doch nur ein Theil, ein Zweig, eine Aeußerungsart von dem Phaͤnomene aller Phaͤnomen, daß die Menschheit aus allen Kraͤften ringt, ihr Centrum zu finden. Sie muß wie die Sachen stehn, untergehn oder sich verjuͤngen. Was ist wahrscheinlicher, und was laͤßt sich nicht von einem solchen Zeitalter der Verjuͤngung hoffen? — Das graue Alterthum wird wieder lebendig werden, und die fernste Zukunft der Bildung sich schon in Vorbedeutungen melden. Doch das ist nicht das, worauf es mir zunaͤchst hier ankommt: denn ich moͤchte gern nichts uͤberspringen und Euch Schritt vor Schritt bis zur Gewißheit der allerheiligsten Mysterien fuͤhren. Wie es das Wesen des Geistes ist, sich selbst zu bestimmen und im ewigen Wechsel aus sich heraus zu gehn und in sich zuruͤckzukehren; wie jeder Gedanke nichts anders ist, als das Resultat einer solchen Thaͤtigkeit: so ist derselbe Proceß auch im Ganzen und Großen jeder Form des Jdealismus sichtbar, der ja selbst nur die Anerkennung jenes Selbstgesetzes ist, und das neue durch die Anerkennung verdoppelte Leben, welches die geheime Kraft desselben durch die unbeschraͤnkte Fuͤlle neuer Erfindung, durch die allgemeine Mittheilbarkeit und durch die lebendige Wirksamkeit aufs herrlichste offenbart. Natuͤrlich nimmt das Phaͤnomen in jedem Jndividuum eine andre Gestalt an, wo denn oft der Erfolg hinter unsrer Erwartung zuruͤckbleiben muß. Aber was nothwendige Gesetze
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