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Jean Paul: Die unsichtbare Loge. Bd. 2. Berlin, 1793.

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schweren haben, aber vielleicht der Maler über den
Bildhauer; vielleicht hat auch bloß der Frost diese
Venus ein wenig verdorben." Die Residentin mach¬
te durch ihr Lachen und ihr witziges Anblicken
Gustavs ein Bonmot daraus, sie ein wenig roth,
ihn flammendroth, sie durch letzteres wieder rö¬
ther und vollends durch die Antwort: "So würde
mein Bruder auch denken, wenn er die Venus
so bekäme: Sie thun mir aber den Gefallen, mei¬
ne Liebe, und sitzen unserem H. Maler mit, so
kömmt in unsern Park eine schönere Venus. Es
ist mein Ernst. Die zwei nächsten Morgen geben
Sie unsern Gesichtern, H. v. F.!" Die Gute
schwieg; Gustav, der schon eingewilligt hatte,
mit seinem Pinsel Bousens Antlitz zu verdoppeln,
wäre bei einem Haare mit der Anmerkung losge¬
brochen, Beaten ihres vermög' er nicht mit seinem
nachzudrucken. Zum Glück fiel ihm ein, daß sie
sich zur Tafel ankleiden würde -- -- (Am Sonn¬
tag über acht Tage muß ich meinen Sektor mit
"Denn" anfangen -- --).


ſchweren haben, aber vielleicht der Maler uͤber den
Bildhauer; vielleicht hat auch bloß der Froſt dieſe
Venus ein wenig verdorben.” Die Reſidentin mach¬
te durch ihr Lachen und ihr witziges Anblicken
Guſtavs ein Bonmot daraus, ſie ein wenig roth,
ihn flammendroth, ſie durch letzteres wieder roͤ¬
ther und vollends durch die Antwort: „So wuͤrde
mein Bruder auch denken, wenn er die Venus
ſo bekaͤme: Sie thun mir aber den Gefallen, mei¬
ne Liebe, und ſitzen unſerem H. Maler mit, ſo
koͤmmt in unſern Park eine ſchoͤnere Venus. Es
iſt mein Ernſt. Die zwei naͤchſten Morgen geben
Sie unſern Geſichtern, H. v. F.!” Die Gute
ſchwieg; Guſtav, der ſchon eingewilligt hatte,
mit ſeinem Pinſel Bouſens Antlitz zu verdoppeln,
waͤre bei einem Haare mit der Anmerkung losge¬
brochen, Beaten ihres vermoͤg' er nicht mit ſeinem
nachzudrucken. Zum Gluͤck fiel ihm ein, daß ſie
ſich zur Tafel ankleiden wuͤrde — — (Am Sonn¬
tag uͤber acht Tage muß ich meinen Sektor mit
„Denn” anfangen — —).


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[0046] ſchweren haben, aber vielleicht der Maler uͤber den Bildhauer; vielleicht hat auch bloß der Froſt dieſe Venus ein wenig verdorben.” Die Reſidentin mach¬ te durch ihr Lachen und ihr witziges Anblicken Guſtavs ein Bonmot daraus, ſie ein wenig roth, ihn flammendroth, ſie durch letzteres wieder roͤ¬ ther und vollends durch die Antwort: „So wuͤrde mein Bruder auch denken, wenn er die Venus ſo bekaͤme: Sie thun mir aber den Gefallen, mei¬ ne Liebe, und ſitzen unſerem H. Maler mit, ſo koͤmmt in unſern Park eine ſchoͤnere Venus. Es iſt mein Ernſt. Die zwei naͤchſten Morgen geben Sie unſern Geſichtern, H. v. F.!” Die Gute ſchwieg; Guſtav, der ſchon eingewilligt hatte, mit ſeinem Pinſel Bouſens Antlitz zu verdoppeln, waͤre bei einem Haare mit der Anmerkung losge¬ brochen, Beaten ihres vermoͤg' er nicht mit ſeinem nachzudrucken. Zum Gluͤck fiel ihm ein, daß ſie ſich zur Tafel ankleiden wuͤrde — — (Am Sonn¬ tag uͤber acht Tage muß ich meinen Sektor mit „Denn” anfangen — —).

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Zitationshilfe: Jean Paul: Die unsichtbare Loge. Bd. 2. Berlin, 1793, S. . In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/paul_loge02_1793/46>, abgerufen am 24.02.2024.