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Moritz, Karl Philipp (Hrsg.): Gnothi sauton oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde. Bd. 1, St. 3. Berlin, 1783.

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Zur Seelenheilkunde.
I. Etwas aus der Geschichte eines Hypochondristen.

Da ich einmal fand, daß die Gemüthsfassung außerordentlich viel zur Gesundheit thue: so habe ich alles von mir entfernt, was ich entfernen konnte, dessen schädlicher Einfluß hierinn mir bekannt geworden ist. Die Vielwisserei und Angst des Nichtwissens ist bezähmt.

Jch gehe noch gern den Untersuchungsweg fort, wenn er auch rauh, steil, oder dunkel ist. Aber ich überlaufe mich nicht, sondern gehe Schritt vor Schritt. Bin ich einmal nicht so weit gekommen, als ich wünschte, so denke ich, auch für den morgenden Tag muß noch Beschäftigung und Ausbeute seyn. Dadurch bleibt man bei Athem und Kräften.

Das Studium des Menschen und der Natur ist gesunde Nahrung. Ueber Kindereien, worüber sich die ehrwürdige Versammlung zu -- -- und zu -- -- den Kopf zerbrochen hat, zerbreche ich den meinigen nicht, nachdem ich eingesehen habe, daß sie


Zur Seelenheilkunde.
I. Etwas aus der Geschichte eines Hypochondristen.

Da ich einmal fand, daß die Gemuͤthsfassung außerordentlich viel zur Gesundheit thue: so habe ich alles von mir entfernt, was ich entfernen konnte, dessen schaͤdlicher Einfluß hierinn mir bekannt geworden ist. Die Vielwisserei und Angst des Nichtwissens ist bezaͤhmt.

Jch gehe noch gern den Untersuchungsweg fort, wenn er auch rauh, steil, oder dunkel ist. Aber ich uͤberlaufe mich nicht, sondern gehe Schritt vor Schritt. Bin ich einmal nicht so weit gekommen, als ich wuͤnschte, so denke ich, auch fuͤr den morgenden Tag muß noch Beschaͤftigung und Ausbeute seyn. Dadurch bleibt man bei Athem und Kraͤften.

Das Studium des Menschen und der Natur ist gesunde Nahrung. Ueber Kindereien, woruͤber sich die ehrwuͤrdige Versammlung zu ― ― und zu ― ― den Kopf zerbrochen hat, zerbreche ich den meinigen nicht, nachdem ich eingesehen habe, daß sie

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[102/0106] Zur Seelenheilkunde. I. Etwas aus der Geschichte eines Hypochondristen. Da ich einmal fand, daß die Gemuͤthsfassung außerordentlich viel zur Gesundheit thue: so habe ich alles von mir entfernt, was ich entfernen konnte, dessen schaͤdlicher Einfluß hierinn mir bekannt geworden ist. Die Vielwisserei und Angst des Nichtwissens ist bezaͤhmt. Jch gehe noch gern den Untersuchungsweg fort, wenn er auch rauh, steil, oder dunkel ist. Aber ich uͤberlaufe mich nicht, sondern gehe Schritt vor Schritt. Bin ich einmal nicht so weit gekommen, als ich wuͤnschte, so denke ich, auch fuͤr den morgenden Tag muß noch Beschaͤftigung und Ausbeute seyn. Dadurch bleibt man bei Athem und Kraͤften. Das Studium des Menschen und der Natur ist gesunde Nahrung. Ueber Kindereien, woruͤber sich die ehrwuͤrdige Versammlung zu ― ― und zu ― ― den Kopf zerbrochen hat, zerbreche ich den meinigen nicht, nachdem ich eingesehen habe, daß sie

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Zitationshilfe: Moritz, Karl Philipp (Hrsg.): Gnothi sauton oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde. Bd. 1, St. 3. Berlin, 1783, S. 102. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/moritz_erfahrungsseelenkunde0103_1783/106>, abgerufen am 01.05.2024.