Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Pütter, Johann Stephan: Historische Entwickelung der heutigen Staatsverfassung des Teutschen Reichs. Bd. 2: Von 1558 bis 1740. Göttingen, 1786.

Bild:
<< vorherige Seite

Wenn die historische Entwickelung der heutigen
Staatsverfassung des Teutschen Reichs, wo-
von ich hier den zweyten Theil liefere, ihrer Absicht
und erhabenen Veranlaßung nur einigermaßen ein
Gnüge leisten sollte; so brachte es die Natur der
Sache mit sich, daß die hier in Betrachtung kom-
menden Gegenstände mit dem Fortgange der Zeiten
immer zahlreicher wurden, und, je neuer sie sind, je
unmittelbarer sie auf unsern jetzigen Zustand wirken,
desto ausführlicher sie behandelt, desto heller sie ins
Licht gesetzt werden mußten; -- so wie in einer per-
spectivischen Aussicht die uns näheren Gegenstände
sich unserm Auge ungleich genauer und entwickelter
darstellen als die entferntern. -- Das ist die Ur-
sache, warum dieser zweyte Theil kaum einen Zeit-
raum von zwey Jahrhunderten fassen konnte, an
statt daß der erste Theil, ohne an der Bogenzahl
größer zu seyn, sich über sechzehn Jahrhunderte hin-
aus erstreckte, -- freylich je höher über unsere Zei-
ten hinauf, desto gedrängter, desto weniger mit

Dar-
a 2

Wenn die hiſtoriſche Entwickelung der heutigen
Staatsverfaſſung des Teutſchen Reichs, wo-
von ich hier den zweyten Theil liefere, ihrer Abſicht
und erhabenen Veranlaßung nur einigermaßen ein
Gnuͤge leiſten ſollte; ſo brachte es die Natur der
Sache mit ſich, daß die hier in Betrachtung kom-
menden Gegenſtaͤnde mit dem Fortgange der Zeiten
immer zahlreicher wurden, und, je neuer ſie ſind, je
unmittelbarer ſie auf unſern jetzigen Zuſtand wirken,
deſto ausfuͤhrlicher ſie behandelt, deſto heller ſie ins
Licht geſetzt werden mußten; — ſo wie in einer per-
ſpectiviſchen Ausſicht die uns naͤheren Gegenſtaͤnde
ſich unſerm Auge ungleich genauer und entwickelter
darſtellen als die entferntern. — Das iſt die Ur-
ſache, warum dieſer zweyte Theil kaum einen Zeit-
raum von zwey Jahrhunderten faſſen konnte, an
ſtatt daß der erſte Theil, ohne an der Bogenzahl
groͤßer zu ſeyn, ſich uͤber ſechzehn Jahrhunderte hin-
aus erſtreckte, — freylich je hoͤher uͤber unſere Zei-
ten hinauf, deſto gedraͤngter, deſto weniger mit

Dar-
a 2
<TEI>
  <text>
    <front>
      <pb facs="#f0011"/>
      <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
      <div n="1">
        <head/>
        <p><hi rendition="#in">W</hi>enn die hi&#x017F;tori&#x017F;che Entwickelung der heutigen<lb/>
Staatsverfa&#x017F;&#x017F;ung des Teut&#x017F;chen Reichs, wo-<lb/>
von ich hier den zweyten Theil liefere, ihrer Ab&#x017F;icht<lb/>
und erhabenen Veranlaßung nur einigermaßen ein<lb/>
Gnu&#x0364;ge lei&#x017F;ten &#x017F;ollte; &#x017F;o brachte es die Natur der<lb/>
Sache mit &#x017F;ich, daß die hier in Betrachtung kom-<lb/>
menden Gegen&#x017F;ta&#x0364;nde mit dem Fortgange der Zeiten<lb/>
immer zahlreicher wurden, und, je neuer &#x017F;ie &#x017F;ind, je<lb/>
unmittelbarer &#x017F;ie auf un&#x017F;ern jetzigen Zu&#x017F;tand wirken,<lb/>
de&#x017F;to ausfu&#x0364;hrlicher &#x017F;ie behandelt, de&#x017F;to heller &#x017F;ie ins<lb/>
Licht ge&#x017F;etzt werden mußten; &#x2014; &#x017F;o wie in einer per-<lb/>
&#x017F;pectivi&#x017F;chen Aus&#x017F;icht die uns na&#x0364;heren Gegen&#x017F;ta&#x0364;nde<lb/>
&#x017F;ich un&#x017F;erm Auge ungleich genauer und entwickelter<lb/>
dar&#x017F;tellen als die entferntern. &#x2014; Das i&#x017F;t die Ur-<lb/>
&#x017F;ache, warum die&#x017F;er zweyte Theil kaum einen Zeit-<lb/>
raum von zwey Jahrhunderten fa&#x017F;&#x017F;en konnte, an<lb/>
&#x017F;tatt daß der er&#x017F;te Theil, ohne an der Bogenzahl<lb/>
gro&#x0364;ßer zu &#x017F;eyn, &#x017F;ich u&#x0364;ber &#x017F;echzehn Jahrhunderte hin-<lb/>
aus er&#x017F;treckte, &#x2014; freylich je ho&#x0364;her u&#x0364;ber un&#x017F;ere Zei-<lb/>
ten hinauf, de&#x017F;to gedra&#x0364;ngter, de&#x017F;to weniger mit<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">a 2</fw><fw place="bottom" type="catch">Dar-</fw><lb/></p>
      </div>
    </front>
  </text>
</TEI>
[0011] Wenn die hiſtoriſche Entwickelung der heutigen Staatsverfaſſung des Teutſchen Reichs, wo- von ich hier den zweyten Theil liefere, ihrer Abſicht und erhabenen Veranlaßung nur einigermaßen ein Gnuͤge leiſten ſollte; ſo brachte es die Natur der Sache mit ſich, daß die hier in Betrachtung kom- menden Gegenſtaͤnde mit dem Fortgange der Zeiten immer zahlreicher wurden, und, je neuer ſie ſind, je unmittelbarer ſie auf unſern jetzigen Zuſtand wirken, deſto ausfuͤhrlicher ſie behandelt, deſto heller ſie ins Licht geſetzt werden mußten; — ſo wie in einer per- ſpectiviſchen Ausſicht die uns naͤheren Gegenſtaͤnde ſich unſerm Auge ungleich genauer und entwickelter darſtellen als die entferntern. — Das iſt die Ur- ſache, warum dieſer zweyte Theil kaum einen Zeit- raum von zwey Jahrhunderten faſſen konnte, an ſtatt daß der erſte Theil, ohne an der Bogenzahl groͤßer zu ſeyn, ſich uͤber ſechzehn Jahrhunderte hin- aus erſtreckte, — freylich je hoͤher uͤber unſere Zei- ten hinauf, deſto gedraͤngter, deſto weniger mit Dar- a 2

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/puetter_staatsverfassung02_1786
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/puetter_staatsverfassung02_1786/11
Zitationshilfe: Pütter, Johann Stephan: Historische Entwickelung der heutigen Staatsverfassung des Teutschen Reichs. Bd. 2: Von 1558 bis 1740. Göttingen, 1786, S. . In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/puetter_staatsverfassung02_1786/11>, abgerufen am 24.02.2024.