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Mährisches Tagblatt. Nr. 17, Olmütz, 21.01.1889.

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erer Bühne heuer die schwächste Darstellung. Auf
dem Gebiete der Oper und Operette besitzt die-
selbe doch einzelne Kräfte, deren Gesang oder dar-
stellende Kunst zu interessiren vermag. Für das
Lustspiel fehlt eine solche Kraft gänzlich. Dies
zeigte sich deutlich bei der vorgestrigen Auffüh-
rung von L'Arronges "Doctor Klaus". Die
packende Komik einzelner Situationen war es, die
in dieser Aufführung Beifall weckte; die Dar-
steller selbst trugen wenig dazu bei. Frl. Stocker
gelang es, die prächtige Scene in der sie mit
Paul von der Mutter überrascht wird und die-
ser in der Erregung ihr Herzensgeheimniß ver-
räth, lebendig und wahr zu gestalten, während
Herr Nadler für seinen Dr. Klaus nach der
gut vorgetragenen Erzählung im 3. Acte Beifall
erhielt. Auch Herr Nerz (Paul) und Fräulein
Müller (Julie) sowie Frau Windhopp (Frau
Klaus) spielten mit Verständniß. Dagegen war
Frau Neumann als Haushälterin überlaut
und ließ die rechte Herzensgüte vermissen; sie er-
hielt nach der zweiten Scene mit Griesinger leb-
haften Beifall. Herr Wieland als Baron trat
nicht bemerkenswerth hervor. Wir möchten ihn
darauf aufmerksam machen, daß man im Deutschen
nicht sagt: "Entziehen Sie sich nicht Ihres
Dienstes
" sondern "ihrem Dienste". Die
deutsche Sprache mußte sich vorgestern leider auch
noch manche andere Mißhandlung gefallen lassen.
So sprach ein Darsteller "er gefallt mir
nicht", ein anderer wieder "er laßt dich grü-
ßen" und dergleichen mehr. Wo solche Dinge ge-
rügt werden müssen, kann die Kritik sich auf eine
eingehende Besprechung der Einzelnleistungen nicht
einlassen.




Vom Tage.
(Ein Frauenmord in Wien.)

Ein Ver-
brechen, welches, sofern die ermordete Person in
Betracht kommt, den Fall Balogh in Erinnerung
bringt, wurde Samstag Abends in Wien, im
Bezirke Neubau, im Hause Burggasse 38, ver-
übt. Zwischen 7 und 8 Uhr Abends wurde vor-
gestern die unter der polizeilichen Sittencontrole
stehende 32jährige Dorothea Krejci in ihrer, im
bezeichneten Hause gelegenen Wohnung ermordet.
Im Folgenden berichtet die "Oesterr. Volksztg."
über die Einzelheiten des Falles: Im Hause
Nr. 38 der Burggasse einem alten, winkeligen
Bau, bewohnte die 32 Jahre alte Prostituirte
Dorothea Krejci, eine von ihrem Gatten getrennt
lebende Frau, im hinteren Theile des Hofes
eine kleine, aus Zimmer, Cabinet und Vorzimmer
bestehende Wohnung. In dem ersten der beiden
Wohnräume wurde die Frau gestern Abends
gegen acht Uhr todt aufgefunden. Die im selben
Hause wohnhafte Prostituirte Pressenhuber wollte
der Krejci einen Besuch abstatten, fand aber, als
sie durch das Vorgemach in das Wohnzimmer
eingetreten war, bei dem matten Scheine einer
herabgedrehten Lampe alle Habseligkeiten der
Krejci in wirrem Durcheinander, Kästen und
Schubladen geöffnet. Geängstigt durch den unge-
wöhnlichen Anblick lief die Pressenhuber auf die
Straße, schlug Lärm und erzählte ihre Wahr-
nehmungen Hausleuten, welche mehrere Wach-
männer verständigten. Drei Sicherheitswachmänner
waren die ersten, welche die Stätte des unheim-
lichen Verbrechens betraten. Dorothea Krejci lag
auf dem Sopha halbentkleidet. Von der rechten
Halsseite rieselte Blut hinab. Ueber dem Körper
lag ein Kleidungsstück, mit großen Blutflecken
beschmutzt. Ein in der Nähe wohnender Arzt
und der Polizei-Bezirksarzt Dr. Jurte erschienen
alsbald, konnten aber nur constatiren, daß der
Tod in Folge Erstickens durch Strangulirung
eingetreten sei.

Der Mörder hat seinem Opfer zweifellos
zuerst einen Stich wahrscheinlich mit einem ge-
wöhnlichen Taschenmesser -- an der rechten Hals-
seite beigebracht, und als er hiedurch nicht den
[s]ofortigen Tod herbeiführte, die sich wehrende Frau
erwürgt. Ein eiserner Ofen, der neben dem
Sopha stand, lag zertrümmert auf dem Boden
und ist es wahrscheinlich, daß das Opfer sich
heftig zur Wehre gesetzt und der erbitterte Kampf
zwischen dem Mörder und der überfallenen Frau
sich bis zum Ofen fortgepflanzt habe. Trotzdem
wurden im Hause weder Hilferufe, noch sonst
etwas Verdächtiges gehört. Der Umstand, daß
die Krejci eine eigene Wohnung hat und nicht zu
Miethe ist, macht eine Controle der bei ihr aus-
[Spaltenumbruch] und eingehenden Personen unmöglich und er-
schwert eine nur annähernde Beschreibung des
muthmaßlichen Thäters. Sie wurde vorgestern
das letzte Mal gesehen, als sie in Begleitung
eines Soldaten um 3/47 Uhr Abends ihre Woh-
nung betrat. Auf dem Thatorte fand sich sofort
der Bezirksleiter vom Neubau, Polizeirath Gebhart
mit Commissär Partsch, bald darauf nach er-
haltenem telegraphischen Aviso der Stellvertreter
des Polizei-Präsidenten Hofrath Rauscher und der
Vorstand des Sicherheits-Bureaus Polizeirath
Stehling ein. Nach zehn Uhr stürzte ein junger
Mann, der Geliebte der Krejci, der Zietherspieler
ist, in die Stube und gab sich beim Anblicke der
entstellten Todten, die bis zum Eintreffen der
landesgerichtlichen Commission in ihrer gräßlichen
Lage unverändert belassen worden war, einem
Schmerzensausbruch hin. Mit Mühe war er
zu den für die ersten Erhebungen nothwendig-
sten Depositionen zu bringen. Er sagte aus, daß
die Krejci in letzter Zeit in schlechten Ver-
hältnissen gelebt habe, den Zins schuldig ge-
blieben und nicht im Besitze nennenswerther
Geldmittel gewesen sei. Den Ort, wo sie ihr Geld zu
verwahren pflegte, weiß er nicht anzugeben. Meh-
rere Schmuck-Etuis, die in dem obersten Fache
eines Schubladekastens hervorgezogen wurden,
waren leer. Der Zitherspieler gab an, daß sie
alle ihre Pretiosen versetzt habe. Dagegen wurde
in einer Papierschachtel, die er als jene bezeich-
nete, wo die Krejci die Pfandscheine liegen hatte,
bis jetzt nur ein Versatzzettel gefunden. Es ist
übrigens nicht ausgeschlossen, daß der Verbrecher
vielleicht einen Rache-Act vollführt und die Un-
ordnung im Zimmer nur gemacht hat, um die
Behörde auf eine falsche Spur zu lenken. Von
anderer Seite wird gemeldet: Die eingeleiteten
Erhebungen haben ergeben, daß der Ermordeten
Ringe vom Finger gezogen, Pretiosen und Pfand-
scheine geraubt wurden. Auf dem Sopha wurde
ein blutiges Taschenmesser vorgefunden, mit wel-
chem die Krejci in den Hals gestochen wurde. Ein
Lavoir mit blutgefärbtem Wasser läßt schließen, daß
der Mörder sich nach der That die Hände gerei-
nigt hat. Um den Hals hatte die Ermordete zwei
Schnüre geschlungen, eine dünne Spagatschnur
und ein vom Unterrock der Krejci abgerissenes
Band. Der Verdacht der Thäterschaft lenkt sich
auch gegen einen früheren Geliebten der Ermor-
deten, einen Ziegeldecker.

(Kaiserin Friedrich und Maria Stuart.)

Kaiserin Friedrich besuchte vorigen Samstag die
Stuart-Reliquien-Ausstellung in London. Wie der
Londoner Correspondent des "Leeds Mercury" be-
richtet, stand die hohe Frau einige Zeit vor dem
Gemälde, welches die Hinrichtung von Maria Stuart
in Fotheringay darstellt, und sie soll gesagt haben:
"Arme Marie, arme Marie! Wenn ich vor zwei-
hundert Jahren gelebt hätte, würde man zwei- oder
dreimal Anlaß genommen haben, mir den Kopf ab-
zuhauen."

(Die Gesellschaft vom Rothen Krenz.)

Am Mittwoch fand in Wien eine Sitzung der Bun-
desleitung der Gesellschaft vom Rothen Kreuz statt.
Den Hauptgegenstand der Debatte bildeten die in
jüngster Zeit gegen die finanzielle Gebahrung der
Gesellschaft erfolgten Angriffe, welche von dem Bun-
despräsidenten Franz Grafen Falkenhayn einer Kritik
unterzogen wurden. Es sei, wie der Bundespräsident
hervorhob, der Vorwurf gemacht worden, daß die
Gesellschaft für den Secretariats- respective Kanzler-
dienst einen zu hohen Etat führe. Der vom Reichs-
rathsabgeordneten Dr. v. Kraus im Parlamente ge-
schehene Angriff werde in der Delegation beantwortet
werden. Was fernere Bemängelungen betrifft, so gibt
der Bericht zu, daß das Vereinsjournal bedeutende
Kosten in Anspruch nehme; der Bundesausschuß
werde zu entscheiden haben, ob dasselbe fortgeführt
werden soll. Das Bestehen des Secretariats sei im
Frieden nothwendig, um für den Kriegsfall gerüstet
zu sein. Die Phaetons der Gesellschaft, die angeblich
zu Spazierfahrten dienen, gehören zur feldmäßigen
Ausrüstung. Der Regierungsvertreter General-Major
Dittrich gibt namens des Reichs-Kriegsministeriums
die Erklärung ab, daß das Ministerium allen bis-
herigen öffentlichen Erörterungen fernstehe. Der Re-
gierungsvertreter bemerkt aber Folgendes: Die Sta-
tuten der Gesellschaft seien unklar. Das gegenwärtige
Secretariat mit seinem complicirten Apparat entspreche
seiner Aufgabe weder im Frieden noch im Kriege,
und es müsse dies schon jetzt ausgesprochen werden,
damit sich nicht im Kriegsfalle Schwierigkeiten ergeben.
Die Regierung, welche bisher stets bestrebt war, die
[Spaltenumbruch] Entwicklung der humanitären Institution der Oester-
reichischen Gesellschaft vom Rothen Kreuze zu fördern
und zu unterstützen, werde auch in Hinkunft gern
bereit sein, an dem Reformwerke mitzuwirken. Fürst
Oettingen-Wallerstein erklärt im Namen der Landes-
Kriegervereine, daß die Freiwilligkeit der Institution
gewahrt werden müsse. Fürst Rosenberg empfiehlt
dringend, die Vornahme von Ersparungen, um der
entstandenen Aufregung wi[r]ksam zu begegnen. Dr.
Kühn wünscht ebenfalls, daß eine Commission zur
Präfung der Verwaltung eingesetzt werde und Er-
sparungsanträge stelle. Der Antrag auf Einsetzung
einer Commission wird angenommen.

(Die Fünfzig-Millionen-Stiftung des
Baron Hirsch.)

Wie aus St. Petersburg berichtet
wird, stößt die Uebernahme der von Baron Hirsch
für die Errichtung von jüdischen Gewerbeschulen in
Rußland gewidmeten Stiftung von fünfzig Millionen
Rubeln durch die russische Regierung und die Ins-
werksetzung der Stiftung auf verschiedene Schwierig-
keiten, deren Wurzel in der Ausnahmsstellung liegt,
in welcher die Juden in Rußland sich befinden.
Baron Hirsch hat in Folge dessen zwei Agenten nach
St. Petersburg entsendet, um auf die möglichst
baldige Beseitigung dieser Schwierigkeiten hinzuarbeiten.
Dieselben befassen sich gegenwärtig im Vereine mit
russischen Regierungsbeamten mit der Aufgabe, einen
Ausweg für die gegenwärtige Anpassung zwischen den
in Rußland bestehenden Verwaltungsgesetzen und den
von dem genannten Spender an die Durchführung
der Stiftung geknüpften Bedingungen zu finden. Auf
Grund der zwischen den Vertretern der russischen
Regierung und denjenigen des Baron Hirsch zu
erzielenden Vereinbarungen werden sodann die Statuten
für die Inswerksetzung der Stiftung gemäß den In-
tentionen des Spenders mit aller Genauigkeit festge-
stellt werden.

Eine energische Gemeinde.)

Ein in der
Geschichte Belgiens noch nicht dagewesenes Vorkomm-
nis macht die frommen Kreise gewaltig stutzig. Der
glaubenseifrige Bischof von Lüttich hatte der in der
Provinz Lüttich gelegenen, 400 Seelen zählenden
Gemeinde Paisve einen fanatischen Römling als
Pfarrer bestellt. Die Bewohner dieser Gemeinde
lehnten die Annahme dieses Pfarrers als nicht frei-
sinnig genug ab und forderten einen ihnen zusagenden,
namentlich bezeichneten Priester. Der Bischof wies
dieselben schroff ab und beide beharrten auf ihrem
Standpunkte. Da die biederen Landleute nichts er-
langen konnten, so machten sie schließlich kurzen Proceß
und beriefen auf eigene Kosten den protestantischen
Pfarrer Herrn Gagnebin zu ihrem Seelsorger. Die-
ser gewann sich das Vertrauen der Ortsbewohner
in solchem Maße, daß 31 Familien zum Protestan-
tismus übergetreten sind. Jetzt bietet der Lütticher
Bischof, durch dieses Vorkommniß "erschreckt", der
Gemeinde Paisve den von ihr selbst gewünschten
Priester an, aber dieselbe hat, wie die "Flandre
Liberale" berichtet, das bischöflliche Anerbieten dankend
abgelehnt; sie zieht es vor, bei dem protestantischen
Pfarrer zu verbleiben.

(Bierhändiger Kassierer)

Die siamesischen
Affen einer gewissen Gattung sind bei den sia-
mesischen Kaufleuten als Hilfsbeamte, für Casserer
äußerst beliebt. Es sind nämlich in Siam große
Quantitäten kleiner Silbermünzen im Umlauf
und die Fähigkeit, echte von falschen zu unter-
scheiden, ist bei den Affen viel größer und besser
entwickelt, als bei den bestgeübten Menschen. Der
Affe, dem der Cassierer eine zweifelhafte Münze
zur Prüfung übergibt, steckt dieselbe nachdenklich
in den Mund und untersucht offenbar mit großer
Ueberlegung, bevor er seine Entscheidung trifft.
In dortigen Handelskreisen wird diese Art der
Münzenprüfung allseitig anerkannt und als un-
fehlbar betrachtet; es ist Thatsache, daß das Ur-
theil des Affen von beiden dabei interessirten
Kreisen stets als vollgiltig und unanfechtbar an-
genommen wird.

(Ein Duell auf Malerpinsel.)

In den
Pariser Maler-Ateliers müssen sich die Novizen
in der Regel einer sehr ergötzlichen Probe unter-
ziehen. Die zuletzt Aufgenommenen werden bis
an die Taille entkleidet und auf sehr hohen
Stühlen, auf Armeslänge von einander entfernt,
einander gegenübergestellt. Sie werden sodann
mit zwei enormen Pinseln bewaffnet, wovon der
eine in Pariser Blau, der andere in Karmin
getaucht ist, und das Duell beginnt. Nachd[e]m
Beide meistens einander fremd sind und
keinerlei persönliche Beleidigung zu rächen haben,
gehen die Kämpfenden Anfangs ziemlich lang-
sam an's Werk; sie trachten nur die Balance

[Spaltenumbruch]

erer Bühne heuer die ſchwächſte Darſtellung. Auf
dem Gebiete der Oper und Operette beſitzt die-
ſelbe doch einzelne Kräfte, deren Geſang oder dar-
ſtellende Kunſt zu intereſſiren vermag. Für das
Luſtſpiel fehlt eine ſolche Kraft gänzlich. Dies
zeigte ſich deutlich bei der vorgeſtrigen Auffüh-
rung von L’Arronges „Doctor Klaus“. Die
packende Komik einzelner Situationen war es, die
in dieſer Aufführung Beifall weckte; die Dar-
ſteller ſelbſt trugen wenig dazu bei. Frl. Stocker
gelang es, die prächtige Scene in der ſie mit
Paul von der Mutter überraſcht wird und die-
ſer in der Erregung ihr Herzensgeheimniß ver-
räth, lebendig und wahr zu geſtalten, während
Herr Nadler für ſeinen Dr. Klaus nach der
gut vorgetragenen Erzählung im 3. Acte Beifall
erhielt. Auch Herr Nerz (Paul) und Fräulein
Müller (Julie) ſowie Frau Windhopp (Frau
Klaus) ſpielten mit Verſtändniß. Dagegen war
Frau Neumann als Haushälterin überlaut
und ließ die rechte Herzensgüte vermiſſen; ſie er-
hielt nach der zweiten Scene mit Grieſinger leb-
haften Beifall. Herr Wieland als Baron trat
nicht bemerkenswerth hervor. Wir möchten ihn
darauf aufmerkſam machen, daß man im Deutſchen
nicht ſagt: „Entziehen Sie ſich nicht Ihres
Dienſtes
“ ſondern „ihrem Dienſte“. Die
deutſche Sprache mußte ſich vorgeſtern leider auch
noch manche andere Mißhandlung gefallen laſſen.
So ſprach ein Darſteller „er gefallt mir
nicht“, ein anderer wieder „er laßt dich grü-
ßen“ und dergleichen mehr. Wo ſolche Dinge ge-
rügt werden müſſen, kann die Kritik ſich auf eine
eingehende Beſprechung der Einzelnleiſtungen nicht
einlaſſen.




Vom Tage.
(Ein Frauenmord in Wien.)

Ein Ver-
brechen, welches, ſofern die ermordete Perſon in
Betracht kommt, den Fall Balogh in Erinnerung
bringt, wurde Samſtag Abends in Wien, im
Bezirke Neubau, im Hauſe Burggaſſe 38, ver-
übt. Zwiſchen 7 und 8 Uhr Abends wurde vor-
geſtern die unter der polizeilichen Sittencontrole
ſtehende 32jährige Dorothea Krejci in ihrer, im
bezeichneten Hauſe gelegenen Wohnung ermordet.
Im Folgenden berichtet die „Oeſterr. Volksztg.“
über die Einzelheiten des Falles: Im Hauſe
Nr. 38 der Burggaſſe einem alten, winkeligen
Bau, bewohnte die 32 Jahre alte Proſtituirte
Dorothea Krejci, eine von ihrem Gatten getrennt
lebende Frau, im hinteren Theile des Hofes
eine kleine, aus Zimmer, Cabinet und Vorzimmer
beſtehende Wohnung. In dem erſten der beiden
Wohnräume wurde die Frau geſtern Abends
gegen acht Uhr todt aufgefunden. Die im ſelben
Hauſe wohnhafte Proſtituirte Preſſenhuber wollte
der Krejci einen Beſuch abſtatten, fand aber, als
ſie durch das Vorgemach in das Wohnzimmer
eingetreten war, bei dem matten Scheine einer
herabgedrehten Lampe alle Habſeligkeiten der
Krejci in wirrem Durcheinander, Käſten und
Schubladen geöffnet. Geängſtigt durch den unge-
wöhnlichen Anblick lief die Preſſenhuber auf die
Straße, ſchlug Lärm und erzählte ihre Wahr-
nehmungen Hausleuten, welche mehrere Wach-
männer verſtändigten. Drei Sicherheitswachmänner
waren die erſten, welche die Stätte des unheim-
lichen Verbrechens betraten. Dorothea Krejci lag
auf dem Sopha halbentkleidet. Von der rechten
Halsſeite rieſelte Blut hinab. Ueber dem Körper
lag ein Kleidungsſtück, mit großen Blutflecken
beſchmutzt. Ein in der Nähe wohnender Arzt
und der Polizei-Bezirksarzt Dr. Jurté erſchienen
alsbald, konnten aber nur conſtatiren, daß der
Tod in Folge Erſtickens durch Strangulirung
eingetreten ſei.

Der Mörder hat ſeinem Opfer zweifellos
zuerſt einen Stich wahrſcheinlich mit einem ge-
wöhnlichen Taſchenmeſſer — an der rechten Hals-
ſeite beigebracht, und als er hiedurch nicht den
[ſ]ofortigen Tod herbeiführte, die ſich wehrende Frau
erwürgt. Ein eiſerner Ofen, der neben dem
Sopha ſtand, lag zertrümmert auf dem Boden
und iſt es wahrſcheinlich, daß das Opfer ſich
heftig zur Wehre geſetzt und der erbitterte Kampf
zwiſchen dem Mörder und der überfallenen Frau
ſich bis zum Ofen fortgepflanzt habe. Trotzdem
wurden im Hauſe weder Hilferufe, noch ſonſt
etwas Verdächtiges gehört. Der Umſtand, daß
die Krejci eine eigene Wohnung hat und nicht zu
Miethe iſt, macht eine Controle der bei ihr aus-
[Spaltenumbruch] und eingehenden Perſonen unmöglich und er-
ſchwert eine nur annähernde Beſchreibung des
muthmaßlichen Thäters. Sie wurde vorgeſtern
das letzte Mal geſehen, als ſie in Begleitung
eines Soldaten um ¾7 Uhr Abends ihre Woh-
nung betrat. Auf dem Thatorte fand ſich ſofort
der Bezirksleiter vom Neubau, Polizeirath Gebhart
mit Commiſſär Partſch, bald darauf nach er-
haltenem telegraphiſchen Aviſo der Stellvertreter
des Polizei-Präſidenten Hofrath Rauſcher und der
Vorſtand des Sicherheits-Bureaus Polizeirath
Stehling ein. Nach zehn Uhr ſtürzte ein junger
Mann, der Geliebte der Krejci, der Zietherſpieler
iſt, in die Stube und gab ſich beim Anblicke der
entſtellten Todten, die bis zum Eintreffen der
landesgerichtlichen Commiſſion in ihrer gräßlichen
Lage unverändert belaſſen worden war, einem
Schmerzensausbruch hin. Mit Mühe war er
zu den für die erſten Erhebungen nothwendig-
ſten Depoſitionen zu bringen. Er ſagte aus, daß
die Krejci in letzter Zeit in ſchlechten Ver-
hältniſſen gelebt habe, den Zins ſchuldig ge-
blieben und nicht im Beſitze nennenswerther
Geldmittel geweſen ſei. Den Ort, wo ſie ihr Geld zu
verwahren pflegte, weiß er nicht anzugeben. Meh-
rere Schmuck-Etuis, die in dem oberſten Fache
eines Schubladekaſtens hervorgezogen wurden,
waren leer. Der Zitherſpieler gab an, daß ſie
alle ihre Pretioſen verſetzt habe. Dagegen wurde
in einer Papierſchachtel, die er als jene bezeich-
nete, wo die Krejči die Pfandſcheine liegen hatte,
bis jetzt nur ein Verſatzzettel gefunden. Es iſt
übrigens nicht ausgeſchloſſen, daß der Verbrecher
vielleicht einen Rache-Act vollführt und die Un-
ordnung im Zimmer nur gemacht hat, um die
Behörde auf eine falſche Spur zu lenken. Von
anderer Seite wird gemeldet: Die eingeleiteten
Erhebungen haben ergeben, daß der Ermordeten
Ringe vom Finger gezogen, Pretioſen und Pfand-
ſcheine geraubt wurden. Auf dem Sopha wurde
ein blutiges Taſchenmeſſer vorgefunden, mit wel-
chem die Krejči in den Hals geſtochen wurde. Ein
Lavoir mit blutgefärbtem Waſſer läßt ſchließen, daß
der Mörder ſich nach der That die Hände gerei-
nigt hat. Um den Hals hatte die Ermordete zwei
Schnüre geſchlungen, eine dünne Spagatſchnur
und ein vom Unterrock der Krejči abgeriſſenes
Band. Der Verdacht der Thäterſchaft lenkt ſich
auch gegen einen früheren Geliebten der Ermor-
deten, einen Ziegeldecker.

(Kaiſerin Friedrich und Maria Stuart.)

Kaiſerin Friedrich beſuchte vorigen Samstag die
Stuart-Reliquien-Ausſtellung in London. Wie der
Londoner Correſpondent des „Leeds Mercury“ be-
richtet, ſtand die hohe Frau einige Zeit vor dem
Gemälde, welches die Hinrichtung von Maria Stuart
in Fotheringay darſtellt, und ſie ſoll geſagt haben:
„Arme Marie, arme Marie! Wenn ich vor zwei-
hundert Jahren gelebt hätte, würde man zwei- oder
dreimal Anlaß genommen haben, mir den Kopf ab-
zuhauen.“

(Die Geſellſchaft vom Rothen Krenz.)

Am Mittwoch fand in Wien eine Sitzung der Bun-
desleitung der Geſellſchaft vom Rothen Kreuz ſtatt.
Den Hauptgegenſtand der Debatte bildeten die in
jüngſter Zeit gegen die finanzielle Gebahrung der
Geſellſchaft erfolgten Angriffe, welche von dem Bun-
despräſidenten Franz Grafen Falkenhayn einer Kritik
unterzogen wurden. Es ſei, wie der Bundespräſident
hervorhob, der Vorwurf gemacht worden, daß die
Geſellſchaft für den Secretariats- reſpective Kanzler-
dienſt einen zu hohen Etat führe. Der vom Reichs-
rathsabgeordneten Dr. v. Kraus im Parlamente ge-
ſchehene Angriff werde in der Delegation beantwortet
werden. Was fernere Bemängelungen betrifft, ſo gibt
der Bericht zu, daß das Vereinsjournal bedeutende
Koſten in Anſpruch nehme; der Bundesausſchuß
werde zu entſcheiden haben, ob dasſelbe fortgeführt
werden ſoll. Das Beſtehen des Secretariats ſei im
Frieden nothwendig, um für den Kriegsfall gerüſtet
zu ſein. Die Phaetons der Geſellſchaft, die angeblich
zu Spazierfahrten dienen, gehören zur feldmäßigen
Ausrüſtung. Der Regierungsvertreter General-Major
Dittrich gibt namens des Reichs-Kriegsminiſteriums
die Erklärung ab, daß das Miniſterium allen bis-
herigen öffentlichen Erörterungen fernſtehe. Der Re-
gierungsvertreter bemerkt aber Folgendes: Die Sta-
tuten der Geſellſchaft ſeien unklar. Das gegenwärtige
Secretariat mit ſeinem complicirten Apparat entſpreche
ſeiner Aufgabe weder im Frieden noch im Kriege,
und es müſſe dies ſchon jetzt ausgeſprochen werden,
damit ſich nicht im Kriegsfalle Schwierigkeiten ergeben.
Die Regierung, welche bisher ſtets beſtrebt war, die
[Spaltenumbruch] Entwicklung der humanitären Inſtitution der Oeſter-
reichiſchen Geſellſchaft vom Rothen Kreuze zu fördern
und zu unterſtützen, werde auch in Hinkunft gern
bereit ſein, an dem Reformwerke mitzuwirken. Fürſt
Oettingen-Wallerſtein erklärt im Namen der Landes-
Kriegervereine, daß die Freiwilligkeit der Inſtitution
gewahrt werden müſſe. Fürſt Roſenberg empfiehlt
dringend, die Vornahme von Erſparungen, um der
entſtandenen Aufregung wi[r]kſam zu begegnen. Dr.
Kühn wünſcht ebenfalls, daß eine Commiſſion zur
Präfung der Verwaltung eingeſetzt werde und Er-
ſparungsanträge ſtelle. Der Antrag auf Einſetzung
einer Commiſſion wird angenommen.

(Die Fünfzig-Millionen-Stiftung des
Baron Hirſch.)

Wie aus St. Petersburg berichtet
wird, ſtößt die Uebernahme der von Baron Hirſch
für die Errichtung von jüdiſchen Gewerbeſchulen in
Rußland gewidmeten Stiftung von fünfzig Millionen
Rubeln durch die ruſſiſche Regierung und die Ins-
werkſetzung der Stiftung auf verſchiedene Schwierig-
keiten, deren Wurzel in der Ausnahmsſtellung liegt,
in welcher die Juden in Rußland ſich befinden.
Baron Hirſch hat in Folge deſſen zwei Agenten nach
St. Petersburg entſendet, um auf die möglichſt
baldige Beſeitigung dieſer Schwierigkeiten hinzuarbeiten.
Dieſelben befaſſen ſich gegenwärtig im Vereine mit
ruſſiſchen Regierungsbeamten mit der Aufgabe, einen
Ausweg für die gegenwärtige Anpaſſung zwiſchen den
in Rußland beſtehenden Verwaltungsgeſetzen und den
von dem genannten Spender an die Durchführung
der Stiftung geknüpften Bedingungen zu finden. Auf
Grund der zwiſchen den Vertretern der ruſſiſchen
Regierung und denjenigen des Baron Hirſch zu
erzielenden Vereinbarungen werden ſodann die Statuten
für die Inswerkſetzung der Stiftung gemäß den In-
tentionen des Spenders mit aller Genauigkeit feſtge-
ſtellt werden.

Eine energiſche Gemeinde.)

Ein in der
Geſchichte Belgiens noch nicht dageweſenes Vorkomm-
nis macht die frommen Kreiſe gewaltig ſtutzig. Der
glaubenseifrige Biſchof von Lüttich hatte der in der
Provinz Lüttich gelegenen, 400 Seelen zählenden
Gemeinde Paiſve einen fanatiſchen Römling als
Pfarrer beſtellt. Die Bewohner dieſer Gemeinde
lehnten die Annahme dieſes Pfarrers als nicht frei-
ſinnig genug ab und forderten einen ihnen zuſagenden,
namentlich bezeichneten Prieſter. Der Biſchof wies
dieſelben ſchroff ab und beide beharrten auf ihrem
Standpunkte. Da die biederen Landleute nichts er-
langen konnten, ſo machten ſie ſchließlich kurzen Proceß
und beriefen auf eigene Koſten den proteſtantiſchen
Pfarrer Herrn Gagnebin zu ihrem Seelſorger. Die-
ſer gewann ſich das Vertrauen der Ortsbewohner
in ſolchem Maße, daß 31 Familien zum Proteſtan-
tismus übergetreten ſind. Jetzt bietet der Lütticher
Biſchof, durch dieſes Vorkommniß „erſchreckt“, der
Gemeinde Paiſve den von ihr ſelbſt gewünſchten
Prieſter an, aber dieſelbe hat, wie die „Flandre
Liberale“ berichtet, das biſchöflliche Anerbieten dankend
abgelehnt; ſie zieht es vor, bei dem proteſtantiſchen
Pfarrer zu verbleiben.

(Bierhändiger Kaſſierer)

Die ſiameſiſchen
Affen einer gewiſſen Gattung ſind bei den ſia-
meſiſchen Kaufleuten als Hilfsbeamte, für Caſſerer
äußerſt beliebt. Es ſind nämlich in Siam große
Quantitäten kleiner Silbermünzen im Umlauf
und die Fähigkeit, echte von falſchen zu unter-
ſcheiden, iſt bei den Affen viel größer und beſſer
entwickelt, als bei den beſtgeübten Menſchen. Der
Affe, dem der Caſſierer eine zweifelhafte Münze
zur Prüfung übergibt, ſteckt dieſelbe nachdenklich
in den Mund und unterſucht offenbar mit großer
Ueberlegung, bevor er ſeine Entſcheidung trifft.
In dortigen Handelskreiſen wird dieſe Art der
Münzenprüfung allſeitig anerkannt und als un-
fehlbar betrachtet; es iſt Thatſache, daß das Ur-
theil des Affen von beiden dabei intereſſirten
Kreiſen ſtets als vollgiltig und unanfechtbar an-
genommen wird.

(Ein Duell auf Malerpinſel.)

In den
Pariſer Maler-Ateliers müſſen ſich die Novizen
in der Regel einer ſehr ergötzlichen Probe unter-
ziehen. Die zuletzt Aufgenommenen werden bis
an die Taille entkleidet und auf ſehr hohen
Stühlen, auf Armeslänge von einander entfernt,
einander gegenübergeſtellt. Sie werden ſodann
mit zwei enormen Pinſeln bewaffnet, wovon der
eine in Pariſer Blau, der andere in Karmin
getaucht iſt, und das Duell beginnt. Nachd[e]m
Beide meiſtens einander fremd ſind und
keinerlei perſönliche Beleidigung zu rächen haben,
gehen die Kämpfenden Anfangs ziemlich lang-
ſam an’s Werk; ſie trachten nur die Balance

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</TEI>
[[6]/0006] erer Bühne heuer die ſchwächſte Darſtellung. Auf dem Gebiete der Oper und Operette beſitzt die- ſelbe doch einzelne Kräfte, deren Geſang oder dar- ſtellende Kunſt zu intereſſiren vermag. Für das Luſtſpiel fehlt eine ſolche Kraft gänzlich. Dies zeigte ſich deutlich bei der vorgeſtrigen Auffüh- rung von L’Arronges „Doctor Klaus“. Die packende Komik einzelner Situationen war es, die in dieſer Aufführung Beifall weckte; die Dar- ſteller ſelbſt trugen wenig dazu bei. Frl. Stocker gelang es, die prächtige Scene in der ſie mit Paul von der Mutter überraſcht wird und die- ſer in der Erregung ihr Herzensgeheimniß ver- räth, lebendig und wahr zu geſtalten, während Herr Nadler für ſeinen Dr. Klaus nach der gut vorgetragenen Erzählung im 3. Acte Beifall erhielt. Auch Herr Nerz (Paul) und Fräulein Müller (Julie) ſowie Frau Windhopp (Frau Klaus) ſpielten mit Verſtändniß. Dagegen war Frau Neumann als Haushälterin überlaut und ließ die rechte Herzensgüte vermiſſen; ſie er- hielt nach der zweiten Scene mit Grieſinger leb- haften Beifall. Herr Wieland als Baron trat nicht bemerkenswerth hervor. Wir möchten ihn darauf aufmerkſam machen, daß man im Deutſchen nicht ſagt: „Entziehen Sie ſich nicht Ihres Dienſtes“ ſondern „ihrem Dienſte“. Die deutſche Sprache mußte ſich vorgeſtern leider auch noch manche andere Mißhandlung gefallen laſſen. So ſprach ein Darſteller „er gefallt mir nicht“, ein anderer wieder „er laßt dich grü- ßen“ und dergleichen mehr. Wo ſolche Dinge ge- rügt werden müſſen, kann die Kritik ſich auf eine eingehende Beſprechung der Einzelnleiſtungen nicht einlaſſen. Vom Tage. (Ein Frauenmord in Wien.) Ein Ver- brechen, welches, ſofern die ermordete Perſon in Betracht kommt, den Fall Balogh in Erinnerung bringt, wurde Samſtag Abends in Wien, im Bezirke Neubau, im Hauſe Burggaſſe 38, ver- übt. Zwiſchen 7 und 8 Uhr Abends wurde vor- geſtern die unter der polizeilichen Sittencontrole ſtehende 32jährige Dorothea Krejci in ihrer, im bezeichneten Hauſe gelegenen Wohnung ermordet. Im Folgenden berichtet die „Oeſterr. Volksztg.“ über die Einzelheiten des Falles: Im Hauſe Nr. 38 der Burggaſſe einem alten, winkeligen Bau, bewohnte die 32 Jahre alte Proſtituirte Dorothea Krejci, eine von ihrem Gatten getrennt lebende Frau, im hinteren Theile des Hofes eine kleine, aus Zimmer, Cabinet und Vorzimmer beſtehende Wohnung. In dem erſten der beiden Wohnräume wurde die Frau geſtern Abends gegen acht Uhr todt aufgefunden. Die im ſelben Hauſe wohnhafte Proſtituirte Preſſenhuber wollte der Krejci einen Beſuch abſtatten, fand aber, als ſie durch das Vorgemach in das Wohnzimmer eingetreten war, bei dem matten Scheine einer herabgedrehten Lampe alle Habſeligkeiten der Krejci in wirrem Durcheinander, Käſten und Schubladen geöffnet. Geängſtigt durch den unge- wöhnlichen Anblick lief die Preſſenhuber auf die Straße, ſchlug Lärm und erzählte ihre Wahr- nehmungen Hausleuten, welche mehrere Wach- männer verſtändigten. Drei Sicherheitswachmänner waren die erſten, welche die Stätte des unheim- lichen Verbrechens betraten. Dorothea Krejci lag auf dem Sopha halbentkleidet. Von der rechten Halsſeite rieſelte Blut hinab. Ueber dem Körper lag ein Kleidungsſtück, mit großen Blutflecken beſchmutzt. Ein in der Nähe wohnender Arzt und der Polizei-Bezirksarzt Dr. Jurté erſchienen alsbald, konnten aber nur conſtatiren, daß der Tod in Folge Erſtickens durch Strangulirung eingetreten ſei. Der Mörder hat ſeinem Opfer zweifellos zuerſt einen Stich wahrſcheinlich mit einem ge- wöhnlichen Taſchenmeſſer — an der rechten Hals- ſeite beigebracht, und als er hiedurch nicht den ſofortigen Tod herbeiführte, die ſich wehrende Frau erwürgt. Ein eiſerner Ofen, der neben dem Sopha ſtand, lag zertrümmert auf dem Boden und iſt es wahrſcheinlich, daß das Opfer ſich heftig zur Wehre geſetzt und der erbitterte Kampf zwiſchen dem Mörder und der überfallenen Frau ſich bis zum Ofen fortgepflanzt habe. Trotzdem wurden im Hauſe weder Hilferufe, noch ſonſt etwas Verdächtiges gehört. Der Umſtand, daß die Krejci eine eigene Wohnung hat und nicht zu Miethe iſt, macht eine Controle der bei ihr aus- und eingehenden Perſonen unmöglich und er- ſchwert eine nur annähernde Beſchreibung des muthmaßlichen Thäters. Sie wurde vorgeſtern das letzte Mal geſehen, als ſie in Begleitung eines Soldaten um ¾7 Uhr Abends ihre Woh- nung betrat. Auf dem Thatorte fand ſich ſofort der Bezirksleiter vom Neubau, Polizeirath Gebhart mit Commiſſär Partſch, bald darauf nach er- haltenem telegraphiſchen Aviſo der Stellvertreter des Polizei-Präſidenten Hofrath Rauſcher und der Vorſtand des Sicherheits-Bureaus Polizeirath Stehling ein. Nach zehn Uhr ſtürzte ein junger Mann, der Geliebte der Krejci, der Zietherſpieler iſt, in die Stube und gab ſich beim Anblicke der entſtellten Todten, die bis zum Eintreffen der landesgerichtlichen Commiſſion in ihrer gräßlichen Lage unverändert belaſſen worden war, einem Schmerzensausbruch hin. Mit Mühe war er zu den für die erſten Erhebungen nothwendig- ſten Depoſitionen zu bringen. Er ſagte aus, daß die Krejci in letzter Zeit in ſchlechten Ver- hältniſſen gelebt habe, den Zins ſchuldig ge- blieben und nicht im Beſitze nennenswerther Geldmittel geweſen ſei. Den Ort, wo ſie ihr Geld zu verwahren pflegte, weiß er nicht anzugeben. Meh- rere Schmuck-Etuis, die in dem oberſten Fache eines Schubladekaſtens hervorgezogen wurden, waren leer. Der Zitherſpieler gab an, daß ſie alle ihre Pretioſen verſetzt habe. Dagegen wurde in einer Papierſchachtel, die er als jene bezeich- nete, wo die Krejči die Pfandſcheine liegen hatte, bis jetzt nur ein Verſatzzettel gefunden. Es iſt übrigens nicht ausgeſchloſſen, daß der Verbrecher vielleicht einen Rache-Act vollführt und die Un- ordnung im Zimmer nur gemacht hat, um die Behörde auf eine falſche Spur zu lenken. Von anderer Seite wird gemeldet: Die eingeleiteten Erhebungen haben ergeben, daß der Ermordeten Ringe vom Finger gezogen, Pretioſen und Pfand- ſcheine geraubt wurden. Auf dem Sopha wurde ein blutiges Taſchenmeſſer vorgefunden, mit wel- chem die Krejči in den Hals geſtochen wurde. Ein Lavoir mit blutgefärbtem Waſſer läßt ſchließen, daß der Mörder ſich nach der That die Hände gerei- nigt hat. Um den Hals hatte die Ermordete zwei Schnüre geſchlungen, eine dünne Spagatſchnur und ein vom Unterrock der Krejči abgeriſſenes Band. Der Verdacht der Thäterſchaft lenkt ſich auch gegen einen früheren Geliebten der Ermor- deten, einen Ziegeldecker. (Kaiſerin Friedrich und Maria Stuart.) Kaiſerin Friedrich beſuchte vorigen Samstag die Stuart-Reliquien-Ausſtellung in London. Wie der Londoner Correſpondent des „Leeds Mercury“ be- richtet, ſtand die hohe Frau einige Zeit vor dem Gemälde, welches die Hinrichtung von Maria Stuart in Fotheringay darſtellt, und ſie ſoll geſagt haben: „Arme Marie, arme Marie! Wenn ich vor zwei- hundert Jahren gelebt hätte, würde man zwei- oder dreimal Anlaß genommen haben, mir den Kopf ab- zuhauen.“ (Die Geſellſchaft vom Rothen Krenz.) Am Mittwoch fand in Wien eine Sitzung der Bun- desleitung der Geſellſchaft vom Rothen Kreuz ſtatt. Den Hauptgegenſtand der Debatte bildeten die in jüngſter Zeit gegen die finanzielle Gebahrung der Geſellſchaft erfolgten Angriffe, welche von dem Bun- despräſidenten Franz Grafen Falkenhayn einer Kritik unterzogen wurden. Es ſei, wie der Bundespräſident hervorhob, der Vorwurf gemacht worden, daß die Geſellſchaft für den Secretariats- reſpective Kanzler- dienſt einen zu hohen Etat führe. Der vom Reichs- rathsabgeordneten Dr. v. Kraus im Parlamente ge- ſchehene Angriff werde in der Delegation beantwortet werden. Was fernere Bemängelungen betrifft, ſo gibt der Bericht zu, daß das Vereinsjournal bedeutende Koſten in Anſpruch nehme; der Bundesausſchuß werde zu entſcheiden haben, ob dasſelbe fortgeführt werden ſoll. Das Beſtehen des Secretariats ſei im Frieden nothwendig, um für den Kriegsfall gerüſtet zu ſein. Die Phaetons der Geſellſchaft, die angeblich zu Spazierfahrten dienen, gehören zur feldmäßigen Ausrüſtung. Der Regierungsvertreter General-Major Dittrich gibt namens des Reichs-Kriegsminiſteriums die Erklärung ab, daß das Miniſterium allen bis- herigen öffentlichen Erörterungen fernſtehe. Der Re- gierungsvertreter bemerkt aber Folgendes: Die Sta- tuten der Geſellſchaft ſeien unklar. Das gegenwärtige Secretariat mit ſeinem complicirten Apparat entſpreche ſeiner Aufgabe weder im Frieden noch im Kriege, und es müſſe dies ſchon jetzt ausgeſprochen werden, damit ſich nicht im Kriegsfalle Schwierigkeiten ergeben. Die Regierung, welche bisher ſtets beſtrebt war, die Entwicklung der humanitären Inſtitution der Oeſter- reichiſchen Geſellſchaft vom Rothen Kreuze zu fördern und zu unterſtützen, werde auch in Hinkunft gern bereit ſein, an dem Reformwerke mitzuwirken. Fürſt Oettingen-Wallerſtein erklärt im Namen der Landes- Kriegervereine, daß die Freiwilligkeit der Inſtitution gewahrt werden müſſe. Fürſt Roſenberg empfiehlt dringend, die Vornahme von Erſparungen, um der entſtandenen Aufregung wirkſam zu begegnen. Dr. Kühn wünſcht ebenfalls, daß eine Commiſſion zur Präfung der Verwaltung eingeſetzt werde und Er- ſparungsanträge ſtelle. Der Antrag auf Einſetzung einer Commiſſion wird angenommen. (Die Fünfzig-Millionen-Stiftung des Baron Hirſch.) Wie aus St. Petersburg berichtet wird, ſtößt die Uebernahme der von Baron Hirſch für die Errichtung von jüdiſchen Gewerbeſchulen in Rußland gewidmeten Stiftung von fünfzig Millionen Rubeln durch die ruſſiſche Regierung und die Ins- werkſetzung der Stiftung auf verſchiedene Schwierig- keiten, deren Wurzel in der Ausnahmsſtellung liegt, in welcher die Juden in Rußland ſich befinden. Baron Hirſch hat in Folge deſſen zwei Agenten nach St. Petersburg entſendet, um auf die möglichſt baldige Beſeitigung dieſer Schwierigkeiten hinzuarbeiten. Dieſelben befaſſen ſich gegenwärtig im Vereine mit ruſſiſchen Regierungsbeamten mit der Aufgabe, einen Ausweg für die gegenwärtige Anpaſſung zwiſchen den in Rußland beſtehenden Verwaltungsgeſetzen und den von dem genannten Spender an die Durchführung der Stiftung geknüpften Bedingungen zu finden. Auf Grund der zwiſchen den Vertretern der ruſſiſchen Regierung und denjenigen des Baron Hirſch zu erzielenden Vereinbarungen werden ſodann die Statuten für die Inswerkſetzung der Stiftung gemäß den In- tentionen des Spenders mit aller Genauigkeit feſtge- ſtellt werden. Eine energiſche Gemeinde.) Ein in der Geſchichte Belgiens noch nicht dageweſenes Vorkomm- nis macht die frommen Kreiſe gewaltig ſtutzig. Der glaubenseifrige Biſchof von Lüttich hatte der in der Provinz Lüttich gelegenen, 400 Seelen zählenden Gemeinde Paiſve einen fanatiſchen Römling als Pfarrer beſtellt. Die Bewohner dieſer Gemeinde lehnten die Annahme dieſes Pfarrers als nicht frei- ſinnig genug ab und forderten einen ihnen zuſagenden, namentlich bezeichneten Prieſter. Der Biſchof wies dieſelben ſchroff ab und beide beharrten auf ihrem Standpunkte. Da die biederen Landleute nichts er- langen konnten, ſo machten ſie ſchließlich kurzen Proceß und beriefen auf eigene Koſten den proteſtantiſchen Pfarrer Herrn Gagnebin zu ihrem Seelſorger. Die- ſer gewann ſich das Vertrauen der Ortsbewohner in ſolchem Maße, daß 31 Familien zum Proteſtan- tismus übergetreten ſind. Jetzt bietet der Lütticher Biſchof, durch dieſes Vorkommniß „erſchreckt“, der Gemeinde Paiſve den von ihr ſelbſt gewünſchten Prieſter an, aber dieſelbe hat, wie die „Flandre Liberale“ berichtet, das biſchöflliche Anerbieten dankend abgelehnt; ſie zieht es vor, bei dem proteſtantiſchen Pfarrer zu verbleiben. (Bierhändiger Kaſſierer) Die ſiameſiſchen Affen einer gewiſſen Gattung ſind bei den ſia- meſiſchen Kaufleuten als Hilfsbeamte, für Caſſerer äußerſt beliebt. Es ſind nämlich in Siam große Quantitäten kleiner Silbermünzen im Umlauf und die Fähigkeit, echte von falſchen zu unter- ſcheiden, iſt bei den Affen viel größer und beſſer entwickelt, als bei den beſtgeübten Menſchen. Der Affe, dem der Caſſierer eine zweifelhafte Münze zur Prüfung übergibt, ſteckt dieſelbe nachdenklich in den Mund und unterſucht offenbar mit großer Ueberlegung, bevor er ſeine Entſcheidung trifft. In dortigen Handelskreiſen wird dieſe Art der Münzenprüfung allſeitig anerkannt und als un- fehlbar betrachtet; es iſt Thatſache, daß das Ur- theil des Affen von beiden dabei intereſſirten Kreiſen ſtets als vollgiltig und unanfechtbar an- genommen wird. (Ein Duell auf Malerpinſel.) In den Pariſer Maler-Ateliers müſſen ſich die Novizen in der Regel einer ſehr ergötzlichen Probe unter- ziehen. Die zuletzt Aufgenommenen werden bis an die Taille entkleidet und auf ſehr hohen Stühlen, auf Armeslänge von einander entfernt, einander gegenübergeſtellt. Sie werden ſodann mit zwei enormen Pinſeln bewaffnet, wovon der eine in Pariſer Blau, der andere in Karmin getaucht iſt, und das Duell beginnt. Nachdem Beide meiſtens einander fremd ſind und keinerlei perſönliche Beleidigung zu rächen haben, gehen die Kämpfenden Anfangs ziemlich lang- ſam an’s Werk; ſie trachten nur die Balance

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Zitationshilfe: Mährisches Tagblatt. Nr. 17, Olmütz, 21.01.1889, S. [6]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/nn_maehrisches17_1889/6>, abgerufen am 21.05.2022.