Ramdohr, Friedrich Wilhelm Basilius von: Über Mahlerei und Bildhauerarbeit in Rom für Liebhaber des Schönen in der Kunst. T. 2. Leipzig, 1787.Pallast Boccapaduli. ten, die wenn sie nicht zum Talent des Künstlers ge-hörten, dennoch Anspruch auf die Stelle eines Cere- monienmeisters hätten geben können: ich meine Ge- dächtniß, und Fleiß im Nachforschen, wie es ehe- mals gehalten sey: Allein seitdem wir mehrere Werke über das Uebliche haben, 2) in denen dem Künstler vorgearbeitet, für ihn zusammen getragen ist, so be- darf es um Meister in diesem Fache zu seyn, nur einer Fertigkeit im Nachschlagen, mithin ist die Be- obachtung des Ueblichen jetzt eine wahre Erbärm- lichkeit. das Uebliche nicht mit hi- storischer Treue ver- wechseln. Bei allem Fleiße den aber der Künstler auf das Ich kann es nicht genung dem Künstler sagen, nicht 2) Die beiden brauchbarsten für den Künstler schei-
nen: Costume des anciens Peuples par Bardon: und le Costume des Peuples de l' antiquite, prouve par les Monumens, par Andre Lens Peintre, zu seyn. Von diesem letzten ist die neue- ste Edition 1785. zu Dresden mit Zusätzen und Be- richtigungen von G. H. Martini herausgekommen. Pallaſt Boccapaduli. ten, die wenn ſie nicht zum Talent des Kuͤnſtlers ge-hoͤrten, dennoch Anſpruch auf die Stelle eines Cere- monienmeiſters haͤtten geben koͤnnen: ich meine Ge- daͤchtniß, und Fleiß im Nachforſchen, wie es ehe- mals gehalten ſey: Allein ſeitdem wir mehrere Werke uͤber das Uebliche haben, 2) in denen dem Kuͤnſtler vorgearbeitet, fuͤr ihn zuſammen getragen iſt, ſo be- darf es um Meiſter in dieſem Fache zu ſeyn, nur einer Fertigkeit im Nachſchlagen, mithin iſt die Be- obachtung des Ueblichen jetzt eine wahre Erbaͤrm- lichkeit. das Uebliche nicht mit hi- ſtoriſcher Treue ver- wechſeln. Bei allem Fleiße den aber der Kuͤnſtler auf das Ich kann es nicht genung dem Kuͤnſtler ſagen, nicht 2) Die beiden brauchbarſten fuͤr den Kuͤnſtler ſchei-
nen: Coſtume des anciens Peuples par Bardon: und le Coſtume des Peuples de l’ antiquité, prouvé par les Monumens, par André Lens Peintre, zu ſeyn. Von dieſem letzten iſt die neue- ſte Edition 1785. zu Dresden mit Zuſaͤtzen und Be- richtigungen von G. H. Martini herausgekommen. <TEI> <text> <body> <div n="1"> <p><pb facs="#f0246" n="232"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Pallaſt Boccapaduli.</hi></fw><lb/> ten, die wenn ſie nicht zum Talent des Kuͤnſtlers ge-<lb/> hoͤrten, dennoch Anſpruch auf die Stelle eines Cere-<lb/> monienmeiſters haͤtten geben koͤnnen: ich meine Ge-<lb/> daͤchtniß, und Fleiß im Nachforſchen, wie es ehe-<lb/> mals gehalten ſey: Allein ſeitdem wir mehrere Werke<lb/> uͤber das Uebliche haben, <note place="foot" n="2)">Die beiden brauchbarſten fuͤr den Kuͤnſtler ſchei-<lb/> nen: <hi rendition="#aq">Coſtume des anciens Peuples par Bardon:</hi><lb/> und <hi rendition="#aq">le Coſtume des Peuples de l’ antiquité,<lb/> prouvé par les Monumens, par André Lens<lb/> Peintre,</hi> zu ſeyn. Von dieſem letzten iſt die neue-<lb/> ſte Edition 1785. zu Dresden mit Zuſaͤtzen und Be-<lb/> richtigungen von G. H. Martini herausgekommen.</note> in denen dem Kuͤnſtler<lb/> vorgearbeitet, fuͤr ihn zuſammen getragen iſt, ſo be-<lb/> darf es um Meiſter in dieſem Fache zu ſeyn, nur<lb/> einer Fertigkeit im Nachſchlagen, mithin iſt die Be-<lb/> obachtung des Ueblichen jetzt eine wahre Erbaͤrm-<lb/> lichkeit.</p><lb/> <note place="left">Man darf<lb/> das Uebliche<lb/> nicht mit hi-<lb/> ſtoriſcher<lb/> Treue ver-<lb/> wechſeln.</note> <p>Bei allem Fleiße den aber der Kuͤnſtler auf das<lb/> Uebliche wendet, vernachlaͤſſige er nie die Grundſaͤtze<lb/> der Wahrheit und der Schoͤnheit, und verwechſele<lb/> es nie mit hiſtoriſcher Treue. Er darf von dem als<lb/> wahr erkannten nur dasjenige zur Anwendung brin-<lb/> gen, was ohne Nachtheil fuͤr mahleriſche Wuͤrkung,<lb/> Verſtaͤndlichkeit und Ruͤhrung, in Anwendung ge-<lb/> bracht werden kann.</p><lb/> <p>Ich kann es nicht genung dem Kuͤnſtler ſagen,<lb/> er mahlt weniger fuͤr den Verſtand, als fuͤr das<lb/> Herz und die Einbildungskraft der Zuſchauer. Die<lb/> untern Seelenkraͤfte ſind es, auf die er wuͤrken ſoll,<lb/> <fw place="bottom" type="catch">nicht</fw><lb/></p> </div> </body> </text> </TEI> [232/0246]
Pallaſt Boccapaduli.
ten, die wenn ſie nicht zum Talent des Kuͤnſtlers ge-
hoͤrten, dennoch Anſpruch auf die Stelle eines Cere-
monienmeiſters haͤtten geben koͤnnen: ich meine Ge-
daͤchtniß, und Fleiß im Nachforſchen, wie es ehe-
mals gehalten ſey: Allein ſeitdem wir mehrere Werke
uͤber das Uebliche haben, 2) in denen dem Kuͤnſtler
vorgearbeitet, fuͤr ihn zuſammen getragen iſt, ſo be-
darf es um Meiſter in dieſem Fache zu ſeyn, nur
einer Fertigkeit im Nachſchlagen, mithin iſt die Be-
obachtung des Ueblichen jetzt eine wahre Erbaͤrm-
lichkeit.
Bei allem Fleiße den aber der Kuͤnſtler auf das
Uebliche wendet, vernachlaͤſſige er nie die Grundſaͤtze
der Wahrheit und der Schoͤnheit, und verwechſele
es nie mit hiſtoriſcher Treue. Er darf von dem als
wahr erkannten nur dasjenige zur Anwendung brin-
gen, was ohne Nachtheil fuͤr mahleriſche Wuͤrkung,
Verſtaͤndlichkeit und Ruͤhrung, in Anwendung ge-
bracht werden kann.
Ich kann es nicht genung dem Kuͤnſtler ſagen,
er mahlt weniger fuͤr den Verſtand, als fuͤr das
Herz und die Einbildungskraft der Zuſchauer. Die
untern Seelenkraͤfte ſind es, auf die er wuͤrken ſoll,
nicht
2) Die beiden brauchbarſten fuͤr den Kuͤnſtler ſchei-
nen: Coſtume des anciens Peuples par Bardon:
und le Coſtume des Peuples de l’ antiquité,
prouvé par les Monumens, par André Lens
Peintre, zu ſeyn. Von dieſem letzten iſt die neue-
ſte Edition 1785. zu Dresden mit Zuſaͤtzen und Be-
richtigungen von G. H. Martini herausgekommen.
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