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Neue Rheinische Zeitung. Nr. 284. Köln, 28. April 1849.

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er den Ruin des Landes, wünschte er uns die Anarchie? Machte ihm die Idee eines Bürgerkriegs Freude? War es seine Absicht, über Leichen, unter dem Wehklagen der Wittwen und Waisen in die Ruinen einer Stadt einzuziehen, welche ihm ehedem mit so viel Herzlichkeit und Hingebung Beifall gerufen?

"Die Constituante wurde gewählt; 200,000 Wähler trugen ihre Wahlzettel in diese Urnen, auf denen der Fluch des Vaticans ruhte. Die Constituante, lebendiger Ausdruck des Volkes und des allgemeinen Stimmrechts, erwog die Anforderungen Italiens, und prüfte die innere Natur des Pabstthums; sie fand, daß der doppelte Charakter, welchen sich dasselbe beilegte, mit der Civilisation und der Zukunft der Nation unvereinbar sei und sprach die Absetzung des Pabstes von seiner weltlichen Macht aus. Die Republik erhob sich über diesen Ruinen, rein, unbefleckt, würdig eines Volkes, welches sich so groß in Selbstachtung und Ordnung gezeigt hatte. Mögen die Verleumder dieser Republik uns sagen, welche Excesse begangen, in welcher Art die Harmonie der italienischen Staaten gestört oder die Hoffnungen derselben getäuscht worden seien. Keine, diese Republik ist die Ehre und der Stolz Italiens; sie ist würdig der ewigen Stadt, und das Rom der Cäsaren und der Päbste ist nicht größer als das Rom des Volkes.

"Möge Europa über diese Thatsachen urtheilen, möge es jetzt nach Kenntniß der Veranlassung aussprechen, ob unsere Revolution legitim ist oder nicht. So lange uns das Pabstthum beistehen will, so lange es sich als Freundin unserer Unabhängigkeit bewährt, so lange werden wir Hand in Hand mit ihm gehen und selbst seinen Segen für unsere glorreiche Wiedergeburt verlangen. Wenn aber das Pabstthum aus unseren Reihen desertirte und unsere Sache verließ, wenn es uns erklärte, daß sein geistlicher Charakter ihm verbiete, die hohen Bestrebungen des Unabhängigkeitsgeistes zu begünstigen, wenn es uns sagte, daß die Interessen der katholischen die Vertheidigung der Interessen Italiens nicht zuließen, dann konnten wir nur ein einziges Wort in unserm Munde, einen einzigen Gedanken in unserer Brust haben, dann konnten wir nur aus der Tiefe unseres Herzens ausrufen, daß wir Italiener sind und das Pabstthum zurückstoßen, wie es uns zurückgestoßen hat. Achtung dem Priester, aber Gehorsam nur dem Rufe Italiens!

"Möge die Welt über diese Thatsachen urtheilen, und wenn es ihr gefällt, mit ihren Verleumdungen fortfahren. Nicht zu unserer Rechtfertigung haben wir diese Darstellung erlassen. Unsere Rechtfertigung liegt in unserm Recht, in unserm Gewissen. Aber Europa soll einen Maßstab haben, um die Schicksale zu beurtheilen, die man uns vorbereitet; wir treten ihnen entgegen, ohne Ehrgeiz, aber ohne Furcht, mit der Ruhe von Männern, welche für die Wohlfahrt eines geliebten Vaterlandes ihre Pflicht gethan haben, und welche stets mit erhobenem Haupte und reinem Herzen vor Europa ausrufen können: "Wir haben zum mindesten ein glorreiches Werk vollendet, das war der Tag, an welchem wir die weltliche Macht der Päbste zerstörten!"

"Rom, den 3. März. Der Minister der auswärtigen Angelegenheiten: Carlo Rusconi."

* Die Turiner Journale bringen die Nachricht, daß selbst das elende Ministerium, durch die Anmaßungen der östreichischen Standrechtshunde gezwungen, eine kriegerische Haltung annimmt; die Fortifikationen von Alessandria werden ausgebessert, die Armee wird neu organisirt und Alles zur Wiederaufnahme des Krieges vorbereitet. Wir wollen erwarten, ob dies merkwürdige Ehrgefühl der königlichen Mordbrenner und Bourgeois-Beutelschneider nicht mit einem neuen Verrath endigt, um mit der beabsichtigten "Entwaffnung der Armee" den Oestreichern in Oberitalien vollends freies Spiel zu öffnen.

In Florenz trägt die Reaktion bereits der Bourgeoisie die verdienten Früchte ein. Die Bauern sind aus der ganzen Umgegend in die Stadt gezogen, und haben unter dem Vorwand, zur Feier der Wiedereinsetzung des blödsinnigen Leopold eine Jagd auf die Republikaner anzustellen, die Bourgeoishäuser geplündert: am 15. war die Regierung deshalb genöthigt, ihren bäuerlichen Freunden förmlich den Zutritt zu der Stadt zu verbieten.

In Pisa sind die Bauern mit den Freiwilligen in Kampf gerathen, und haben sich nach einem heftigen Gewehrfeuer mit Verlust mehrerer Todten zurückgezogen. Die Florentiner Regierung hat die Entwaffnung von 4 Freiwilligen-Corps angeordnet.

Die Zeitung von Parma veröffentlicht ein Bülletin über die Operationen der östreichischen und modeneser Truppen in der Lunigiana, wonach die beiden vereinigten Colonnen, trotz der Intervention der französischen und englischen Gesandtschaftssekretäre, ihren Marsch gegen Massa fortsetzen.

* Ferrara, 14. April.

Die Oestreicher betreiben eine furchtbare Aushebung in der Umgegend von Rovigo. Die Familien selbst werden gezwungen, die Widerspenstigen zu denunciren, widrigenfalls andere Familienglieder, selbst der Vater eines Refraktaire's, eingezogen werden sollen. Es sind bereits Mütter mißhandelt und in die Gefängnisse geworfen worden, weil sie ihre Kinder den deutschen Standtrechtshunden nicht denunciren wollten.

* Florenz, 19. April.

Der Minister des Auswärtigen hat den Fürsten Poniatowski zum Bevollmächtigten bei der französischen und englischen Regierung ernannt.

In Livorno hat die Bürgerschaft vorgestern einen Sicherheitsschuß ernannt.

Florenz, 15. April.

Die Regierungskommission hat ein Ministerium ernannt, das aus folgenden Personen besteht: Oberst G. Belluomini, Krieg; T. Fornetti, Auswärtiges; A. Allegretti, Inneres; B. Martini, Finanzen; A. Duchoque, Justiz und Cultus; M. Tabarrini, öffentlicher Unterricht und Wohlthätigkeit. L. Pezella ist zum Präfekten von Florenz ernannt und General G. Chiesi mit dem Oberbefehl über alle stehenden Truppen beauftragt, die in Florenz vereinigt sind. Es ist den Deputirten der constituirenden Versammlung verboten, Vereinigungen zu halten und Beschlüsse zu fassen. Wie es scheint, trugen einige in einer am 12. gehaltenen Versammlung darauf an, den Municipalrath und die ihr beigegebene Kommission in Anklagezustand zu versetzen.

* Rom, 15. April.

Die Constituante hat erklärt, daß sie für die Tage der Gefahr den Triumvirn volle Macht und volles Vertrauen schenken wolle.

Französische Republik.
Paris, 25. April.

Der Marseiller Nouvelliste vom 22. April bringt uns folgende Proklamation Oudinot's:

"Soldaten! Der Präsident der Republik hat mir den Oberbefehl des Expeditionskorps des Mittelmeeres anvertraut. Diese Ehre legt große Pflichten auf: Euer Patriotismus wird mir helfen, sie zu erfüllen. Die Regierung, überall unseren alten und gerechten Einfluß zu erhalten, entschlossen, will nicht, daß die Schicksale des italienischen Volks der Gewalt einer fremden Macht oder einer herrschenden Minorität (!) anheimfallen sollen. Sie vertraut uns die Fahne Frankreich's an, um sie auf das römische Territorium als glänzendes Zeugniß unserer Sympathieen zu pflanzen (!!). Land- und See-Soldaten, Kinder derselben Familie, Ihr werdet in Euerer Hingebung und in Euren Anstrengungen mit einander wetteifern: dieses gemeinschaftliche Zusammenhalten wird Euch Gefahren, Entbehrungen und Anstrengungen freudig ertragen lassen. Auf dem Boden, an welchem Ihr an's Land steigen sollet, werdet Ihr mit jedem Schritte Denkmälern und Erinnerungszeichen begegnen, welche Eueren Ruhm-Instinkt (!) mächtig anreizen dürften. Die militärische Ehre aber befiehlt die Disziplin ebensosehr als die Tapferkeit: vergesset das nie. Euere Väter haben des seltenen Vorzugs genossen, überall, wo sie fochten, dem französischen Namen Liebe zu erwerben. Wie sie, werdet auch Ihr das Eigenthum, gute Sitte und befreundete Völkerschaften achten. Euch diese Achtung zu erleichtern, hat die Regierung befohlen: daß Alles, was die Armee brauchen könnte, von den Soldaten jenen Bevölkerungen sofort baar bezahlt werden müsse. Ihr sollt bei jeder Gelegenheit diese Grundsätze hoher Moralität als Maßregel für Euer Verhalten betrachten. Durch Euere Waffen, durch Euer Beispiel werdet Ihr die Würde der Völker achten lehren. Dieselbe wird aber durch Ausschweifung nicht weniger verletzt als durch Despotismus. Italien wird Euch auf diese Weise das verdanken, was Frankreich für sich zu erobern wußte: nämlich Ordnung in der Freiheit.

Der Obergeneral:

(gez.) Oudinot de Reggiv."

- Das seit drei Tagen verbreitete Gerücht, ein Theil der Alpenarmee werde in Piemont einrücken oder doch zunächst Chambery besetzen, ist voreilig. Die hinteren Divisionen rücken nur vorwärts, um die für Civita-Becchia eingeschifften Divisionen zu ersetzen. Das Barrotkabinet will wenigstens die bei der Novarraschlacht innegehabten Positionen nicht verlassen.

- Die Predigten Proudhon's im Peuple über den gesetzlichen Widerstand tragen mit jedem Abend bedenklichere Früchte. Gestern Abend ist bereits Blut geflossen. An drei Orten wurden die Polizeikommissarien abgewiesen und deßhalb die Säle mit Gewalt geleert: Rue Martel (Fraternitätssaal), Rue de Lamartine (Concertsaal) und Rue de Montesquieu. Um 10 Uhr Abends jagten drei Bataillone im Sturmschritt über die Boulevards der Porte St. Denis zu, um die Gruppen zu vertreiben, die sich nach Räumung des Fraternitätssaales gebildet hatten.

Diese Wahlkonflikte werden mit jedem Tage ernster.

- Mehrere Morgenblätter melden hinterher, daß eine englisch-französische Kollektivnote nach Wien abgegangen, um Hrn. v. Schwarzenberg zu ersuchen, dem Marschall Radetzki mehr Milde gegen Piemont zu befehlen.

- Banquier Delamarre trägt bei der Nationalversammlung auf Erlaubniß zur gerichtlichen Verfolgung Ledrü-Rollin's wegen Verläumdung an. Das Reglement widersetzt sich jedoch jeder gerichtlichen Verfolgung für irgend eine Rede, die auf der Bühne der Nationalversammlung gehalten wurde.

- Das Journal des Debats brach gestern endlich das Schweigen, um die Kandidatur Guizot's in Lisieux zu bevorworten. Der Thiers'sche Courrier nennt diesen Artikel eine Leichenrede. "Denn, sagt er schadenfroh, "die Würfel stehen verzweifelt. Am vorigen Sonnabend war eine allgemeine Wahlversammlung in Lisieux ausgeschrieben. Es handelte sich darum, den Kandidaten zu bestimmen, welchen der Bezirk Lisieux auf die Departementsliste stellen würde? Alle Notabilitäten waren versammelt; die Glieder des Generalraths, Arrondissementsraths, der Munizipalräthe, der Handelskammern und Tribunale, fast alle Offiziere der Bürgerwehr waren gegenwärtig. Wohlan, es wird zur Wahl geschritten, und siehe da, von 326 Stimmenden erhielt Herr Guizot nur 63. De profundis!"

- Blanqui liegt in Doullens lebensgefährlich krank danieder. Er soll keine andere Nahrung als einige in Essig getränkte Salatblättchen mehr zu sich nehmen.

- Die Zerstörung des von unseren Akademikern entworfenen Primarunterrichtsgesetzes durch den Unterrichtsminister Falloux hat eine Contre-Kommission hervorgerufen, die sich gestern unter des Exministers Carnot's Vorsitze konstituirt hat. Dieselbe tritt den ministeriellen Entwürfen für alle Zweige der Volksschule entgegen und wird im Laufe der nächsten Schulferien sämmtliche Schulmeister aus dem Gebiete der gesammten Republik zu einem Kongreß hier in Paris zusammenrufen.

- Vor dem Justizpalaste ereignete sich heute Vormittag eine merkwündige Szene. Der Henker schlug nämlich die Namen der im Maiprozesse in contumaciam Verurtheilten an den Pranger. .... Das Volk wohnte stumm dieser Scene eines mittelalterlichen Fanatismus bei und stellte Blumentöpfe auf den Pranger. Selbst unter der Julimonarchie hatte man in politischen Prozessen diesen honetten Gebrauch nicht beobachtet.

- Die Marseiller Blätter melden uns, daß Baudin's Flotte (so lange vor Neapel) im Hafen von Ajaccio liege.

- Nationalversammlung. Sitzung vom 24. April. Anfang 12 1/2 Uhr. Marrast präsidirt. An der Tagesordnung ist die 2. Lesung des Lamoriciere'schen Entwurfs der Armee-Reorganisation.

Sauvaire-Barthelemy bringt in die Versammlung, sich doch vorher mit dem Kredite für Montevideo zu beschäftigen. (Nein! Nein!)

Marrast. Es wurde gestern speziell entschieden, daß die Armee-Reorganisation an die Spitze der heutigen Tagesordnung gestellt werden müsse. Ich glaube, es kann ohne Annullirung dieses Beschlusses keine Aenderung eintreten. (Zur Tagesordnung!)

Rulbieres,Kriegsminister, besteigt zum ersten Male nach langer Zeit wieder die Bühne, zieht eine lange Papierrolle hervor, mittels welcher er die Lamoriciere'sche Vorschläge als fatale Neuerungen bekämpft. Wir hören mitten durch den allgemeinen gleichgültigen Lärm, daß er es gefährlich finde, gerade im jetzigen kritischen Augenblicke am Heergebäude zu rütteln. Er trägt auf Vertagung des Entwurfs und dessen Ueberweisung an den Staatsrath an, laut Artikels 75 der Verfassung. (Heftiger Widerspruch auf der linken Ebene.)

Lamoriciere eilt auf die Bühne und widerlegt den Minister. Er theilt die Gegenrede desselben in mehrere Fächer, und widerspricht einem Einwand nach dem andern.

Rulhieres erneuert in wenigen Worten den Antrag auf Vertagung und hält den Entwurf am allerwenigsten jetzt schon zu einer Generaldiskussion reif. (Oh! Oh!)

Besnard gesellt sich dem Minister bei. Der Lamoriciere'sche Entwurf führe keineswegs zu absoluter Gleichheit hinsichtlich der Militärpflicht. Im Gegentheil konstituire er eine gehässige Progressivsteuer. Eine Aenderung des Rekrutirungswesens sei eine gefährliche Neuerung. Lamoriciere'sche Pläne würden wenig Beifall bei den Ackerleuten finden. Im Gegentheile würde sich das gesammte Landvolk gegen jedes andere Rekrutirungssystem erheben (Beifall rechts. Heftiger Widerspruch links.)

Foy im Namen des Ausschusses entgegnet, man möchte gern die allgemeine Debatte erdrücken. Er behalte sich die Widerlegung der erhobenen Einwendungen auf die artikelweise Debatte vor.

Subervic bekämpft den Entwurf mit aller Leidenschaftlichkeit eines alten Generals.

Deludre unterstützt den Entwurf als Glied des Ausschusses.

Raudat, Adelsward und Lamoriciere begehren hintereinander das Wort.

Cavaignac tritt ebenfalls in die Reihe und bekämpft die beantragte Vertagung, so wie die Ueberweisung des Entwurfs an den Staatsrath. Die Kommission habe vier Monate daran gearbeitet und es wäre eine Art Tadel, wenn man den Entwurf noch nicht als gehörig geprüft betrachte.

Deslongrais und Baraguay d'Hilliers bestehen auf Vertagung, d. h. Verwerfung oder Ueberweisung.

Lamoriciere protestirt hiegegen von Neuem. (Zur Abstimmung! Zur Abstimmung!) Die Versammlung solle votiren, ob sie die Generaldebatte für geschlossen halten und zur artikelweisen Berathung schreiten wolle?

Dies wird mit 374 gegen 235 Stimmen entschieden.

Marrast proklamirt Lecourt zum Volksvertreter der Colonie Pondichery.

Ebenso verliest er inzwischen einen Brief Dudinot's, worin derselbe nachträglich um Urlaub bittet, weil er sich habe an die Spitze der Flottille stellen müssen. (Bewilligt.)

Nach Ertheilung mehrerer Urlaube geht die Versammlung zur artikelweisen Berathung über. Der Entwurf besteht aus nicht weniger als 62 Artikeln. (Wir gaben die Hauptbestimmungen derselben bereits früher.)

Die ersten achtzehn Artikel gehen ziemlich rasch durch und die Debatte wird beim Artikel 19 auf morgen verschoben.

Die Sitzung wird 6 1/4 Uhr geschlossen.

- National-Versammlung. Sitzung vom 25. April. Anfang 12 1/2 Uhr. Vicepräsident Gordon.

Das Protokoll wird verlesen und das Heerreformgesetz vorgenommen. Die Versammlung war gestern bis zum Artikel 19 geschritten. Artikel 19 handelt von der Zusammensetzung der Rekrutirungs-Revisions-Kommission.

Manuel beklagt sich, daß man die Theilnahme eines Präfekturrathes daraus gestrichen habe. Die Bildung sei zu ausschließlich militärisch. Hierdurch verlören die Ausgehobenen an Garantie etc.

Adelsward will den Artikel an den Ausschuß gewiesen haben.

Dies wird angenommen.

Der Artikel geht an den Ausschuß zurück.

Die Artikel 20 bis 38 gehen ohne erhebliche Debatte durch.

Ledru-Rollin, zurückgekehrt von seiner Reise, unterbricht die Debatte. Bürger Vertreter! beginnt er, ich erfahre, daß ein Antrag auf Ermächtigung zu gerichtlicher Verfolgung gegen mich seit Sonnabend deponirt ist. Ich ersuche die Versammlung, daß sie diesen Antrag schon auf ihre morgige Tagesordnung setzen lassen möge. (Nein! Nein!)

Viele Stimmen: Die Vorfrage!

Gordon, Präsident: Ich bringe die Vorfrage zur Abstimmung.

Stimme: Lesen Sie den Antragsbrief vor!

Larabit: Ich protestire; das wäre gegen allen Gebrauch!

Stimmen: Lesen Sie! Lesen Sie!

Gordon liest:

Herr Präsident der National-Versammlung!

Herr Ledru-Rollin hat mich in der Sitzung von Sonnabend auf unbezeichenbare Weise angegriffen. Ich bitte die Versammlung, mir Gelegenheit zu verschaffen, mich gegen eine so unwürdige Verläumdung rechtfertigen zu können. Möge sie daher die Ermächtigung aussprechen, Hrn. Ledru-Rollin vor den kompetenten Tribunalen zu belangen etc.

(gez) De Lamarre.

Ledru-Rollin: Dieser Brief spricht von unwürdiger Verläumdung. Ich protestire gegen diesen Ausdruck und bleibe bei Allem, was ich auf dieser Bühne gesagt habe.

Zahlreiche Stimmen: Die Vorfrage!

Der Präsident bringt die Vorfrage zur Abstimmung.

Dieselbe wird angenommen und somit fällt der Antrag ohne alle Debatte durch.

Die Sitzung wird um 6 1/4 Uhr geschlossen.

Ungarn.
*
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Dänemark.
Kopenhagen, 22. April.

Die "neuesten Postnachrichten" bringen heute Morgen die Einnahme von Kolding durch die Schleswig-Holsteiner in folgender Weise zur öffentlichen Kunde: "Am 20. April, Morgens 7 Uhr, rückten die Insurgenten in bedeutender Stärke gegen Kolding vor, welches von unsern Vorposten besetzt war; diese räumten, voraus gegebenen Befehlen gemäß, die Stadt, ohne sich auf einen hartnäckigen Kampf einzulassen. - Um 9 Uhr kam es im Norden von Kolding zu einem lebhaften Tirailleurgefecht.

Das Kriegsministerium fordert ältere Schützen, die nicht die Strapazen des Felddienstes und der Märsche ertragen können, unter Anerbietung besondern Handgeldes und Prämien auf, in das Heer zu treten, um in festen Positionen und Batterien verwandt zu werden.

(B.-H.)
Spanien
* Madrid, 20. April.

Es heißt, auch Spanien werde ein Geschwader von 10 bis 12,000 Mann für den Pabst absenden.

er den Ruin des Landes, wünschte er uns die Anarchie? Machte ihm die Idee eines Bürgerkriegs Freude? War es seine Absicht, über Leichen, unter dem Wehklagen der Wittwen und Waisen in die Ruinen einer Stadt einzuziehen, welche ihm ehedem mit so viel Herzlichkeit und Hingebung Beifall gerufen?

„Die Constituante wurde gewählt; 200,000 Wähler trugen ihre Wahlzettel in diese Urnen, auf denen der Fluch des Vaticans ruhte. Die Constituante, lebendiger Ausdruck des Volkes und des allgemeinen Stimmrechts, erwog die Anforderungen Italiens, und prüfte die innere Natur des Pabstthums; sie fand, daß der doppelte Charakter, welchen sich dasselbe beilegte, mit der Civilisation und der Zukunft der Nation unvereinbar sei und sprach die Absetzung des Pabstes von seiner weltlichen Macht aus. Die Republik erhob sich über diesen Ruinen, rein, unbefleckt, würdig eines Volkes, welches sich so groß in Selbstachtung und Ordnung gezeigt hatte. Mögen die Verleumder dieser Republik uns sagen, welche Excesse begangen, in welcher Art die Harmonie der italienischen Staaten gestört oder die Hoffnungen derselben getäuscht worden seien. Keine, diese Republik ist die Ehre und der Stolz Italiens; sie ist würdig der ewigen Stadt, und das Rom der Cäsaren und der Päbste ist nicht größer als das Rom des Volkes.

„Möge Europa über diese Thatsachen urtheilen, möge es jetzt nach Kenntniß der Veranlassung aussprechen, ob unsere Revolution legitim ist oder nicht. So lange uns das Pabstthum beistehen will, so lange es sich als Freundin unserer Unabhängigkeit bewährt, so lange werden wir Hand in Hand mit ihm gehen und selbst seinen Segen für unsere glorreiche Wiedergeburt verlangen. Wenn aber das Pabstthum aus unseren Reihen desertirte und unsere Sache verließ, wenn es uns erklärte, daß sein geistlicher Charakter ihm verbiete, die hohen Bestrebungen des Unabhängigkeitsgeistes zu begünstigen, wenn es uns sagte, daß die Interessen der katholischen die Vertheidigung der Interessen Italiens nicht zuließen, dann konnten wir nur ein einziges Wort in unserm Munde, einen einzigen Gedanken in unserer Brust haben, dann konnten wir nur aus der Tiefe unseres Herzens ausrufen, daß wir Italiener sind und das Pabstthum zurückstoßen, wie es uns zurückgestoßen hat. Achtung dem Priester, aber Gehorsam nur dem Rufe Italiens!

„Möge die Welt über diese Thatsachen urtheilen, und wenn es ihr gefällt, mit ihren Verleumdungen fortfahren. Nicht zu unserer Rechtfertigung haben wir diese Darstellung erlassen. Unsere Rechtfertigung liegt in unserm Recht, in unserm Gewissen. Aber Europa soll einen Maßstab haben, um die Schicksale zu beurtheilen, die man uns vorbereitet; wir treten ihnen entgegen, ohne Ehrgeiz, aber ohne Furcht, mit der Ruhe von Männern, welche für die Wohlfahrt eines geliebten Vaterlandes ihre Pflicht gethan haben, und welche stets mit erhobenem Haupte und reinem Herzen vor Europa ausrufen können: „Wir haben zum mindesten ein glorreiches Werk vollendet, das war der Tag, an welchem wir die weltliche Macht der Päbste zerstörten!“

„Rom, den 3. März. Der Minister der auswärtigen Angelegenheiten: Carlo Rusconi.

* Die Turiner Journale bringen die Nachricht, daß selbst das elende Ministerium, durch die Anmaßungen der östreichischen Standrechtshunde gezwungen, eine kriegerische Haltung annimmt; die Fortifikationen von Alessandria werden ausgebessert, die Armee wird neu organisirt und Alles zur Wiederaufnahme des Krieges vorbereitet. Wir wollen erwarten, ob dies merkwürdige Ehrgefühl der königlichen Mordbrenner und Bourgeois-Beutelschneider nicht mit einem neuen Verrath endigt, um mit der beabsichtigten „Entwaffnung der Armee“ den Oestreichern in Oberitalien vollends freies Spiel zu öffnen.

In Florenz trägt die Reaktion bereits der Bourgeoisie die verdienten Früchte ein. Die Bauern sind aus der ganzen Umgegend in die Stadt gezogen, und haben unter dem Vorwand, zur Feier der Wiedereinsetzung des blödsinnigen Leopold eine Jagd auf die Republikaner anzustellen, die Bourgeoishäuser geplündert: am 15. war die Regierung deshalb genöthigt, ihren bäuerlichen Freunden förmlich den Zutritt zu der Stadt zu verbieten.

In Pisa sind die Bauern mit den Freiwilligen in Kampf gerathen, und haben sich nach einem heftigen Gewehrfeuer mit Verlust mehrerer Todten zurückgezogen. Die Florentiner Regierung hat die Entwaffnung von 4 Freiwilligen-Corps angeordnet.

Die Zeitung von Parma veröffentlicht ein Bülletin über die Operationen der östreichischen und modeneser Truppen in der Lunigiana, wonach die beiden vereinigten Colonnen, trotz der Intervention der französischen und englischen Gesandtschaftssekretäre, ihren Marsch gegen Massa fortsetzen.

* Ferrara, 14. April.

Die Oestreicher betreiben eine furchtbare Aushebung in der Umgegend von Rovigo. Die Familien selbst werden gezwungen, die Widerspenstigen zu denunciren, widrigenfalls andere Familienglieder, selbst der Vater eines Refraktaire's, eingezogen werden sollen. Es sind bereits Mütter mißhandelt und in die Gefängnisse geworfen worden, weil sie ihre Kinder den deutschen Standtrechtshunden nicht denunciren wollten.

* Florenz, 19. April.

Der Minister des Auswärtigen hat den Fürsten Poniatowski zum Bevollmächtigten bei der französischen und englischen Regierung ernannt.

In Livorno hat die Bürgerschaft vorgestern einen Sicherheitsschuß ernannt.

Florenz, 15. April.

Die Regierungskommission hat ein Ministerium ernannt, das aus folgenden Personen besteht: Oberst G. Belluomini, Krieg; T. Fornetti, Auswärtiges; A. Allegretti, Inneres; B. Martini, Finanzen; A. Duchoque, Justiz und Cultus; M. Tabarrini, öffentlicher Unterricht und Wohlthätigkeit. L. Pezella ist zum Präfekten von Florenz ernannt und General G. Chiesi mit dem Oberbefehl über alle stehenden Truppen beauftragt, die in Florenz vereinigt sind. Es ist den Deputirten der constituirenden Versammlung verboten, Vereinigungen zu halten und Beschlüsse zu fassen. Wie es scheint, trugen einige in einer am 12. gehaltenen Versammlung darauf an, den Municipalrath und die ihr beigegebene Kommission in Anklagezustand zu versetzen.

* Rom, 15. April.

Die Constituante hat erklärt, daß sie für die Tage der Gefahr den Triumvirn volle Macht und volles Vertrauen schenken wolle.

Französische Republik.
Paris, 25. April.

Der Marseiller Nouvelliste vom 22. April bringt uns folgende Proklamation Oudinot's:

„Soldaten! Der Präsident der Republik hat mir den Oberbefehl des Expeditionskorps des Mittelmeeres anvertraut. Diese Ehre legt große Pflichten auf: Euer Patriotismus wird mir helfen, sie zu erfüllen. Die Regierung, überall unseren alten und gerechten Einfluß zu erhalten, entschlossen, will nicht, daß die Schicksale des italienischen Volks der Gewalt einer fremden Macht oder einer herrschenden Minorität (!) anheimfallen sollen. Sie vertraut uns die Fahne Frankreich's an, um sie auf das römische Territorium als glänzendes Zeugniß unserer Sympathieen zu pflanzen (!!). Land- und See-Soldaten, Kinder derselben Familie, Ihr werdet in Euerer Hingebung und in Euren Anstrengungen mit einander wetteifern: dieses gemeinschaftliche Zusammenhalten wird Euch Gefahren, Entbehrungen und Anstrengungen freudig ertragen lassen. Auf dem Boden, an welchem Ihr an's Land steigen sollet, werdet Ihr mit jedem Schritte Denkmälern und Erinnerungszeichen begegnen, welche Eueren Ruhm-Instinkt (!) mächtig anreizen dürften. Die militärische Ehre aber befiehlt die Disziplin ebensosehr als die Tapferkeit: vergesset das nie. Euere Väter haben des seltenen Vorzugs genossen, überall, wo sie fochten, dem französischen Namen Liebe zu erwerben. Wie sie, werdet auch Ihr das Eigenthum, gute Sitte und befreundete Völkerschaften achten. Euch diese Achtung zu erleichtern, hat die Regierung befohlen: daß Alles, was die Armee brauchen könnte, von den Soldaten jenen Bevölkerungen sofort baar bezahlt werden müsse. Ihr sollt bei jeder Gelegenheit diese Grundsätze hoher Moralität als Maßregel für Euer Verhalten betrachten. Durch Euere Waffen, durch Euer Beispiel werdet Ihr die Würde der Völker achten lehren. Dieselbe wird aber durch Ausschweifung nicht weniger verletzt als durch Despotismus. Italien wird Euch auf diese Weise das verdanken, was Frankreich für sich zu erobern wußte: nämlich Ordnung in der Freiheit.

Der Obergeneral:

(gez.) Oudinot de Reggiv.“

‒ Das seit drei Tagen verbreitete Gerücht, ein Theil der Alpenarmee werde in Piemont einrücken oder doch zunächst Chambery besetzen, ist voreilig. Die hinteren Divisionen rücken nur vorwärts, um die für Civita-Becchia eingeschifften Divisionen zu ersetzen. Das Barrotkabinet will wenigstens die bei der Novarraschlacht innegehabten Positionen nicht verlassen.

‒ Die Predigten Proudhon's im Peuple über den gesetzlichen Widerstand tragen mit jedem Abend bedenklichere Früchte. Gestern Abend ist bereits Blut geflossen. An drei Orten wurden die Polizeikommissarien abgewiesen und deßhalb die Säle mit Gewalt geleert: Rue Martel (Fraternitätssaal), Rue de Lamartine (Concertsaal) und Rue de Montesquieu. Um 10 Uhr Abends jagten drei Bataillone im Sturmschritt über die Boulevards der Porte St. Denis zu, um die Gruppen zu vertreiben, die sich nach Räumung des Fraternitätssaales gebildet hatten.

Diese Wahlkonflikte werden mit jedem Tage ernster.

‒ Mehrere Morgenblätter melden hinterher, daß eine englisch-französische Kollektivnote nach Wien abgegangen, um Hrn. v. Schwarzenberg zu ersuchen, dem Marschall Radetzki mehr Milde gegen Piemont zu befehlen.

‒ Banquier Delamarre trägt bei der Nationalversammlung auf Erlaubniß zur gerichtlichen Verfolgung Ledrü-Rollin's wegen Verläumdung an. Das Reglement widersetzt sich jedoch jeder gerichtlichen Verfolgung für irgend eine Rede, die auf der Bühne der Nationalversammlung gehalten wurde.

‒ Das Journal des Debats brach gestern endlich das Schweigen, um die Kandidatur Guizot's in Lisieux zu bevorworten. Der Thiers'sche Courrier nennt diesen Artikel eine Leichenrede. „Denn, sagt er schadenfroh, „die Würfel stehen verzweifelt. Am vorigen Sonnabend war eine allgemeine Wahlversammlung in Lisieux ausgeschrieben. Es handelte sich darum, den Kandidaten zu bestimmen, welchen der Bezirk Lisieux auf die Departementsliste stellen würde? Alle Notabilitäten waren versammelt; die Glieder des Generalraths, Arrondissementsraths, der Munizipalräthe, der Handelskammern und Tribunale, fast alle Offiziere der Bürgerwehr waren gegenwärtig. Wohlan, es wird zur Wahl geschritten, und siehe da, von 326 Stimmenden erhielt Herr Guizot nur 63. De profundis!»

‒ Blanqui liegt in Doullens lebensgefährlich krank danieder. Er soll keine andere Nahrung als einige in Essig getränkte Salatblättchen mehr zu sich nehmen.

‒ Die Zerstörung des von unseren Akademikern entworfenen Primarunterrichtsgesetzes durch den Unterrichtsminister Falloux hat eine Contre-Kommission hervorgerufen, die sich gestern unter des Exministers Carnot's Vorsitze konstituirt hat. Dieselbe tritt den ministeriellen Entwürfen für alle Zweige der Volksschule entgegen und wird im Laufe der nächsten Schulferien sämmtliche Schulmeister aus dem Gebiete der gesammten Republik zu einem Kongreß hier in Paris zusammenrufen.

‒ Vor dem Justizpalaste ereignete sich heute Vormittag eine merkwündige Szene. Der Henker schlug nämlich die Namen der im Maiprozesse in contumaciam Verurtheilten an den Pranger. ‥‥ Das Volk wohnte stumm dieser Scene eines mittelalterlichen Fanatismus bei und stellte Blumentöpfe auf den Pranger. Selbst unter der Julimonarchie hatte man in politischen Prozessen diesen honetten Gebrauch nicht beobachtet.

‒ Die Marseiller Blätter melden uns, daß Baudin's Flotte (so lange vor Neapel) im Hafen von Ajaccio liege.

Nationalversammlung. Sitzung vom 24. April. Anfang 12 1/2 Uhr. Marrast präsidirt. An der Tagesordnung ist die 2. Lesung des Lamoriciere'schen Entwurfs der Armee-Reorganisation.

Sauvaire-Barthelemy bringt in die Versammlung, sich doch vorher mit dem Kredite für Montevideo zu beschäftigen. (Nein! Nein!)

Marrast. Es wurde gestern speziell entschieden, daß die Armee-Reorganisation an die Spitze der heutigen Tagesordnung gestellt werden müsse. Ich glaube, es kann ohne Annullirung dieses Beschlusses keine Aenderung eintreten. (Zur Tagesordnung!)

Rulbieres,Kriegsminister, besteigt zum ersten Male nach langer Zeit wieder die Bühne, zieht eine lange Papierrolle hervor, mittels welcher er die Lamoriciere'sche Vorschläge als fatale Neuerungen bekämpft. Wir hören mitten durch den allgemeinen gleichgültigen Lärm, daß er es gefährlich finde, gerade im jetzigen kritischen Augenblicke am Heergebäude zu rütteln. Er trägt auf Vertagung des Entwurfs und dessen Ueberweisung an den Staatsrath an, laut Artikels 75 der Verfassung. (Heftiger Widerspruch auf der linken Ebene.)

Lamoriciere eilt auf die Bühne und widerlegt den Minister. Er theilt die Gegenrede desselben in mehrere Fächer, und widerspricht einem Einwand nach dem andern.

Rulhieres erneuert in wenigen Worten den Antrag auf Vertagung und hält den Entwurf am allerwenigsten jetzt schon zu einer Generaldiskussion reif. (Oh! Oh!)

Besnard gesellt sich dem Minister bei. Der Lamoriciere'sche Entwurf führe keineswegs zu absoluter Gleichheit hinsichtlich der Militärpflicht. Im Gegentheil konstituire er eine gehässige Progressivsteuer. Eine Aenderung des Rekrutirungswesens sei eine gefährliche Neuerung. Lamoriciere'sche Pläne würden wenig Beifall bei den Ackerleuten finden. Im Gegentheile würde sich das gesammte Landvolk gegen jedes andere Rekrutirungssystem erheben (Beifall rechts. Heftiger Widerspruch links.)

Foy im Namen des Ausschusses entgegnet, man möchte gern die allgemeine Debatte erdrücken. Er behalte sich die Widerlegung der erhobenen Einwendungen auf die artikelweise Debatte vor.

Subervic bekämpft den Entwurf mit aller Leidenschaftlichkeit eines alten Generals.

Deludre unterstützt den Entwurf als Glied des Ausschusses.

Raudat, Adelsward und Lamoriciere begehren hintereinander das Wort.

Cavaignac tritt ebenfalls in die Reihe und bekämpft die beantragte Vertagung, so wie die Ueberweisung des Entwurfs an den Staatsrath. Die Kommission habe vier Monate daran gearbeitet und es wäre eine Art Tadel, wenn man den Entwurf noch nicht als gehörig geprüft betrachte.

Deslongrais und Baraguay d'Hilliers bestehen auf Vertagung, d. h. Verwerfung oder Ueberweisung.

Lamoriciere protestirt hiegegen von Neuem. (Zur Abstimmung! Zur Abstimmung!) Die Versammlung solle votiren, ob sie die Generaldebatte für geschlossen halten und zur artikelweisen Berathung schreiten wolle?

Dies wird mit 374 gegen 235 Stimmen entschieden.

Marrast proklamirt Lecourt zum Volksvertreter der Colonie Pondichery.

Ebenso verliest er inzwischen einen Brief Dudinot's, worin derselbe nachträglich um Urlaub bittet, weil er sich habe an die Spitze der Flottille stellen müssen. (Bewilligt.)

Nach Ertheilung mehrerer Urlaube geht die Versammlung zur artikelweisen Berathung über. Der Entwurf besteht aus nicht weniger als 62 Artikeln. (Wir gaben die Hauptbestimmungen derselben bereits früher.)

Die ersten achtzehn Artikel gehen ziemlich rasch durch und die Debatte wird beim Artikel 19 auf morgen verschoben.

Die Sitzung wird 6 1/4 Uhr geschlossen.

National-Versammlung. Sitzung vom 25. April. Anfang 12 1/2 Uhr. Vicepräsident Gordon.

Das Protokoll wird verlesen und das Heerreformgesetz vorgenommen. Die Versammlung war gestern bis zum Artikel 19 geschritten. Artikel 19 handelt von der Zusammensetzung der Rekrutirungs-Revisions-Kommission.

Manuel beklagt sich, daß man die Theilnahme eines Präfekturrathes daraus gestrichen habe. Die Bildung sei zu ausschließlich militärisch. Hierdurch verlören die Ausgehobenen an Garantie etc.

Adelsward will den Artikel an den Ausschuß gewiesen haben.

Dies wird angenommen.

Der Artikel geht an den Ausschuß zurück.

Die Artikel 20 bis 38 gehen ohne erhebliche Debatte durch.

Ledru-Rollin, zurückgekehrt von seiner Reise, unterbricht die Debatte. Bürger Vertreter! beginnt er, ich erfahre, daß ein Antrag auf Ermächtigung zu gerichtlicher Verfolgung gegen mich seit Sonnabend deponirt ist. Ich ersuche die Versammlung, daß sie diesen Antrag schon auf ihre morgige Tagesordnung setzen lassen möge. (Nein! Nein!)

Viele Stimmen: Die Vorfrage!

Gordon, Präsident: Ich bringe die Vorfrage zur Abstimmung.

Stimme: Lesen Sie den Antragsbrief vor!

Larabit: Ich protestire; das wäre gegen allen Gebrauch!

Stimmen: Lesen Sie! Lesen Sie!

Gordon liest:

Herr Präsident der National-Versammlung!

Herr Ledru-Rollin hat mich in der Sitzung von Sonnabend auf unbezeichenbare Weise angegriffen. Ich bitte die Versammlung, mir Gelegenheit zu verschaffen, mich gegen eine so unwürdige Verläumdung rechtfertigen zu können. Möge sie daher die Ermächtigung aussprechen, Hrn. Ledru-Rollin vor den kompetenten Tribunalen zu belangen etc.

(gez) De Lamarre.

Ledru-Rollin: Dieser Brief spricht von unwürdiger Verläumdung. Ich protestire gegen diesen Ausdruck und bleibe bei Allem, was ich auf dieser Bühne gesagt habe.

Zahlreiche Stimmen: Die Vorfrage!

Der Präsident bringt die Vorfrage zur Abstimmung.

Dieselbe wird angenommen und somit fällt der Antrag ohne alle Debatte durch.

Die Sitzung wird um 6 1/4 Uhr geschlossen.

Ungarn.
*
Der Inhalt dieses Artikels kann aus urheberrechtlichen Gründen nicht angezeigt werden.
Dänemark.
Kopenhagen, 22. April.

Die „neuesten Postnachrichten“ bringen heute Morgen die Einnahme von Kolding durch die Schleswig-Holsteiner in folgender Weise zur öffentlichen Kunde: „Am 20. April, Morgens 7 Uhr, rückten die Insurgenten in bedeutender Stärke gegen Kolding vor, welches von unsern Vorposten besetzt war; diese räumten, voraus gegebenen Befehlen gemäß, die Stadt, ohne sich auf einen hartnäckigen Kampf einzulassen. ‒ Um 9 Uhr kam es im Norden von Kolding zu einem lebhaften Tirailleurgefecht.

Das Kriegsministerium fordert ältere Schützen, die nicht die Strapazen des Felddienstes und der Märsche ertragen können, unter Anerbietung besondern Handgeldes und Prämien auf, in das Heer zu treten, um in festen Positionen und Batterien verwandt zu werden.

(B.-H.)
Spanien
* Madrid, 20. April.

Es heißt, auch Spanien werde ein Geschwader von 10 bis 12,000 Mann für den Pabst absenden.

<TEI>
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          <p><pb facs="#f0003" n="1605"/>
er den Ruin des Landes, wünschte er uns die Anarchie? Machte ihm die Idee eines Bürgerkriegs Freude? War es seine Absicht, über Leichen, unter dem Wehklagen der Wittwen und Waisen in die Ruinen einer Stadt einzuziehen, welche ihm ehedem mit so viel Herzlichkeit und Hingebung Beifall gerufen?</p>
          <p>&#x201E;Die Constituante wurde gewählt; 200,000 Wähler trugen ihre Wahlzettel in diese Urnen, auf denen der Fluch des Vaticans ruhte. Die Constituante, lebendiger Ausdruck des Volkes und des allgemeinen Stimmrechts, erwog die Anforderungen Italiens, und prüfte die innere Natur des Pabstthums; sie fand, daß der doppelte Charakter, welchen sich dasselbe beilegte, mit der Civilisation und der Zukunft der Nation unvereinbar sei und sprach die Absetzung des Pabstes von seiner weltlichen Macht aus. Die Republik erhob sich über diesen Ruinen, rein, unbefleckt, würdig eines Volkes, welches sich so groß in Selbstachtung und Ordnung gezeigt hatte. Mögen die Verleumder dieser Republik uns sagen, welche Excesse begangen, in welcher Art die Harmonie der italienischen Staaten gestört oder die Hoffnungen derselben getäuscht worden seien. Keine, diese Republik ist die Ehre und der Stolz Italiens; sie ist würdig der ewigen Stadt, und das Rom der Cäsaren und der Päbste ist nicht größer als das Rom des Volkes.</p>
          <p>&#x201E;Möge Europa über diese Thatsachen urtheilen, möge es jetzt nach Kenntniß der Veranlassung aussprechen, ob unsere Revolution legitim ist oder nicht. So lange uns das Pabstthum beistehen will, so lange es sich als Freundin unserer Unabhängigkeit bewährt, so lange werden wir Hand in Hand mit ihm gehen und selbst seinen Segen für unsere glorreiche Wiedergeburt verlangen. Wenn aber das Pabstthum aus unseren Reihen desertirte und unsere Sache verließ, wenn es uns erklärte, daß sein geistlicher Charakter ihm verbiete, die hohen Bestrebungen des Unabhängigkeitsgeistes zu begünstigen, wenn es uns sagte, daß die Interessen der katholischen die Vertheidigung der Interessen Italiens nicht zuließen, dann konnten wir nur ein einziges Wort in unserm Munde, einen einzigen Gedanken in unserer Brust haben, dann konnten wir nur aus der Tiefe unseres Herzens ausrufen, daß wir Italiener sind und das Pabstthum zurückstoßen, wie es uns zurückgestoßen hat. Achtung dem Priester, aber Gehorsam nur dem Rufe Italiens!</p>
          <p>&#x201E;Möge die Welt über diese Thatsachen urtheilen, und wenn es ihr gefällt, mit ihren Verleumdungen fortfahren. Nicht zu unserer Rechtfertigung haben wir diese Darstellung erlassen. Unsere Rechtfertigung liegt in unserm Recht, in unserm Gewissen. Aber Europa soll einen Maßstab haben, um die Schicksale zu beurtheilen, die man uns vorbereitet; wir treten ihnen entgegen, ohne Ehrgeiz, aber ohne Furcht, mit der Ruhe von Männern, welche für die Wohlfahrt eines geliebten Vaterlandes ihre Pflicht gethan haben, und welche stets mit erhobenem Haupte und reinem Herzen vor Europa ausrufen können: &#x201E;Wir haben zum mindesten ein glorreiches Werk vollendet, das war der Tag, an welchem wir die weltliche Macht der Päbste zerstörten!&#x201C;</p>
          <p>&#x201E;Rom, den 3. März. Der Minister der auswärtigen Angelegenheiten: <hi rendition="#g">Carlo Rusconi.</hi>&#x201C;</p>
          <p><bibl><author>*</author></bibl> Die Turiner Journale bringen die Nachricht, daß selbst das elende Ministerium, durch die Anmaßungen der östreichischen Standrechtshunde gezwungen, eine kriegerische Haltung annimmt; die Fortifikationen von Alessandria werden ausgebessert, die Armee wird neu organisirt und Alles zur Wiederaufnahme des Krieges vorbereitet. Wir wollen erwarten, ob dies merkwürdige Ehrgefühl der königlichen Mordbrenner und Bourgeois-Beutelschneider nicht mit einem neuen Verrath endigt, um mit der beabsichtigten &#x201E;Entwaffnung der Armee&#x201C; den Oestreichern in Oberitalien vollends freies Spiel zu öffnen.</p>
          <p>In Florenz trägt die Reaktion bereits der Bourgeoisie die verdienten Früchte ein. Die Bauern sind aus der ganzen Umgegend in die Stadt gezogen, und haben unter dem Vorwand, zur Feier der Wiedereinsetzung des blödsinnigen Leopold eine Jagd auf die Republikaner anzustellen, die Bourgeoishäuser geplündert: am 15. war die Regierung deshalb genöthigt, ihren bäuerlichen Freunden förmlich den Zutritt zu der Stadt zu verbieten.</p>
          <p>In Pisa sind die Bauern mit den Freiwilligen in Kampf gerathen, und haben sich nach einem heftigen Gewehrfeuer mit Verlust mehrerer Todten zurückgezogen. Die Florentiner Regierung hat die Entwaffnung von 4 Freiwilligen-Corps angeordnet.</p>
          <p>Die Zeitung von Parma veröffentlicht ein Bülletin über die Operationen der östreichischen und modeneser Truppen in der Lunigiana, wonach die beiden vereinigten Colonnen, trotz der Intervention der französischen und englischen Gesandtschaftssekretäre, ihren Marsch gegen Massa fortsetzen.</p>
        </div>
        <div xml:id="ar284_014" type="jArticle">
          <head><bibl><author>*</author></bibl> Ferrara, 14. April.</head>
          <p>Die Oestreicher betreiben eine furchtbare Aushebung in der Umgegend von Rovigo. Die Familien selbst werden gezwungen, die Widerspenstigen zu denunciren, widrigenfalls <hi rendition="#g">andere</hi> Familienglieder, <hi rendition="#g">selbst der Vater eines Refraktaire's,</hi> eingezogen werden sollen. Es sind bereits Mütter mißhandelt und in die Gefängnisse geworfen worden, weil sie ihre Kinder den deutschen Standtrechtshunden nicht denunciren wollten.</p>
        </div>
        <div xml:id="ar284_015" type="jArticle">
          <head><bibl><author>*</author></bibl> Florenz, 19. April.</head>
          <p>Der Minister des Auswärtigen hat den Fürsten Poniatowski zum Bevollmächtigten bei der französischen und englischen Regierung ernannt.</p>
          <p>In Livorno hat die Bürgerschaft vorgestern einen Sicherheitsschuß ernannt.</p>
        </div>
        <div xml:id="ar284_016" type="jArticle">
          <head>Florenz, 15. April.</head>
          <p>Die Regierungskommission hat ein Ministerium ernannt, das aus folgenden Personen besteht: Oberst G. Belluomini, Krieg; T. Fornetti, Auswärtiges; A. Allegretti, Inneres; B. Martini, Finanzen; A. Duchoque, Justiz und Cultus; M. Tabarrini, öffentlicher Unterricht und Wohlthätigkeit. L. Pezella ist zum Präfekten von Florenz ernannt und General G. Chiesi mit dem Oberbefehl über alle stehenden Truppen beauftragt, die in Florenz vereinigt sind. Es ist den Deputirten der constituirenden Versammlung verboten, Vereinigungen zu halten und Beschlüsse zu fassen. Wie es scheint, trugen einige in einer am 12. gehaltenen Versammlung darauf an, den Municipalrath und die ihr beigegebene Kommission in Anklagezustand zu versetzen.</p>
        </div>
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          <head><bibl><author>*</author></bibl> Rom, 15. April.</head>
          <p>Die Constituante hat erklärt, daß sie für die Tage der Gefahr den Triumvirn volle Macht und volles Vertrauen schenken wolle.</p>
        </div>
      </div>
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        <head>Französische Republik.</head>
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          <head>Paris, 25. April.</head>
          <p>Der Marseiller Nouvelliste vom 22. April bringt uns folgende Proklamation Oudinot's:</p>
          <p>&#x201E;Soldaten! Der Präsident der Republik hat mir den Oberbefehl des Expeditionskorps des Mittelmeeres anvertraut. Diese Ehre legt große Pflichten auf: Euer Patriotismus wird mir helfen, sie zu erfüllen. Die Regierung, überall unseren alten und gerechten Einfluß zu erhalten, entschlossen, will nicht, daß die Schicksale des italienischen Volks der Gewalt einer fremden Macht oder einer herrschenden Minorität (!) anheimfallen sollen. Sie vertraut uns die Fahne Frankreich's an, um sie auf das römische Territorium als glänzendes Zeugniß unserer Sympathieen zu pflanzen (!!). Land- und See-Soldaten, Kinder derselben Familie, Ihr werdet in Euerer Hingebung und in Euren Anstrengungen mit einander wetteifern: dieses gemeinschaftliche Zusammenhalten wird Euch Gefahren, Entbehrungen und Anstrengungen freudig ertragen lassen. Auf dem Boden, an welchem Ihr an's Land steigen sollet, werdet Ihr mit jedem Schritte Denkmälern und Erinnerungszeichen begegnen, welche Eueren Ruhm-Instinkt (!) mächtig anreizen dürften. Die militärische Ehre aber befiehlt die Disziplin ebensosehr als die Tapferkeit: vergesset das nie. Euere Väter haben des seltenen Vorzugs genossen, überall, wo sie fochten, dem französischen Namen Liebe zu erwerben. Wie sie, werdet auch Ihr das Eigenthum, gute Sitte und befreundete Völkerschaften achten. Euch diese Achtung zu erleichtern, hat die Regierung befohlen: daß Alles, was die Armee brauchen könnte, von den Soldaten jenen Bevölkerungen sofort baar bezahlt werden müsse. Ihr sollt bei jeder Gelegenheit diese Grundsätze hoher Moralität als Maßregel für Euer Verhalten betrachten. Durch Euere Waffen, durch Euer Beispiel werdet Ihr die Würde der Völker achten lehren. Dieselbe wird aber durch Ausschweifung nicht weniger verletzt als durch Despotismus. Italien wird Euch auf diese Weise das verdanken, was Frankreich für sich zu erobern wußte: nämlich Ordnung in der Freiheit.</p>
          <p>Der Obergeneral:</p>
          <p>(gez.) Oudinot de Reggiv.&#x201C;</p>
          <p>&#x2012; Das seit drei Tagen verbreitete Gerücht, ein Theil der Alpenarmee werde in Piemont einrücken oder doch zunächst Chambery besetzen, ist voreilig. Die hinteren Divisionen rücken nur vorwärts, um die für Civita-Becchia eingeschifften Divisionen zu ersetzen. Das Barrotkabinet will wenigstens die bei der Novarraschlacht innegehabten Positionen nicht verlassen.</p>
          <p>&#x2012; Die Predigten Proudhon's im Peuple über den gesetzlichen Widerstand tragen mit jedem Abend bedenklichere Früchte. Gestern Abend ist bereits Blut geflossen. An drei Orten wurden die Polizeikommissarien abgewiesen und deßhalb die Säle mit Gewalt geleert: Rue Martel (Fraternitätssaal), Rue de Lamartine (Concertsaal) und Rue de Montesquieu. Um 10 Uhr Abends jagten drei Bataillone im Sturmschritt über die Boulevards der Porte St. Denis zu, um die Gruppen zu vertreiben, die sich nach Räumung des Fraternitätssaales gebildet hatten.</p>
          <p>Diese Wahlkonflikte werden mit jedem Tage ernster.</p>
          <p>&#x2012; Mehrere Morgenblätter melden hinterher, daß eine englisch-französische Kollektivnote nach Wien abgegangen, um Hrn. v. Schwarzenberg zu ersuchen, dem Marschall Radetzki mehr Milde gegen Piemont zu befehlen.</p>
          <p>&#x2012; Banquier Delamarre trägt bei der Nationalversammlung auf Erlaubniß zur gerichtlichen Verfolgung Ledrü-Rollin's wegen Verläumdung an. Das Reglement widersetzt sich jedoch jeder gerichtlichen Verfolgung für irgend eine Rede, die auf der Bühne der Nationalversammlung gehalten wurde.</p>
          <p>&#x2012; Das Journal des Debats brach gestern endlich das Schweigen, um die Kandidatur Guizot's in Lisieux zu bevorworten. Der Thiers'sche Courrier nennt diesen Artikel eine Leichenrede. &#x201E;Denn, sagt er schadenfroh, &#x201E;die Würfel stehen verzweifelt. Am vorigen Sonnabend war eine allgemeine Wahlversammlung in Lisieux ausgeschrieben. Es handelte sich darum, den Kandidaten zu bestimmen, welchen der Bezirk Lisieux auf die Departementsliste stellen würde? Alle Notabilitäten waren versammelt; die Glieder des Generalraths, Arrondissementsraths, der Munizipalräthe, der Handelskammern und Tribunale, fast alle Offiziere der Bürgerwehr waren gegenwärtig. Wohlan, es wird zur Wahl geschritten, und siehe da, von 326 Stimmenden erhielt Herr Guizot nur 63. De profundis!»</p>
          <p>&#x2012; Blanqui liegt in Doullens lebensgefährlich krank danieder. Er soll keine andere Nahrung als einige in Essig getränkte Salatblättchen mehr zu sich nehmen.</p>
          <p>&#x2012; Die Zerstörung des von unseren Akademikern entworfenen Primarunterrichtsgesetzes durch den Unterrichtsminister Falloux hat eine Contre-Kommission hervorgerufen, die sich gestern unter des Exministers Carnot's Vorsitze konstituirt hat. Dieselbe tritt den ministeriellen Entwürfen für alle Zweige der Volksschule entgegen und wird im Laufe der nächsten Schulferien sämmtliche Schulmeister aus dem Gebiete der gesammten Republik zu einem Kongreß hier in Paris zusammenrufen.</p>
          <p>&#x2012; Vor dem Justizpalaste ereignete sich heute Vormittag eine merkwündige Szene. Der Henker schlug nämlich die Namen der im Maiprozesse in contumaciam Verurtheilten an den Pranger. &#x2025;&#x2025; Das Volk wohnte stumm dieser Scene eines mittelalterlichen Fanatismus bei und stellte Blumentöpfe auf den Pranger. Selbst unter der Julimonarchie hatte man in politischen Prozessen diesen honetten Gebrauch nicht beobachtet.</p>
          <p>&#x2012; Die Marseiller Blätter melden uns, daß Baudin's Flotte (so lange vor Neapel) im Hafen von Ajaccio liege.</p>
          <p>&#x2012; <hi rendition="#g">Nationalversammlung.</hi> Sitzung vom 24. April. Anfang 12 1/2 Uhr. Marrast präsidirt. An der Tagesordnung ist die 2. Lesung des Lamoriciere'schen Entwurfs der Armee-Reorganisation.</p>
          <p><hi rendition="#g">Sauvaire-Barthelemy</hi> bringt in die Versammlung, sich doch vorher mit dem Kredite für Montevideo zu beschäftigen. (Nein! Nein!)</p>
          <p><hi rendition="#g">Marrast.</hi> Es wurde gestern speziell entschieden, daß die Armee-Reorganisation an die Spitze der heutigen Tagesordnung gestellt werden müsse. Ich glaube, es kann ohne Annullirung dieses Beschlusses keine Aenderung eintreten. (Zur Tagesordnung!)</p>
          <p><hi rendition="#g">Rulbieres,</hi>Kriegsminister, besteigt zum ersten Male nach langer Zeit wieder die Bühne, zieht eine lange Papierrolle hervor, mittels welcher er die Lamoriciere'sche Vorschläge als fatale Neuerungen bekämpft. Wir hören mitten durch den allgemeinen gleichgültigen Lärm, daß er es gefährlich finde, gerade im jetzigen kritischen Augenblicke am Heergebäude zu rütteln. Er trägt auf Vertagung des Entwurfs und dessen Ueberweisung an den Staatsrath an, laut Artikels 75 der Verfassung. (Heftiger Widerspruch auf der linken Ebene.)</p>
          <p><hi rendition="#g">Lamoriciere</hi> eilt auf die Bühne und widerlegt den Minister. Er theilt die Gegenrede desselben in mehrere Fächer, und widerspricht einem Einwand nach dem andern.</p>
          <p><hi rendition="#g">Rulhieres</hi> erneuert in wenigen Worten den Antrag auf Vertagung und hält den Entwurf am allerwenigsten jetzt schon zu einer Generaldiskussion reif. (Oh! Oh!)</p>
          <p><hi rendition="#g">Besnard</hi> gesellt sich dem Minister bei. Der Lamoriciere'sche Entwurf führe keineswegs zu absoluter Gleichheit hinsichtlich der Militärpflicht. Im Gegentheil konstituire er eine gehässige Progressivsteuer. Eine Aenderung des Rekrutirungswesens sei eine gefährliche Neuerung. Lamoriciere'sche Pläne würden wenig Beifall bei den Ackerleuten finden. Im Gegentheile würde sich das gesammte Landvolk gegen jedes andere Rekrutirungssystem erheben (Beifall rechts. Heftiger Widerspruch links.)</p>
          <p><hi rendition="#g">Foy</hi> im Namen des Ausschusses entgegnet, man möchte gern die allgemeine Debatte erdrücken. Er behalte sich die Widerlegung der erhobenen Einwendungen auf die artikelweise Debatte vor.</p>
          <p><hi rendition="#g">Subervic</hi> bekämpft den Entwurf mit aller Leidenschaftlichkeit eines alten Generals.</p>
          <p><hi rendition="#g">Deludre</hi> unterstützt den Entwurf als Glied des Ausschusses.</p>
          <p><hi rendition="#g">Raudat, Adelsward</hi> und <hi rendition="#g">Lamoriciere</hi> begehren hintereinander das Wort.</p>
          <p><hi rendition="#g">Cavaignac</hi> tritt ebenfalls in die Reihe und bekämpft die beantragte Vertagung, so wie die Ueberweisung des Entwurfs an den Staatsrath. Die Kommission habe vier Monate daran gearbeitet und es wäre eine Art Tadel, wenn man den Entwurf noch nicht als gehörig geprüft betrachte.</p>
          <p><hi rendition="#g">Deslongrais</hi> und <hi rendition="#g">Baraguay d'Hilliers</hi> bestehen auf Vertagung, d. h. Verwerfung oder Ueberweisung.</p>
          <p><hi rendition="#g">Lamoriciere</hi> protestirt hiegegen von Neuem. (Zur Abstimmung! Zur Abstimmung!) Die Versammlung solle votiren, ob sie die Generaldebatte für geschlossen halten und zur artikelweisen Berathung schreiten wolle?</p>
          <p>Dies wird mit 374 gegen 235 Stimmen entschieden.</p>
          <p>Marrast proklamirt Lecourt zum Volksvertreter der Colonie Pondichery.</p>
          <p>Ebenso verliest er inzwischen einen Brief Dudinot's, worin derselbe nachträglich um Urlaub bittet, weil er sich habe an die Spitze der Flottille stellen müssen. (Bewilligt.)</p>
          <p>Nach Ertheilung mehrerer Urlaube geht die Versammlung zur artikelweisen Berathung über. Der Entwurf besteht aus nicht weniger als 62 Artikeln. (Wir gaben die Hauptbestimmungen derselben bereits früher.)</p>
          <p>Die ersten achtzehn Artikel gehen ziemlich rasch durch und die Debatte wird beim Artikel 19 auf morgen verschoben.</p>
          <p>Die Sitzung wird 6 1/4 Uhr geschlossen.</p>
          <p>&#x2012; <hi rendition="#g">National-Versammlung.</hi> Sitzung vom 25. April. Anfang 12 1/2 Uhr. Vicepräsident Gordon.</p>
          <p>Das Protokoll wird verlesen und das Heerreformgesetz vorgenommen. Die Versammlung war gestern bis zum Artikel 19 geschritten. Artikel 19 handelt von der Zusammensetzung der Rekrutirungs-Revisions-Kommission.</p>
          <p><hi rendition="#g">Manuel</hi> beklagt sich, daß man die Theilnahme eines Präfekturrathes daraus gestrichen habe. Die Bildung sei zu ausschließlich militärisch. Hierdurch verlören die Ausgehobenen an Garantie etc.</p>
          <p><hi rendition="#g">Adelsward</hi> will den Artikel an den Ausschuß gewiesen haben.</p>
          <p>Dies wird angenommen.</p>
          <p>Der Artikel geht an den Ausschuß zurück.</p>
          <p>Die Artikel 20 bis 38 gehen ohne erhebliche Debatte durch.</p>
          <p><hi rendition="#g">Ledru-Rollin,</hi> zurückgekehrt von seiner Reise, unterbricht die Debatte. Bürger Vertreter! beginnt er, ich erfahre, daß ein Antrag auf Ermächtigung zu gerichtlicher Verfolgung gegen mich seit Sonnabend deponirt ist. Ich ersuche die Versammlung, daß sie diesen Antrag schon auf ihre morgige Tagesordnung setzen lassen möge. (Nein! Nein!)</p>
          <p>Viele Stimmen: Die Vorfrage!</p>
          <p><hi rendition="#g">Gordon,</hi> Präsident: Ich bringe die Vorfrage zur Abstimmung.</p>
          <p>Stimme: Lesen Sie den Antragsbrief vor!</p>
          <p><hi rendition="#g">Larabit:</hi> Ich protestire; das wäre gegen allen Gebrauch!</p>
          <p>Stimmen: Lesen Sie! Lesen Sie!</p>
          <p><hi rendition="#g">Gordon</hi> liest:</p>
          <p>Herr Präsident der National-Versammlung!</p>
          <p>Herr Ledru-Rollin hat mich in der Sitzung von Sonnabend auf unbezeichenbare Weise angegriffen. Ich bitte die Versammlung, mir Gelegenheit zu verschaffen, mich gegen eine so unwürdige Verläumdung rechtfertigen zu können. Möge sie daher die Ermächtigung aussprechen, Hrn. Ledru-Rollin vor den kompetenten Tribunalen zu belangen etc.</p>
          <p>(gez) <hi rendition="#g">De Lamarre.</hi> </p>
          <p><hi rendition="#g">Ledru-Rollin:</hi> Dieser Brief spricht von unwürdiger Verläumdung. Ich protestire gegen diesen Ausdruck und bleibe bei Allem, was ich auf dieser Bühne gesagt habe.</p>
          <p>Zahlreiche Stimmen: Die Vorfrage!</p>
          <p>Der Präsident bringt die Vorfrage zur Abstimmung.</p>
          <p>Dieselbe wird angenommen und somit fällt der Antrag ohne alle Debatte durch.</p>
          <p>Die Sitzung wird um 6 1/4 Uhr geschlossen.</p>
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        <head>Ungarn.</head>
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          <note type="editorial">Edition: <bibl>Friedrich Engels: Vom Kriegsschauplatze, vorgesehen für: MEGA<hi rendition="#sup">2</hi>, I/9.         </bibl>                </note>
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          <p>Das Kriegsministerium fordert ältere Schützen, die nicht die Strapazen des Felddienstes und der Märsche ertragen können, unter Anerbietung besondern Handgeldes und Prämien auf, in das Heer zu treten, um in festen Positionen und Batterien verwandt zu werden.</p>
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[1605/0003] er den Ruin des Landes, wünschte er uns die Anarchie? Machte ihm die Idee eines Bürgerkriegs Freude? War es seine Absicht, über Leichen, unter dem Wehklagen der Wittwen und Waisen in die Ruinen einer Stadt einzuziehen, welche ihm ehedem mit so viel Herzlichkeit und Hingebung Beifall gerufen? „Die Constituante wurde gewählt; 200,000 Wähler trugen ihre Wahlzettel in diese Urnen, auf denen der Fluch des Vaticans ruhte. Die Constituante, lebendiger Ausdruck des Volkes und des allgemeinen Stimmrechts, erwog die Anforderungen Italiens, und prüfte die innere Natur des Pabstthums; sie fand, daß der doppelte Charakter, welchen sich dasselbe beilegte, mit der Civilisation und der Zukunft der Nation unvereinbar sei und sprach die Absetzung des Pabstes von seiner weltlichen Macht aus. Die Republik erhob sich über diesen Ruinen, rein, unbefleckt, würdig eines Volkes, welches sich so groß in Selbstachtung und Ordnung gezeigt hatte. Mögen die Verleumder dieser Republik uns sagen, welche Excesse begangen, in welcher Art die Harmonie der italienischen Staaten gestört oder die Hoffnungen derselben getäuscht worden seien. Keine, diese Republik ist die Ehre und der Stolz Italiens; sie ist würdig der ewigen Stadt, und das Rom der Cäsaren und der Päbste ist nicht größer als das Rom des Volkes. „Möge Europa über diese Thatsachen urtheilen, möge es jetzt nach Kenntniß der Veranlassung aussprechen, ob unsere Revolution legitim ist oder nicht. So lange uns das Pabstthum beistehen will, so lange es sich als Freundin unserer Unabhängigkeit bewährt, so lange werden wir Hand in Hand mit ihm gehen und selbst seinen Segen für unsere glorreiche Wiedergeburt verlangen. Wenn aber das Pabstthum aus unseren Reihen desertirte und unsere Sache verließ, wenn es uns erklärte, daß sein geistlicher Charakter ihm verbiete, die hohen Bestrebungen des Unabhängigkeitsgeistes zu begünstigen, wenn es uns sagte, daß die Interessen der katholischen die Vertheidigung der Interessen Italiens nicht zuließen, dann konnten wir nur ein einziges Wort in unserm Munde, einen einzigen Gedanken in unserer Brust haben, dann konnten wir nur aus der Tiefe unseres Herzens ausrufen, daß wir Italiener sind und das Pabstthum zurückstoßen, wie es uns zurückgestoßen hat. Achtung dem Priester, aber Gehorsam nur dem Rufe Italiens! „Möge die Welt über diese Thatsachen urtheilen, und wenn es ihr gefällt, mit ihren Verleumdungen fortfahren. Nicht zu unserer Rechtfertigung haben wir diese Darstellung erlassen. Unsere Rechtfertigung liegt in unserm Recht, in unserm Gewissen. Aber Europa soll einen Maßstab haben, um die Schicksale zu beurtheilen, die man uns vorbereitet; wir treten ihnen entgegen, ohne Ehrgeiz, aber ohne Furcht, mit der Ruhe von Männern, welche für die Wohlfahrt eines geliebten Vaterlandes ihre Pflicht gethan haben, und welche stets mit erhobenem Haupte und reinem Herzen vor Europa ausrufen können: „Wir haben zum mindesten ein glorreiches Werk vollendet, das war der Tag, an welchem wir die weltliche Macht der Päbste zerstörten!“ „Rom, den 3. März. Der Minister der auswärtigen Angelegenheiten: Carlo Rusconi.“ * Die Turiner Journale bringen die Nachricht, daß selbst das elende Ministerium, durch die Anmaßungen der östreichischen Standrechtshunde gezwungen, eine kriegerische Haltung annimmt; die Fortifikationen von Alessandria werden ausgebessert, die Armee wird neu organisirt und Alles zur Wiederaufnahme des Krieges vorbereitet. Wir wollen erwarten, ob dies merkwürdige Ehrgefühl der königlichen Mordbrenner und Bourgeois-Beutelschneider nicht mit einem neuen Verrath endigt, um mit der beabsichtigten „Entwaffnung der Armee“ den Oestreichern in Oberitalien vollends freies Spiel zu öffnen. In Florenz trägt die Reaktion bereits der Bourgeoisie die verdienten Früchte ein. Die Bauern sind aus der ganzen Umgegend in die Stadt gezogen, und haben unter dem Vorwand, zur Feier der Wiedereinsetzung des blödsinnigen Leopold eine Jagd auf die Republikaner anzustellen, die Bourgeoishäuser geplündert: am 15. war die Regierung deshalb genöthigt, ihren bäuerlichen Freunden förmlich den Zutritt zu der Stadt zu verbieten. In Pisa sind die Bauern mit den Freiwilligen in Kampf gerathen, und haben sich nach einem heftigen Gewehrfeuer mit Verlust mehrerer Todten zurückgezogen. Die Florentiner Regierung hat die Entwaffnung von 4 Freiwilligen-Corps angeordnet. Die Zeitung von Parma veröffentlicht ein Bülletin über die Operationen der östreichischen und modeneser Truppen in der Lunigiana, wonach die beiden vereinigten Colonnen, trotz der Intervention der französischen und englischen Gesandtschaftssekretäre, ihren Marsch gegen Massa fortsetzen. * Ferrara, 14. April. Die Oestreicher betreiben eine furchtbare Aushebung in der Umgegend von Rovigo. Die Familien selbst werden gezwungen, die Widerspenstigen zu denunciren, widrigenfalls andere Familienglieder, selbst der Vater eines Refraktaire's, eingezogen werden sollen. Es sind bereits Mütter mißhandelt und in die Gefängnisse geworfen worden, weil sie ihre Kinder den deutschen Standtrechtshunden nicht denunciren wollten. * Florenz, 19. April. Der Minister des Auswärtigen hat den Fürsten Poniatowski zum Bevollmächtigten bei der französischen und englischen Regierung ernannt. In Livorno hat die Bürgerschaft vorgestern einen Sicherheitsschuß ernannt. Florenz, 15. April. Die Regierungskommission hat ein Ministerium ernannt, das aus folgenden Personen besteht: Oberst G. Belluomini, Krieg; T. Fornetti, Auswärtiges; A. Allegretti, Inneres; B. Martini, Finanzen; A. Duchoque, Justiz und Cultus; M. Tabarrini, öffentlicher Unterricht und Wohlthätigkeit. L. Pezella ist zum Präfekten von Florenz ernannt und General G. Chiesi mit dem Oberbefehl über alle stehenden Truppen beauftragt, die in Florenz vereinigt sind. Es ist den Deputirten der constituirenden Versammlung verboten, Vereinigungen zu halten und Beschlüsse zu fassen. Wie es scheint, trugen einige in einer am 12. gehaltenen Versammlung darauf an, den Municipalrath und die ihr beigegebene Kommission in Anklagezustand zu versetzen. * Rom, 15. April. Die Constituante hat erklärt, daß sie für die Tage der Gefahr den Triumvirn volle Macht und volles Vertrauen schenken wolle. Französische Republik. Paris, 25. April. Der Marseiller Nouvelliste vom 22. April bringt uns folgende Proklamation Oudinot's: „Soldaten! Der Präsident der Republik hat mir den Oberbefehl des Expeditionskorps des Mittelmeeres anvertraut. Diese Ehre legt große Pflichten auf: Euer Patriotismus wird mir helfen, sie zu erfüllen. Die Regierung, überall unseren alten und gerechten Einfluß zu erhalten, entschlossen, will nicht, daß die Schicksale des italienischen Volks der Gewalt einer fremden Macht oder einer herrschenden Minorität (!) anheimfallen sollen. Sie vertraut uns die Fahne Frankreich's an, um sie auf das römische Territorium als glänzendes Zeugniß unserer Sympathieen zu pflanzen (!!). Land- und See-Soldaten, Kinder derselben Familie, Ihr werdet in Euerer Hingebung und in Euren Anstrengungen mit einander wetteifern: dieses gemeinschaftliche Zusammenhalten wird Euch Gefahren, Entbehrungen und Anstrengungen freudig ertragen lassen. Auf dem Boden, an welchem Ihr an's Land steigen sollet, werdet Ihr mit jedem Schritte Denkmälern und Erinnerungszeichen begegnen, welche Eueren Ruhm-Instinkt (!) mächtig anreizen dürften. Die militärische Ehre aber befiehlt die Disziplin ebensosehr als die Tapferkeit: vergesset das nie. Euere Väter haben des seltenen Vorzugs genossen, überall, wo sie fochten, dem französischen Namen Liebe zu erwerben. Wie sie, werdet auch Ihr das Eigenthum, gute Sitte und befreundete Völkerschaften achten. Euch diese Achtung zu erleichtern, hat die Regierung befohlen: daß Alles, was die Armee brauchen könnte, von den Soldaten jenen Bevölkerungen sofort baar bezahlt werden müsse. Ihr sollt bei jeder Gelegenheit diese Grundsätze hoher Moralität als Maßregel für Euer Verhalten betrachten. Durch Euere Waffen, durch Euer Beispiel werdet Ihr die Würde der Völker achten lehren. Dieselbe wird aber durch Ausschweifung nicht weniger verletzt als durch Despotismus. Italien wird Euch auf diese Weise das verdanken, was Frankreich für sich zu erobern wußte: nämlich Ordnung in der Freiheit. Der Obergeneral: (gez.) Oudinot de Reggiv.“ ‒ Das seit drei Tagen verbreitete Gerücht, ein Theil der Alpenarmee werde in Piemont einrücken oder doch zunächst Chambery besetzen, ist voreilig. Die hinteren Divisionen rücken nur vorwärts, um die für Civita-Becchia eingeschifften Divisionen zu ersetzen. Das Barrotkabinet will wenigstens die bei der Novarraschlacht innegehabten Positionen nicht verlassen. ‒ Die Predigten Proudhon's im Peuple über den gesetzlichen Widerstand tragen mit jedem Abend bedenklichere Früchte. Gestern Abend ist bereits Blut geflossen. An drei Orten wurden die Polizeikommissarien abgewiesen und deßhalb die Säle mit Gewalt geleert: Rue Martel (Fraternitätssaal), Rue de Lamartine (Concertsaal) und Rue de Montesquieu. Um 10 Uhr Abends jagten drei Bataillone im Sturmschritt über die Boulevards der Porte St. Denis zu, um die Gruppen zu vertreiben, die sich nach Räumung des Fraternitätssaales gebildet hatten. Diese Wahlkonflikte werden mit jedem Tage ernster. ‒ Mehrere Morgenblätter melden hinterher, daß eine englisch-französische Kollektivnote nach Wien abgegangen, um Hrn. v. Schwarzenberg zu ersuchen, dem Marschall Radetzki mehr Milde gegen Piemont zu befehlen. ‒ Banquier Delamarre trägt bei der Nationalversammlung auf Erlaubniß zur gerichtlichen Verfolgung Ledrü-Rollin's wegen Verläumdung an. Das Reglement widersetzt sich jedoch jeder gerichtlichen Verfolgung für irgend eine Rede, die auf der Bühne der Nationalversammlung gehalten wurde. ‒ Das Journal des Debats brach gestern endlich das Schweigen, um die Kandidatur Guizot's in Lisieux zu bevorworten. Der Thiers'sche Courrier nennt diesen Artikel eine Leichenrede. „Denn, sagt er schadenfroh, „die Würfel stehen verzweifelt. Am vorigen Sonnabend war eine allgemeine Wahlversammlung in Lisieux ausgeschrieben. Es handelte sich darum, den Kandidaten zu bestimmen, welchen der Bezirk Lisieux auf die Departementsliste stellen würde? Alle Notabilitäten waren versammelt; die Glieder des Generalraths, Arrondissementsraths, der Munizipalräthe, der Handelskammern und Tribunale, fast alle Offiziere der Bürgerwehr waren gegenwärtig. Wohlan, es wird zur Wahl geschritten, und siehe da, von 326 Stimmenden erhielt Herr Guizot nur 63. De profundis!» ‒ Blanqui liegt in Doullens lebensgefährlich krank danieder. Er soll keine andere Nahrung als einige in Essig getränkte Salatblättchen mehr zu sich nehmen. ‒ Die Zerstörung des von unseren Akademikern entworfenen Primarunterrichtsgesetzes durch den Unterrichtsminister Falloux hat eine Contre-Kommission hervorgerufen, die sich gestern unter des Exministers Carnot's Vorsitze konstituirt hat. Dieselbe tritt den ministeriellen Entwürfen für alle Zweige der Volksschule entgegen und wird im Laufe der nächsten Schulferien sämmtliche Schulmeister aus dem Gebiete der gesammten Republik zu einem Kongreß hier in Paris zusammenrufen. ‒ Vor dem Justizpalaste ereignete sich heute Vormittag eine merkwündige Szene. Der Henker schlug nämlich die Namen der im Maiprozesse in contumaciam Verurtheilten an den Pranger. ‥‥ Das Volk wohnte stumm dieser Scene eines mittelalterlichen Fanatismus bei und stellte Blumentöpfe auf den Pranger. Selbst unter der Julimonarchie hatte man in politischen Prozessen diesen honetten Gebrauch nicht beobachtet. ‒ Die Marseiller Blätter melden uns, daß Baudin's Flotte (so lange vor Neapel) im Hafen von Ajaccio liege. ‒ Nationalversammlung. Sitzung vom 24. April. Anfang 12 1/2 Uhr. Marrast präsidirt. An der Tagesordnung ist die 2. Lesung des Lamoriciere'schen Entwurfs der Armee-Reorganisation. Sauvaire-Barthelemy bringt in die Versammlung, sich doch vorher mit dem Kredite für Montevideo zu beschäftigen. (Nein! Nein!) Marrast. Es wurde gestern speziell entschieden, daß die Armee-Reorganisation an die Spitze der heutigen Tagesordnung gestellt werden müsse. Ich glaube, es kann ohne Annullirung dieses Beschlusses keine Aenderung eintreten. (Zur Tagesordnung!) Rulbieres,Kriegsminister, besteigt zum ersten Male nach langer Zeit wieder die Bühne, zieht eine lange Papierrolle hervor, mittels welcher er die Lamoriciere'sche Vorschläge als fatale Neuerungen bekämpft. Wir hören mitten durch den allgemeinen gleichgültigen Lärm, daß er es gefährlich finde, gerade im jetzigen kritischen Augenblicke am Heergebäude zu rütteln. Er trägt auf Vertagung des Entwurfs und dessen Ueberweisung an den Staatsrath an, laut Artikels 75 der Verfassung. (Heftiger Widerspruch auf der linken Ebene.) Lamoriciere eilt auf die Bühne und widerlegt den Minister. Er theilt die Gegenrede desselben in mehrere Fächer, und widerspricht einem Einwand nach dem andern. Rulhieres erneuert in wenigen Worten den Antrag auf Vertagung und hält den Entwurf am allerwenigsten jetzt schon zu einer Generaldiskussion reif. (Oh! Oh!) Besnard gesellt sich dem Minister bei. Der Lamoriciere'sche Entwurf führe keineswegs zu absoluter Gleichheit hinsichtlich der Militärpflicht. Im Gegentheil konstituire er eine gehässige Progressivsteuer. Eine Aenderung des Rekrutirungswesens sei eine gefährliche Neuerung. Lamoriciere'sche Pläne würden wenig Beifall bei den Ackerleuten finden. Im Gegentheile würde sich das gesammte Landvolk gegen jedes andere Rekrutirungssystem erheben (Beifall rechts. Heftiger Widerspruch links.) Foy im Namen des Ausschusses entgegnet, man möchte gern die allgemeine Debatte erdrücken. Er behalte sich die Widerlegung der erhobenen Einwendungen auf die artikelweise Debatte vor. Subervic bekämpft den Entwurf mit aller Leidenschaftlichkeit eines alten Generals. Deludre unterstützt den Entwurf als Glied des Ausschusses. Raudat, Adelsward und Lamoriciere begehren hintereinander das Wort. Cavaignac tritt ebenfalls in die Reihe und bekämpft die beantragte Vertagung, so wie die Ueberweisung des Entwurfs an den Staatsrath. Die Kommission habe vier Monate daran gearbeitet und es wäre eine Art Tadel, wenn man den Entwurf noch nicht als gehörig geprüft betrachte. Deslongrais und Baraguay d'Hilliers bestehen auf Vertagung, d. h. Verwerfung oder Ueberweisung. Lamoriciere protestirt hiegegen von Neuem. (Zur Abstimmung! Zur Abstimmung!) Die Versammlung solle votiren, ob sie die Generaldebatte für geschlossen halten und zur artikelweisen Berathung schreiten wolle? Dies wird mit 374 gegen 235 Stimmen entschieden. Marrast proklamirt Lecourt zum Volksvertreter der Colonie Pondichery. Ebenso verliest er inzwischen einen Brief Dudinot's, worin derselbe nachträglich um Urlaub bittet, weil er sich habe an die Spitze der Flottille stellen müssen. (Bewilligt.) Nach Ertheilung mehrerer Urlaube geht die Versammlung zur artikelweisen Berathung über. Der Entwurf besteht aus nicht weniger als 62 Artikeln. (Wir gaben die Hauptbestimmungen derselben bereits früher.) Die ersten achtzehn Artikel gehen ziemlich rasch durch und die Debatte wird beim Artikel 19 auf morgen verschoben. Die Sitzung wird 6 1/4 Uhr geschlossen. ‒ National-Versammlung. Sitzung vom 25. April. Anfang 12 1/2 Uhr. Vicepräsident Gordon. Das Protokoll wird verlesen und das Heerreformgesetz vorgenommen. Die Versammlung war gestern bis zum Artikel 19 geschritten. Artikel 19 handelt von der Zusammensetzung der Rekrutirungs-Revisions-Kommission. Manuel beklagt sich, daß man die Theilnahme eines Präfekturrathes daraus gestrichen habe. Die Bildung sei zu ausschließlich militärisch. Hierdurch verlören die Ausgehobenen an Garantie etc. Adelsward will den Artikel an den Ausschuß gewiesen haben. Dies wird angenommen. Der Artikel geht an den Ausschuß zurück. Die Artikel 20 bis 38 gehen ohne erhebliche Debatte durch. Ledru-Rollin, zurückgekehrt von seiner Reise, unterbricht die Debatte. Bürger Vertreter! beginnt er, ich erfahre, daß ein Antrag auf Ermächtigung zu gerichtlicher Verfolgung gegen mich seit Sonnabend deponirt ist. Ich ersuche die Versammlung, daß sie diesen Antrag schon auf ihre morgige Tagesordnung setzen lassen möge. (Nein! Nein!) Viele Stimmen: Die Vorfrage! Gordon, Präsident: Ich bringe die Vorfrage zur Abstimmung. Stimme: Lesen Sie den Antragsbrief vor! Larabit: Ich protestire; das wäre gegen allen Gebrauch! Stimmen: Lesen Sie! Lesen Sie! Gordon liest: Herr Präsident der National-Versammlung! Herr Ledru-Rollin hat mich in der Sitzung von Sonnabend auf unbezeichenbare Weise angegriffen. Ich bitte die Versammlung, mir Gelegenheit zu verschaffen, mich gegen eine so unwürdige Verläumdung rechtfertigen zu können. Möge sie daher die Ermächtigung aussprechen, Hrn. Ledru-Rollin vor den kompetenten Tribunalen zu belangen etc. (gez) De Lamarre. Ledru-Rollin: Dieser Brief spricht von unwürdiger Verläumdung. Ich protestire gegen diesen Ausdruck und bleibe bei Allem, was ich auf dieser Bühne gesagt habe. Zahlreiche Stimmen: Die Vorfrage! Der Präsident bringt die Vorfrage zur Abstimmung. Dieselbe wird angenommen und somit fällt der Antrag ohne alle Debatte durch. Die Sitzung wird um 6 1/4 Uhr geschlossen. Ungarn. * _ Dänemark. Kopenhagen, 22. April. Die „neuesten Postnachrichten“ bringen heute Morgen die Einnahme von Kolding durch die Schleswig-Holsteiner in folgender Weise zur öffentlichen Kunde: „Am 20. April, Morgens 7 Uhr, rückten die Insurgenten in bedeutender Stärke gegen Kolding vor, welches von unsern Vorposten besetzt war; diese räumten, voraus gegebenen Befehlen gemäß, die Stadt, ohne sich auf einen hartnäckigen Kampf einzulassen. ‒ Um 9 Uhr kam es im Norden von Kolding zu einem lebhaften Tirailleurgefecht. Das Kriegsministerium fordert ältere Schützen, die nicht die Strapazen des Felddienstes und der Märsche ertragen können, unter Anerbietung besondern Handgeldes und Prämien auf, in das Heer zu treten, um in festen Positionen und Batterien verwandt zu werden. (B.-H.) Spanien * Madrid, 20. April. Es heißt, auch Spanien werde ein Geschwader von 10 bis 12,000 Mann für den Pabst absenden.

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Marx-Engels-Gesamtausgabe: Bereitstellung der Texttranskription. (2017-03-20T13:08:10Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
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Die angegebenen Seitenzahlen beziehen sich auf die Ausgabe: Neue Rheinische Zeitung. Organ der Demokratie. Bd. 2 (Nummer 184 bis Nummer 301) Köln, 1. Januar 1849 bis 19. Mai 1849. Glashütten im Taunus, Verlag Detlev Auvermann KG 1973.




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Zitationshilfe: Neue Rheinische Zeitung. Nr. 284. Köln, 28. April 1849, S. 1605. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/nn_nrhz284_1849/3>, abgerufen am 26.01.2021.