in der Natur ein beständig unsichtbahres Feuer ge- ben.
Anderns. Wenn wir Feuer anzünden wollen, so brauchen wir zu einer brennbaren Materie, z. B. dem Holz nur einen einzigen Funken lebendiges Feuer zu bringen. Aber aus welchem Grund geräth nun Holz u. d. g. in Brand? Müßen nicht schon im Holz die Feuertheilchen verborgen liegen? Gewiß, und sie werden nur durch einen lebendigen Funken Feuers in Bewegung gebracht oder entzündet; da sie zuvor in dem Holz gleichsam in Ruhe verborgen lagen. Man kan hieraus auch erklären, warum ein hartes Holz mehr, stärkeres und anhaltenderes Feuer giebt, als ein weiches und leichtes; da nehmlich ein fester Körper meh- rere Bestandtheilchen hat: mehrere Theile Holz aber auch mehr unsichtbares Feuer enthalten können, als nur wenige Theile.
Die Feuertheile, die beym Stand ihrer Ruhe im Holz verborgen liegen, haben ursprünglich noch kei- ne Wärme; da das Holz so kalt ist als ein anderer Körper. Siehet man nicht hier eine große Aehnlich- keit zwischen dem electrischen Feuer, wie man es im Stande der Ruhe, nehmlich an der Electrisirma- schine antrift; und dem in dem Holz unsichtbar ver- borgen liegenden Feuer? Auch das electrische Feuer ist in diesem Zustand kalt. Sobald aber das im Holz verborgen liegende Feuer, durch die Entzündung in Bewegung kommt, so bald gibt es Wärme. Das nehmliche thut das electrische Feuer, denn wenn es in Gestallt eines Funkens aus der Maschine springt, und folglich in Bewegung kommt, so bekommt es eine Wärme. Es entzündet ja Weingeist, Geigenharz, u. d. g.
Drit-
in der Natur ein beſtaͤndig unſichtbahres Feuer ge- ben.
Anderns. Wenn wir Feuer anzuͤnden wollen, ſo brauchen wir zu einer brennbaren Materie, z. B. dem Holz nur einen einzigen Funken lebendiges Feuer zu bringen. Aber aus welchem Grund geraͤth nun Holz u. d. g. in Brand? Muͤßen nicht ſchon im Holz die Feuertheilchen verborgen liegen? Gewiß, und ſie werden nur durch einen lebendigen Funken Feuers in Bewegung gebracht oder entzuͤndet; da ſie zuvor in dem Holz gleichſam in Ruhe verborgen lagen. Man kan hieraus auch erklaͤren, warum ein hartes Holz mehr, ſtaͤrkeres und anhaltenderes Feuer giebt, als ein weiches und leichtes; da nehmlich ein feſter Koͤrper meh- rere Beſtandtheilchen hat: mehrere Theile Holz aber auch mehr unſichtbares Feuer enthalten koͤnnen, als nur wenige Theile.
Die Feuertheile, die beym Stand ihrer Ruhe im Holz verborgen liegen, haben urſpruͤnglich noch kei- ne Waͤrme; da das Holz ſo kalt iſt als ein anderer Koͤrper. Siehet man nicht hier eine große Aehnlich- keit zwiſchen dem electriſchen Feuer, wie man es im Stande der Ruhe, nehmlich an der Electriſirma- ſchine antrift; und dem in dem Holz unſichtbar ver- borgen liegenden Feuer? Auch das electriſche Feuer iſt in dieſem Zuſtand kalt. Sobald aber das im Holz verborgen liegende Feuer, durch die Entzuͤndung in Bewegung kommt, ſo bald gibt es Waͤrme. Das nehmliche thut das electriſche Feuer, denn wenn es in Geſtallt eines Funkens aus der Maſchine ſpringt, und folglich in Bewegung kommt, ſo bekommt es eine Waͤrme. Es entzuͤndet ja Weingeiſt, Geigenharz, u. d. g.
Drit-
<TEI><text><body><divn="1"><divn="2"><p><pbfacs="#f0109"n="93"/>
in der Natur ein beſtaͤndig unſichtbahres Feuer ge-<lb/>
ben.</p><lb/><p><hirendition="#fr">Anderns.</hi> Wenn wir Feuer anzuͤnden wollen,<lb/>ſo brauchen wir zu einer brennbaren Materie, z. B.<lb/>
dem Holz <choice><sic>uur</sic><corr>nur</corr></choice> einen einzigen Funken lebendiges Feuer<lb/>
zu bringen. Aber aus welchem Grund geraͤth nun<lb/>
Holz u. d. g. in Brand? Muͤßen nicht ſchon im Holz<lb/>
die Feuertheilchen verborgen liegen? Gewiß, und ſie<lb/>
werden nur durch einen lebendigen Funken Feuers in<lb/>
Bewegung gebracht oder entzuͤndet; da ſie zuvor in<lb/>
dem Holz gleichſam in Ruhe verborgen lagen. Man<lb/>
kan hieraus auch erklaͤren, warum ein hartes Holz<lb/>
mehr, ſtaͤrkeres und anhaltenderes Feuer giebt, als ein<lb/>
weiches und leichtes; da nehmlich ein feſter Koͤrper meh-<lb/>
rere Beſtandtheilchen hat: mehrere Theile Holz aber<lb/>
auch mehr unſichtbares Feuer enthalten koͤnnen, als<lb/>
nur wenige Theile.</p><lb/><p>Die Feuertheile, die beym Stand ihrer Ruhe<lb/>
im Holz verborgen liegen, haben urſpruͤnglich noch kei-<lb/>
ne Waͤrme; da das Holz ſo kalt iſt als ein anderer<lb/>
Koͤrper. Siehet man nicht hier eine große Aehnlich-<lb/>
keit zwiſchen dem electriſchen Feuer, wie man es im<lb/>
Stande der Ruhe, nehmlich an der Electriſirma-<lb/>ſchine antrift; und dem in dem Holz unſichtbar ver-<lb/>
borgen liegenden Feuer? Auch das electriſche Feuer iſt<lb/>
in dieſem Zuſtand kalt. Sobald aber das im Holz<lb/>
verborgen liegende Feuer, durch die Entzuͤndung in<lb/>
Bewegung kommt, ſo bald gibt es Waͤrme. Das<lb/>
nehmliche thut das electriſche Feuer, denn wenn es in<lb/>
Geſtallt eines Funkens aus der Maſchine ſpringt, und<lb/>
folglich in Bewegung kommt, ſo bekommt es eine<lb/>
Waͤrme. Es entzuͤndet ja Weingeiſt, Geigenharz,<lb/>
u. d. g.</p><lb/><fwplace="bottom"type="catch"><hirendition="#fr">Drit-</hi></fw><lb/></div></div></body></text></TEI>
[93/0109]
in der Natur ein beſtaͤndig unſichtbahres Feuer ge-
ben.
Anderns. Wenn wir Feuer anzuͤnden wollen,
ſo brauchen wir zu einer brennbaren Materie, z. B.
dem Holz nur einen einzigen Funken lebendiges Feuer
zu bringen. Aber aus welchem Grund geraͤth nun
Holz u. d. g. in Brand? Muͤßen nicht ſchon im Holz
die Feuertheilchen verborgen liegen? Gewiß, und ſie
werden nur durch einen lebendigen Funken Feuers in
Bewegung gebracht oder entzuͤndet; da ſie zuvor in
dem Holz gleichſam in Ruhe verborgen lagen. Man
kan hieraus auch erklaͤren, warum ein hartes Holz
mehr, ſtaͤrkeres und anhaltenderes Feuer giebt, als ein
weiches und leichtes; da nehmlich ein feſter Koͤrper meh-
rere Beſtandtheilchen hat: mehrere Theile Holz aber
auch mehr unſichtbares Feuer enthalten koͤnnen, als
nur wenige Theile.
Die Feuertheile, die beym Stand ihrer Ruhe
im Holz verborgen liegen, haben urſpruͤnglich noch kei-
ne Waͤrme; da das Holz ſo kalt iſt als ein anderer
Koͤrper. Siehet man nicht hier eine große Aehnlich-
keit zwiſchen dem electriſchen Feuer, wie man es im
Stande der Ruhe, nehmlich an der Electriſirma-
ſchine antrift; und dem in dem Holz unſichtbar ver-
borgen liegenden Feuer? Auch das electriſche Feuer iſt
in dieſem Zuſtand kalt. Sobald aber das im Holz
verborgen liegende Feuer, durch die Entzuͤndung in
Bewegung kommt, ſo bald gibt es Waͤrme. Das
nehmliche thut das electriſche Feuer, denn wenn es in
Geſtallt eines Funkens aus der Maſchine ſpringt, und
folglich in Bewegung kommt, ſo bekommt es eine
Waͤrme. Es entzuͤndet ja Weingeiſt, Geigenharz,
u. d. g.
Drit-
Informationen zur CAB-Ansicht
Diese Ansicht bietet Ihnen die Darstellung des Textes in normalisierter Orthographie.
Diese Textvariante wird vollautomatisch erstellt und kann aufgrund dessen auch Fehler enthalten.
Alle veränderten Wortformen sind grau hinterlegt. Als fremdsprachliches Material erkannte
Textteile sind ausgegraut dargestellt.
Luz, Johann Friedrich: Unterricht vom Blitz und den Blitz- oder Wetter-Ableitern. Frankfurt und Leipzig, 1784, S. 93. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/luz_blitz_1784/109>, abgerufen am 16.02.2025.
Alle Inhalte dieser Seite unterstehen, soweit nicht anders gekennzeichnet, einer
Creative-Commons-Lizenz.
Die Rechte an den angezeigten Bilddigitalisaten, soweit nicht anders gekennzeichnet, liegen bei den besitzenden Bibliotheken.
Weitere Informationen finden Sie in den DTA-Nutzungsbedingungen.
Insbesondere im Hinblick auf die §§ 86a StGB und 130 StGB wird festgestellt, dass die auf
diesen Seiten abgebildeten Inhalte weder in irgendeiner Form propagandistischen Zwecken
dienen, oder Werbung für verbotene Organisationen oder Vereinigungen darstellen, oder
nationalsozialistische Verbrechen leugnen oder verharmlosen, noch zum Zwecke der
Herabwürdigung der Menschenwürde gezeigt werden.
Die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte (in Wort und Bild) dienen im Sinne des
§ 86 StGB Abs. 3 ausschließlich historischen, sozial- oder kulturwissenschaftlichen
Forschungszwecken. Ihre Veröffentlichung erfolgt in der Absicht, Wissen zur Anregung
der intellektuellen Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft des Staatsbürgers zu
vermitteln und damit der Förderung seiner Mündigkeit zu dienen.
2007–2025 Deutsches Textarchiv, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften
(Kontakt).
Zitierempfehlung: Deutsches Textarchiv. Grundlage für ein Referenzkorpus der neuhochdeutschen Sprache. Herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 2025. URL: https://www.deutschestextarchiv.de/.