Müller, Adam Heinrich: Versuche einer neuen Theorie des Geldes mit besonderer Rücksicht auf Großbritannien. Leipzig u. a., 1816.Die Hauptschwierigkeit, welche die bisherigen staatswirth- In jeder Periode des Welthandels pflegt sich in dem Mit- Die Hauptſchwierigkeit, welche die bisherigen ſtaatswirth- In jeder Periode des Welthandels pflegt ſich in dem Mit- <TEI> <text> <body> <div n="1"> <div n="2"> <pb facs="#f0299" n="285"/> <p>Die Hauptſchwierigkeit, welche die bisherigen ſtaatswirth-<lb/> ſchaftlichen Theorien in den Materien des Wechſelcurſes und<lb/> des Weltwerthſtandard, der ſich in dem Curſe und in den Gold-<lb/> und Silberpreiſen offenbaren ſollte, fanden — lag vornaͤhmlich<lb/> darin, daß man uͤberhaupt nur von Einer Form des Weltgeldes<lb/> naͤhmlich der ſaͤchlichen, der metalliſchen wiſſen wollte; ich<lb/> habe das Pari des Wechſelcurſes ſelten anders definiren hoͤren,<lb/> als daß es die Aequivalenz des Gold- und Silbergehaltes<lb/> und Gewichts in den metalliſchen Circulationen zweyer ver-<lb/> ſchiedener Laͤnder ſey; und doch haͤtte das Gewicht, welches<lb/> in Welthandel auf die gemuͤnzten Metalle im Verhaͤltniß zu<lb/> den Barren gelegt wird, ſchon darauf hindeuten ſollen, daß<lb/> die Creditverhaͤltniſſe — man verſteht mich, wenn ich ſage<lb/> die perſoͤnlichen Verhaͤltniſſe — der Staaten unter einander<lb/> auf die Feſtſetzung dieſes Pari eben ſo gut Einfluß haben, als<lb/> die ſaͤchlichen metalliſchen.</p><lb/> <p>In jeder Periode des Welthandels pflegt ſich in dem Mit-<lb/> telpuncte der dieſen Handel dirigirenden Staaten, und zwar<lb/> geographiſch in ihrer Mitte, eine Handelsſtadt, eine Bank zu<lb/> erheben, auf welche die geſammten Geldverhaͤltniſſe der umlie-<lb/> genden Staaten vorzugsweiſe bezogen werden. In fruͤheren<lb/> Zeiten waren <placeName>Venedig</placeName> und <placeName>Genua</placeName> ſolche Schwerpuncte des<lb/> Voͤlkerverkehrs; in den beyden letzten Jahrhunderten waren<lb/> die Niederlaͤndiſchen und Deutſchen Kuͤſten der <placeName>Nordſee</placeName>, und<lb/> zumahl <placeName>Amſterdam</placeName> und <placeName>Hamburg</placeName> die dazu beſonders geeigne-<lb/> ten Stellen von <placeName>Europa</placeName>: auch <placeName>Augsburg</placeName> hatte vermoͤge ſeiner<lb/> geographiſchen Lage einen aͤhnlichen Beruf. In den neueſten<lb/> Zeiten hat <placeName>Hamburg</placeName> dieſe große Beſtimmung zum Vortheil<lb/></p> </div> </div> </body> </text> </TEI> [285/0299]
Die Hauptſchwierigkeit, welche die bisherigen ſtaatswirth-
ſchaftlichen Theorien in den Materien des Wechſelcurſes und
des Weltwerthſtandard, der ſich in dem Curſe und in den Gold-
und Silberpreiſen offenbaren ſollte, fanden — lag vornaͤhmlich
darin, daß man uͤberhaupt nur von Einer Form des Weltgeldes
naͤhmlich der ſaͤchlichen, der metalliſchen wiſſen wollte; ich
habe das Pari des Wechſelcurſes ſelten anders definiren hoͤren,
als daß es die Aequivalenz des Gold- und Silbergehaltes
und Gewichts in den metalliſchen Circulationen zweyer ver-
ſchiedener Laͤnder ſey; und doch haͤtte das Gewicht, welches
in Welthandel auf die gemuͤnzten Metalle im Verhaͤltniß zu
den Barren gelegt wird, ſchon darauf hindeuten ſollen, daß
die Creditverhaͤltniſſe — man verſteht mich, wenn ich ſage
die perſoͤnlichen Verhaͤltniſſe — der Staaten unter einander
auf die Feſtſetzung dieſes Pari eben ſo gut Einfluß haben, als
die ſaͤchlichen metalliſchen.
In jeder Periode des Welthandels pflegt ſich in dem Mit-
telpuncte der dieſen Handel dirigirenden Staaten, und zwar
geographiſch in ihrer Mitte, eine Handelsſtadt, eine Bank zu
erheben, auf welche die geſammten Geldverhaͤltniſſe der umlie-
genden Staaten vorzugsweiſe bezogen werden. In fruͤheren
Zeiten waren Venedig und Genua ſolche Schwerpuncte des
Voͤlkerverkehrs; in den beyden letzten Jahrhunderten waren
die Niederlaͤndiſchen und Deutſchen Kuͤſten der Nordſee, und
zumahl Amſterdam und Hamburg die dazu beſonders geeigne-
ten Stellen von Europa: auch Augsburg hatte vermoͤge ſeiner
geographiſchen Lage einen aͤhnlichen Beruf. In den neueſten
Zeiten hat Hamburg dieſe große Beſtimmung zum Vortheil
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