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Neue Rheinische Zeitung. Nr. 273. Köln, 15. April 1849.

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Neue Rheinische Zeitung
Organ der Demokratie.
No 273. Köln, Sonntag, den 15. April. 1849.

Vierteljähriger Abonnementspreis in Köln 1 Thlr. 7 1/2 Sgr., bei allen preußischen Postanstalten 1 Thlr. 17 Sgr. - Im Auslande wende man sich: in Belgien an die betreffenden Postanstalten; in London an W. Thomas, 21 Catherine-Street, Strand; in Paris an W. Thomas, 38 Rue Vivienne, und an A. Hovas, 3 Rue Jean Jacques Rousseau.

Insertionen werden mit 18 Pf. die Petitzeile oder deren Raum berechnet. - Auskunft, Annahme und Abgabe chiffrirter Briefe gratis. - Nur frankirte Briefe werden angenommen. - Expedition in Aachen bei Ernst ter Meer; in Düsseldorf bei F. W. Schmitz, Burgplatz; in Köln Unter Hutmacher Nro. 17.

Anonyme Einsendungen werden nicht berücksichtigt.

Uebersicht.

Deutschland. Köln. (Gladbach und die "Kölnische Zeitung"). Berlin. (Klatsch. - Sitzung der zweiten Kammer). Wien (Vermischtes). Dessau (Die Landtagswahlen). Aus Schleswig-Holstein. (Vom Kriegsschauplatze). Frankfurt. (Die Wahlen für den Dreißiger-Ausschuß. - Abberufung der östreichischen Deputirten). Mannheim. (Beleidigung preußischer Majestät).

Ungarn. (Vom Kriegsschauplatze). Agram. (Die Standrechtsmajestät und die Schulden der Gränzer). Preßburg. (Verurtheilung).

Italien. (Das Bombardement Genua's. - Weitere Berichte aus Genua). Turin. (Deputation aus Genua). Rom. (Einmünzung des päpstlichen Silbergeschirrs). Palermo. (Die Vorbereitungen zum Kampf). Mailand. (Die Friedensunterhandlungen. - Dekret der Assemblea in Venedig)

Französische Republik. Paris. (Preßprozesse. - Ohrfeige. - Proudhon's Volksbank. - Vermischtes. - National-Versammlung).

Dänemark. Kopenhagen. (Ursache von Fabviers Abreise).

Pußland. Von der russischen Gränze. (Verarmung unter dem Adel).

Rolen. Krakau. (Strenger Befehl an die Patrouillen).

Deutschland.
* Köln, 14. März.

Die "Kölnische Zeitung" beschäftigt sich seit einiger Zeit sehr angelegentlich und in eigenthümlich liebevoller Weise mit dem bisherigen Abgeordnrten der Landkreise Köln und Mülheim, Hrn. A. Gladbach. Es handelt sich für sie und ihre löbliche Partei darum, die bevorstehende Wiederwahl Gladbachs zu vereiteln. Die Mittel, die sie dazu anwendet, sind bereits einmal in unserm Blatt von Gladbach selbst charakterisirt worden.

Unter Andern hat das ehrenwerthe benachbarte Blatt schon mehrere Male der Neuen Preußischen Zeitung und anderen ehrenwerthen Blättchen die Behauptung nachgebetet, Gladbach habe, um sich bei den Wahlmännern interessant zu machen, die Nachricht verbreitet, er sei sofort nach der Verwerfung seiner Wahl aus Berlin ausgewiesen worden. Dies sei indeß ein bloßer Wahlpuff; man habe nicht daran gedacht, Hrn. Gladbach auszuweisen. Als Beleg läßt sich nun das ehrenwerthe Blatt noch am Vorabend der Wahl ein Billet des Berliner Polizeipräfekten Hinkeldey schreiben, worin dieser erklärt, an der angeblichen Ausweisungsgeschichte sei kein wahres Wort!

So die "Kölnische Zeitung".

Und nun höre, liebes Publikum, wie die "Kölnische Zeitung" wahlklüngelt.

Das erste Blatt, das die Geschichte von der angeblichen Ausweisung Gladbachs aus Berlin brachte, war - die Berliner Deutsche Reform, das Blatt des Hrn. Milde. Vermuthet die Kölnische Zeitung etwa, die Deutsche Reform lasse sich von Hrn. Gladbach zum Organ für seine Wahlreklamen gebrauchen?

Das zweite Blatt, welches dieselbe Nachricht von Gladbach's Ausweisung brachte, war - die edle "Kölnische Zeitung" selbst!!

Sie brachte diese Nachricht in der Nummer vom 18. März, d. h. bereits am Abend des 17. März, mehrere Stunden, ehe Hr. Gladbach selbst von Berlin hier eintraf.

Merkwürdige Geschicklichkeit Gladbachs, mit der er seine "Wahlpuffs" schon vor seiner Ankunft in die "Kölnische Zeitung" zu schmuggeln wußte!

Daß an der ganzen Sache nichts war und daß Gladbach, der übrigens - die ganze Rheinprovinz weiß es - mehr als jeder Andere alle Wahlmanöver verschmäht, daß Gladbach durchaus kein Interesse an der Verbreitung dieser Geschichte hatte - die "Kölnische Zeitung" konnte es daraus sehen, daß wir darüber schwiegen, obgleich Gladbach der einzige Deputirte war, für dessen Wiederwahl die Neue Rheinische Zeitung auftrat.

Aber die "Kölnische Zeitung" ist nun einmal so: am 18. März macht sie selbst "Wahlpuffs", um am 14. April sie mit moralischer Entrüstung ihren Gegnern in die Schuhe zu schieben.

* Berlin, 12. März.

Camphausen hat während seiner Anwesenheit in Berlin sowohl mit den Ministern, als auch besonders mit dem Prinz von Preußen viele und längere Konferenzen gehabt. Camphausen sinkt immer mehr zum Briefträger eines Ministeriums herab, welches er selbst und seine Freunde so oft und so hart angegriffen haben.

Der Frankfurter Schmerling ist wie sein Freund v. Bothmer hier mit der größten Auszeichnung empfangen worden. Hr. v. Prokesch-Osten hat allerdings schon gehörig vorgearbeitet, Schmerling brauchte nur noch die letzte Hand an das schöne Werk einer entente cordiale zwischen Olmütz und Sanssouci zu legen.

Der Präsident der ersten Kammer hat heute Mittag plötzlich die Mitglieder derselben zu einer außerordentlichen Sitzung auf morgen Vormittag 10 Uhr einladen lassen. Es soll, wie wir hören, eine Vertagungsordonnanz mitgetheilt werden.

Gestern Abend wurde im Staatsrathe, dem außer den Ministern die meisten diplomatischen Notabilitäten beiwohnten, die Frage der Abdankung des Königs verhandelt.

* Berlin 4. April. Sitzung der zweiten Kammer.

Zwei neue Mitglieder sind eingetreten und werden die äußerste Linke verstärken. Es sind die Abgeordneten Groneweg und Schuhmann, der letztere in Pleschen gewählt.

Der Abg. Krause, der sein Mandat niedergelegt hat, ist jetzt wieder eingekommen, daß er es behalten wolle.

Der Präsident Grabow und die Kammer ist aber der Ansicht, daß dies nicht zulässig sei und die Neuwahl stattfinden müsse.

Auch wegen der Niederlegung des Mandats des Abg. Simon (Trier), der dabei bemerkt hatte, daß er bis zur Wahl seines Nachfolgers in der Kammer bleiben werde, entspinnt sich eine Debatte.

Auerswald erklärt sich gegen diesen Modus, Wesendonk u. A. sprechen dafür und die Majorität der Kammer nimmt den Grundsatz an, daß jeder Abgeordnete sein Mandat niederlegen und bis zur Neuwahl seinen Sitz in der Kammer noch behalten könne.

Jung interpellirt den Minister des Innern, wegen den vielfachen Ausweisungen die seit dem Belagerungszustand vorkommen. Er weist zuerst die Ungesetzlichkeit dieser Maßregel nach und zählt dann eine Reihe der prägnantesten Fälle vor. Schließlich erwähnt der Interpellant des Gerüchts, daß eine Kabinetsordre vom 2. Februar 1844 unter dem Ministerium Arnim an das Polizeipräsidium erlassen sei, wonach es der Polizei gestattet ist, die beliebigen Ausweisungen vorzunehmen. Auf diese Kabinetsordre wird sich das Ministerium wohl nicht berufen wollen. (Beifall).

Manteuffel antwortet, daß die erwähnte Kabinetsordre wohl nicht existire, sie ist wenigstens nicht vom Ministerium zur Anwendung gebracht worden. Wenn Jemand ausgewiesen ist, der hier sein Domizil hatte, ist allerdings unrecht. Solche Fälle sind ihm aber nicht bekannt geworden. Nur Fremde sind ausgewiesen, was allerdings nothwendig war, um die Ruhe zu erhalten.

Rodbertus frägt, ob er denn zur Kategorie der Fremden gehöre. Er sei im vorigen Jahre in den Rath Sr. Majestät berufen worden und glaubt, daß er als Minister wohl sein Domizil in Berlin hatte. Er wohnte auch seitdem ohne Unterbrechung hier und dennoch konnte er vom Polizeipräsidenten sowohl als vom General Wrangel keinen andern Grund erfahren, als daß er zu den Fremden gerechnet werde. Aber auch der Minister, dem er von alle diesem Anzeige gemacht, habe nichts dafür gethan.

Graf Arnim: Ich halte es nicht der Mühe werth, auf die Angriffe des Abg. Jung zu antworten. Was die Ausweisung Itzsteins und Heckers betrifft, so wäre es wohl gerechtfertigt, wenn sie aus allen deutschen Staaten verwiesen worden wären, denn der Eine von ihnen war der Erste, der mit fremden Schaaren auf deutschen Boden mit bewaffneter Hand einfiel. (Lärm links)

Nach der Interpellation des Abg. Poninski, eine Untersuchung wegen der Verhaftung preußischer Unterthanen an der russischen Gränze einzuleiten, kommt die Kammer zu dem ersten Bericht der Petitionskommission.

Nur bei einigen der vielen Pettitionen entsteht eine kurze Debatte. So bei der einen, in der um Aufhebung des Meßkornes an die katholische Geistlichkeit in Schloppe gebeten wird. Als Grund wird angegeben, daß diese Abgabe eine ungerechte sei, weil die Verpflichteten sich nicht zur katholischen Religion bekennen und außerdem für einen Geistlichen ihres Glaubens zu sorgen haben.

Die Petitionskommission hat als Grundsatz aufgestellt, über jede Petition, welche auf Aufhebung rechtskräftiger Erkenntnisse gerichtet ist, zur Tagesordnung überzugehen.

Wollheim u. A. sind entgegengesetzter Ansicht und weisen darauf hin, auf welche ungerechte Weise die Landleute sehr oft belastet worden sind. Auf diese erzwungenen Rezesse werden dann Erkenntnisse gegründet.

Die Kammer geht jedoch uber alle Anträge zur Tagesordnung über.

Grün erhält das Wort zur Geschäftsordnung: Es befindet sich neben dem Minister ein ganz unbekannter Mann. Nach der Geschäftsordnung dürfen nur Minister und Abgeordnete in diesem Saale anwesend sein. Man hat mir zwar gesagt, daß es der Justizminister sei, da aber der Kammer noch keine Mittheilung über einen Wechsel im Justizministerium zugegangen, so könne er das nicht glauben.

Präsident Grabow gesteht ganz kleinlaut, daß ihm noch keine Mittheilung hierüber zugegangen.

Große Heiterkeit erregt eine Petition des Landraths von Münchhausen in Ziesar und eilf anderer Personen, die beantragt, daß die Kammer entweder bei Gelegenheit der Adresse oder in sonstiger erfolgreicher Weise dahin wirken möge, daß die gerichtliche Untersuchung gegen die in die Kammer gewählten Steuerverweigerer in möglichster Beschleunigung zu Ende geführt werden möge.

Schluß der Sitzung um 3 Uhr.

Morgen wird das Plakatengesetz und das über Versammlungsrecht zur Berathung kommen.

* Wien, 10. April.

Prochaska ist wegen "Lästerung des Kaisers" zu 8monatlichem Profoßenarrest in Eisen, Flohberger wegen Entwendung eines Telegraphendrathes zu 3monatlichem Stockhausarrest in Eisen verurtheilt worden. Der Erste hatte seine Aeußerungen im trunkenen Zustande gethan.

Jelachich hat eine neue Nation: "dalmatinische Panduren" entdeckt und die Errichtung eines Korps dieser aus dem Schutt der Jahrhunderte hervorgezogenen Race verordnet. Dieses Korps soll dann nach Wien gesandt werden, um einen Theil der dortigen Besatzung zu bilden. Für die Wiener wird aus dem ganzen Reich die exquisiteste Bestialität zusammengesucht.

Dieses Korps wird vorderhand aus vier Kompagnien, je hundert Gemeinen, zwei Trompetern, zwölf Feldwebeln, zwei Harompaschas, zwei Offizieren und einem Hauptmann bestehen. Zu Ober- und Unteroffizieren werden die tüchtigsten Serdare, Vice-Serdare und Harompaschas der Territorialmacht mit angemessenen Bezügen verwendet werden. Die Harompaschas werden eine Löhnung von 30, die Feldwebel von 20, die Panduren und Trompeter von 5 kr. C. M. täglich nebst der Brotration beziehen. Die Werbung geschieht gegen ein Handgeld von 10 fl. C. M,, und ist für die Kriegsdauer festgesetzt.

Ein Aufruf des nämlichen Ban an die Bocchesen belehrt uns über die Existenz einer 2ten neu entdeckten Nation welches da sind die Bewohner der "Bocche di Cattaro."

Die Stadt und das Gebiet von Fiume, von Beccari, Porte re und die ganze militärische kroatische Militär- und Provinzial-Seeküste sind nach einer von Agram am 28. März datirten Kundmachung des F.-M.-L. und Stellvertreters des kommandirenden Generals in Kroatien und Slavonien, Dahlen, in Kriegszustand erklärt worden.

Dessau, 11. April.

Gestern und in den größern Städten auch noch heute sind die Wahlen zu unserm ersten gesetzgebenden Landtage vollzogen worden. Sie sind entschieden im demokratischen Sinne ausgefallen; nur in einem einzigen von unsern 22. Wahlbezirken ist ein Kandidat der streng conservativen Partei durchgekommen.

* Aus Schleswig-Holstein, 10. April.
Der Inhalt dieses Artikels kann aus urheberrechtlichen Gründen nicht angezeigt werden.
Frankfurt, 12. April.

In der heutigen Nr. des offiziellen Organs der Reichsverfaulung befindet sich die Mittheilung, daß Hr. Schmerling unterm 5. April von Wien aus angewiesen worden, "daß die österreichischen Deputirten sofort in die Heimath zurückzukehren hätten, da ihre immerwährende Theilnahme an einer Versammlung, welche durch den am 28. März gefaßten Beschluß den Boden des Rechts und Gesetzes verlassen habe, durchaus nicht mehr stattfinden könne."

* Frankfurt, 12. April.

Das Resultat der Abtheilungswahlen für den gestern beschlossenen Ausschuß zur Berichterstattung in der Kaiserfabrikationsfrage ist Folgendes. Es wurden in den 15 Abtheilungen gewählt:

1) Waitz und Engel; 2) Wydenbrugh und Eckert (von Bromberg); 3) Plathner und Vogt; 4) Wurm und Fehrenbach; 5) Böckler und Eisenstuck; 6) Droysen und Spatz; 7) Umbscheiden und Welcker; 8) v. Breusing und Hagen; 9) Fröbel und Stahl; 10) Langerfeld und Tafel (aus Stuttgardt); 11) Wernher von Nierstein und Raveaux; 12) Duncker und Tafel (von Zweibrücken); 13) Reichensperger und Detmold; 14) Fischer (von Jena) und Venedey; 15) Kierulf und Simon (von Trier). Der Ausschuß hat sich sofort diesen Mittag konstituirt, und den Abgeordneten von Wydenbrugk zum ersten, Raveaux zum zweiten Vorsitzenden, Spatz zum ersten und Langerfeld zum zweiten Schriftführer gewählt.

Von den 84 Kanonen des "Christian VIII." sind nach Berichten, die das "Reichs"-Ministerium erhalten, bereits mehrere aus der Tiefe herausgeholt worden. Es zeigt sich, daß es nicht eiserne, sondern schöne metallene Kanonen sind. Man hofft sie sämmtlich herauszufischen.

Mannheim, 11. April.

Morgen Vormittags 9 Uhr wird vor Gr. Hofgericht dahier die Anklage des badischen Ministeriums gegen Fl. Mördes und Jak. Rothweiler wegen Beleidigung des preußischen Königs Fr. Wilhelm des IV. durch die Presse (Deutscher Zuschauer) in öffentlicher Sitzung verhandelt. Eine wichtige Frage dieses Prozesses ist, ob und in wie weit der "Deutsche Bund" noch rechtlichen Bestand habe.

(M. A. Z.)
Ungarn.
Neue Rheinische Zeitung
Organ der Demokratie.
No 273. Köln, Sonntag, den 15. April. 1849.

Vierteljähriger Abonnementspreis in Köln 1 Thlr. 7 1/2 Sgr., bei allen preußischen Postanstalten 1 Thlr. 17 Sgr. ‒ Im Auslande wende man sich: in Belgien an die betreffenden Postanstalten; in London an W. Thomas, 21 Catherine-Street, Strand; in Paris an W. Thomas, 38 Rue Vivienne, und an A. Hovas, 3 Rue Jean Jacques Rousseau.

Insertionen werden mit 18 Pf. die Petitzeile oder deren Raum berechnet. ‒ Auskunft, Annahme und Abgabe chiffrirter Briefe gratis. ‒ Nur frankirte Briefe werden angenommen. ‒ Expedition in Aachen bei Ernst ter Meer; in Düsseldorf bei F. W. Schmitz, Burgplatz; in Köln Unter Hutmacher Nro. 17.

Anonyme Einsendungen werden nicht berücksichtigt.

Uebersicht.

Deutschland. Köln. (Gladbach und die „Kölnische Zeitung“). Berlin. (Klatsch. ‒ Sitzung der zweiten Kammer). Wien (Vermischtes). Dessau (Die Landtagswahlen). Aus Schleswig-Holstein. (Vom Kriegsschauplatze). Frankfurt. (Die Wahlen für den Dreißiger-Ausschuß. ‒ Abberufung der östreichischen Deputirten). Mannheim. (Beleidigung preußischer Majestät).

Ungarn. (Vom Kriegsschauplatze). Agram. (Die Standrechtsmajestät und die Schulden der Gränzer). Preßburg. (Verurtheilung).

Italien. (Das Bombardement Genua's. ‒ Weitere Berichte aus Genua). Turin. (Deputation aus Genua). Rom. (Einmünzung des päpstlichen Silbergeschirrs). Palermo. (Die Vorbereitungen zum Kampf). Mailand. (Die Friedensunterhandlungen. ‒ Dekret der Assemblea in Venedig)

Französische Republik. Paris. (Preßprozesse. ‒ Ohrfeige. ‒ Proudhon's Volksbank. ‒ Vermischtes. ‒ National-Versammlung).

Dänemark. Kopenhagen. (Ursache von Fabviers Abreise).

Pußland. Von der russischen Gränze. (Verarmung unter dem Adel).

Rolen. Krakau. (Strenger Befehl an die Patrouillen).

Deutschland.
* Köln, 14. März.

Die „Kölnische Zeitung“ beschäftigt sich seit einiger Zeit sehr angelegentlich und in eigenthümlich liebevoller Weise mit dem bisherigen Abgeordnrten der Landkreise Köln und Mülheim, Hrn. A. Gladbach. Es handelt sich für sie und ihre löbliche Partei darum, die bevorstehende Wiederwahl Gladbachs zu vereiteln. Die Mittel, die sie dazu anwendet, sind bereits einmal in unserm Blatt von Gladbach selbst charakterisirt worden.

Unter Andern hat das ehrenwerthe benachbarte Blatt schon mehrere Male der Neuen Preußischen Zeitung und anderen ehrenwerthen Blättchen die Behauptung nachgebetet, Gladbach habe, um sich bei den Wahlmännern interessant zu machen, die Nachricht verbreitet, er sei sofort nach der Verwerfung seiner Wahl aus Berlin ausgewiesen worden. Dies sei indeß ein bloßer Wahlpuff; man habe nicht daran gedacht, Hrn. Gladbach auszuweisen. Als Beleg läßt sich nun das ehrenwerthe Blatt noch am Vorabend der Wahl ein Billet des Berliner Polizeipräfekten Hinkeldey schreiben, worin dieser erklärt, an der angeblichen Ausweisungsgeschichte sei kein wahres Wort!

So die „Kölnische Zeitung“.

Und nun höre, liebes Publikum, wie die „Kölnische Zeitung“ wahlklüngelt.

Das erste Blatt, das die Geschichte von der angeblichen Ausweisung Gladbachs aus Berlin brachte, war ‒ die Berliner Deutsche Reform, das Blatt des Hrn. Milde. Vermuthet die Kölnische Zeitung etwa, die Deutsche Reform lasse sich von Hrn. Gladbach zum Organ für seine Wahlreklamen gebrauchen?

Das zweite Blatt, welches dieselbe Nachricht von Gladbach's Ausweisung brachte, war ‒ die edle „Kölnische Zeitung“ selbst!!

Sie brachte diese Nachricht in der Nummer vom 18. März, d. h. bereits am Abend des 17. März, mehrere Stunden, ehe Hr. Gladbach selbst von Berlin hier eintraf.

Merkwürdige Geschicklichkeit Gladbachs, mit der er seine „Wahlpuffs“ schon vor seiner Ankunft in die „Kölnische Zeitung“ zu schmuggeln wußte!

Daß an der ganzen Sache nichts war und daß Gladbach, der übrigens ‒ die ganze Rheinprovinz weiß es ‒ mehr als jeder Andere alle Wahlmanöver verschmäht, daß Gladbach durchaus kein Interesse an der Verbreitung dieser Geschichte hatte ‒ die „Kölnische Zeitung“ konnte es daraus sehen, daß wir darüber schwiegen, obgleich Gladbach der einzige Deputirte war, für dessen Wiederwahl die Neue Rheinische Zeitung auftrat.

Aber die „Kölnische Zeitung“ ist nun einmal so: am 18. März macht sie selbst „Wahlpuffs“, um am 14. April sie mit moralischer Entrüstung ihren Gegnern in die Schuhe zu schieben.

* Berlin, 12. März.

Camphausen hat während seiner Anwesenheit in Berlin sowohl mit den Ministern, als auch besonders mit dem Prinz von Preußen viele und längere Konferenzen gehabt. Camphausen sinkt immer mehr zum Briefträger eines Ministeriums herab, welches er selbst und seine Freunde so oft und so hart angegriffen haben.

Der Frankfurter Schmerling ist wie sein Freund v. Bothmer hier mit der größten Auszeichnung empfangen worden. Hr. v. Prokesch-Osten hat allerdings schon gehörig vorgearbeitet, Schmerling brauchte nur noch die letzte Hand an das schöne Werk einer entente cordiale zwischen Olmütz und Sanssouci zu legen.

Der Präsident der ersten Kammer hat heute Mittag plötzlich die Mitglieder derselben zu einer außerordentlichen Sitzung auf morgen Vormittag 10 Uhr einladen lassen. Es soll, wie wir hören, eine Vertagungsordonnanz mitgetheilt werden.

Gestern Abend wurde im Staatsrathe, dem außer den Ministern die meisten diplomatischen Notabilitäten beiwohnten, die Frage der Abdankung des Königs verhandelt.

* Berlin 4. April. Sitzung der zweiten Kammer.

Zwei neue Mitglieder sind eingetreten und werden die äußerste Linke verstärken. Es sind die Abgeordneten Groneweg und Schuhmann, der letztere in Pleschen gewählt.

Der Abg. Krause, der sein Mandat niedergelegt hat, ist jetzt wieder eingekommen, daß er es behalten wolle.

Der Präsident Grabow und die Kammer ist aber der Ansicht, daß dies nicht zulässig sei und die Neuwahl stattfinden müsse.

Auch wegen der Niederlegung des Mandats des Abg. Simon (Trier), der dabei bemerkt hatte, daß er bis zur Wahl seines Nachfolgers in der Kammer bleiben werde, entspinnt sich eine Debatte.

Auerswald erklärt sich gegen diesen Modus, Wesendonk u. A. sprechen dafür und die Majorität der Kammer nimmt den Grundsatz an, daß jeder Abgeordnete sein Mandat niederlegen und bis zur Neuwahl seinen Sitz in der Kammer noch behalten könne.

Jung interpellirt den Minister des Innern, wegen den vielfachen Ausweisungen die seit dem Belagerungszustand vorkommen. Er weist zuerst die Ungesetzlichkeit dieser Maßregel nach und zählt dann eine Reihe der prägnantesten Fälle vor. Schließlich erwähnt der Interpellant des Gerüchts, daß eine Kabinetsordre vom 2. Februar 1844 unter dem Ministerium Arnim an das Polizeipräsidium erlassen sei, wonach es der Polizei gestattet ist, die beliebigen Ausweisungen vorzunehmen. Auf diese Kabinetsordre wird sich das Ministerium wohl nicht berufen wollen. (Beifall).

Manteuffel antwortet, daß die erwähnte Kabinetsordre wohl nicht existire, sie ist wenigstens nicht vom Ministerium zur Anwendung gebracht worden. Wenn Jemand ausgewiesen ist, der hier sein Domizil hatte, ist allerdings unrecht. Solche Fälle sind ihm aber nicht bekannt geworden. Nur Fremde sind ausgewiesen, was allerdings nothwendig war, um die Ruhe zu erhalten.

Rodbertus frägt, ob er denn zur Kategorie der Fremden gehöre. Er sei im vorigen Jahre in den Rath Sr. Majestät berufen worden und glaubt, daß er als Minister wohl sein Domizil in Berlin hatte. Er wohnte auch seitdem ohne Unterbrechung hier und dennoch konnte er vom Polizeipräsidenten sowohl als vom General Wrangel keinen andern Grund erfahren, als daß er zu den Fremden gerechnet werde. Aber auch der Minister, dem er von alle diesem Anzeige gemacht, habe nichts dafür gethan.

Graf Arnim: Ich halte es nicht der Mühe werth, auf die Angriffe des Abg. Jung zu antworten. Was die Ausweisung Itzsteins und Heckers betrifft, so wäre es wohl gerechtfertigt, wenn sie aus allen deutschen Staaten verwiesen worden wären, denn der Eine von ihnen war der Erste, der mit fremden Schaaren auf deutschen Boden mit bewaffneter Hand einfiel. (Lärm links)

Nach der Interpellation des Abg. Poninski, eine Untersuchung wegen der Verhaftung preußischer Unterthanen an der russischen Gränze einzuleiten, kommt die Kammer zu dem ersten Bericht der Petitionskommission.

Nur bei einigen der vielen Pettitionen entsteht eine kurze Debatte. So bei der einen, in der um Aufhebung des Meßkornes an die katholische Geistlichkeit in Schloppe gebeten wird. Als Grund wird angegeben, daß diese Abgabe eine ungerechte sei, weil die Verpflichteten sich nicht zur katholischen Religion bekennen und außerdem für einen Geistlichen ihres Glaubens zu sorgen haben.

Die Petitionskommission hat als Grundsatz aufgestellt, über jede Petition, welche auf Aufhebung rechtskräftiger Erkenntnisse gerichtet ist, zur Tagesordnung überzugehen.

Wollheim u. A. sind entgegengesetzter Ansicht und weisen darauf hin, auf welche ungerechte Weise die Landleute sehr oft belastet worden sind. Auf diese erzwungenen Rezesse werden dann Erkenntnisse gegründet.

Die Kammer geht jedoch uber alle Anträge zur Tagesordnung über.

Grün erhält das Wort zur Geschäftsordnung: Es befindet sich neben dem Minister ein ganz unbekannter Mann. Nach der Geschäftsordnung dürfen nur Minister und Abgeordnete in diesem Saale anwesend sein. Man hat mir zwar gesagt, daß es der Justizminister sei, da aber der Kammer noch keine Mittheilung über einen Wechsel im Justizministerium zugegangen, so könne er das nicht glauben.

Präsident Grabow gesteht ganz kleinlaut, daß ihm noch keine Mittheilung hierüber zugegangen.

Große Heiterkeit erregt eine Petition des Landraths von Münchhausen in Ziesar und eilf anderer Personen, die beantragt, daß die Kammer entweder bei Gelegenheit der Adresse oder in sonstiger erfolgreicher Weise dahin wirken möge, daß die gerichtliche Untersuchung gegen die in die Kammer gewählten Steuerverweigerer in möglichster Beschleunigung zu Ende geführt werden möge.

Schluß der Sitzung um 3 Uhr.

Morgen wird das Plakatengesetz und das über Versammlungsrecht zur Berathung kommen.

* Wien, 10. April.

Prochaska ist wegen „Lästerung des Kaisers“ zu 8monatlichem Profoßenarrest in Eisen, Flohberger wegen Entwendung eines Telegraphendrathes zu 3monatlichem Stockhausarrest in Eisen verurtheilt worden. Der Erste hatte seine Aeußerungen im trunkenen Zustande gethan.

Jelachich hat eine neue Nation: „dalmatinische Panduren“ entdeckt und die Errichtung eines Korps dieser aus dem Schutt der Jahrhunderte hervorgezogenen Race verordnet. Dieses Korps soll dann nach Wien gesandt werden, um einen Theil der dortigen Besatzung zu bilden. Für die Wiener wird aus dem ganzen Reich die exquisiteste Bestialität zusammengesucht.

Dieses Korps wird vorderhand aus vier Kompagnien, je hundert Gemeinen, zwei Trompetern, zwölf Feldwebeln, zwei Harompaschas, zwei Offizieren und einem Hauptmann bestehen. Zu Ober- und Unteroffizieren werden die tüchtigsten Serdare, Vice-Serdare und Harompaschas der Territorialmacht mit angemessenen Bezügen verwendet werden. Die Harompaschas werden eine Löhnung von 30, die Feldwebel von 20, die Panduren und Trompeter von 5 kr. C. M. täglich nebst der Brotration beziehen. Die Werbung geschieht gegen ein Handgeld von 10 fl. C. M,, und ist für die Kriegsdauer festgesetzt.

Ein Aufruf des nämlichen Ban an die Bocchesen belehrt uns über die Existenz einer 2ten neu entdeckten Nation welches da sind die Bewohner der „Bocche di Cattaro.“

Die Stadt und das Gebiet von Fiume, von Beccari, Porte re und die ganze militärische kroatische Militär- und Provinzial-Seeküste sind nach einer von Agram am 28. März datirten Kundmachung des F.-M.-L. und Stellvertreters des kommandirenden Generals in Kroatien und Slavonien, Dahlen, in Kriegszustand erklärt worden.

Dessau, 11. April.

Gestern und in den größern Städten auch noch heute sind die Wahlen zu unserm ersten gesetzgebenden Landtage vollzogen worden. Sie sind entschieden im demokratischen Sinne ausgefallen; nur in einem einzigen von unsern 22. Wahlbezirken ist ein Kandidat der streng conservativen Partei durchgekommen.

* Aus Schleswig-Holstein, 10. April.
Der Inhalt dieses Artikels kann aus urheberrechtlichen Gründen nicht angezeigt werden.
Frankfurt, 12. April.

In der heutigen Nr. des offiziellen Organs der Reichsverfaulung befindet sich die Mittheilung, daß Hr. Schmerling unterm 5. April von Wien aus angewiesen worden, „daß die österreichischen Deputirten sofort in die Heimath zurückzukehren hätten, da ihre immerwährende Theilnahme an einer Versammlung, welche durch den am 28. März gefaßten Beschluß den Boden des Rechts und Gesetzes verlassen habe, durchaus nicht mehr stattfinden könne.“

* Frankfurt, 12. April.

Das Resultat der Abtheilungswahlen für den gestern beschlossenen Ausschuß zur Berichterstattung in der Kaiserfabrikationsfrage ist Folgendes. Es wurden in den 15 Abtheilungen gewählt:

1) Waitz und Engel; 2) Wydenbrugh und Eckert (von Bromberg); 3) Plathner und Vogt; 4) Wurm und Fehrenbach; 5) Böckler und Eisenstuck; 6) Droysen und Spatz; 7) Umbscheiden und Welcker; 8) v. Breusing und Hagen; 9) Fröbel und Stahl; 10) Langerfeld und Tafel (aus Stuttgardt); 11) Wernher von Nierstein und Raveaux; 12) Duncker und Tafel (von Zweibrücken); 13) Reichensperger und Detmold; 14) Fischer (von Jena) und Venedey; 15) Kierulf und Simon (von Trier). Der Ausschuß hat sich sofort diesen Mittag konstituirt, und den Abgeordneten von Wydenbrugk zum ersten, Raveaux zum zweiten Vorsitzenden, Spatz zum ersten und Langerfeld zum zweiten Schriftführer gewählt.

Von den 84 Kanonen des „Christian VIII.“ sind nach Berichten, die das „Reichs“-Ministerium erhalten, bereits mehrere aus der Tiefe herausgeholt worden. Es zeigt sich, daß es nicht eiserne, sondern schöne metallene Kanonen sind. Man hofft sie sämmtlich herauszufischen.

Mannheim, 11. April.

Morgen Vormittags 9 Uhr wird vor Gr. Hofgericht dahier die Anklage des badischen Ministeriums gegen Fl. Mördes und Jak. Rothweiler wegen Beleidigung des preußischen Königs Fr. Wilhelm des IV. durch die Presse (Deutscher Zuschauer) in öffentlicher Sitzung verhandelt. Eine wichtige Frage dieses Prozesses ist, ob und in wie weit der „Deutsche Bund“ noch rechtlichen Bestand habe.

(M. A. Z.)
Ungarn.
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        <p><hi rendition="#g">Französische Republik.</hi> Paris. (Preßprozesse. &#x2012; Ohrfeige. &#x2012; Proudhon's Volksbank. &#x2012; Vermischtes. &#x2012; National-Versammlung).</p>
        <p><hi rendition="#g">Dänemark.</hi> Kopenhagen. (Ursache von Fabviers Abreise).</p>
        <p><hi rendition="#g">Pußland.</hi> Von der russischen Gränze. (Verarmung unter dem Adel).</p>
        <p><hi rendition="#g">Rolen.</hi> Krakau. (Strenger Befehl an die Patrouillen).</p>
      </div>
      <div n="1">
        <head>Deutschland.</head>
        <div xml:id="ar273-1_001" type="jArticle">
          <head><bibl><author>*</author></bibl> Köln, 14. März.</head>
          <p>Die &#x201E;Kölnische Zeitung&#x201C; beschäftigt sich seit einiger Zeit sehr angelegentlich und in eigenthümlich liebevoller Weise mit dem bisherigen Abgeordnrten der Landkreise Köln und Mülheim, Hrn. A. Gladbach. Es handelt sich für sie und ihre löbliche Partei darum, die bevorstehende Wiederwahl Gladbachs zu vereiteln. Die Mittel, die sie dazu anwendet, sind bereits einmal in unserm Blatt von Gladbach selbst charakterisirt worden.</p>
          <p>Unter Andern hat das ehrenwerthe benachbarte Blatt schon mehrere Male der Neuen Preußischen Zeitung und anderen ehrenwerthen Blättchen die Behauptung nachgebetet, Gladbach habe, um sich bei den Wahlmännern interessant zu machen, die Nachricht verbreitet, er sei sofort nach der Verwerfung seiner Wahl aus Berlin ausgewiesen worden. Dies sei indeß ein bloßer Wahlpuff; man habe nicht daran gedacht, Hrn. Gladbach auszuweisen. Als Beleg läßt sich nun das ehrenwerthe Blatt noch am Vorabend der Wahl ein Billet des Berliner Polizeipräfekten Hinkeldey schreiben, worin dieser erklärt, an der angeblichen Ausweisungsgeschichte sei kein wahres Wort!</p>
          <p>So die &#x201E;Kölnische Zeitung&#x201C;.</p>
          <p>Und nun höre, liebes Publikum, wie die &#x201E;Kölnische Zeitung&#x201C; wahlklüngelt.</p>
          <p>Das erste Blatt, das die Geschichte von der angeblichen Ausweisung Gladbachs aus Berlin brachte, war &#x2012; die Berliner <hi rendition="#g">Deutsche Reform,</hi> das Blatt des Hrn. Milde. Vermuthet die Kölnische Zeitung etwa, die Deutsche Reform lasse sich von Hrn. Gladbach zum Organ für seine Wahlreklamen gebrauchen?</p>
          <p>Das <hi rendition="#g">zweite</hi> Blatt, welches dieselbe Nachricht von Gladbach's Ausweisung brachte, war &#x2012; <hi rendition="#g">die edle &#x201E;Kölnische Zeitung&#x201C; selbst!!</hi> </p>
          <p>Sie brachte diese Nachricht in der Nummer vom 18. März, d. h. bereits am Abend des 17. März, mehrere Stunden, ehe Hr. Gladbach selbst von Berlin hier eintraf.</p>
          <p>Merkwürdige Geschicklichkeit Gladbachs, mit der er seine &#x201E;Wahlpuffs&#x201C; schon vor seiner Ankunft in die &#x201E;Kölnische Zeitung&#x201C; zu schmuggeln wußte!</p>
          <p>Daß an der ganzen Sache nichts war und daß Gladbach, der übrigens &#x2012; die ganze Rheinprovinz weiß es &#x2012; mehr als jeder Andere alle Wahlmanöver verschmäht, daß Gladbach durchaus kein Interesse an der Verbreitung dieser Geschichte hatte &#x2012; die &#x201E;Kölnische Zeitung&#x201C; konnte es daraus sehen, daß <hi rendition="#g">wir</hi> darüber schwiegen, obgleich Gladbach der <hi rendition="#g">einzige</hi> Deputirte war, für dessen Wiederwahl die Neue Rheinische Zeitung auftrat.</p>
          <p>Aber die &#x201E;Kölnische Zeitung&#x201C; ist nun einmal so: am 18. März macht sie selbst &#x201E;Wahlpuffs&#x201C;, um am 14. April sie mit moralischer Entrüstung ihren Gegnern in die Schuhe zu schieben.</p>
        </div>
        <div xml:id="ar273-1_002" type="jArticle">
          <head><bibl><author>*</author></bibl> Berlin, 12. März.</head>
          <p>Camphausen hat während seiner Anwesenheit in Berlin sowohl mit den Ministern, als auch besonders mit dem Prinz von Preußen viele und längere Konferenzen gehabt. Camphausen sinkt immer mehr zum Briefträger eines Ministeriums herab, welches er selbst und seine Freunde so oft und so hart angegriffen haben.</p>
          <p>Der Frankfurter Schmerling ist wie sein Freund v. Bothmer hier mit der größten Auszeichnung empfangen worden. Hr. v. Prokesch-Osten hat allerdings schon gehörig vorgearbeitet, Schmerling brauchte nur noch die letzte Hand an das schöne Werk einer entente cordiale zwischen Olmütz und Sanssouci zu legen.</p>
          <p>Der Präsident der ersten Kammer hat heute Mittag plötzlich die Mitglieder derselben zu einer außerordentlichen Sitzung auf morgen Vormittag 10 Uhr einladen lassen. Es soll, wie wir hören, eine <hi rendition="#g">Vertagungsordonnanz</hi> mitgetheilt werden.</p>
          <p>Gestern Abend wurde im Staatsrathe, dem außer den Ministern die meisten diplomatischen Notabilitäten beiwohnten, die Frage der Abdankung des Königs verhandelt.</p>
        </div>
        <div xml:id="ar273-1_003" type="jArticle">
          <head><bibl><author>*</author></bibl> Berlin 4. April. Sitzung der zweiten Kammer.</head>
          <p>Zwei neue Mitglieder sind eingetreten und werden die äußerste Linke verstärken. Es sind die Abgeordneten Groneweg und Schuhmann, der letztere in Pleschen gewählt.</p>
          <p>Der Abg. Krause, der sein Mandat niedergelegt hat, ist jetzt wieder eingekommen, daß er es behalten wolle.</p>
          <p>Der Präsident Grabow und die Kammer ist aber der Ansicht, daß dies nicht zulässig sei und die Neuwahl stattfinden müsse.</p>
          <p>Auch wegen der Niederlegung des Mandats des Abg. Simon (Trier), der dabei bemerkt hatte, daß er bis zur Wahl seines Nachfolgers in der Kammer bleiben werde, entspinnt sich eine Debatte.</p>
          <p>Auerswald erklärt sich gegen diesen Modus, Wesendonk u. A. sprechen dafür und die Majorität der Kammer nimmt den Grundsatz an, daß jeder Abgeordnete sein Mandat niederlegen und bis zur Neuwahl seinen Sitz in der Kammer noch behalten könne.</p>
          <p><hi rendition="#g">Jung</hi> interpellirt den Minister des Innern, wegen den vielfachen Ausweisungen die seit dem Belagerungszustand vorkommen. Er weist zuerst die Ungesetzlichkeit dieser Maßregel nach und zählt dann eine Reihe der prägnantesten Fälle vor. Schließlich erwähnt der Interpellant des Gerüchts, daß eine Kabinetsordre vom 2. Februar 1844 unter dem Ministerium Arnim an das Polizeipräsidium erlassen sei, wonach es der Polizei gestattet ist, die beliebigen Ausweisungen vorzunehmen. Auf diese Kabinetsordre wird sich das Ministerium wohl nicht berufen wollen. (Beifall).</p>
          <p><hi rendition="#g">Manteuffel</hi> antwortet, daß die erwähnte Kabinetsordre wohl nicht existire, sie ist wenigstens nicht vom Ministerium zur Anwendung gebracht worden. Wenn Jemand ausgewiesen ist, der hier sein Domizil hatte, ist allerdings unrecht. Solche Fälle sind ihm aber nicht bekannt geworden. Nur Fremde sind ausgewiesen, was allerdings nothwendig war, um die Ruhe zu erhalten.</p>
          <p><hi rendition="#g">Rodbertus</hi> frägt, ob er denn zur Kategorie der Fremden gehöre. Er sei im vorigen Jahre in den Rath Sr. Majestät berufen worden und glaubt, daß er als Minister wohl sein Domizil in Berlin hatte. Er wohnte auch seitdem ohne Unterbrechung hier und dennoch konnte er vom Polizeipräsidenten sowohl als vom General Wrangel keinen andern Grund erfahren, als daß er zu den Fremden gerechnet werde. Aber auch der Minister, dem er von alle diesem Anzeige gemacht, habe nichts dafür gethan.</p>
          <p><hi rendition="#g">Graf Arnim:</hi> Ich halte es nicht der Mühe werth, auf die Angriffe des Abg. Jung zu antworten. Was die Ausweisung Itzsteins und Heckers betrifft, so wäre es wohl gerechtfertigt, wenn sie aus allen deutschen Staaten verwiesen worden wären, denn der Eine von ihnen war der Erste, der mit fremden Schaaren auf deutschen Boden mit bewaffneter Hand einfiel. (Lärm links)</p>
          <p>Nach der Interpellation des Abg. <hi rendition="#g">Poninski,</hi> eine Untersuchung wegen der Verhaftung preußischer Unterthanen an der russischen Gränze einzuleiten, kommt die Kammer zu dem ersten Bericht der Petitionskommission.</p>
          <p>Nur bei einigen der vielen Pettitionen entsteht eine kurze Debatte. So bei der einen, in der um Aufhebung des Meßkornes an die katholische Geistlichkeit in Schloppe gebeten wird. Als Grund wird angegeben, daß diese Abgabe eine ungerechte sei, weil die Verpflichteten sich nicht zur katholischen Religion bekennen und außerdem für einen Geistlichen ihres Glaubens zu sorgen haben.</p>
          <p>Die Petitionskommission hat als Grundsatz aufgestellt, über jede Petition, welche auf Aufhebung rechtskräftiger Erkenntnisse gerichtet ist, zur Tagesordnung überzugehen.</p>
          <p><hi rendition="#g">Wollheim u. A.</hi> sind entgegengesetzter Ansicht und weisen darauf hin, auf welche ungerechte Weise die Landleute sehr oft belastet worden sind. Auf diese erzwungenen Rezesse werden dann Erkenntnisse gegründet.</p>
          <p>Die Kammer geht jedoch uber alle Anträge zur Tagesordnung über.</p>
          <p><hi rendition="#g">Grün</hi> erhält das Wort zur Geschäftsordnung: Es befindet sich neben dem Minister ein ganz unbekannter Mann. Nach der Geschäftsordnung dürfen nur Minister und Abgeordnete in diesem Saale anwesend sein. Man hat mir zwar gesagt, daß es der Justizminister sei, da aber der Kammer noch keine Mittheilung über einen Wechsel im Justizministerium zugegangen, so könne er das nicht glauben.</p>
          <p>Präsident <hi rendition="#g">Grabow</hi> gesteht ganz kleinlaut, daß ihm noch keine Mittheilung hierüber zugegangen.</p>
          <p>Große Heiterkeit erregt eine Petition des Landraths von Münchhausen in Ziesar und eilf anderer Personen, die beantragt, daß die Kammer entweder bei Gelegenheit der Adresse oder in sonstiger erfolgreicher Weise dahin wirken möge, daß die gerichtliche Untersuchung gegen die in die Kammer gewählten Steuerverweigerer in möglichster Beschleunigung zu Ende geführt werden möge.</p>
          <p>Schluß der Sitzung um 3 Uhr.</p>
          <p>Morgen wird das Plakatengesetz und das über Versammlungsrecht zur Berathung kommen.</p>
        </div>
        <div xml:id="ar273-1_004" type="jArticle">
          <head><bibl><author>*</author></bibl> Wien, 10. April.</head>
          <p>Prochaska ist wegen &#x201E;Lästerung des Kaisers&#x201C; zu 8monatlichem Profoßenarrest in Eisen, Flohberger wegen Entwendung eines Telegraphendrathes zu 3monatlichem Stockhausarrest in Eisen verurtheilt worden. Der Erste hatte seine Aeußerungen im trunkenen Zustande gethan.</p>
          <p>Jelachich hat eine neue Nation: &#x201E;dalmatinische Panduren&#x201C; entdeckt und die Errichtung eines Korps dieser aus dem Schutt der Jahrhunderte hervorgezogenen Race verordnet. Dieses Korps soll dann nach Wien gesandt werden, um einen Theil der dortigen Besatzung zu bilden. Für die Wiener wird aus dem ganzen Reich die exquisiteste Bestialität zusammengesucht.</p>
          <p>Dieses Korps wird vorderhand aus vier Kompagnien, je hundert Gemeinen, zwei Trompetern, zwölf Feldwebeln, zwei Harompaschas, zwei Offizieren und einem Hauptmann bestehen. Zu Ober- und Unteroffizieren werden die tüchtigsten Serdare, Vice-Serdare und Harompaschas der Territorialmacht mit angemessenen Bezügen verwendet werden. Die Harompaschas werden eine Löhnung von 30, die Feldwebel von 20, die Panduren und Trompeter von 5 kr. C. M. täglich nebst der Brotration beziehen. Die Werbung geschieht gegen ein Handgeld von 10 fl. C. M,, und ist für die Kriegsdauer festgesetzt.</p>
          <p>Ein Aufruf des nämlichen Ban an die Bocchesen belehrt uns über die Existenz einer 2ten neu entdeckten Nation welches da sind die Bewohner der &#x201E;Bocche di Cattaro.&#x201C;</p>
          <p> <hi rendition="#g">Die Stadt und das Gebiet von Fiume, von Beccari, Porte re und die ganze militärische kroatische Militär- und Provinzial-Seeküste sind nach einer von Agram am 28. März datirten Kundmachung des F.-M.-L. und Stellvertreters des kommandirenden Generals in Kroatien und Slavonien, Dahlen, in Kriegszustand erklärt worden.</hi> </p>
        </div>
        <div xml:id="ar273-1_005" type="jArticle">
          <head>Dessau, 11. April.</head>
          <p>Gestern und in den größern Städten auch noch heute sind die Wahlen zu unserm ersten gesetzgebenden Landtage vollzogen worden. Sie sind entschieden im demokratischen Sinne ausgefallen; nur in einem einzigen von unsern 22. Wahlbezirken ist ein Kandidat der streng conservativen Partei durchgekommen.</p>
        </div>
        <div xml:id="ar273-1_006_c" type="jArticle">
          <note type="editorial">Edition: <bibl>Friedrich Engels: Vom Kriegsschauplatze (Schleswig-Holstein), vorgesehen für: MEGA<hi rendition="#sup">2</hi>, I/9.         </bibl>                </note>
          <head><bibl><author>*</author></bibl> Aus Schleswig-Holstein, 10. April.</head>
          <gap reason="copyright"/>
        </div>
        <div xml:id="ar273-1_007" type="jArticle">
          <head>Frankfurt, 12. April.</head>
          <p>In der heutigen Nr. des offiziellen Organs der Reichsverfaulung befindet sich die Mittheilung, daß Hr. Schmerling unterm 5. April von Wien aus angewiesen worden, &#x201E;daß die österreichischen Deputirten sofort in die Heimath zurückzukehren hätten, da ihre immerwährende Theilnahme an einer Versammlung, welche durch den am 28. März gefaßten Beschluß den Boden des Rechts und Gesetzes verlassen habe, durchaus nicht mehr stattfinden könne.&#x201C;</p>
        </div>
        <div xml:id="ar273-1_008" type="jArticle">
          <head><bibl><author>*</author></bibl> Frankfurt, 12. April.</head>
          <p>Das Resultat der Abtheilungswahlen für den gestern beschlossenen Ausschuß zur Berichterstattung in der Kaiserfabrikationsfrage ist Folgendes. Es wurden in den 15 Abtheilungen gewählt:</p>
          <p>1) Waitz und Engel; 2) Wydenbrugh und Eckert (von Bromberg); 3) Plathner und Vogt; 4) Wurm und Fehrenbach; 5) Böckler und Eisenstuck; 6) Droysen und Spatz; 7) Umbscheiden und Welcker; 8) v. Breusing und Hagen; 9) Fröbel und Stahl; 10) Langerfeld und Tafel (aus Stuttgardt); 11) Wernher von Nierstein und Raveaux; 12) Duncker und Tafel (von Zweibrücken); 13) Reichensperger und Detmold; 14) Fischer (von Jena) und Venedey; 15) Kierulf und Simon (von Trier). Der Ausschuß hat sich sofort diesen Mittag konstituirt, und den Abgeordneten von Wydenbrugk zum ersten, Raveaux zum zweiten Vorsitzenden, Spatz zum ersten und Langerfeld zum zweiten Schriftführer gewählt.</p>
          <p>Von den 84 Kanonen des &#x201E;Christian VIII.&#x201C; sind nach Berichten, die das &#x201E;Reichs&#x201C;-Ministerium erhalten, bereits mehrere aus der Tiefe herausgeholt worden. Es zeigt sich, daß es nicht eiserne, sondern schöne metallene Kanonen sind. Man hofft sie sämmtlich herauszufischen.</p>
        </div>
        <div xml:id="ar273-1_009" type="jArticle">
          <head>Mannheim, 11. April.</head>
          <p>Morgen Vormittags 9 Uhr wird vor Gr. Hofgericht dahier die Anklage des <hi rendition="#b">badischen</hi> Ministeriums gegen Fl. Mördes und Jak. Rothweiler wegen Beleidigung des preußischen Königs Fr. Wilhelm des IV. durch die Presse (Deutscher Zuschauer) in öffentlicher Sitzung verhandelt. Eine wichtige Frage dieses Prozesses ist, ob und in wie weit der &#x201E;Deutsche Bund&#x201C; noch rechtlichen Bestand habe.</p>
          <bibl>(M. A. Z.)</bibl>
        </div>
      </div>
      <div n="1">
        <head>Ungarn.</head>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[1539/0001] Neue Rheinische Zeitung Organ der Demokratie. No 273. Köln, Sonntag, den 15. April. 1849. Vierteljähriger Abonnementspreis in Köln 1 Thlr. 7 1/2 Sgr., bei allen preußischen Postanstalten 1 Thlr. 17 Sgr. ‒ Im Auslande wende man sich: in Belgien an die betreffenden Postanstalten; in London an W. Thomas, 21 Catherine-Street, Strand; in Paris an W. Thomas, 38 Rue Vivienne, und an A. Hovas, 3 Rue Jean Jacques Rousseau. Insertionen werden mit 18 Pf. die Petitzeile oder deren Raum berechnet. ‒ Auskunft, Annahme und Abgabe chiffrirter Briefe gratis. ‒ Nur frankirte Briefe werden angenommen. ‒ Expedition in Aachen bei Ernst ter Meer; in Düsseldorf bei F. W. Schmitz, Burgplatz; in Köln Unter Hutmacher Nro. 17. Anonyme Einsendungen werden nicht berücksichtigt. Uebersicht. Deutschland. Köln. (Gladbach und die „Kölnische Zeitung“). Berlin. (Klatsch. ‒ Sitzung der zweiten Kammer). Wien (Vermischtes). Dessau (Die Landtagswahlen). Aus Schleswig-Holstein. (Vom Kriegsschauplatze). Frankfurt. (Die Wahlen für den Dreißiger-Ausschuß. ‒ Abberufung der östreichischen Deputirten). Mannheim. (Beleidigung preußischer Majestät). Ungarn. (Vom Kriegsschauplatze). Agram. (Die Standrechtsmajestät und die Schulden der Gränzer). Preßburg. (Verurtheilung). Italien. (Das Bombardement Genua's. ‒ Weitere Berichte aus Genua). Turin. (Deputation aus Genua). Rom. (Einmünzung des päpstlichen Silbergeschirrs). Palermo. (Die Vorbereitungen zum Kampf). Mailand. (Die Friedensunterhandlungen. ‒ Dekret der Assemblea in Venedig) Französische Republik. Paris. (Preßprozesse. ‒ Ohrfeige. ‒ Proudhon's Volksbank. ‒ Vermischtes. ‒ National-Versammlung). Dänemark. Kopenhagen. (Ursache von Fabviers Abreise). Pußland. Von der russischen Gränze. (Verarmung unter dem Adel). Rolen. Krakau. (Strenger Befehl an die Patrouillen). Deutschland. * Köln, 14. März. Die „Kölnische Zeitung“ beschäftigt sich seit einiger Zeit sehr angelegentlich und in eigenthümlich liebevoller Weise mit dem bisherigen Abgeordnrten der Landkreise Köln und Mülheim, Hrn. A. Gladbach. Es handelt sich für sie und ihre löbliche Partei darum, die bevorstehende Wiederwahl Gladbachs zu vereiteln. Die Mittel, die sie dazu anwendet, sind bereits einmal in unserm Blatt von Gladbach selbst charakterisirt worden. Unter Andern hat das ehrenwerthe benachbarte Blatt schon mehrere Male der Neuen Preußischen Zeitung und anderen ehrenwerthen Blättchen die Behauptung nachgebetet, Gladbach habe, um sich bei den Wahlmännern interessant zu machen, die Nachricht verbreitet, er sei sofort nach der Verwerfung seiner Wahl aus Berlin ausgewiesen worden. Dies sei indeß ein bloßer Wahlpuff; man habe nicht daran gedacht, Hrn. Gladbach auszuweisen. Als Beleg läßt sich nun das ehrenwerthe Blatt noch am Vorabend der Wahl ein Billet des Berliner Polizeipräfekten Hinkeldey schreiben, worin dieser erklärt, an der angeblichen Ausweisungsgeschichte sei kein wahres Wort! So die „Kölnische Zeitung“. Und nun höre, liebes Publikum, wie die „Kölnische Zeitung“ wahlklüngelt. Das erste Blatt, das die Geschichte von der angeblichen Ausweisung Gladbachs aus Berlin brachte, war ‒ die Berliner Deutsche Reform, das Blatt des Hrn. Milde. Vermuthet die Kölnische Zeitung etwa, die Deutsche Reform lasse sich von Hrn. Gladbach zum Organ für seine Wahlreklamen gebrauchen? Das zweite Blatt, welches dieselbe Nachricht von Gladbach's Ausweisung brachte, war ‒ die edle „Kölnische Zeitung“ selbst!! Sie brachte diese Nachricht in der Nummer vom 18. März, d. h. bereits am Abend des 17. März, mehrere Stunden, ehe Hr. Gladbach selbst von Berlin hier eintraf. Merkwürdige Geschicklichkeit Gladbachs, mit der er seine „Wahlpuffs“ schon vor seiner Ankunft in die „Kölnische Zeitung“ zu schmuggeln wußte! Daß an der ganzen Sache nichts war und daß Gladbach, der übrigens ‒ die ganze Rheinprovinz weiß es ‒ mehr als jeder Andere alle Wahlmanöver verschmäht, daß Gladbach durchaus kein Interesse an der Verbreitung dieser Geschichte hatte ‒ die „Kölnische Zeitung“ konnte es daraus sehen, daß wir darüber schwiegen, obgleich Gladbach der einzige Deputirte war, für dessen Wiederwahl die Neue Rheinische Zeitung auftrat. Aber die „Kölnische Zeitung“ ist nun einmal so: am 18. März macht sie selbst „Wahlpuffs“, um am 14. April sie mit moralischer Entrüstung ihren Gegnern in die Schuhe zu schieben. * Berlin, 12. März. Camphausen hat während seiner Anwesenheit in Berlin sowohl mit den Ministern, als auch besonders mit dem Prinz von Preußen viele und längere Konferenzen gehabt. Camphausen sinkt immer mehr zum Briefträger eines Ministeriums herab, welches er selbst und seine Freunde so oft und so hart angegriffen haben. Der Frankfurter Schmerling ist wie sein Freund v. Bothmer hier mit der größten Auszeichnung empfangen worden. Hr. v. Prokesch-Osten hat allerdings schon gehörig vorgearbeitet, Schmerling brauchte nur noch die letzte Hand an das schöne Werk einer entente cordiale zwischen Olmütz und Sanssouci zu legen. Der Präsident der ersten Kammer hat heute Mittag plötzlich die Mitglieder derselben zu einer außerordentlichen Sitzung auf morgen Vormittag 10 Uhr einladen lassen. Es soll, wie wir hören, eine Vertagungsordonnanz mitgetheilt werden. Gestern Abend wurde im Staatsrathe, dem außer den Ministern die meisten diplomatischen Notabilitäten beiwohnten, die Frage der Abdankung des Königs verhandelt. * Berlin 4. April. Sitzung der zweiten Kammer. Zwei neue Mitglieder sind eingetreten und werden die äußerste Linke verstärken. Es sind die Abgeordneten Groneweg und Schuhmann, der letztere in Pleschen gewählt. Der Abg. Krause, der sein Mandat niedergelegt hat, ist jetzt wieder eingekommen, daß er es behalten wolle. Der Präsident Grabow und die Kammer ist aber der Ansicht, daß dies nicht zulässig sei und die Neuwahl stattfinden müsse. Auch wegen der Niederlegung des Mandats des Abg. Simon (Trier), der dabei bemerkt hatte, daß er bis zur Wahl seines Nachfolgers in der Kammer bleiben werde, entspinnt sich eine Debatte. Auerswald erklärt sich gegen diesen Modus, Wesendonk u. A. sprechen dafür und die Majorität der Kammer nimmt den Grundsatz an, daß jeder Abgeordnete sein Mandat niederlegen und bis zur Neuwahl seinen Sitz in der Kammer noch behalten könne. Jung interpellirt den Minister des Innern, wegen den vielfachen Ausweisungen die seit dem Belagerungszustand vorkommen. Er weist zuerst die Ungesetzlichkeit dieser Maßregel nach und zählt dann eine Reihe der prägnantesten Fälle vor. Schließlich erwähnt der Interpellant des Gerüchts, daß eine Kabinetsordre vom 2. Februar 1844 unter dem Ministerium Arnim an das Polizeipräsidium erlassen sei, wonach es der Polizei gestattet ist, die beliebigen Ausweisungen vorzunehmen. Auf diese Kabinetsordre wird sich das Ministerium wohl nicht berufen wollen. (Beifall). Manteuffel antwortet, daß die erwähnte Kabinetsordre wohl nicht existire, sie ist wenigstens nicht vom Ministerium zur Anwendung gebracht worden. Wenn Jemand ausgewiesen ist, der hier sein Domizil hatte, ist allerdings unrecht. Solche Fälle sind ihm aber nicht bekannt geworden. Nur Fremde sind ausgewiesen, was allerdings nothwendig war, um die Ruhe zu erhalten. Rodbertus frägt, ob er denn zur Kategorie der Fremden gehöre. Er sei im vorigen Jahre in den Rath Sr. Majestät berufen worden und glaubt, daß er als Minister wohl sein Domizil in Berlin hatte. Er wohnte auch seitdem ohne Unterbrechung hier und dennoch konnte er vom Polizeipräsidenten sowohl als vom General Wrangel keinen andern Grund erfahren, als daß er zu den Fremden gerechnet werde. Aber auch der Minister, dem er von alle diesem Anzeige gemacht, habe nichts dafür gethan. Graf Arnim: Ich halte es nicht der Mühe werth, auf die Angriffe des Abg. Jung zu antworten. Was die Ausweisung Itzsteins und Heckers betrifft, so wäre es wohl gerechtfertigt, wenn sie aus allen deutschen Staaten verwiesen worden wären, denn der Eine von ihnen war der Erste, der mit fremden Schaaren auf deutschen Boden mit bewaffneter Hand einfiel. (Lärm links) Nach der Interpellation des Abg. Poninski, eine Untersuchung wegen der Verhaftung preußischer Unterthanen an der russischen Gränze einzuleiten, kommt die Kammer zu dem ersten Bericht der Petitionskommission. Nur bei einigen der vielen Pettitionen entsteht eine kurze Debatte. So bei der einen, in der um Aufhebung des Meßkornes an die katholische Geistlichkeit in Schloppe gebeten wird. Als Grund wird angegeben, daß diese Abgabe eine ungerechte sei, weil die Verpflichteten sich nicht zur katholischen Religion bekennen und außerdem für einen Geistlichen ihres Glaubens zu sorgen haben. Die Petitionskommission hat als Grundsatz aufgestellt, über jede Petition, welche auf Aufhebung rechtskräftiger Erkenntnisse gerichtet ist, zur Tagesordnung überzugehen. Wollheim u. A. sind entgegengesetzter Ansicht und weisen darauf hin, auf welche ungerechte Weise die Landleute sehr oft belastet worden sind. Auf diese erzwungenen Rezesse werden dann Erkenntnisse gegründet. Die Kammer geht jedoch uber alle Anträge zur Tagesordnung über. Grün erhält das Wort zur Geschäftsordnung: Es befindet sich neben dem Minister ein ganz unbekannter Mann. Nach der Geschäftsordnung dürfen nur Minister und Abgeordnete in diesem Saale anwesend sein. Man hat mir zwar gesagt, daß es der Justizminister sei, da aber der Kammer noch keine Mittheilung über einen Wechsel im Justizministerium zugegangen, so könne er das nicht glauben. Präsident Grabow gesteht ganz kleinlaut, daß ihm noch keine Mittheilung hierüber zugegangen. Große Heiterkeit erregt eine Petition des Landraths von Münchhausen in Ziesar und eilf anderer Personen, die beantragt, daß die Kammer entweder bei Gelegenheit der Adresse oder in sonstiger erfolgreicher Weise dahin wirken möge, daß die gerichtliche Untersuchung gegen die in die Kammer gewählten Steuerverweigerer in möglichster Beschleunigung zu Ende geführt werden möge. Schluß der Sitzung um 3 Uhr. Morgen wird das Plakatengesetz und das über Versammlungsrecht zur Berathung kommen. * Wien, 10. April. Prochaska ist wegen „Lästerung des Kaisers“ zu 8monatlichem Profoßenarrest in Eisen, Flohberger wegen Entwendung eines Telegraphendrathes zu 3monatlichem Stockhausarrest in Eisen verurtheilt worden. Der Erste hatte seine Aeußerungen im trunkenen Zustande gethan. Jelachich hat eine neue Nation: „dalmatinische Panduren“ entdeckt und die Errichtung eines Korps dieser aus dem Schutt der Jahrhunderte hervorgezogenen Race verordnet. Dieses Korps soll dann nach Wien gesandt werden, um einen Theil der dortigen Besatzung zu bilden. Für die Wiener wird aus dem ganzen Reich die exquisiteste Bestialität zusammengesucht. Dieses Korps wird vorderhand aus vier Kompagnien, je hundert Gemeinen, zwei Trompetern, zwölf Feldwebeln, zwei Harompaschas, zwei Offizieren und einem Hauptmann bestehen. Zu Ober- und Unteroffizieren werden die tüchtigsten Serdare, Vice-Serdare und Harompaschas der Territorialmacht mit angemessenen Bezügen verwendet werden. Die Harompaschas werden eine Löhnung von 30, die Feldwebel von 20, die Panduren und Trompeter von 5 kr. C. M. täglich nebst der Brotration beziehen. Die Werbung geschieht gegen ein Handgeld von 10 fl. C. M,, und ist für die Kriegsdauer festgesetzt. Ein Aufruf des nämlichen Ban an die Bocchesen belehrt uns über die Existenz einer 2ten neu entdeckten Nation welches da sind die Bewohner der „Bocche di Cattaro.“ Die Stadt und das Gebiet von Fiume, von Beccari, Porte re und die ganze militärische kroatische Militär- und Provinzial-Seeküste sind nach einer von Agram am 28. März datirten Kundmachung des F.-M.-L. und Stellvertreters des kommandirenden Generals in Kroatien und Slavonien, Dahlen, in Kriegszustand erklärt worden. Dessau, 11. April. Gestern und in den größern Städten auch noch heute sind die Wahlen zu unserm ersten gesetzgebenden Landtage vollzogen worden. Sie sind entschieden im demokratischen Sinne ausgefallen; nur in einem einzigen von unsern 22. Wahlbezirken ist ein Kandidat der streng conservativen Partei durchgekommen. * Aus Schleswig-Holstein, 10. April. _ Frankfurt, 12. April. In der heutigen Nr. des offiziellen Organs der Reichsverfaulung befindet sich die Mittheilung, daß Hr. Schmerling unterm 5. April von Wien aus angewiesen worden, „daß die österreichischen Deputirten sofort in die Heimath zurückzukehren hätten, da ihre immerwährende Theilnahme an einer Versammlung, welche durch den am 28. März gefaßten Beschluß den Boden des Rechts und Gesetzes verlassen habe, durchaus nicht mehr stattfinden könne.“ * Frankfurt, 12. April. Das Resultat der Abtheilungswahlen für den gestern beschlossenen Ausschuß zur Berichterstattung in der Kaiserfabrikationsfrage ist Folgendes. Es wurden in den 15 Abtheilungen gewählt: 1) Waitz und Engel; 2) Wydenbrugh und Eckert (von Bromberg); 3) Plathner und Vogt; 4) Wurm und Fehrenbach; 5) Böckler und Eisenstuck; 6) Droysen und Spatz; 7) Umbscheiden und Welcker; 8) v. Breusing und Hagen; 9) Fröbel und Stahl; 10) Langerfeld und Tafel (aus Stuttgardt); 11) Wernher von Nierstein und Raveaux; 12) Duncker und Tafel (von Zweibrücken); 13) Reichensperger und Detmold; 14) Fischer (von Jena) und Venedey; 15) Kierulf und Simon (von Trier). Der Ausschuß hat sich sofort diesen Mittag konstituirt, und den Abgeordneten von Wydenbrugk zum ersten, Raveaux zum zweiten Vorsitzenden, Spatz zum ersten und Langerfeld zum zweiten Schriftführer gewählt. Von den 84 Kanonen des „Christian VIII.“ sind nach Berichten, die das „Reichs“-Ministerium erhalten, bereits mehrere aus der Tiefe herausgeholt worden. Es zeigt sich, daß es nicht eiserne, sondern schöne metallene Kanonen sind. Man hofft sie sämmtlich herauszufischen. Mannheim, 11. April. Morgen Vormittags 9 Uhr wird vor Gr. Hofgericht dahier die Anklage des badischen Ministeriums gegen Fl. Mördes und Jak. Rothweiler wegen Beleidigung des preußischen Königs Fr. Wilhelm des IV. durch die Presse (Deutscher Zuschauer) in öffentlicher Sitzung verhandelt. Eine wichtige Frage dieses Prozesses ist, ob und in wie weit der „Deutsche Bund“ noch rechtlichen Bestand habe. (M. A. Z.) Ungarn.

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Die angegebenen Seitenzahlen beziehen sich auf die Ausgabe: Neue Rheinische Zeitung. Organ der Demokratie. Bd. 2 (Nummer 184 bis Nummer 301) Köln, 1. Januar 1849 bis 19. Mai 1849. Glashütten im Taunus, Verlag Detlev Auvermann KG 1973.




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Zitationshilfe: Neue Rheinische Zeitung. Nr. 273. Köln, 15. April 1849, S. 1539. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/nn_nrhz273i_1849/1>, abgerufen am 16.05.2022.