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Moritz, Karl Philipp (Hrsg.): Gnothi sauton oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde. Bd. 6, St. 2. Berlin, 1788.

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auf, die zufällig auf meinem Tische lag, und stieß grade auf die Zeile: Alles in der Natur ruft uns zu: es muß nur einmal gelebt seyn! Wohl wahr, dacht' ich, und las nicht weiter; wenn es nach dem Tode nicht besser seyn wird, wie es jetzt im Leben ist: so lohnt es wahrlich der Mühe nicht, noch auf einen neuen Beweis -- --

Theokles.

Für die Unsterblichkeit der Seele zu sinnen, wollen Sie sagen. Der Schluß mag richtig seyn, aber der Vordersatz? --

Damas.

Lassen Sie mich doch erst ausreden. Eben der Vordersatz wollte mir nicht ein. Kaum hatt' ich den Schluß gemacht, so fing ich auch schon an, nachzudenken, ob's denn wohl wirklich nach dem Tode nicht besser seyn mögte, wie es hier im Leben ist, gesetzt, daß die Unsterblichkeit der Seele bewiesen wäre? Und darüber ging mir noch der Abend angenehmer hin, wie ich anfangs glaubte.

Theokles.

Also haben Sie philosophirt. Nun, da bin ich neugierig. Was brachten Sie denn durch Jhre Speculation heraus?



auf, die zufaͤllig auf meinem Tische lag, und stieß grade auf die Zeile: Alles in der Natur ruft uns zu: es muß nur einmal gelebt seyn! Wohl wahr, dacht' ich, und las nicht weiter; wenn es nach dem Tode nicht besser seyn wird, wie es jetzt im Leben ist: so lohnt es wahrlich der Muͤhe nicht, noch auf einen neuen Beweis — —

Theokles.

Fuͤr die Unsterblichkeit der Seele zu sinnen, wollen Sie sagen. Der Schluß mag richtig seyn, aber der Vordersatz? —

Damas.

Lassen Sie mich doch erst ausreden. Eben der Vordersatz wollte mir nicht ein. Kaum hatt' ich den Schluß gemacht, so fing ich auch schon an, nachzudenken, ob's denn wohl wirklich nach dem Tode nicht besser seyn moͤgte, wie es hier im Leben ist, gesetzt, daß die Unsterblichkeit der Seele bewiesen waͤre? Und daruͤber ging mir noch der Abend angenehmer hin, wie ich anfangs glaubte.

Theokles.

Also haben Sie philosophirt. Nun, da bin ich neugierig. Was brachten Sie denn durch Jhre Speculation heraus?


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[26/0026] auf, die zufaͤllig auf meinem Tische lag, und stieß grade auf die Zeile: Alles in der Natur ruft uns zu: es muß nur einmal gelebt seyn! Wohl wahr, dacht' ich, und las nicht weiter; wenn es nach dem Tode nicht besser seyn wird, wie es jetzt im Leben ist: so lohnt es wahrlich der Muͤhe nicht, noch auf einen neuen Beweis — — Theokles. Fuͤr die Unsterblichkeit der Seele zu sinnen, wollen Sie sagen. Der Schluß mag richtig seyn, aber der Vordersatz? — Damas. Lassen Sie mich doch erst ausreden. Eben der Vordersatz wollte mir nicht ein. Kaum hatt' ich den Schluß gemacht, so fing ich auch schon an, nachzudenken, ob's denn wohl wirklich nach dem Tode nicht besser seyn moͤgte, wie es hier im Leben ist, gesetzt, daß die Unsterblichkeit der Seele bewiesen waͤre? Und daruͤber ging mir noch der Abend angenehmer hin, wie ich anfangs glaubte. Theokles. Also haben Sie philosophirt. Nun, da bin ich neugierig. Was brachten Sie denn durch Jhre Speculation heraus?

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  • Zu Moritz’ Zeit war es üblich, bei mehrzeiligen Zitaten vor jeder Zeile Anführungsstriche zu setzen. Diese wiederholten Anführungsstriche des Originals werden stillschweigend getilgt.
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Zitationshilfe: Moritz, Karl Philipp (Hrsg.): Gnothi sauton oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde. Bd. 6, St. 2. Berlin, 1788, S. 26. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/moritz_erfahrungsseelenkunde0602_1788/26>, abgerufen am 17.04.2024.