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Jean Paul: Die unsichtbare Loge. Bd. 2. Berlin, 1793.

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Darwider hatte die Residentin nichts -- sie
konnte auf die nämliche Weise durchflechten -- dar¬
wider hatt' er nichts.

In diesen kurzen Ehen thun die Großen viel¬
leicht manches Gute, über das Moralisten wegse¬
hen, die lieber ihre Druckbögen als die Popula¬
tionstabellen
voll haben wollen. Gleich jun¬
gen Autoren laßen junge Große ihre ersten Eben¬
bilder anonym oder unter geborgten Namen er¬
scheinen; und ich kann zu Montesquieu's Bemer¬
kung, daß das Namengeben der Bevölkerung
nütze, weil jeder seinen fortzupflanzen trachte,
nichts setzen als meine eigne, daß die Namen¬
losigkeit
ihr noch besser forthelfe. In der That
geht es hierin den erhabensten Personen, wie den
griechischen Künstlern, die unter die schönsten
Statuen, womit ihre Hand Tempel und We¬
ge
ausschmückte, ihren Vaternamen nicht setzen
durften; indessen findet der pfiffige Phidias auch
seine Nachahmer, der statt des Namens sein
altes Gesicht an der Statue Minervens ein¬
machte.

Der Fürst hatte im Sinn, Beaten, die ihm
zu viel Unschuld und zu wenig Koketterie zu haben

2. Theil. B

Darwider hatte die Reſidentin nichts — ſie
konnte auf die naͤmliche Weiſe durchflechten — dar¬
wider hatt' er nichts.

In dieſen kurzen Ehen thun die Großen viel¬
leicht manches Gute, uͤber das Moraliſten wegſe¬
hen, die lieber ihre Druckboͤgen als die Popula¬
tionstabellen
voll haben wollen. Gleich jun¬
gen Autoren laßen junge Große ihre erſten Eben¬
bilder anonym oder unter geborgten Namen er¬
ſcheinen; und ich kann zu Monteſquieu's Bemer¬
kung, daß das Namengeben der Bevoͤlkerung
nuͤtze, weil jeder ſeinen fortzupflanzen trachte,
nichts ſetzen als meine eigne, daß die Namen¬
loſigkeit
ihr noch beſſer forthelfe. In der That
geht es hierin den erhabenſten Perſonen, wie den
griechiſchen Kuͤnſtlern, die unter die ſchoͤnſten
Statuen, womit ihre Hand Tempel und We¬
ge
ausſchmuͤckte, ihren Vaternamen nicht ſetzen
durften; indeſſen findet der pfiffige Phidias auch
ſeine Nachahmer, der ſtatt des Namens ſein
altes Geſicht an der Statue Minervens ein¬
machte.

Der Fuͤrſt hatte im Sinn, Beaten, die ihm
zu viel Unſchuld und zu wenig Koketterie zu haben

2. Theil. B
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[17/0027] Darwider hatte die Reſidentin nichts — ſie konnte auf die naͤmliche Weiſe durchflechten — dar¬ wider hatt' er nichts. In dieſen kurzen Ehen thun die Großen viel¬ leicht manches Gute, uͤber das Moraliſten wegſe¬ hen, die lieber ihre Druckboͤgen als die Popula¬ tionstabellen voll haben wollen. Gleich jun¬ gen Autoren laßen junge Große ihre erſten Eben¬ bilder anonym oder unter geborgten Namen er¬ ſcheinen; und ich kann zu Monteſquieu's Bemer¬ kung, daß das Namengeben der Bevoͤlkerung nuͤtze, weil jeder ſeinen fortzupflanzen trachte, nichts ſetzen als meine eigne, daß die Namen¬ loſigkeit ihr noch beſſer forthelfe. In der That geht es hierin den erhabenſten Perſonen, wie den griechiſchen Kuͤnſtlern, die unter die ſchoͤnſten Statuen, womit ihre Hand Tempel und We¬ ge ausſchmuͤckte, ihren Vaternamen nicht ſetzen durften; indeſſen findet der pfiffige Phidias auch ſeine Nachahmer, der ſtatt des Namens ſein altes Geſicht an der Statue Minervens ein¬ machte. Der Fuͤrſt hatte im Sinn, Beaten, die ihm zu viel Unſchuld und zu wenig Koketterie zu haben 2. Theil. B

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Zitationshilfe: Jean Paul: Die unsichtbare Loge. Bd. 2. Berlin, 1793, S. 17. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/paul_loge02_1793/27>, abgerufen am 21.02.2024.