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Moritz, Karl Philipp (Hrsg.): Gnothi sauton oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde. Bd. 10, St. 1. Berlin, 1793.

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men, aber warum? weil er den Zweck der Entschließungen beständig vor Augen hat, mehr Beobachter seiner selbst und der Dinge um ihn zu seinem Zweck ist. Was ist dies anders als mehr Wachsamkeit über sein Herz? Diese kann auch der schwächste Redliche sich nach und nach angewöhnen, und die Wachsamkeit wird ihm mehr helfen als die stärksten Entschließungen. Ohne Wachsamkeit nützen alle die besten Vorsätze und Entschließungen nichts. Man braucht keine Vorsätze zu machen, nur wirkliche Anstalten, das zu erhalten, was man nöthig findet. Die Welt ist ein Feld der Zerstreuung, die Einsamkeit ein Feld der Sammlung, doch kan die Einsamkeit ein tartarisches Gefilde der Quaal seyn für die, die sich nicht darin zu finden wissen. Allein laßt sie nun ein Feld der Sammlung seyn, was hilfts, wenn ich in die Welt, in die Zerstreuung hinaus muß? Jedermann hat zwar seine einsamen Orte und Stündgen, ehe er in die Welt, in Gesellschaft der Arbeit oder Vergnügung geht. Was helfen aber die stillen Orte und Stündgen, wenn man sie nicht gehörig zu benutzen weiß? Es kömmt also bloß darauf an, ob, wenn man nun einen Sammlungsplatz der Kräfte von außen hat, man auch einen Sammelplatz oder Sammlungspunkt der Seele von innen habe? Denn wenn man sich gleich sammeln wolte, und man wüste nicht recht worzu, man wüste nicht den festen Punkt, wohin alles zu richten wäre, so würde man in der


men, aber warum? weil er den Zweck der Entschließungen bestaͤndig vor Augen hat, mehr Beobachter seiner selbst und der Dinge um ihn zu seinem Zweck ist. Was ist dies anders als mehr Wachsamkeit uͤber sein Herz? Diese kann auch der schwaͤchste Redliche sich nach und nach angewoͤhnen, und die Wachsamkeit wird ihm mehr helfen als die staͤrksten Entschließungen. Ohne Wachsamkeit nuͤtzen alle die besten Vorsaͤtze und Entschließungen nichts. Man braucht keine Vorsaͤtze zu machen, nur wirkliche Anstalten, das zu erhalten, was man noͤthig findet. Die Welt ist ein Feld der Zerstreuung, die Einsamkeit ein Feld der Sammlung, doch kan die Einsamkeit ein tartarisches Gefilde der Quaal seyn fuͤr die, die sich nicht darin zu finden wissen. Allein laßt sie nun ein Feld der Sammlung seyn, was hilfts, wenn ich in die Welt, in die Zerstreuung hinaus muß? Jedermann hat zwar seine einsamen Orte und Stuͤndgen, ehe er in die Welt, in Gesellschaft der Arbeit oder Vergnuͤgung geht. Was helfen aber die stillen Orte und Stuͤndgen, wenn man sie nicht gehoͤrig zu benutzen weiß? Es koͤmmt also bloß darauf an, ob, wenn man nun einen Sammlungsplatz der Kraͤfte von außen hat, man auch einen Sammelplatz oder Sammlungspunkt der Seele von innen habe? Denn wenn man sich gleich sammeln wolte, und man wuͤste nicht recht worzu, man wuͤste nicht den festen Punkt, wohin alles zu richten waͤre, so wuͤrde man in der

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[18/0020] men, aber warum? weil er den Zweck der Entschließungen bestaͤndig vor Augen hat, mehr Beobachter seiner selbst und der Dinge um ihn zu seinem Zweck ist. Was ist dies anders als mehr Wachsamkeit uͤber sein Herz? Diese kann auch der schwaͤchste Redliche sich nach und nach angewoͤhnen, und die Wachsamkeit wird ihm mehr helfen als die staͤrksten Entschließungen. Ohne Wachsamkeit nuͤtzen alle die besten Vorsaͤtze und Entschließungen nichts. Man braucht keine Vorsaͤtze zu machen, nur wirkliche Anstalten, das zu erhalten, was man noͤthig findet. Die Welt ist ein Feld der Zerstreuung, die Einsamkeit ein Feld der Sammlung, doch kan die Einsamkeit ein tartarisches Gefilde der Quaal seyn fuͤr die, die sich nicht darin zu finden wissen. Allein laßt sie nun ein Feld der Sammlung seyn, was hilfts, wenn ich in die Welt, in die Zerstreuung hinaus muß? Jedermann hat zwar seine einsamen Orte und Stuͤndgen, ehe er in die Welt, in Gesellschaft der Arbeit oder Vergnuͤgung geht. Was helfen aber die stillen Orte und Stuͤndgen, wenn man sie nicht gehoͤrig zu benutzen weiß? Es koͤmmt also bloß darauf an, ob, wenn man nun einen Sammlungsplatz der Kraͤfte von außen hat, man auch einen Sammelplatz oder Sammlungspunkt der Seele von innen habe? Denn wenn man sich gleich sammeln wolte, und man wuͤste nicht recht worzu, man wuͤste nicht den festen Punkt, wohin alles zu richten waͤre, so wuͤrde man in der

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Zitationshilfe: Moritz, Karl Philipp (Hrsg.): Gnothi sauton oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde. Bd. 10, St. 1. Berlin, 1793, S. 18. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/moritz_erfahrungsseelenkunde01001_1793/20>, abgerufen am 01.03.2024.