Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Musäus, Johann Karl August: Grandison der Zweite, Oder Geschichte des Herrn v. N*** in Briefen entworfen. Zweiter Theil. Eisenach, 1761.

Bild:
<< vorherige Seite

Scherz aufzunehmen; doch glaube ich, daß er es mehr that aus Gefälligkeit gegen mich, um mir nicht zu widersprechen, als daß es sein rechter Ernst war. Ich hatte mir vorgenommen, seine wahren Gesinnungen auszuforschen; aber die Wiederkunft meiner Mutter unterbrach das Gespräche. Sie kennen den Character derselben, sie wird alles anwenden, das Gemüth des Majors gegen Ihren Oncle zu erhitzen, und ich zweifle nicht daran daß es ihr gelingen wird. Diese Unterredung mit dem Major schien mir zu wichtig zu seyn, als daß ich sie Ihnen verschweigen sollte; Sie werden nebst Ihrem Herrn Schwager, von dieser Nachricht also nach ihrer Klugheit den Gebrauch zu machen wissen, der für ihrem Herrn Oncle der vortheilhafteste ist. Suchen Sie es wenigstens dahin zu bringen, daß der Herr v. N. sich eine Zeitlang ruhig hält, bis die erste Hitze vorüber ist, und wo Sie können, so suchen Sie es zu verhüten, daß er nicht etwa meine Mutter vom neuen erbittert. Diese kleinen Beleidigungen könnten für ihn von wichtigen

Scherz aufzunehmen; doch glaube ich, daß er es mehr that aus Gefälligkeit gegen mich, um mir nicht zu widersprechen, als daß es sein rechter Ernst war. Ich hatte mir vorgenommen, seine wahren Gesinnungen auszuforschen; aber die Wiederkunft meiner Mutter unterbrach das Gespräche. Sie kennen den Character derselben, sie wird alles anwenden, das Gemüth des Majors gegen Ihren Oncle zu erhitzen, und ich zweifle nicht daran daß es ihr gelingen wird. Diese Unterredung mit dem Major schien mir zu wichtig zu seyn, als daß ich sie Ihnen verschweigen sollte; Sie werden nebst Ihrem Herrn Schwager, von dieser Nachricht also nach ihrer Klugheit den Gebrauch zu machen wissen, der für ihrem Herrn Oncle der vortheilhafteste ist. Suchen Sie es wenigstens dahin zu bringen, daß der Herr v. N. sich eine Zeitlang ruhig hält, bis die erste Hitze vorüber ist, und wo Sie können, so suchen Sie es zu verhüten, daß er nicht etwa meine Mutter vom neuen erbittert. Diese kleinen Beleidigungen könnten für ihn von wichtigen

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div type="letter" n="1">
        <p><pb facs="#f0044" n="42"/>
Scherz aufzunehmen; doch glaube ich, daß er es mehr that aus Gefälligkeit gegen mich, um mir nicht zu widersprechen, als daß es sein rechter Ernst war. Ich hatte mir vorgenommen, seine wahren Gesinnungen auszuforschen; aber die Wiederkunft meiner Mutter unterbrach das Gespräche. Sie kennen den Character derselben, sie wird alles anwenden, das Gemüth des Majors gegen Ihren Oncle zu erhitzen, und ich zweifle nicht daran daß es ihr gelingen wird. Diese Unterredung mit dem Major schien mir zu wichtig zu seyn, als daß ich sie Ihnen <choice><sic>verscheigen</sic><corr>verschweigen</corr></choice> sollte; Sie werden nebst Ihrem Herrn Schwager, von dieser Nachricht also nach ihrer Klugheit den Gebrauch zu machen wissen, der für ihrem Herrn Oncle der vortheilhafteste ist. Suchen Sie es wenigstens dahin zu bringen, daß der Herr v. N. sich eine Zeitlang ruhig hält, bis die erste Hitze vorüber ist, und wo Sie können, so suchen Sie es zu verhüten, daß er nicht etwa meine Mutter vom neuen erbittert. Diese kleinen Beleidigungen könnten für ihn von wichtigen
</p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[42/0044] Scherz aufzunehmen; doch glaube ich, daß er es mehr that aus Gefälligkeit gegen mich, um mir nicht zu widersprechen, als daß es sein rechter Ernst war. Ich hatte mir vorgenommen, seine wahren Gesinnungen auszuforschen; aber die Wiederkunft meiner Mutter unterbrach das Gespräche. Sie kennen den Character derselben, sie wird alles anwenden, das Gemüth des Majors gegen Ihren Oncle zu erhitzen, und ich zweifle nicht daran daß es ihr gelingen wird. Diese Unterredung mit dem Major schien mir zu wichtig zu seyn, als daß ich sie Ihnen verschweigen sollte; Sie werden nebst Ihrem Herrn Schwager, von dieser Nachricht also nach ihrer Klugheit den Gebrauch zu machen wissen, der für ihrem Herrn Oncle der vortheilhafteste ist. Suchen Sie es wenigstens dahin zu bringen, daß der Herr v. N. sich eine Zeitlang ruhig hält, bis die erste Hitze vorüber ist, und wo Sie können, so suchen Sie es zu verhüten, daß er nicht etwa meine Mutter vom neuen erbittert. Diese kleinen Beleidigungen könnten für ihn von wichtigen

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Wikisource: Bereitstellung der Texttranskription und Auszeichnung in Wikisource-Syntax. (2012-10-29T15:30:31Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme aus Wikisource entsprechen muss.
Wikimedia Commons: Bereitstellung der Bilddigitalisate (2012-10-29T15:30:31Z)
Frank Wiegand: Konvertierung von Wikisource-Markup nach XML/TEI gemäß DTA-Basisformat. (2012-10-29T15:30:31Z)

Weitere Informationen:

Anmerkungen zur Transkription:

  • Als Grundlage dienen die Wikisource:Editionsrichtlinien
  • Der Seitenumbruch erfolgt bei Worttrennung nach dem gesamten Wort.
  • Worttrennungen am Zeilenende entfallen.
  • Das lange „s“ („ſ“) wird als normales rundes „s“ wiedergegeben.
  • Auslassungspunkte werden, unabhängig von der Anzahl der Punkte, als „…“ (Sonderzeichen Alt+0133) wiedergegeben.
  • Apostrophe werden durch das Sonderzeichen „’“ (Alt+0146) wiedergegeben (nicht durch die Variante auf der Tastatur).
  • Bindestriche werden durch den normalen Bindestrich „-“ wiedergegeben (nicht durch „=“).
  • Gleichheitszeichen „=“ werden als normale Gedankenstriche (Halbgeviertstriche) „–“ wiedergegeben.



Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/musaeus_grandison02_1761
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/musaeus_grandison02_1761/44
Zitationshilfe: Musäus, Johann Karl August: Grandison der Zweite, Oder Geschichte des Herrn v. N*** in Briefen entworfen. Zweiter Theil. Eisenach, 1761, S. 42. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/musaeus_grandison02_1761/44>, abgerufen am 14.05.2021.