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Allgemeine Auswanderungs-Zeitung. Nr. 22. Rudolstadt, 29. Mai 1848.

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Allgemeine Auswanderungs = Zeitung.
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Organ
für
Kunde aus deutschen Ansiedlungen,
für Rath und That
zu Gunsten der fortziehenden Brüder,
sowie für
Oeffentlichkeit in Auswanderungs-
sachen überhaupt.
BREMEN:
C. Schünemann's Buchhandlung
[Spaltenumbruch] [Abbildung]
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Mit
Karten, Plänen und
Jllustrationen,

sowie mit einem
Jntelligenzblatte
für Bekanntmachungen von
Behörden u. Privaten.
NEW-YORK:
Helmich & Co., 421 Broadway, für die Ver.
Staaten Nord=Amerika's.
William Radde, 322 Broadway.

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Pränumerationspreis des halben Jahrgangs bei allen
Buchhandlungen und Fürstl. Thurn und Taxischen
Postanstalten 1 1 / 6 Rl == 2 fl 6 Xr.

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Nro 22.
Montag, 29. Mai 1848.
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Jnhalt: Expedition nach dem Gebiet des Texas=Vereins. -- Au-
stralia Felix,
blühendster Theil von Süd=Australien nächst Adelaide.
-- Systematisch getödtete Auswanderung brodloser Proletarier ( Schluß ) . --
Havre. -- Bremen. -- Mainzer Verein. -- Deutsche Kriegsmarine.



Zweite Expedition
nach dem Llano und San Saba.* )

Der erste Zug behufs Auffindung eines möglichst nahen und
bequemen Weges zu den Ländereien des Vereins zum Schutze
deutscher Einwanderer in Teras war mit Neujahr 1847 beendet
und hatte den Erfolg gehabt, uns zu beweisen, daß der Weg
ohne große Schwierigkeiten, eine Strecke von höchstens 2 Meilen
im sogenannten Felsenthale abgerechnet, wo bedeutende Verbesse-
rungen höchst wünschenswerth erschienen, für Fuhrwerke gänzlich
fahrbar zu machen sein würde. Dagegen hatten wir die Lände-
reien auf den berührten Punkten zwar alle culturfähig gefunden,
aber nicht eben von ausgezeichneter, sondern für Texas nur
mittelmäßiger Beschaffenheit; an Bauholz hatte sich ein fast gänz-
licher Mangel gezeigt und selbst Holz zum Umzäunen der in
Anbau zu nehmenden Grundstücke war nicht hinreichend vorhanden;
Brennholz hingegen wäre fast allenthalben genügend befindlich.
Zu diesen Schwierigkeiten gesellte sich noch der Umstand, daß keine
vorzügliche Furth, die gleich fahrbar wäre, aufgefunden worden
war. Kurze Ze nach unserer Rückkehr in Friedrichsburg langte
ein Schreiben des Hrn. General=Commissärs, Baron v. Meuse-
bach,
bei uns an, worin er seine Absicht mittheilte, nächstens
[Spaltenumbruch] auf dem sogenannten westlichen Jndianerpfad das Vereinsgebiet
aufzusuchen. Wenige Wochen später erschien denn auch Herr
v. M. mit einer Truppe von 15 berittenen Soldaten, 5 Meri-
kanern, darunter einen Mann, Namens Lorenzo la Rosa, der
lange Zeit in der Gefangenschaft der Comanche = Jndianer zuge-
bracht hatte, um als Führer in der Wildniß des Westens und
als Dolmetscher zu dienen. Die übrigen 4 sollten als Treiber
für die Maulthiere, welche bepackt wurden, dienen. Einer der-
selben, dessen Namen ich nicht erfahren habe, war wenigstens
ebenso braun, als ein Abkömmling einer Negerin und eines Jn-
dianers; ein anderer großer, schön gewachsener Mann, der be-
sonders geschickt im Brechen wilder Maulthiere sich erwies, hatte
offenbar reines Castilianerblut, sein Name war Eduardo; ein
anderer nannte sich Felipe und war ein Erzplauderer; der letzte,
eine Art Hanswurst, mit welchem fortwährend Possen gemacht
wurden, hieß Juan Fravigo, und ward spaßhafter Weise Qua-
dromingo
genannt. Felipe half in der Küche des General-
commissärs aus, und Quadromingo war zum Holzfällen heran-
gezogen. Den namenlosen Dunkelfarbigen sah ich nie anders,
als mit Schwatzen und Essen beschäftigt. Jm Ganzen waren
diese Leute dienstfertig, gutherzig, höflich und angenehme Gesell-
schafter, obgleich Keiner von höherer Bildung und angesehener
Familie zu sein schien. Jch hatte sie bald lieb gewonnen und
stand hoch in ihrer Gunst, weil ich fast der Einzige war, der sich
mit ihnen in eine Unterhaltung einlassen konnte. Zu der Erpe-
dition stießen von Neubraunfels und Friedrichsburg aus noch meh-
rere Freiwillige, namentlich eine Anzahl Beamter, 3 Fuhrleute,
welche 2 Maulthier = und einen Pferdewagen stellten, und nach
wenigen Tagen 4 amerikanische Landvermesser von San Antonio
und noch ein Merikaner für der letzteren Packthiere, sowie deren
canadischer Koch, so daß die Truppe im Ganzen aus ungefähr
50 Mann bestand. Auf den 3 Wagen wurde reichlicher und

* ) Wir haben zwar schon in Nr. 50 der Ausw. Z. von 1847 eine
Schilderung dieser Expedition gebracht, glauben aber auch gegenwärtige,
aus der Feder eines anderen Augenzeugen geflossene, ihrer vielfach abwei-
chenden und eigenthümlichen Auffassung wegen, unsern Lesern nicht vor-
enthalten zu dürfen.   D. Red.
Allgemeine Auswanderungs = Zeitung.
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Kunde aus deutschen Ansiedlungen,
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Oeffentlichkeit in Auswanderungs-
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Mit
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sowie mit einem
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Staaten Nord=Amerika's.
William Radde, 322 Broadway.

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Postanstalten 1 1 / 6 Rl == 2 fl 6 Xr.

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Jnhalt: Expedition nach dem Gebiet des Texas=Vereins. -- Au-
stralia Felix,
blühendster Theil von Süd=Australien nächst Adelaide.
-- Systematisch getödtete Auswanderung brodloser Proletarier ( Schluß ) . --
Havre. -- Bremen. -- Mainzer Verein. -- Deutsche Kriegsmarine.



Zweite Expedition
nach dem Llano und San Saba.* )

Der erste Zug behufs Auffindung eines möglichst nahen und
bequemen Weges zu den Ländereien des Vereins zum Schutze
deutscher Einwanderer in Teras war mit Neujahr 1847 beendet
und hatte den Erfolg gehabt, uns zu beweisen, daß der Weg
ohne große Schwierigkeiten, eine Strecke von höchstens 2 Meilen
im sogenannten Felsenthale abgerechnet, wo bedeutende Verbesse-
rungen höchst wünschenswerth erschienen, für Fuhrwerke gänzlich
fahrbar zu machen sein würde. Dagegen hatten wir die Lände-
reien auf den berührten Punkten zwar alle culturfähig gefunden,
aber nicht eben von ausgezeichneter, sondern für Texas nur
mittelmäßiger Beschaffenheit; an Bauholz hatte sich ein fast gänz-
licher Mangel gezeigt und selbst Holz zum Umzäunen der in
Anbau zu nehmenden Grundstücke war nicht hinreichend vorhanden;
Brennholz hingegen wäre fast allenthalben genügend befindlich.
Zu diesen Schwierigkeiten gesellte sich noch der Umstand, daß keine
vorzügliche Furth, die gleich fahrbar wäre, aufgefunden worden
war. Kurze Ze nach unserer Rückkehr in Friedrichsburg langte
ein Schreiben des Hrn. General=Commissärs, Baron v. Meuse-
bach,
bei uns an, worin er seine Absicht mittheilte, nächstens
[Spaltenumbruch] auf dem sogenannten westlichen Jndianerpfad das Vereinsgebiet
aufzusuchen. Wenige Wochen später erschien denn auch Herr
v. M. mit einer Truppe von 15 berittenen Soldaten, 5 Meri-
kanern, darunter einen Mann, Namens Lorenzo la Rosa, der
lange Zeit in der Gefangenschaft der Comanche = Jndianer zuge-
bracht hatte, um als Führer in der Wildniß des Westens und
als Dolmetscher zu dienen. Die übrigen 4 sollten als Treiber
für die Maulthiere, welche bepackt wurden, dienen. Einer der-
selben, dessen Namen ich nicht erfahren habe, war wenigstens
ebenso braun, als ein Abkömmling einer Negerin und eines Jn-
dianers; ein anderer großer, schön gewachsener Mann, der be-
sonders geschickt im Brechen wilder Maulthiere sich erwies, hatte
offenbar reines Castilianerblut, sein Name war Eduardo; ein
anderer nannte sich Felipe und war ein Erzplauderer; der letzte,
eine Art Hanswurst, mit welchem fortwährend Possen gemacht
wurden, hieß Juan Fravigo, und ward spaßhafter Weise Qua-
dromingo
genannt. Felipe half in der Küche des General-
commissärs aus, und Quadromingo war zum Holzfällen heran-
gezogen. Den namenlosen Dunkelfarbigen sah ich nie anders,
als mit Schwatzen und Essen beschäftigt. Jm Ganzen waren
diese Leute dienstfertig, gutherzig, höflich und angenehme Gesell-
schafter, obgleich Keiner von höherer Bildung und angesehener
Familie zu sein schien. Jch hatte sie bald lieb gewonnen und
stand hoch in ihrer Gunst, weil ich fast der Einzige war, der sich
mit ihnen in eine Unterhaltung einlassen konnte. Zu der Erpe-
dition stießen von Neubraunfels und Friedrichsburg aus noch meh-
rere Freiwillige, namentlich eine Anzahl Beamter, 3 Fuhrleute,
welche 2 Maulthier = und einen Pferdewagen stellten, und nach
wenigen Tagen 4 amerikanische Landvermesser von San Antonio
und noch ein Merikaner für der letzteren Packthiere, sowie deren
canadischer Koch, so daß die Truppe im Ganzen aus ungefähr
50 Mann bestand. Auf den 3 Wagen wurde reichlicher und

* ) Wir haben zwar schon in Nr. 50 der Ausw. Z. von 1847 eine
Schilderung dieser Expedition gebracht, glauben aber auch gegenwärtige,
aus der Feder eines anderen Augenzeugen geflossene, ihrer vielfach abwei-
chenden und eigenthümlichen Auffassung wegen, unsern Lesern nicht vor-
enthalten zu dürfen.   D. Red.
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Zitationshilfe: Allgemeine Auswanderungs-Zeitung. Nr. 22. Rudolstadt, 29. Mai 1848, S. . In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/nn_auswanderer22_1848/1>, abgerufen am 18.08.2022.