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Moritz, Karl Philipp (Hrsg.): Gnothi sauton oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde. Bd. 6, St. 2. Berlin, 1788.

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Damas.

Sie haben mich da freilich in ein Labyrinth geführt, woraus ich mich nicht finden kann. Die Existenz eines immateriellen Wesens kann ich mir als Mensch nicht anschaulich denken; aber auf der andern Seite, wenn ein Geist und seine Existenz nicht gedenkbar seyn soll, was fangen wir dann mit unserm Begriffe von der Gottheit an? Jst denn diese auch ein materielles Wesen? Jch mögte doch nicht gern Spinozist werden, weil ich mich vor dem Namen fürchte.

Theokles.

Wer wollte sich vor Namen fürchten? Wenn ich darum von der Wahrheit des Spinozismus überzeugt wäre, würde es mir sehr gleichgültig seyn, was die Welt von mir sagte: Plauderem mihi ipse domi. Aber auch ich bin kein Spinozist, und Sie sollen es noch weniger durch mich werden. Lassen Sie uns einmal die Sache von einer andern Seite ansehn. Wofür halten Sie die Ursache im Menschen, welche die Phänomene des Denkens und Handelns in ihm bewürkt? Halten Sie diese für ein leidendes oder thätiges Wesen?

Damas.

Natürlich für ein thätiges.



Damas.

Sie haben mich da freilich in ein Labyrinth gefuͤhrt, woraus ich mich nicht finden kann. Die Existenz eines immateriellen Wesens kann ich mir als Mensch nicht anschaulich denken; aber auf der andern Seite, wenn ein Geist und seine Existenz nicht gedenkbar seyn soll, was fangen wir dann mit unserm Begriffe von der Gottheit an? Jst denn diese auch ein materielles Wesen? Jch moͤgte doch nicht gern Spinozist werden, weil ich mich vor dem Namen fuͤrchte.

Theokles.

Wer wollte sich vor Namen fuͤrchten? Wenn ich darum von der Wahrheit des Spinozismus uͤberzeugt waͤre, wuͤrde es mir sehr gleichguͤltig seyn, was die Welt von mir sagte: Plauderem mihi ipse domi. Aber auch ich bin kein Spinozist, und Sie sollen es noch weniger durch mich werden. Lassen Sie uns einmal die Sache von einer andern Seite ansehn. Wofuͤr halten Sie die Ursache im Menschen, welche die Phaͤnomene des Denkens und Handelns in ihm bewuͤrkt? Halten Sie diese fuͤr ein leidendes oder thaͤtiges Wesen?

Damas.

Natuͤrlich fuͤr ein thaͤtiges.


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[34/0034] Damas. Sie haben mich da freilich in ein Labyrinth gefuͤhrt, woraus ich mich nicht finden kann. Die Existenz eines immateriellen Wesens kann ich mir als Mensch nicht anschaulich denken; aber auf der andern Seite, wenn ein Geist und seine Existenz nicht gedenkbar seyn soll, was fangen wir dann mit unserm Begriffe von der Gottheit an? Jst denn diese auch ein materielles Wesen? Jch moͤgte doch nicht gern Spinozist werden, weil ich mich vor dem Namen fuͤrchte. Theokles. Wer wollte sich vor Namen fuͤrchten? Wenn ich darum von der Wahrheit des Spinozismus uͤberzeugt waͤre, wuͤrde es mir sehr gleichguͤltig seyn, was die Welt von mir sagte: Plauderem mihi ipse domi. Aber auch ich bin kein Spinozist, und Sie sollen es noch weniger durch mich werden. Lassen Sie uns einmal die Sache von einer andern Seite ansehn. Wofuͤr halten Sie die Ursache im Menschen, welche die Phaͤnomene des Denkens und Handelns in ihm bewuͤrkt? Halten Sie diese fuͤr ein leidendes oder thaͤtiges Wesen? Damas. Natuͤrlich fuͤr ein thaͤtiges.

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Zitationshilfe: Moritz, Karl Philipp (Hrsg.): Gnothi sauton oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde. Bd. 6, St. 2. Berlin, 1788, S. 34. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/moritz_erfahrungsseelenkunde0602_1788/34>, abgerufen am 16.04.2024.