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St. Galler Volksblatt. Nr. 47, Uznach, 14. 06. 1899.

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[Spaltenumbruch] auf dem Felde arbeiten. Alles zieht in die Stadt oder in die
Fabrik, und so ist man oft froh, Italiener für landwirtschaftliche
Arbeiten zu bekommen. Unter den Italienern befinden sich
große Massen von fleißigen, tüchtigen, sparsamen Leuten; aber
auch gar viele verdächtige und schlimme Elemente, welche in ge-
wissen Kantonen, so namentlich in Zürich, fortwährend die Ge-
richte beschäftigen und die Gefängnisse füllen. Aber wie ankehren,
um die guten, brauchbaren italienischen Einwanderer von den
Gaunern und Verbrechern zu unterscheiden? Bekanntlich liegt
das Schriftenwesen in Bezug auf die Italiener sehr im Argen.
Viele Italiener besitzen falsche Papiere und es gibt gegenwärtig
kein Mittel, um diese falschen Papiere von echten unterscheiden
zu können. Der Nationalrat entschied, es soll durch einen
Vertrag zwischen Italien und der Schweiz dafür Sorge getragen
werden, daß eine bessere Schriftenkontrole möglich sei, nament-
lich soll man sich Gewißheit verschaffen können, daß der Inhaber
einer Ausweisschrift auch wirklich die Person ist, auf welche sich
die Ausweisschrift bezieht. Ein gutes Wort wurde im Stände-
rat
von Ständerat v. Arx von Solothurn gesprochen. Er sagte,
wir Schweizer gründen zu viel, bauen zu viel und verjubeln
zu viel
. Sehr richtig. Die Festseuche ist nachgerade zu einem
Krebsübel geworden in unserem Lande. Welche Unsummen Geld
werden hiebei ausgegeben, welche Schäden an Leib und Seele
entstehen dabei, welche Verluste an Arbeit und Gesundheit. Da-
rüber ist jedermann einig, namentlich alle Pfarrer und Schullehrer,
alle diejenigen, welche mit dem Armenwesen etwas zu thun
haben. Das hindert aber nicht, daß jeder, der die maßlose Zahl
von Festlichkeiten und Vergnügungen verurteilt, stets eine Aus-
nahme macht für seine eigenen festlichen Liebhabereien. Mit dem
Gelde, das an Festen verjubelt wird, könnte man den größten
Teil der Steuern decken.

Für den Bau einer Telephonremise in Zürich hat der
Ständerat Fr. 162 000 bewilligt. Chur soll in den nächsten
Jahren ebenfalls ein neues Postgebäude für 800 000 Franken er-
halten. Für solche Bauten hat die Eidgenossenschaft immer
Geld genug.

In der nächsten Woche wird der Nationalrat die Beratung
eines neuen Bankgesetzes an die Hand nehmen, nach dem bekannt-
lich das erste Bankgesetz mit so entschiedener Mehrheit vom Volke
verworfen worden ist. Die Aussichten für das neue Gesetz sind
kaum günstiger. Die eidgenössische Gesetzgebungsmaschine arbeitet
gegenwärtig nicht nach dem Gefallen des Volkes.




Die Lehrerzeitung

bringt falsche Anklagen gegen die hl. katholische Kirche vor, die
geradezu haarsträubend sind. Anno 1896 gab ein Korrespondent
dieses "toleranten" Blattes seiner kondensierten Abneig-
ung
gegen die katholischen Glaubenslehren Ausdruck, indem er
schrieb, daß die kirchlichen "Dogmen rein menschlichen Ursprungs
sind, fein ausgedacht und vereinbart, um die Menschen in Un-
selbständigkeit zu erhalten und lenksam zu machen. Diesem Dogmen-
christentum, das durch lange Jahrhunderte so viel Hader, Blut-
gießen, Jammer und Menschenelend über die Welt gebracht, war
Pestalozzi allerdings abhold".

Solch blöden, gehässigen Angriffen der "Lehrerzeitung"
muß jeder christliche, vernünftige, tolerante Lehrer auch "abhold"
sein. Ob solche ungerechte, ungeheuerliche Pauschalverleumd-
ungen
gegen die katholische Kirche aus Unwissenheit oder
Haß hervorgehen, weiß ich nicht. In jedem Fall ist es lächer-
lich, wenn ein Verteidiger der "Lehrerzeitung" im radikalen
"Luzerner Tagblatt" (Nr. 106/1899) dieselbe als ein für die
Lehrer unentbehrliches tolerantes "Fachblatt" anpreist. Bewahre
Gott die jungen Seminaristen und lieben Amtskollegen im ver-
antwortungsvollen Lehrerberuf vor den kirchenfeindlichen, darwi-
nistischen Ideen dieses "Fachblattes"!

Wie viel edler und gerechter urteilt der Protestant
Huber über die katholische Kirche:

"Ich verehre die katholische Kirche als das eigent-
liche Bollwerk des Cristentums und erbaue mich an
ihrer Fürsorge für die leidende Menschheit
so sehr,
wie nur jemand sich erbauen kann."

Und Rohrbach widerlegt ähnliche ungerechte Anschuldig-
ungen gegen Papst Gregor VII. durch Aussprüche des Pro-
testanten
Leibnitz und des Kirchenfeindes Voltaire:

"Hört es," ruft er aus, "Katholiken, der Protestant
und der Gottlose erheben ihre Stimme,
um euere
Mutter, die Kirche, zu verteidigen, die ihr selbst mit
frechen Beschuldigungen zerfleischt und euren Vater zu rechtfertigen,
das Oberhaupt derselben. Ihr verschreiet diese väterliche Ge-
walt der Päpste über die Könige
als alle Ordnung und
Gesellschaft umkehrend und Voltaire erklärt sie als notwendig für
die Sicherheit des menschlichen Geschlechts; ohne sie gäbe es keine
Bürgschaft für das Leben der Völker, ihr sagt und bringt es
hundertmal wieder, daß die Päpste diese Gewalt nur mit allge-
mein verhaßter Anmaßung ausgeübt haben und Leibnitz be-
zeugt, daß sie es mit allgemeiner Billigung und
dem Beifall der Völker thaten
. Ihr versichert, daß der
Gebrauch, den Gregor VII. und seine Nachfolger hievon gemacht
haben, nur Bruderkriege und Blutströme hervorgerufen, und die
berühmtesten Protestanten wiederholen um die
Wette, daß ohne Gregor und seine Nachahmer die
Welt verloren gewesen wäre, und daß ihre väter-
lichen Hände die Tyrannei zügelten, die über die
ganze Erde loszubrechen drohte, daß sie dem Unter-
drücker sein Opfer entrissen, daß sie die Freiheit
aller Staaten großzogen
."

O arme "Lehrerzeitung", das hättest du schon vor 60 Jahren
lesen können, dann hättest du in der Gegenwart vielleicht nicht
solche Irrtümer gedruckt, die von einigen tausend Pestalozzi-
jüngern gelesen und in dieser oder jener Form vor hundert-
tausend Kindern
verzapft werden!!! Aber vor 60 Jahren
lag die "Lehrerzeitung" samt ihrem Vater, dem Lehrerverein,
noch kaum in den Windeln, und die katholische Kirche
feiert nächstes Jahr das
1900jährige Jubiläum ihrer
Wirksamkeit in Staat, Familie und Schule. -- Der schlichte,
heiligmäßige Priester Don Bosco in Italien hat innert
50 Jahren 80 Millionen Lire gesammelt für die
Erziehung armer Knaben!
-- Unsere radikalen Lehrer
schreien lieber nach Bundessubventionen, das geht leichter als
selber Geld sammeln, wie dieser katholische Priester, und wenn
die Schule einmal unter der Staatsknute ist, kann man sie
leicht zum Brutnest eines glaubenslosen Geschlechtes
machen
.

Wenn trotz obigen Angriffen katholische Pädagogen
die "Lehrerzeitung" moralisch oder finanziell unterstützen, dann
-- -- -- lachen die Kirchenfeinde mit Recht über solche Thoren!!!

Ein Kellnerjünger.


[Spaltenumbruch]
Eidgenössisches.



-- "Etwas Wahres ist daran!"

Unter dieser Aufschrift
lesen wir in Nr. 128 der "Ostschweiz" folgendes:

"Das neueste Finanzbülletin des Hauses Duval u. Cie. in Genf
macht bittere Bemerkungen zu dem 15 Millionen Pariser Anleihen des
Kantons Bern. Es sei, heißt es dort, immer Bern, von dem das Bei-
spiel der Anleihen im Auslande ausgehe. Die Gefahr liege darin, daß,
infolge eines gedrückten Zinsfußes, ein solches Anleihen ausschließlich von
unseren reichen und mächtigen Nachbarn gezeichnet wird. "Wenn ein in
Gold zahibares Anleihen von Landsleuten übernommen wird -- heißt es
dann weiter -- so hat die Goldzahlung keinen Einfluß auf den Wechsel-
kurs, obwohl Dank unserer Valuta die Coupons im Auslande einkassiert
werden. Das Gold, welches der schweizerische Schuldner zum Zwecke der
Zahlungen exportieren muß, kehrt durch den Kanal der einheimischen
Gläubiger ins Land zurück, und einzig trägt der schuldnerische Staat den
Kursverlust, der teilweise kompensiert wird durch den relativ niedrigen
Zinsfuß. Wird aber ein solches Anleihen nur im Auslande gezeichnet, so
haben wir zum Kursverlust eine wahre Goldverblutung, die Goldausfuhr
ohne Rückkehr. Wann wird der Patriotismus auch in solchen Fragen er-
wachen? Will man warten, bis das Uebel unheilbar geworden und die
geschicktesten Aerzte ratlos dastehen? Jedesmal bei einem Anleihen im
Auslande sollte man die Sturmglocken läuten, denn das Vaterland ist
wirklich in Gefahr. Die wirtschaftliche Unabhängigkeit thut einem Lande
gerade so not als die politische."

"Duval u. Cie. tragen hier ein wenig stark auf; etwas Wahres ist
darum doch daran," bemerkt dazu die "Ostschweiz" selbst.

Das "Volksblatt" bekommt hier abermals wieder eine Sa-
tisfaktion und zwar gerade von derjenigen Seite, die bisher nicht
genug die Lobeshymne auf den "unbegrenzten Kredit" der
Eidgenossenschaft besingen konnte und mit demselben nicht bloß
die Eisenbahnen der Schweiz, sondern fast der ganzen Welt hätte
zusammenkaufen mögen. Geld gäbs ja im schlimmsten Falle zu
31/2 Prozent in Hülle und Fülle, und da ließe sich ein Ge-
schäftchen machen, daß in wenigen Jahrzehnten allen Eidgenossen
die gebratenen Tauben in den Mund flögen. Nur immer drauf
losgepumpt; das Geld ist ja nur Chimäre! Das Geld holt man
nur im Auslande, in Paris, London, Frankfurt, Berlin u. s. w.
Was machts, wenn wir dem Auslande tributpflichtig werden!
So redeten die leichtfertigen Tagespolitiker, die gar nicht weiter
denken, als die Nase reicht. Schon wiederholt ist von dieser Seite
auf die Gefahren unserer Pump- und Papiergeldwirtschaft --
"dem heimlichen Wucher" nach Leo XIII., aufmerksam gemacht
worden, weil diese modernen Schuldscheine nur zum geringen
Teile von Bargeld gedeckt sind. Allein es half nichts, die offizielle
Falschmünzerei wird fortgesetzt und so auch das Schuldenmachen
im Auslande, bis es eines schönen morgens heißt: "Alle die-
jenigen, welche" etc. Dann steckt das gepriesene Vaterland in den
Hosen eines Schuldenbäuerleins, dessen Gläubiger die fremd-
ländischen Staaten, Banken und Juden sind. Jetzt schon nimmt
man unsere Banknoten draußen nicht mehr für vollwertig, so daß
diese allmählich von Stufe zu Stufe sinken werden, bis wir in
Finanzsachen in italienische Zustände verfallen. Man sieht mit
Schrecken, daß nicht bloß das Gold, sondern selbst das Silber
ins Ausland abfließt und die Banken in Verlegenheit kommen,
ihre Verpflichtungen in Bargeld einzulösen. Was solls denn
werden, wenn Städte, Kantone und schließlich die Eidgenossen-
schaft selbst ihre Zinsen alljährlich ins Ausland tragen müssen?
Immer macht man den Leuten die Ohren voll von "groß", "groß"
und "Großmacht" und will den Frosch zum Ochsen aufblasen,
bis der Refrain einmal lautet: "Großhänsli, bezahle deine Schulden,
oder --!" Früher, da die Schweiz in ideeller Beziehung wirklich
groß war, da war "Demut" das leitende Prinzip in der Politik
und es galt als Akt der Klugheit und der Freiheit, sich nicht
in fremde Händel zu
mischen. Jetzt ists umgekehrt, jetzt pre-
digt man auch "grande nation!" Großmacht hinten und vorn.
Man scharwenzelt nach allen Höfen und kriecht selbst vor einem
asiatisch-heidnischen Despoten auf dem Bauche, ladet die fremden
Militärobersten zu unseren Truppenschauspielen ein, um ihnen zu
zeigen, wie unsere Sennenbuben auch rechts- und linksumkehrt
zu machen und den Schießprügel zu präsentieren gelehrt worden
seien. Die "Prussien" und die Franzosen und die Russen sollen
also nur kommen, man werde ihnen dann schon zeigen, wo Barthle
den Most holt. Wir sehen aber, daß diese Großsprechereien uns
nicht nur um unser Geld und Vermögen bringt, sondern sie wird
uns auch um unsere gepriesene Freiheit bringen, denn "Hoch-
mut kommt vor dem Fall,"
und "den Hochmütigen wider-
stehet Gott!"

"Wir gehen der Verschuldung und Verarmung entgegen,"
hat dieser Tage selbst der radikale Hr. Nationalrat v. Arx in
Bern gerufen, "wenn nicht Umkehr gehalten werde." "Wir
gründen zu viel, wir verbauen zu viel, wir ver-
jubeln zu viel
."

Ja! "Etwas Wahres ist daran," sagen auch wir mit unserer
Freundin von der Steinach, die hie und da doch wieder einmal
Intervalle von Nüchternheit zeigt.

-- Das Generalabonnement in fünf Sprachen.

Zur
leichtern Orientierung für Touristen, als praktisches Auskunfts-
mittel für Bahnbeamte und Auskunftsbureaux und originelle
Reklame zur Bekanntmachung der seit Kurzem in der Schweiz
eingeführten Generalabonnements im Auslande, gibt das offizielle
Verkehrsbureau Luzern einen fünfsprachigen, abgekürzten Tarif
(deutsch, französisch, italienisch, englisch und russisch) der General-
abonnements heraus mit Routenkarte, auf welcher alle mit dem
Generalabonnement zu befahrenden Strecken schwarz und alle
übrigen Transportstrecken, Schiffskurse, Bergbahnen, Lokalbahnen,
Posten etc., wofür extra bezahlt werden muß, rot dargestellt sind
und zugleich ein übersichtliches Bild der schweizerischen Haupt-
verkehrswege geboten wird.

Dieser Prospekt bietet auch besonderes Interesse für alle
diejenigen Transportgesellschaften, die vom Generalabonnements-
Verband ausgeschlossen sind. Die Tarife sind bei allen schweiz.
Verkehrsbureaux zum Preise von 20 Cts. erhältlich.




St. Gallisches.



-- Revision des Armengesetzes.

(Korr.)

Zwei Prinzipien
stehen sich dabei gegenüber: das Heimat- und Domizilprinzip. Mit
Ausnahme des Kantons Bern und Neuenburg ist in der ganzen
Schweiz das Heimatprinzip zur Grundlage des Armenrechtes ge-
nommen worden. Ein Tagsatzungsbeschluß von 1551, welcher
den Bettel verbot, überband den "Burgerschaften" die Pflicht der
Armenunterstützung. Seitdem sind das Bürgerrecht und das
Armenrecht Geschwister geblieben, und die Trennung derselben
wird wohl eine heikle Aufgabe werden. Naturgemäß sollte eine
Reform der Bürgergemeinde vorausgehen und die andere müßte
dann von selbst folgen.

Es ist auffallend, daß die helvetische Revolution bei der Ab-
schaffung der Vorrechte nicht auch diejenigen der Ortsgemeinde,
wie die der Zünfte mitnahm, und die "Burgergemeinde" mit
dem ganzen engherzigen Geiste gewährleistete; und Napoleon hat
in seiner Ansprache an die schweiz. Konsulta vom 12. Dez. 1802
[Spaltenumbruch] gesagt: "Die Gemeinden in den kleinen Kantonen mögen ihre
Alpstreitigkeiten nach Belieben unter sich ausmachen" -- und
seither streitet man sich in denselben immerfort, und die Alpen
werden dabei wenig gefördert. Eine gründliche moderne Remedur
der Ortsgemeinde hätte viele innere heftige Kämpfe erspart, und
jedenfalls die Schweiz weiter geführt, als die Bildung eines
neuen, mit dem alten immer in Fehde stehenden Organismus
"der politischen Gemeinde".

Anno 1803 wäre diese Aufgabe leichter gewesen als heute;
das hat sich anno 1890 beim Versuch eines neuen Bürgerrechts-
gesetzes gezeigt, welches bei der Geburt wieder kurzer Hand ein-
gesargt wurde. Indessen für die Folgezeit entscheidet weniger
der augenblickliche Erfolg, als die mutige Initiative, weil neue
Ideen nun einmal ihre Reifezeit haben müssen. Die spätere
Generation wird die Früchte der Arbeit des jetzigen Geschlechtes
genießen.

Bei der Territorialität soll statt der "Heimat" das "Domi-
zil" die Armenpflege besorgen. Gewiß ein zeitgemäßer Gedanke,
der es verdiente, nicht bloß auf kantonalem, sondern auch auf
dem eidgenössischen Boden verwirklicht zu werden.

Die Initiative betreffend die unentgeltliche Krankenpflege,
welche vor einigen Jahren abgelehnt wurde, hätte auch dieser
Idee mächtig vorgearbeitet. Damals wurde sie von Anhängern
der eidgenössischen Unfall- und Krankenversicherung heftig be-
kämpft, trotzdem wird diese kaum lebensfähig, weil es ihr von
Anfang an am Blut, d. h. am Geld fehlt. Also die politische
Gemeinde erscheint in den modernen Verfassungen und Gesetzen
als deren Vollzieherin, z. B. Zivilstandswesen, Steuerwesen,
polit. Rechte etc. etc., analog darf man ihr die Besorgung des
Armenwesens überlassen und sie wird auch ihre Aufgabe lösen,
wenn sie gehörig montiert wird.

-- Das Gesetz betr. die direkten Staatssteuern ist
nun auch in der Fassung der großrätlichen Kommission (I. Lesung)
erschienen. Dieselbe enthält dem regierungsrätlichen Entwurfe
gegenüber eine Reihe mehr oder minder wesentliche Aenderungen,
namentlich im I. Abschnitt, Festsetzung der Steuerpflicht. Die
Progressivsteuer soll nach dem Entwurfe der Kommission erst bei
Vermögensansätzen von über Fr. 300,000 eintreten. Die Skala
wurde beibehalten. Die Progression bei der Einkommenssteuer
blieb unverändert.

Von den Gemeindesteuerkommissionen soll nach Antrag der
Kommission nur der Präsident vom Regierungsrate gewählt werden,
während die übrigen 4 Mitglieder vom Gemeinderat zu bezeichnen
wären. Der Regierungsrat beantragt Wahl dreier Mitglieder
(inkl. Präsidium) durch den Regierungsrat. Bezüglich der Wahl
der Kommissionen für die allgemeine Steuerrevision stimmt die
Kommission dem Regierungsrate bei (Wahl dreier Mitglieder
durch den Regierungsrat).

-- Die Konferenz des Gemeinderates und des Ortsver-
waltungsrates der Stadt St. Gallen, sowie des Kaufmännischen
Direktoriums hat die der Stadt St. Gallen zugedachte Subven-
tionierung der Normalbahn Romanshorn-St. Gallen-Herisau-
Wattwil im Betrage von 2,800,000 Fr. in folgender Weise
repartiert: politische Gemeinde St. Gallen 1,800,000 Fr., Orts-
gemeinde 900,000 Fr. und Kaufm. Direktorium 100,000 Fr.

-- Alttoggenburg.

(Eingesandt.)

Letzte Woche waren
in Gähwil vier Personen mit Heu einheimsen beschäftigt, welche
zusammen 300 Jahre zählen. Es sind dies die drei Geschwister
Egli, Neuhaus, mit zusammen 220 Jahren und deren Taglöhner,
noch gesund und rüstige 80jährige Greis Ammann von Gähwil.
Möge diesem wackern vierblättrigen Kleeblatt ein noch längerer
gemütlicher Lebensabend beschieden sein.

-- Mels.

Letzten Montag wurde die neue Realschule
eröffnet. Dieselbe wird von 38 Schülern besucht.

-- Infolge Bruches einer Dachlatte fiel in
Schänis ein Arbeiter von einer Höhe von 12 Meter hinunter.
Er erlitt einen komplizierten Armbruch und starke Verletzungen
am Kopfe, so daß er ins Krankenasyl nach Uznach überführt
werden mußte.

-- "Künftigen Sonntag, den 18. Juni, nachmittags halb
3 Uhr, wird in der Kapuziner-Kirche in Rapperswil
III. Ordensversammlung gehalten."




Kantone.
Zürich.

Das Zürcher Volk hat mit bedeutender Mehr-
heit das neue Schulgesetz angenommen. Die Städte gaben den
Ausschlag, während die Landbevölkerung das Gesetz vielfach ver-
worfen hat; aber das Land kommt eben in Zürich nur wenig
mehr zur Geltung, der Einfluß der Städte ist maßgebend und
wird es immer mehr sein. Das neue Gesetz gewährt den Katho-
liken das Recht, für den Religionsunterricht besondere Schulloka-
litäten zu verlangen. Es muß ihnen in der freien Zeit im Schul-
gebäude selber ein entsprechendes Zimmer zur Verfügung gestellt
werden. Das ist nicht viel, aber es liegt doch darin eine gerechte
Anerkennung der Bedeutung der katholischen Kirche im Kanton
Zürich.

Ein schreckliches Verbrechen setzt
Zürich in Aufregung. Letzte Nacht zwischen 3 und 4 Uhr wurde
in der Altstadt, im Hause Froschaugasse 26, ein alleinstehendes
Frauenzimmer, namens Bertha Kleinkammer ermordet.

Uri.

Heute Nachmittag starb in Bürglen
Pfarrer Johann Gisler, bischöflicher Kommissar und päpstlicher
Pronotarius im Alter von 71 Jahren.

Schwyz.
Einsiedeln.

(Korr.)

Das Volk der Wald-
statt rumort allmählich. Das will es sich nicht mehr länger
gefallen lassen, daß gewisse Herren mit ihm blinde Kuh spielen.
Es ist nun einmal Thatsache, daß diese Herren in aller Stille
Doppelspiel treiben, indem sie als vom Volke gewählte Rats-
herren zugleich im offiziellen bezahlten Auftrage der Oerlikoner-
Herren das Volk für einen See beeinflußen. Das gefällt uns
nicht. Der "Anzeiger" nimmt immer so eine Art Stellung,
aber uns kommt es vor, der Männerverein sollte auch etwas
thun. Die Frage des Sees geht nicht bloß Agenten an, sie ist
ein Stück sozialer Frage für ganz Einsiedeln.

Endlich macht die Sihlseekommission Miene, dem Volke
über bisher gethane Schritte Aufschluß geben zu wollen. Es
wird aber den Herren wohl noch nicht eilen; denn nach dem
Steinbach kann man so einen Sihlsee schon brauchen, und wäre
es auch nur als Probierplätz.




Ausland.



Italien.

Die italienische Volksvertretung hat die Wahlen
der Abgeordneten Chiesi, Andreis und Turati ungiltig erklärt.
Diese 3 Abgeordneten sind von den Kriegsgerichten anläßlich der
Mailänder Revolution letztes Jahr zu mehrjähriger Kerkerstrafe
verurteilt worden, und als Protest gegen dieses harte und un-

[Spaltenumbruch] auf dem Felde arbeiten. Alles zieht in die Stadt oder in die
Fabrik, und ſo iſt man oft froh, Italiener für landwirtſchaftliche
Arbeiten zu bekommen. Unter den Italienern befinden ſich
große Maſſen von fleißigen, tüchtigen, ſparſamen Leuten; aber
auch gar viele verdächtige und ſchlimme Elemente, welche in ge-
wiſſen Kantonen, ſo namentlich in Zürich, fortwährend die Ge-
richte beſchäftigen und die Gefängniſſe füllen. Aber wie ankehren,
um die guten, brauchbaren italieniſchen Einwanderer von den
Gaunern und Verbrechern zu unterſcheiden? Bekanntlich liegt
das Schriftenweſen in Bezug auf die Italiener ſehr im Argen.
Viele Italiener beſitzen falſche Papiere und es gibt gegenwärtig
kein Mittel, um dieſe falſchen Papiere von echten unterſcheiden
zu können. Der Nationalrat entſchied, es ſoll durch einen
Vertrag zwiſchen Italien und der Schweiz dafür Sorge getragen
werden, daß eine beſſere Schriftenkontrole möglich ſei, nament-
lich ſoll man ſich Gewißheit verſchaffen können, daß der Inhaber
einer Ausweisſchrift auch wirklich dıe Perſon iſt, auf welche ſich
die Ausweisſchrift bezieht. Ein gutes Wort wurde im Stände-
rat
von Ständerat v. Arx von Solothurn geſprochen. Er ſagte,
wir Schweizer gründen zu viel, bauen zu viel und verjubeln
zu viel
. Sehr richtig. Die Feſtſeuche iſt nachgerade zu einem
Krebsübel geworden in unſerem Lande. Welche Unſummen Geld
werden hiebei ausgegeben, welche Schäden an Leib und Seele
entſtehen dabei, welche Verluſte an Arbeit und Geſundheit. Da-
rüber iſt jedermann einig, namentlich alle Pfarrer und Schullehrer,
alle diejenigen, welche mit dem Armenweſen etwas zu thun
haben. Das hindert aber nicht, daß jeder, der die maßloſe Zahl
von Feſtlichkeiten und Vergnügungen verurteilt, ſtets eine Aus-
nahme macht für ſeine eigenen feſtlichen Liebhabereien. Mit dem
Gelde, das an Feſten verjubelt wird, könnte man den größten
Teil der Steuern decken.

Für den Bau einer Telephonremiſe in Zürich hat der
Ständerat Fr. 162 000 bewilligt. Chur ſoll in den nächſten
Jahren ebenfalls ein neues Poſtgebäude für 800 000 Franken er-
halten. Für ſolche Bauten hat die Eidgenoſſenſchaft immer
Geld genug.

In der nächſten Woche wird der Nationalrat die Beratung
eines neuen Bankgeſetzes an die Hand nehmen, nach dem bekannt-
lich das erſte Bankgeſetz mit ſo entſchiedener Mehrheit vom Volke
verworfen worden iſt. Die Ausſichten für das neue Geſetz ſind
kaum günſtiger. Die eidgenöſſiſche Geſetzgebungsmaſchine arbeitet
gegenwärtig nicht nach dem Gefallen des Volkes.




Die Lehrerzeitung

bringt falſche Anklagen gegen die hl. katholiſche Kirche vor, die
geradezu haarſträubend ſind. Anno 1896 gab ein Korreſpondent
dieſes „toleranten“ Blattes ſeiner kondenſierten Abneig-
ung
gegen die katholiſchen Glaubenslehren Ausdruck, indem er
ſchrieb, daß die kirchlichen „Dogmen rein menſchlichen Urſprungs
ſind, fein ausgedacht und vereinbart, um die Menſchen in Un-
ſelbſtändigkeit zu erhalten und lenkſam zu machen. Dieſem Dogmen-
chriſtentum, das durch lange Jahrhunderte ſo viel Hader, Blut-
gießen, Jammer und Menſchenelend über die Welt gebracht, war
Peſtalozzi allerdings abhold“.

Solch blöden, gehäſſigen Angriffen der „Lehrerzeitung“
muß jeder chriſtliche, vernünftige, tolerante Lehrer auch „abhold“
ſein. Ob ſolche ungerechte, ungeheuerliche Pauſchalverleumd-
ungen
gegen die katholiſche Kirche aus Unwiſſenheit oder
Haß hervorgehen, weiß ich nicht. In jedem Fall iſt es lächer-
lich, wenn ein Verteidiger der „Lehrerzeitung“ im radikalen
„Luzerner Tagblatt“ (Nr. 106/1899) dieſelbe als ein für die
Lehrer unentbehrliches tolerantes „Fachblatt“ anpreiſt. Bewahre
Gott die jungen Seminariſten und lieben Amtskollegen im ver-
antwortungsvollen Lehrerberuf vor den kirchenfeindlichen, darwi-
niſtiſchen Ideen dieſes „Fachblattes“!

Wie viel edler und gerechter urteilt der Proteſtant
Huber über die katholiſche Kirche:

„Ich verehre die katholiſche Kirche als das eigent-
lıche Bollwerk des Criſtentums und erbaue mich an
ihrer Fürſorge für die leidende Menſchheit
ſo ſehr,
wie nur jemand ſich erbauen kann.“

Und Rohrbach widerlegt ähnliche ungerechte Anſchuldig-
ungen gegen Papſt Gregor VII. durch Ausſprüche des Pro-
teſtanten
Leibnitz und des Kirchenfeindes Voltaire:

„Hört es,“ ruft er aus, „Katholiken, der Proteſtant
und der Gottloſe erheben ihre Stimme,
um euere
Mutter, die Kirche, zu verteidigen, die ihr ſelbſt mit
frechen Beſchuldigungen zerfleiſcht und euren Vater zu rechtfertigen,
das Oberhaupt derſelben. Ihr verſchreiet dieſe väterliche Ge-
walt der Päpſte über die Könige
als alle Ordnung und
Geſellſchaft umkehrend und Voltaire erklärt ſie als notwendig für
die Sicherheit des menſchlichen Geſchlechts; ohne ſie gäbe es keine
Bürgſchaft für das Leben der Völker, ihr ſagt und bringt es
hundertmal wieder, daß die Päpſte dieſe Gewalt nur mit allge-
mein verhaßter Anmaßung ausgeübt haben und Leibnitz be-
zeugt, daß ſie es mit allgemeiner Billigung und
dem Beifall der Völker thaten
. Ihr verſichert, daß der
Gebrauch, den Gregor VII. und ſeine Nachfolger hievon gemacht
haben, nur Bruderkriege und Blutſtröme hervorgerufen, und die
berühmteſten Proteſtanten wiederholen um die
Wette, daß ohne Gregor und ſeine Nachahmer die
Welt verloren geweſen wäre, und daß ihre väter-
lichen Hände die Tyrannei zügelten, die über die
ganze Erde loszubrechen drohte, daß ſie dem Unter-
drücker ſein Opfer entriſſen, daß ſie die Freiheit
aller Staaten großzogen
.“

O arme „Lehrerzeitung“, das hätteſt du ſchon vor 60 Jahren
leſen können, dann hätteſt du in der Gegenwart vielleicht nicht
ſolche Irrtümer gedruckt, die von einigen tauſend Peſtalozzi-
jüngern geleſen und in dieſer oder jener Form vor hundert-
tauſend Kindern
verzapft werden!!! Aber vor 60 Jahren
lag die „Lehrerzeitung“ ſamt ihrem Vater, dem Lehrerverein,
noch kaum in den Windeln, und die katholiſche Kirche
feiert nächſtes Jahr das
1900jährige Jubiläum ihrer
Wirkſamkeit in Staat, Familie und Schule. — Der ſchlichte,
heiligmäßige Prieſter Don Bosco in Italien hat innert
50 Jahren 80 Millionen Lire geſammelt für die
Erziehung armer Knaben!
— Unſere radikalen Lehrer
ſchreien lieber nach Bundesſubventionen, das geht leichter als
ſelber Geld ſammeln, wie dieſer katholiſche Prıeſter, und wenn
die Schule einmal unter der Staatsknute iſt, kann man ſie
leicht zum Brutneſt eines glaubensloſen Geſchlechtes
machen
.

Wenn trotz obigen Angriffen katholiſche Pädagogen
die „Lehrerzeitung“ moraliſch oder finanziell unterſtützen, dann
— — — lachen die Kirchenfeinde mit Recht über ſolche Thoren!!!

Ein Kellnerjünger.


[Spaltenumbruch]
Eidgenöſſiſches.



„Etwas Wahres iſt daran!“

Unter dieſer Aufſchrift
leſen wir in Nr. 128 der „Oſtſchweiz“ folgendes:

„Das neueſte Finanzbülletin des Hauſes Duval u. Cie. in Genf
macht bittere Bemerkungen zu dem 15 Millionen Pariſer Anleihen des
Kantons Bern. Es ſei, heißt es dort, immer Bern, von dem das Bei-
ſpiel der Anleihen im Auslande ausgehe. Die Gefahr liege darin, daß,
infolge eines gedrückten Zinsfußes, ein ſolches Anleihen ausſchließlich von
unſeren reichen und mächtigen Nachbarn gezeichnet wird. „Wenn ein in
Gold zahibares Anleihen von Landsleuten übernommen wird — heißt es
dann weiter — ſo hat die Goldzahlung keinen Einfluß auf den Wechſel-
kurs, obwohl Dank unſerer Valuta die Coupons im Auslande einkaſſiert
werden. Das Gold, welches der ſchweizeriſche Schuldner zum Zwecke der
Zahlungen exportieren muß, kehrt durch den Kanal der einheimiſchen
Gläubiger ins Land zurück, und einzig trägt der ſchuldneriſche Staat den
Kursverluſt, der teilweiſe kompenſiert wird durch den relativ niedrigen
Zinsfuß. Wird aber ein ſolches Anleihen nur im Auslande gezeichnet, ſo
haben wir zum Kursverluſt eine wahre Goldverblutung, die Goldausfuhr
ohne Rückkehr. Wann wird der Patriotismus auch in ſolchen Fragen er-
wachen? Will man warten, bis das Uebel unheilbar geworden und die
geſchickteſten Aerzte ratlos daſtehen? Jedesmal bei einem Anleihen im
Auslande ſollte man die Sturmglocken läuten, denn das Vaterland iſt
wirklich in Gefahr. Die wirtſchaftliche Unabhängigkeit thut einem Lande
gerade ſo not als die politiſche.“

„Duval u. Cie. tragen hier ein wenig ſtark auf; etwas Wahres iſt
darum doch daran,“ bemerkt dazu die „Oſtſchweiz“ ſelbſt.

Das „Volksblatt“ bekommt hier abermals wieder eine Sa-
tisfaktion und zwar gerade von derjenigen Seite, die bisher nicht
genug die Lobeshymne auf den „unbegrenzten Kredit“ der
Eidgenoſſenſchaft beſingen konnte und mit demſelben nicht bloß
die Eiſenbahnen der Schweiz, ſondern faſt der ganzen Welt hätte
zuſammenkaufen mögen. Geld gäbs ja im ſchlimmſten Falle zu
3½ Prozent in Hülle und Fülle, und da ließe ſich ein Ge-
ſchäftchen machen, daß in wenigen Jahrzehnten allen Eidgenoſſen
die gebratenen Tauben in den Mund flögen. Nur immer drauf
losgepumpt; das Geld iſt ja nur Chimäre! Das Geld holt man
nur ım Auslande, in Paris, London, Frankfurt, Berlin u. ſ. w.
Was machts, wenn wir dem Auslande tributpflichtig werden!
So redeten die leichtfertigen Tagespolitiker, die gar nicht weiter
denken, als die Naſe reicht. Schon wiederholt iſt von dieſer Seite
auf die Gefahren unſerer Pump- und Papiergeldwirtſchaft —
„dem heimlichen Wucher“ nach Leo XIII., aufmerkſam gemacht
worden, weil dieſe modernen Schuldſcheine nur zum geringen
Teile von Bargeld gedeckt ſind. Allein es half nichts, die offizielle
Falſchmünzerei wird fortgeſetzt und ſo auch das Schuldenmachen
im Auslande, bis es eines ſchönen morgens heißt: „Alle die-
jenigen, welche“ etc. Dann ſteckt das geprieſene Vaterland in den
Hoſen eines Schuldenbäuerleins, deſſen Gläubiger die fremd-
ländiſchen Staaten, Banken und Juden ſind. Jetzt ſchon nimmt
man unſere Banknoten draußen nicht mehr für vollwertig, ſo daß
dieſe allmählich von Stufe zu Stufe ſinken werden, bis wir in
Finanzſachen in italieniſche Zuſtände verfallen. Man ſieht mit
Schrecken, daß nicht bloß das Gold, ſondern ſelbſt das Silber
ins Ausland abfließt und die Banken in Verlegenheit kommen,
ihre Verpflichtungen in Bargeld einzulöſen. Was ſolls denn
werden, wenn Städte, Kantone und ſchließlich die Eidgenoſſen-
ſchaft ſelbſt ihre Zinſen alljährlich ins Ausland tragen müſſen?
Immer macht man den Leuten die Ohren voll von „groß“, „groß
und „Großmacht“ und will den Froſch zum Ochſen aufblaſen,
bis der Refrain einmal lautet: „Großhänsli, bezahle deine Schulden,
oder —!“ Früher, da die Schweiz in ideeller Beziehung wirklich
groß war, da war „Demut“ das leitende Prinzip in der Politik
und es galt als Akt der Klugheit und der Freiheit, ſich nicht
in fremde Händel zu
miſchen. Jetzt iſts umgekehrt, jetzt pre-
digt man auch »grande nation!« Großmacht hinten und vorn.
Man ſcharwenzelt nach allen Höfen und kriecht ſelbſt vor einem
aſiatiſch-heidniſchen Deſpoten auf dem Bauche, ladet die fremden
Militäroberſten zu unſeren Truppenſchauſpielen ein, um ihnen zu
zeigen, wie unſere Sennenbuben auch rechts- und linksumkehrt
zu machen und den Schießprügel zu präſentieren gelehrt worden
ſeien. Die „Pruſſien“ und die Franzoſen und die Ruſſen ſollen
alſo nur kommen, man werde ihnen dann ſchon zeigen, wo Barthle
den Moſt holt. Wir ſehen aber, daß dieſe Großſprechereien uns
nicht nur um unſer Geld und Vermögen bringt, ſondern ſie wird
uns auch um unſere geprieſene Freiheit bringen, denn „Hoch-
mut kommt vor dem Fall,“
und „den Hochmütigen wider-
ſtehet Gott!“

„Wir gehen der Verſchuldung und Verarmung entgegen,“
hat dieſer Tage ſelbſt der radikale Hr. Nationalrat v. Arx in
Bern gerufen, „wenn nicht Umkehr gehalten werde.“ „Wir
gründen zu viel, wir verbauen zu viel, wir ver-
jubeln zu viel
.“

Ja! „Etwas Wahres iſt daran,“ ſagen auch wir mit unſerer
Freundin von der Steinach, die hie und da doch wieder einmal
Intervalle von Nüchternheit zeigt.

Das Generalabonnement in fünf Sprachen.

Zur
leichtern Orıentierung für Touriſten, als praktiſches Auskunfts-
mittel für Bahnbeamte und Auskunftsbureaux und originelle
Reklame zur Bekanntmachung der ſeit Kurzem in der Schweiz
eingeführten Generalabonnements im Auslande, gibt das offizielle
Verkehrsbureau Luzern einen fünfſprachigen, abgekürzten Tarif
(deutſch, franzöſiſch, italieniſch, engliſch und ruſſiſch) der General-
abonnements heraus mit Routenkarte, auf welcher alle mit dem
Generalabonnement zu befahrenden Strecken ſchwarz und alle
übrigen Transportſtrecken, Schiffskurſe, Bergbahnen, Lokalbahnen,
Poſten etc., wofür extra bezahlt werden muß, rot dargeſtellt ſind
und zugleich ein überſichtliches Bild der ſchweizeriſchen Haupt-
verkehrswege geboten wird.

Dieſer Proſpekt bietet auch beſonderes Intereſſe für alle
diejenigen Transportgeſellſchaften, die vom Generalabonnements-
Verband ausgeſchloſſen ſind. Die Tarife ſind bei allen ſchweiz.
Verkehrsbureaux zum Preiſe von 20 Cts. erhältlich.




St. Galliſches.



Reviſion des Armengeſetzes.

(Korr.)

Zwei Prinzipien
ſtehen ſich dabei gegenüber: das Heimat- und Domizilprinzip. Mit
Ausnahme des Kantons Bern und Neuenburg iſt in der ganzen
Schweiz das Heimatprinzip zur Grundlage des Armenrechtes ge-
nommen worden. Ein Tagſatzungsbeſchluß von 1551, welcher
den Bettel verbot, überband den „Burgerſchaften“ die Pflicht der
Armenunterſtützung. Seitdem ſind das Bürgerrecht und das
Armenrecht Geſchwiſter geblieben, und die Trennung derſelben
wird wohl eine heikle Aufgabe werden. Naturgemäß ſollte eine
Reform der Bürgergemeinde vorausgehen und die andere müßte
dann von ſelbſt folgen.

Es iſt auffallend, daß die helvetiſche Revolution bei der Ab-
ſchaffung der Vorrechte nicht auch diejenigen der Ortsgemeinde,
wie die der Zünfte mitnahm, und die „Burgergemeinde“ mit
dem ganzen engherzigen Geiſte gewährleiſtete; und Napoleon hat
in ſeiner Anſprache an die ſchweiz. Konſulta vom 12. Dez. 1802
[Spaltenumbruch] geſagt: „Die Gemeinden in den kleinen Kantonen mögen ihre
Alpſtreitigkeiten nach Belieben unter ſich ausmachen“ — und
ſeither ſtreitet man ſich in denſelben immerfort, und die Alpen
werden dabei wenig gefördert. Eine gründliche moderne Remedur
der Ortsgemeinde hätte viele innere heftige Kämpfe erſpart, und
jedenfalls die Schweiz weiter geführt, als die Bildung eines
neuen, mit dem alten immer in Fehde ſtehenden Organismus
„der politiſchen Gemeinde“.

Anno 1803 wäre dieſe Aufgabe leichter geweſen als heute;
das hat ſich anno 1890 beim Verſuch eines neuen Bürgerrechts-
geſetzes gezeigt, welches bei der Geburt wieder kurzer Hand ein-
geſargt wurde. Indeſſen für die Folgezeit entſcheidet weniger
der augenblickliche Erfolg, als die mutige Initiative, weil neue
Ideen nun einmal ihre Reifezeit haben müſſen. Die ſpätere
Generation wird die Früchte der Arbeit des jetzigen Geſchlechtes
genießen.

Bei der Territorialität ſoll ſtatt der „Heimat“ das „Domi-
zil“ die Armenpflege beſorgen. Gewiß ein zeitgemäßer Gedanke,
der es verdiente, nicht bloß auf kantonalem, ſondern auch auf
dem eidgenöſſiſchen Boden verwirklicht zu werden.

Die Initiative betreffend die unentgeltliche Krankenpflege,
welche vor einigen Jahren abgelehnt wurde, hätte auch dieſer
Idee mächtig vorgearbeitet. Damals wurde ſie von Anhängern
der eidgenöſſiſchen Unfall- und Krankenverſicherung heftig be-
kämpft, trotzdem wird dieſe kaum lebensfähig, weil es ihr von
Anfang an am Blut, d. h. am Geld fehlt. Alſo die politiſche
Gemeinde erſcheint in den modernen Verfaſſungen und Geſetzen
als deren Vollzieherin, z. B. Zivilſtandsweſen, Steuerweſen,
polit. Rechte etc. etc., analog darf man ihr die Beſorgung des
Armenweſens überlaſſen und ſie wird auch ihre Aufgabe löſen,
wenn ſie gehörig montıert wird.

— Das Geſetz betr. die direkten Staatsſteuern iſt
nun auch in der Faſſung der großrätlichen Kommiſſion (I. Leſung)
erſchienen. Dieſelbe enthält dem regierungsrätlichen Entwurfe
gegenüber eine Reihe mehr oder minder weſentliche Aenderungen,
namentlich im I. Abſchnitt, Feſtſetzung der Steuerpflıcht. Die
Progreſſivſteuer ſoll nach dem Entwurfe der Kommiſſion erſt bei
Vermögensanſätzen von über Fr. 300,000 eintreten. Die Skala
wurde beibehalten. Die Progreſſion bei der Einkommensſteuer
blieb unverändert.

Von den Gemeindeſteuerkommiſſionen ſoll nach Antrag der
Kommiſſion nur der Präſident vom Regierungsrate gewählt werden,
während die übrigen 4 Mitglieder vom Gemeinderat zu bezeichnen
wären. Der Regierungsrat beantragt Wahl dreier Mitglieder
(inkl. Präſidium) durch den Regierungsrat. Bezüglich der Wahl
der Kommiſſionen für die allgemeine Steuerreviſion ſtimmt die
Kommiſſion dem Regierungsrate bei (Wahl dreier Mitglieder
durch den Regierungsrat).

— Die Konferenz des Gemeinderates und des Ortsver-
waltungsrates der Stadt St. Gallen, ſowie des Kaufmänniſchen
Direktoriums hat die der Stadt St. Gallen zugedachte Subven-
tionierung der Normalbahn Romanshorn-St. Gallen-Herisau-
Wattwil im Betrage von 2,800,000 Fr. in folgender Weiſe
repartiert: politiſche Gemeinde St. Gallen 1,800,000 Fr., Orts-
gemeinde 900,000 Fr. und Kaufm. Direktorium 100,000 Fr.

Alttoggenburg.

(Eingeſandt.)

Letzte Woche waren
in Gähwil vier Perſonen mit Heu einheimſen beſchäftigt, welche
zuſammen 300 Jahre zählen. Es ſind dies die drei Geſchwiſter
Egli, Neuhaus, mit zuſammen 220 Jahren und deren Taglöhner,
noch geſund und rüſtige 80jährige Greis Ammann von Gähwil.
Möge dieſem wackern vierblättrigen Kleeblatt ein noch längerer
gemütlicher Lebensabend beſchieden ſein.

Mels.

Letzten Montag wurde die neue Realſchule
eröffnet. Dieſelbe wird von 38 Schülern beſucht.

Infolge Bruches einer Dachlatte fiel in
Schänis ein Arbeiter von einer Höhe von 12 Meter hinunter.
Er erlitt einen komplizierten Armbruch und ſtarke Verletzungen
am Kopfe, ſo daß er ins Krankenaſyl nach Uznach überführt
werden mußte.

— „Künftigen Sonntag, den 18. Juni, nachmittags halb
3 Uhr, wird in der Kapuziner-Kirche in Rapperswil
III. Ordensverſammlung gehalten.“




Kantone.
Zürich.

Das Zürcher Volk hat mit bedeutender Mehr-
heit das neue Schulgeſetz angenommen. Die Städte gaben den
Ausſchlag, während die Landbevölkerung das Geſetz vielfach ver-
worfen hat; aber das Land kommt eben in Zürıch nur wenig
mehr zur Geltung, der Einfluß der Städte iſt maßgebend und
wird es immer mehr ſein. Das neue Geſetz gewährt den Katho-
liken das Recht, für den Religionsunterricht beſondere Schulloka-
litäten zu verlangen. Es muß ihnen in der freien Zeit im Schul-
gebäude ſelber ein entſprechendes Zimmer zur Verfügung geſtellt
werden. Das iſt nicht viel, aber es liegt doch darin eine gerechte
Anerkennung der Bedeutung der katholiſchen Kirche im Kanton
Zürich.

Ein ſchreckliches Verbrechen ſetzt
Zürich in Aufregung. Letzte Nacht zwiſchen 3 und 4 Uhr wurde
in der Altſtadt, im Hauſe Froſchaugaſſe 26, ein alleinſtehendes
Frauenzimmer, namens Bertha Kleinkammer ermordet.

Uri.

Heute Nachmittag ſtarb in Bürglen
Pfarrer Johann Gisler, biſchöflicher Kommiſſar und päpſtlicher
Pronotarius im Alter von 71 Jahren.

Schwyz.
Einſiedeln.

(Korr.)

Das Volk der Wald-
ſtatt rumort allmählich. Das will es ſich nicht mehr länger
gefallen laſſen, daß gewiſſe Herren mit ihm blinde Kuh ſpielen.
Es iſt nun einmal Thatſache, daß dieſe Herren in aller Stille
Doppelſpiel treiben, indem ſie als vom Volke gewählte Rats-
herren zugleich im offiziellen bezahlten Auftrage der Oerlikoner-
Herren das Volk für einen See beeinflußen. Das gefällt uns
nicht. Der „Anzeiger“ nimmt immer ſo eine Art Stellung,
aber uns kommt es vor, der Männerverein ſollte auch etwas
thun. Die Frage des Sees geht nicht bloß Agenten an, ſie iſt
ein Stück ſozialer Frage für ganz Einſiedeln.

Endlich macht die Sihlſeekommiſſion Miene, dem Volke
über bisher gethane Schritte Aufſchluß geben zu wollen. Es
wird aber den Herren wohl noch nicht eilen; denn nach dem
Steinbach kann man ſo einen Sihlſee ſchon brauchen, und wäre
es auch nur als Probierplätz.




Ausland.



Italien.

Die italieniſche Volksvertretung hat die Wahlen
der Abgeordneten Chieſi, Andreis und Turati ungiltig erklärt.
Dieſe 3 Abgeordneten ſind von den Kriegsgerichten anläßlich der
Mailänder Revolution letztes Jahr zu mehrjähriger Kerkerſtrafe
verurteilt worden, und als Proteſt gegen dieſes harte und un-

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Gold zahibares Anleihen von Landsleuten übernommen wird &#x2014; heißt es<lb/>
dann weiter &#x2014; &#x017F;o hat die Goldzahlung keinen Einfluß auf den Wech&#x017F;el-<lb/>
kurs, obwohl Dank un&#x017F;erer Valuta die Coupons im Auslande einka&#x017F;&#x017F;iert<lb/>
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Zahlungen exportieren muß, kehrt durch den Kanal der einheimi&#x017F;chen<lb/>
Gläubiger ins Land zurück, und einzig trägt der &#x017F;chuldneri&#x017F;che Staat den<lb/>
Kursverlu&#x017F;t, der teilwei&#x017F;e kompen&#x017F;iert wird durch den relativ niedrigen<lb/>
Zinsfuß. Wird aber ein &#x017F;olches Anleihen nur im Auslande gezeichnet, &#x017F;o<lb/>
haben wir zum Kursverlu&#x017F;t eine wahre Goldverblutung, die Goldausfuhr<lb/>
ohne Rückkehr. Wann wird der Patriotismus auch in &#x017F;olchen Fragen er-<lb/>
wachen? Will man warten, bis das Uebel unheilbar geworden und die<lb/>
ge&#x017F;chickte&#x017F;ten Aerzte ratlos da&#x017F;tehen? Jedesmal bei einem Anleihen im<lb/>
Auslande &#x017F;ollte man die Sturmglocken läuten, denn das Vaterland i&#x017F;t<lb/>
wirklich in Gefahr. Die wirt&#x017F;chaftliche Unabhängigkeit thut einem Lande<lb/>
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          <p>Das &#x201E;Volksblatt&#x201C; bekommt hier abermals wieder eine Sa-<lb/>
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Eidgeno&#x017F;&#x017F;en&#x017F;chaft be&#x017F;ingen konnte und mit dem&#x017F;elben nicht bloß<lb/>
die Ei&#x017F;enbahnen der Schweiz, &#x017F;ondern fa&#x017F;t der ganzen Welt hätte<lb/>
zu&#x017F;ammenkaufen mögen. Geld gäbs ja im &#x017F;chlimm&#x017F;ten Falle zu<lb/>
3½ Prozent in Hülle und Fülle, und da ließe &#x017F;ich ein Ge-<lb/>
&#x017F;chäftchen machen, daß in wenigen Jahrzehnten allen Eidgeno&#x017F;&#x017F;en<lb/>
die gebratenen Tauben in den Mund flögen. Nur immer drauf<lb/>
losgepumpt; das Geld i&#x017F;t ja nur Chimäre! Das Geld holt man<lb/>
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Was machts, wenn wir dem Auslande tributpflichtig werden!<lb/>
So redeten die leichtfertigen Tagespolitiker, die gar nicht weiter<lb/>
denken, als die Na&#x017F;e reicht. Schon wiederholt i&#x017F;t von die&#x017F;er Seite<lb/>
auf die Gefahren un&#x017F;erer Pump- und Papiergeldwirt&#x017F;chaft &#x2014;<lb/>
&#x201E;dem heimlichen Wucher&#x201C; nach Leo <hi rendition="#aq">XIII.</hi>, aufmerk&#x017F;am gemacht<lb/>
worden, weil die&#x017F;e modernen Schuld&#x017F;cheine nur zum geringen<lb/>
Teile von Bargeld gedeckt &#x017F;ind. Allein es half nichts, die offizielle<lb/>
Fal&#x017F;chmünzerei wird fortge&#x017F;etzt und &#x017F;o auch das Schuldenmachen<lb/>
im Auslande, bis es eines &#x017F;chönen morgens heißt: &#x201E;Alle die-<lb/>
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ländi&#x017F;chen Staaten, Banken und Juden &#x017F;ind. Jetzt &#x017F;chon nimmt<lb/>
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die&#x017F;e allmählich von Stufe zu Stufe &#x017F;inken werden, bis wir in<lb/>
Finanz&#x017F;achen in italieni&#x017F;che Zu&#x017F;tände verfallen. Man &#x017F;ieht mit<lb/>
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ins Ausland abfließt und die Banken in Verlegenheit kommen,<lb/>
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&#x017F;chaft &#x017F;elb&#x017F;t ihre Zin&#x017F;en alljährlich ins Ausland tragen mü&#x017F;&#x017F;en?<lb/>
Immer macht man den Leuten die Ohren voll von &#x201E;<hi rendition="#b">groß</hi>&#x201C;, &#x201E;<hi rendition="#b">groß</hi>&#x201C;<lb/>
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Man &#x017F;charwenzelt nach allen Höfen und kriecht &#x017F;elb&#x017F;t vor einem<lb/>
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Militärober&#x017F;ten zu un&#x017F;eren Truppen&#x017F;chau&#x017F;pielen ein, um ihnen zu<lb/>
zeigen, wie un&#x017F;ere Sennenbuben auch rechts- und linksumkehrt<lb/>
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&#x017F;eien. Die &#x201E;Pru&#x017F;&#x017F;ien&#x201C; und die Franzo&#x017F;en und die Ru&#x017F;&#x017F;en &#x017F;ollen<lb/>
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nicht nur um un&#x017F;er Geld und Vermögen bringt, &#x017F;ondern &#x017F;ie wird<lb/>
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hat die&#x017F;er Tage &#x017F;elb&#x017F;t der radikale Hr. Nationalrat v. Arx in<lb/>
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Freundin von der Steinach, die hie und da doch wieder einmal<lb/>
Intervalle von Nüchternheit zeigt.</p>
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Reklame zur Bekanntmachung der &#x017F;eit Kurzem in der Schweiz<lb/>
eingeführten Generalabonnements im Auslande, gibt das offizielle<lb/>
Verkehrsbureau Luzern einen fünf&#x017F;prachigen, abgekürzten Tarif<lb/>
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abonnements heraus mit Routenkarte, auf welcher alle mit dem<lb/>
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Po&#x017F;ten etc., wofür extra bezahlt werden muß, rot darge&#x017F;tellt &#x017F;ind<lb/>
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Armenunter&#x017F;tützung. Seitdem &#x017F;ind das Bürgerrecht und das<lb/>
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wird wohl eine heikle Aufgabe werden. Naturgemäß &#x017F;ollte eine<lb/>
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&#x017F;chaffung der Vorrechte nicht auch diejenigen der Ortsgemeinde,<lb/>
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&#x201E;der politi&#x017F;chen Gemeinde&#x201C;.</p><lb/>
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wird es immer mehr &#x017F;ein. Das neue Ge&#x017F;etz gewährt den Katho-<lb/>
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[2/0002] auf dem Felde arbeiten. Alles zieht in die Stadt oder in die Fabrik, und ſo iſt man oft froh, Italiener für landwirtſchaftliche Arbeiten zu bekommen. Unter den Italienern befinden ſich große Maſſen von fleißigen, tüchtigen, ſparſamen Leuten; aber auch gar viele verdächtige und ſchlimme Elemente, welche in ge- wiſſen Kantonen, ſo namentlich in Zürich, fortwährend die Ge- richte beſchäftigen und die Gefängniſſe füllen. Aber wie ankehren, um die guten, brauchbaren italieniſchen Einwanderer von den Gaunern und Verbrechern zu unterſcheiden? Bekanntlich liegt das Schriftenweſen in Bezug auf die Italiener ſehr im Argen. Viele Italiener beſitzen falſche Papiere und es gibt gegenwärtig kein Mittel, um dieſe falſchen Papiere von echten unterſcheiden zu können. Der Nationalrat entſchied, es ſoll durch einen Vertrag zwiſchen Italien und der Schweiz dafür Sorge getragen werden, daß eine beſſere Schriftenkontrole möglich ſei, nament- lich ſoll man ſich Gewißheit verſchaffen können, daß der Inhaber einer Ausweisſchrift auch wirklich dıe Perſon iſt, auf welche ſich die Ausweisſchrift bezieht. Ein gutes Wort wurde im Stände- rat von Ständerat v. Arx von Solothurn geſprochen. Er ſagte, wir Schweizer gründen zu viel, bauen zu viel und verjubeln zu viel. Sehr richtig. Die Feſtſeuche iſt nachgerade zu einem Krebsübel geworden in unſerem Lande. Welche Unſummen Geld werden hiebei ausgegeben, welche Schäden an Leib und Seele entſtehen dabei, welche Verluſte an Arbeit und Geſundheit. Da- rüber iſt jedermann einig, namentlich alle Pfarrer und Schullehrer, alle diejenigen, welche mit dem Armenweſen etwas zu thun haben. Das hindert aber nicht, daß jeder, der die maßloſe Zahl von Feſtlichkeiten und Vergnügungen verurteilt, ſtets eine Aus- nahme macht für ſeine eigenen feſtlichen Liebhabereien. Mit dem Gelde, das an Feſten verjubelt wird, könnte man den größten Teil der Steuern decken. Für den Bau einer Telephonremiſe in Zürich hat der Ständerat Fr. 162 000 bewilligt. Chur ſoll in den nächſten Jahren ebenfalls ein neues Poſtgebäude für 800 000 Franken er- halten. Für ſolche Bauten hat die Eidgenoſſenſchaft immer Geld genug. In der nächſten Woche wird der Nationalrat die Beratung eines neuen Bankgeſetzes an die Hand nehmen, nach dem bekannt- lich das erſte Bankgeſetz mit ſo entſchiedener Mehrheit vom Volke verworfen worden iſt. Die Ausſichten für das neue Geſetz ſind kaum günſtiger. Die eidgenöſſiſche Geſetzgebungsmaſchine arbeitet gegenwärtig nicht nach dem Gefallen des Volkes. Die Lehrerzeitung bringt falſche Anklagen gegen die hl. katholiſche Kirche vor, die geradezu haarſträubend ſind. Anno 1896 gab ein Korreſpondent dieſes „toleranten“ Blattes ſeiner kondenſierten Abneig- ung gegen die katholiſchen Glaubenslehren Ausdruck, indem er ſchrieb, daß die kirchlichen „Dogmen rein menſchlichen Urſprungs ſind, fein ausgedacht und vereinbart, um die Menſchen in Un- ſelbſtändigkeit zu erhalten und lenkſam zu machen. Dieſem Dogmen- chriſtentum, das durch lange Jahrhunderte ſo viel Hader, Blut- gießen, Jammer und Menſchenelend über die Welt gebracht, war Peſtalozzi allerdings abhold“. Solch blöden, gehäſſigen Angriffen der „Lehrerzeitung“ muß jeder chriſtliche, vernünftige, tolerante Lehrer auch „abhold“ ſein. Ob ſolche ungerechte, ungeheuerliche Pauſchalverleumd- ungen gegen die katholiſche Kirche aus Unwiſſenheit oder Haß hervorgehen, weiß ich nicht. In jedem Fall iſt es lächer- lich, wenn ein Verteidiger der „Lehrerzeitung“ im radikalen „Luzerner Tagblatt“ (Nr. 106/1899) dieſelbe als ein für die Lehrer unentbehrliches tolerantes „Fachblatt“ anpreiſt. Bewahre Gott die jungen Seminariſten und lieben Amtskollegen im ver- antwortungsvollen Lehrerberuf vor den kirchenfeindlichen, darwi- niſtiſchen Ideen dieſes „Fachblattes“! Wie viel edler und gerechter urteilt der Proteſtant Huber über die katholiſche Kirche: „Ich verehre die katholiſche Kirche als das eigent- lıche Bollwerk des Criſtentums und erbaue mich an ihrer Fürſorge für die leidende Menſchheit ſo ſehr, wie nur jemand ſich erbauen kann.“ Und Rohrbach widerlegt ähnliche ungerechte Anſchuldig- ungen gegen Papſt Gregor VII. durch Ausſprüche des Pro- teſtanten Leibnitz und des Kirchenfeindes Voltaire: „Hört es,“ ruft er aus, „Katholiken, der Proteſtant und der Gottloſe erheben ihre Stimme, um euere Mutter, die Kirche, zu verteidigen, die ihr ſelbſt mit frechen Beſchuldigungen zerfleiſcht und euren Vater zu rechtfertigen, das Oberhaupt derſelben. Ihr verſchreiet dieſe väterliche Ge- walt der Päpſte über die Könige als alle Ordnung und Geſellſchaft umkehrend und Voltaire erklärt ſie als notwendig für die Sicherheit des menſchlichen Geſchlechts; ohne ſie gäbe es keine Bürgſchaft für das Leben der Völker, ihr ſagt und bringt es hundertmal wieder, daß die Päpſte dieſe Gewalt nur mit allge- mein verhaßter Anmaßung ausgeübt haben und Leibnitz be- zeugt, daß ſie es mit allgemeiner Billigung und dem Beifall der Völker thaten. Ihr verſichert, daß der Gebrauch, den Gregor VII. und ſeine Nachfolger hievon gemacht haben, nur Bruderkriege und Blutſtröme hervorgerufen, und die berühmteſten Proteſtanten wiederholen um die Wette, daß ohne Gregor und ſeine Nachahmer die Welt verloren geweſen wäre, und daß ihre väter- lichen Hände die Tyrannei zügelten, die über die ganze Erde loszubrechen drohte, daß ſie dem Unter- drücker ſein Opfer entriſſen, daß ſie die Freiheit aller Staaten großzogen.“ O arme „Lehrerzeitung“, das hätteſt du ſchon vor 60 Jahren leſen können, dann hätteſt du in der Gegenwart vielleicht nicht ſolche Irrtümer gedruckt, die von einigen tauſend Peſtalozzi- jüngern geleſen und in dieſer oder jener Form vor hundert- tauſend Kindern verzapft werden!!! Aber vor 60 Jahren lag die „Lehrerzeitung“ ſamt ihrem Vater, dem Lehrerverein, noch kaum in den Windeln, und die katholiſche Kirche feiert nächſtes Jahr das 1900jährige Jubiläum ihrer Wirkſamkeit in Staat, Familie und Schule. — Der ſchlichte, heiligmäßige Prieſter Don Bosco in Italien hat innert 50 Jahren 80 Millionen Lire geſammelt für die Erziehung armer Knaben! — Unſere radikalen Lehrer ſchreien lieber nach Bundesſubventionen, das geht leichter als ſelber Geld ſammeln, wie dieſer katholiſche Prıeſter, und wenn die Schule einmal unter der Staatsknute iſt, kann man ſie leicht zum Brutneſt eines glaubensloſen Geſchlechtes machen. Wenn trotz obigen Angriffen katholiſche Pädagogen die „Lehrerzeitung“ moraliſch oder finanziell unterſtützen, dann — — — lachen die Kirchenfeinde mit Recht über ſolche Thoren!!! Ein Kellnerjünger. Eidgenöſſiſches. — „Etwas Wahres iſt daran!“ Unter dieſer Aufſchrift leſen wir in Nr. 128 der „Oſtſchweiz“ folgendes: „Das neueſte Finanzbülletin des Hauſes Duval u. Cie. in Genf macht bittere Bemerkungen zu dem 15 Millionen Pariſer Anleihen des Kantons Bern. Es ſei, heißt es dort, immer Bern, von dem das Bei- ſpiel der Anleihen im Auslande ausgehe. Die Gefahr liege darin, daß, infolge eines gedrückten Zinsfußes, ein ſolches Anleihen ausſchließlich von unſeren reichen und mächtigen Nachbarn gezeichnet wird. „Wenn ein in Gold zahibares Anleihen von Landsleuten übernommen wird — heißt es dann weiter — ſo hat die Goldzahlung keinen Einfluß auf den Wechſel- kurs, obwohl Dank unſerer Valuta die Coupons im Auslande einkaſſiert werden. Das Gold, welches der ſchweizeriſche Schuldner zum Zwecke der Zahlungen exportieren muß, kehrt durch den Kanal der einheimiſchen Gläubiger ins Land zurück, und einzig trägt der ſchuldneriſche Staat den Kursverluſt, der teilweiſe kompenſiert wird durch den relativ niedrigen Zinsfuß. Wird aber ein ſolches Anleihen nur im Auslande gezeichnet, ſo haben wir zum Kursverluſt eine wahre Goldverblutung, die Goldausfuhr ohne Rückkehr. Wann wird der Patriotismus auch in ſolchen Fragen er- wachen? Will man warten, bis das Uebel unheilbar geworden und die geſchickteſten Aerzte ratlos daſtehen? Jedesmal bei einem Anleihen im Auslande ſollte man die Sturmglocken läuten, denn das Vaterland iſt wirklich in Gefahr. Die wirtſchaftliche Unabhängigkeit thut einem Lande gerade ſo not als die politiſche.“ „Duval u. Cie. tragen hier ein wenig ſtark auf; etwas Wahres iſt darum doch daran,“ bemerkt dazu die „Oſtſchweiz“ ſelbſt. Das „Volksblatt“ bekommt hier abermals wieder eine Sa- tisfaktion und zwar gerade von derjenigen Seite, die bisher nicht genug die Lobeshymne auf den „unbegrenzten Kredit“ der Eidgenoſſenſchaft beſingen konnte und mit demſelben nicht bloß die Eiſenbahnen der Schweiz, ſondern faſt der ganzen Welt hätte zuſammenkaufen mögen. Geld gäbs ja im ſchlimmſten Falle zu 3½ Prozent in Hülle und Fülle, und da ließe ſich ein Ge- ſchäftchen machen, daß in wenigen Jahrzehnten allen Eidgenoſſen die gebratenen Tauben in den Mund flögen. Nur immer drauf losgepumpt; das Geld iſt ja nur Chimäre! Das Geld holt man nur ım Auslande, in Paris, London, Frankfurt, Berlin u. ſ. w. Was machts, wenn wir dem Auslande tributpflichtig werden! So redeten die leichtfertigen Tagespolitiker, die gar nicht weiter denken, als die Naſe reicht. Schon wiederholt iſt von dieſer Seite auf die Gefahren unſerer Pump- und Papiergeldwirtſchaft — „dem heimlichen Wucher“ nach Leo XIII., aufmerkſam gemacht worden, weil dieſe modernen Schuldſcheine nur zum geringen Teile von Bargeld gedeckt ſind. Allein es half nichts, die offizielle Falſchmünzerei wird fortgeſetzt und ſo auch das Schuldenmachen im Auslande, bis es eines ſchönen morgens heißt: „Alle die- jenigen, welche“ etc. Dann ſteckt das geprieſene Vaterland in den Hoſen eines Schuldenbäuerleins, deſſen Gläubiger die fremd- ländiſchen Staaten, Banken und Juden ſind. Jetzt ſchon nimmt man unſere Banknoten draußen nicht mehr für vollwertig, ſo daß dieſe allmählich von Stufe zu Stufe ſinken werden, bis wir in Finanzſachen in italieniſche Zuſtände verfallen. Man ſieht mit Schrecken, daß nicht bloß das Gold, ſondern ſelbſt das Silber ins Ausland abfließt und die Banken in Verlegenheit kommen, ihre Verpflichtungen in Bargeld einzulöſen. Was ſolls denn werden, wenn Städte, Kantone und ſchließlich die Eidgenoſſen- ſchaft ſelbſt ihre Zinſen alljährlich ins Ausland tragen müſſen? Immer macht man den Leuten die Ohren voll von „groß“, „groß“ und „Großmacht“ und will den Froſch zum Ochſen aufblaſen, bis der Refrain einmal lautet: „Großhänsli, bezahle deine Schulden, oder —!“ Früher, da die Schweiz in ideeller Beziehung wirklich groß war, da war „Demut“ das leitende Prinzip in der Politik und es galt als Akt der Klugheit und der Freiheit, ſich nicht in fremde Händel zu miſchen. Jetzt iſts umgekehrt, jetzt pre- digt man auch »grande nation!« Großmacht hinten und vorn. Man ſcharwenzelt nach allen Höfen und kriecht ſelbſt vor einem aſiatiſch-heidniſchen Deſpoten auf dem Bauche, ladet die fremden Militäroberſten zu unſeren Truppenſchauſpielen ein, um ihnen zu zeigen, wie unſere Sennenbuben auch rechts- und linksumkehrt zu machen und den Schießprügel zu präſentieren gelehrt worden ſeien. Die „Pruſſien“ und die Franzoſen und die Ruſſen ſollen alſo nur kommen, man werde ihnen dann ſchon zeigen, wo Barthle den Moſt holt. Wir ſehen aber, daß dieſe Großſprechereien uns nicht nur um unſer Geld und Vermögen bringt, ſondern ſie wird uns auch um unſere geprieſene Freiheit bringen, denn „Hoch- mut kommt vor dem Fall,“ und „den Hochmütigen wider- ſtehet Gott!“ „Wir gehen der Verſchuldung und Verarmung entgegen,“ hat dieſer Tage ſelbſt der radikale Hr. Nationalrat v. Arx in Bern gerufen, „wenn nicht Umkehr gehalten werde.“ „Wir gründen zu viel, wir verbauen zu viel, wir ver- jubeln zu viel.“ Ja! „Etwas Wahres iſt daran,“ ſagen auch wir mit unſerer Freundin von der Steinach, die hie und da doch wieder einmal Intervalle von Nüchternheit zeigt. — Das Generalabonnement in fünf Sprachen. Zur leichtern Orıentierung für Touriſten, als praktiſches Auskunfts- mittel für Bahnbeamte und Auskunftsbureaux und originelle Reklame zur Bekanntmachung der ſeit Kurzem in der Schweiz eingeführten Generalabonnements im Auslande, gibt das offizielle Verkehrsbureau Luzern einen fünfſprachigen, abgekürzten Tarif (deutſch, franzöſiſch, italieniſch, engliſch und ruſſiſch) der General- abonnements heraus mit Routenkarte, auf welcher alle mit dem Generalabonnement zu befahrenden Strecken ſchwarz und alle übrigen Transportſtrecken, Schiffskurſe, Bergbahnen, Lokalbahnen, Poſten etc., wofür extra bezahlt werden muß, rot dargeſtellt ſind und zugleich ein überſichtliches Bild der ſchweizeriſchen Haupt- verkehrswege geboten wird. Dieſer Proſpekt bietet auch beſonderes Intereſſe für alle diejenigen Transportgeſellſchaften, die vom Generalabonnements- Verband ausgeſchloſſen ſind. Die Tarife ſind bei allen ſchweiz. Verkehrsbureaux zum Preiſe von 20 Cts. erhältlich. St. Galliſches. — Reviſion des Armengeſetzes. (Korr.) Zwei Prinzipien ſtehen ſich dabei gegenüber: das Heimat- und Domizilprinzip. Mit Ausnahme des Kantons Bern und Neuenburg iſt in der ganzen Schweiz das Heimatprinzip zur Grundlage des Armenrechtes ge- nommen worden. Ein Tagſatzungsbeſchluß von 1551, welcher den Bettel verbot, überband den „Burgerſchaften“ die Pflicht der Armenunterſtützung. Seitdem ſind das Bürgerrecht und das Armenrecht Geſchwiſter geblieben, und die Trennung derſelben wird wohl eine heikle Aufgabe werden. Naturgemäß ſollte eine Reform der Bürgergemeinde vorausgehen und die andere müßte dann von ſelbſt folgen. Es iſt auffallend, daß die helvetiſche Revolution bei der Ab- ſchaffung der Vorrechte nicht auch diejenigen der Ortsgemeinde, wie die der Zünfte mitnahm, und die „Burgergemeinde“ mit dem ganzen engherzigen Geiſte gewährleiſtete; und Napoleon hat in ſeiner Anſprache an die ſchweiz. Konſulta vom 12. Dez. 1802 geſagt: „Die Gemeinden in den kleinen Kantonen mögen ihre Alpſtreitigkeiten nach Belieben unter ſich ausmachen“ — und ſeither ſtreitet man ſich in denſelben immerfort, und die Alpen werden dabei wenig gefördert. Eine gründliche moderne Remedur der Ortsgemeinde hätte viele innere heftige Kämpfe erſpart, und jedenfalls die Schweiz weiter geführt, als die Bildung eines neuen, mit dem alten immer in Fehde ſtehenden Organismus „der politiſchen Gemeinde“. Anno 1803 wäre dieſe Aufgabe leichter geweſen als heute; das hat ſich anno 1890 beim Verſuch eines neuen Bürgerrechts- geſetzes gezeigt, welches bei der Geburt wieder kurzer Hand ein- geſargt wurde. Indeſſen für die Folgezeit entſcheidet weniger der augenblickliche Erfolg, als die mutige Initiative, weil neue Ideen nun einmal ihre Reifezeit haben müſſen. Die ſpätere Generation wird die Früchte der Arbeit des jetzigen Geſchlechtes genießen. Bei der Territorialität ſoll ſtatt der „Heimat“ das „Domi- zil“ die Armenpflege beſorgen. Gewiß ein zeitgemäßer Gedanke, der es verdiente, nicht bloß auf kantonalem, ſondern auch auf dem eidgenöſſiſchen Boden verwirklicht zu werden. Die Initiative betreffend die unentgeltliche Krankenpflege, welche vor einigen Jahren abgelehnt wurde, hätte auch dieſer Idee mächtig vorgearbeitet. Damals wurde ſie von Anhängern der eidgenöſſiſchen Unfall- und Krankenverſicherung heftig be- kämpft, trotzdem wird dieſe kaum lebensfähig, weil es ihr von Anfang an am Blut, d. h. am Geld fehlt. Alſo die politiſche Gemeinde erſcheint in den modernen Verfaſſungen und Geſetzen als deren Vollzieherin, z. B. Zivilſtandsweſen, Steuerweſen, polit. Rechte etc. etc., analog darf man ihr die Beſorgung des Armenweſens überlaſſen und ſie wird auch ihre Aufgabe löſen, wenn ſie gehörig montıert wird. — Das Geſetz betr. die direkten Staatsſteuern iſt nun auch in der Faſſung der großrätlichen Kommiſſion (I. Leſung) erſchienen. Dieſelbe enthält dem regierungsrätlichen Entwurfe gegenüber eine Reihe mehr oder minder weſentliche Aenderungen, namentlich im I. Abſchnitt, Feſtſetzung der Steuerpflıcht. Die Progreſſivſteuer ſoll nach dem Entwurfe der Kommiſſion erſt bei Vermögensanſätzen von über Fr. 300,000 eintreten. Die Skala wurde beibehalten. Die Progreſſion bei der Einkommensſteuer blieb unverändert. Von den Gemeindeſteuerkommiſſionen ſoll nach Antrag der Kommiſſion nur der Präſident vom Regierungsrate gewählt werden, während die übrigen 4 Mitglieder vom Gemeinderat zu bezeichnen wären. Der Regierungsrat beantragt Wahl dreier Mitglieder (inkl. Präſidium) durch den Regierungsrat. Bezüglich der Wahl der Kommiſſionen für die allgemeine Steuerreviſion ſtimmt die Kommiſſion dem Regierungsrate bei (Wahl dreier Mitglieder durch den Regierungsrat). — Die Konferenz des Gemeinderates und des Ortsver- waltungsrates der Stadt St. Gallen, ſowie des Kaufmänniſchen Direktoriums hat die der Stadt St. Gallen zugedachte Subven- tionierung der Normalbahn Romanshorn-St. Gallen-Herisau- Wattwil im Betrage von 2,800,000 Fr. in folgender Weiſe repartiert: politiſche Gemeinde St. Gallen 1,800,000 Fr., Orts- gemeinde 900,000 Fr. und Kaufm. Direktorium 100,000 Fr. — Alttoggenburg. (Eingeſandt.) Letzte Woche waren in Gähwil vier Perſonen mit Heu einheimſen beſchäftigt, welche zuſammen 300 Jahre zählen. Es ſind dies die drei Geſchwiſter Egli, Neuhaus, mit zuſammen 220 Jahren und deren Taglöhner, noch geſund und rüſtige 80jährige Greis Ammann von Gähwil. Möge dieſem wackern vierblättrigen Kleeblatt ein noch längerer gemütlicher Lebensabend beſchieden ſein. — Mels. Letzten Montag wurde die neue Realſchule eröffnet. Dieſelbe wird von 38 Schülern beſucht. — Infolge Bruches einer Dachlatte fiel in Schänis ein Arbeiter von einer Höhe von 12 Meter hinunter. Er erlitt einen komplizierten Armbruch und ſtarke Verletzungen am Kopfe, ſo daß er ins Krankenaſyl nach Uznach überführt werden mußte. — „Künftigen Sonntag, den 18. Juni, nachmittags halb 3 Uhr, wird in der Kapuziner-Kirche in Rapperswil III. Ordensverſammlung gehalten.“ Kantone. Zürich. Das Zürcher Volk hat mit bedeutender Mehr- heit das neue Schulgeſetz angenommen. Die Städte gaben den Ausſchlag, während die Landbevölkerung das Geſetz vielfach ver- worfen hat; aber das Land kommt eben in Zürıch nur wenig mehr zur Geltung, der Einfluß der Städte iſt maßgebend und wird es immer mehr ſein. Das neue Geſetz gewährt den Katho- liken das Recht, für den Religionsunterricht beſondere Schulloka- litäten zu verlangen. Es muß ihnen in der freien Zeit im Schul- gebäude ſelber ein entſprechendes Zimmer zur Verfügung geſtellt werden. Das iſt nicht viel, aber es liegt doch darin eine gerechte Anerkennung der Bedeutung der katholiſchen Kirche im Kanton Zürich. — Zürich, 10. Juni. Ein ſchreckliches Verbrechen ſetzt Zürich in Aufregung. Letzte Nacht zwiſchen 3 und 4 Uhr wurde in der Altſtadt, im Hauſe Froſchaugaſſe 26, ein alleinſtehendes Frauenzimmer, namens Bertha Kleinkammer ermordet. Uri. Altorf, 9. Juni. Heute Nachmittag ſtarb in Bürglen Pfarrer Johann Gisler, biſchöflicher Kommiſſar und päpſtlicher Pronotarius im Alter von 71 Jahren. Schwyz. Einſiedeln. (Korr.) Das Volk der Wald- ſtatt rumort allmählich. Das will es ſich nicht mehr länger gefallen laſſen, daß gewiſſe Herren mit ihm blinde Kuh ſpielen. Es iſt nun einmal Thatſache, daß dieſe Herren in aller Stille Doppelſpiel treiben, indem ſie als vom Volke gewählte Rats- herren zugleich im offiziellen bezahlten Auftrage der Oerlikoner- Herren das Volk für einen See beeinflußen. Das gefällt uns nicht. Der „Anzeiger“ nimmt immer ſo eine Art Stellung, aber uns kommt es vor, der Männerverein ſollte auch etwas thun. Die Frage des Sees geht nicht bloß Agenten an, ſie iſt ein Stück ſozialer Frage für ganz Einſiedeln. Endlich macht die Sihlſeekommiſſion Miene, dem Volke über bisher gethane Schritte Aufſchluß geben zu wollen. Es wird aber den Herren wohl noch nicht eilen; denn nach dem Steinbach kann man ſo einen Sihlſee ſchon brauchen, und wäre es auch nur als Probierplätz. Ausland. Italien. Die italieniſche Volksvertretung hat die Wahlen der Abgeordneten Chieſi, Andreis und Turati ungiltig erklärt. Dieſe 3 Abgeordneten ſind von den Kriegsgerichten anläßlich der Mailänder Revolution letztes Jahr zu mehrjähriger Kerkerſtrafe verurteilt worden, und als Proteſt gegen dieſes harte und un-

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Zitationshilfe: St. Galler Volksblatt. Nr. 47, Uznach, 14. 06. 1899, S. 2. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/nn_stgaller47_1899/2>, abgerufen am 25.04.2024.