Rückert, Friedrich: Die Weisheit des Brahmanen. Bd. 2. Leipzig, 1837.20. Der Zweifel treibt dich an, der Zweifel macht dich stocken, Er dient zu hemmen dich, und vorwärts dich zu locken. Der vorwärts treibende nie ruhende ist gut, Schlimm ist der stockende verstockte Zweifelmut. Daß etwas Gutes sei und Schönes zu erstreben, Dem Guten wird darob kein Zweifel sich erheben. Daß etwas Gutes schon erstrebt und Schönes sei, Dem Besten wohnt darob der größte Zweifel bei. Zu immer höhern Höhn giebt dir der Zweifel Schwung, Doch in den Abgrund stürzt dich die Verzweifelung. 21. Was unterscheidet Kunst von Wissenschaft? Das Können; Dem muß den Vorrang doch das stolze Wissen gönnen. Wohl weiß die Wissenschaft, wie etwas sollte seyn, Doch machen kann sie's nicht, das kannst du, Kunst, allein. 20. Der Zweifel treibt dich an, der Zweifel macht dich ſtocken, Er dient zu hemmen dich, und vorwaͤrts dich zu locken. Der vorwaͤrts treibende nie ruhende iſt gut, Schlimm iſt der ſtockende verſtockte Zweifelmut. Daß etwas Gutes ſei und Schoͤnes zu erſtreben, Dem Guten wird darob kein Zweifel ſich erheben. Daß etwas Gutes ſchon erſtrebt und Schoͤnes ſei, Dem Beſten wohnt darob der groͤßte Zweifel bei. Zu immer hoͤhern Hoͤhn giebt dir der Zweifel Schwung, Doch in den Abgrund ſtuͤrzt dich die Verzweifelung. 21. Was unterſcheidet Kunſt von Wiſſenſchaft? Das Koͤnnen; Dem muß den Vorrang doch das ſtolze Wiſſen goͤnnen. Wohl weiß die Wiſſenſchaft, wie etwas ſollte ſeyn, Doch machen kann ſie's nicht, das kannſt du, Kunſt, allein. <TEI> <text> <body> <div n="1"> <pb facs="#f0022" n="12"/> <div n="2"> <head>20.</head><lb/> <lg type="poem"> <lg n="1"> <l>Der Zweifel treibt dich an, der Zweifel macht dich ſtocken,</l><lb/> <l>Er dient zu hemmen dich, und vorwaͤrts dich zu locken.</l> </lg><lb/> <lg n="2"> <l>Der vorwaͤrts treibende nie ruhende iſt gut,</l><lb/> <l>Schlimm iſt der ſtockende verſtockte Zweifelmut.</l> </lg><lb/> <lg n="3"> <l>Daß etwas Gutes ſei und Schoͤnes zu erſtreben,</l><lb/> <l>Dem Guten wird darob kein Zweifel ſich erheben.</l> </lg><lb/> <lg n="4"> <l>Daß etwas Gutes ſchon erſtrebt und Schoͤnes ſei,</l><lb/> <l>Dem Beſten wohnt darob der groͤßte Zweifel bei.</l> </lg><lb/> <lg n="5"> <l>Zu immer hoͤhern Hoͤhn giebt dir der Zweifel Schwung,</l><lb/> <l>Doch in den Abgrund ſtuͤrzt dich die Verzweifelung.</l> </lg><lb/> </lg> </div> <milestone rendition="#hr" unit="section"/> <div n="2"> <head>21.</head><lb/> <lg type="poem"> <lg n="1"> <l>Was unterſcheidet Kunſt von Wiſſenſchaft? Das Koͤnnen;</l><lb/> <l>Dem muß den Vorrang doch das ſtolze Wiſſen goͤnnen.</l> </lg><lb/> <lg n="2"> <l>Wohl weiß die Wiſſenſchaft, wie etwas ſollte ſeyn,</l><lb/> <l>Doch machen kann ſie's nicht, das kannſt du, Kunſt, allein.</l> </lg><lb/> </lg> </div> <milestone rendition="#hr" unit="section"/> </div> </body> </text> </TEI> [12/0022]
20.
Der Zweifel treibt dich an, der Zweifel macht dich ſtocken,
Er dient zu hemmen dich, und vorwaͤrts dich zu locken.
Der vorwaͤrts treibende nie ruhende iſt gut,
Schlimm iſt der ſtockende verſtockte Zweifelmut.
Daß etwas Gutes ſei und Schoͤnes zu erſtreben,
Dem Guten wird darob kein Zweifel ſich erheben.
Daß etwas Gutes ſchon erſtrebt und Schoͤnes ſei,
Dem Beſten wohnt darob der groͤßte Zweifel bei.
Zu immer hoͤhern Hoͤhn giebt dir der Zweifel Schwung,
Doch in den Abgrund ſtuͤrzt dich die Verzweifelung.
21.
Was unterſcheidet Kunſt von Wiſſenſchaft? Das Koͤnnen;
Dem muß den Vorrang doch das ſtolze Wiſſen goͤnnen.
Wohl weiß die Wiſſenſchaft, wie etwas ſollte ſeyn,
Doch machen kann ſie's nicht, das kannſt du, Kunſt, allein.
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