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Kosegarten, Ludwig Gotthard: Poesieen. Bd. 2. Leipzig, 1798.

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Unaufhaltsam, zwey Deich und Damm durchbre-
chende Ströme,
Stürzten die Freunde hinein in die drängenden Tau-
sende, brachen,
Pflasterten mitten hindurch sich eine blutige,
weite,
Öde Strasse. Der König entkam. Der wackere Gut-
hart
Strauchelt' und fiel auf gethürmten Leichen. Es
jauchzten die Feinde.
Herzhaft umringten die Feigen den Fallenden, ban-
den ihn kläglich
Mit zwey mächtigen Stricken, und führten ihn stolz
zu der Fürstin.

Wanda, noch bleich und verstört, erblickte den
Jüngling. Sein Anblick
Regt' ihr Mitleid. Vergebens sucht sie zu zürnen,
vergebens
Ihr sanftschmachtendes Auge mit Blitzen zu waffnen,
vergebens
Ihrer Stimme rührenden Laut zum Donner zu
schwellen.
"Sey uns gegrüsst, o Sohn der Fremde! Und
seh' ich den starken
"Ritogar hier in Ketten, in Ketten den Ersten der
Helden?"

Unaufhaltsam, zwey Deich und Damm durchbre-
chende Ströme,
Stürzten die Freunde hinein in die drängenden Tau-
sende, brachen,
Pflasterten mitten hindurch sich eine blutige,
weite,
Öde Strasse. Der König entkam. Der wackere Gut-
hart
Strauchelt' und fiel auf gethürmten Leichen. Es
jauchzten die Feinde.
Herzhaft umringten die Feigen den Fallenden, ban-
den ihn kläglich
Mit zwey mächtigen Stricken, und führten ihn stolz
zu der Fürstin.

Wanda, noch bleich und verstört, erblickte den
Jüngling. Sein Anblick
Regt' ihr Mitleid. Vergebens sucht sie zu zürnen,
vergebens
Ihr sanftschmachtendes Auge mit Blitzen zu waffnen,
vergebens
Ihrer Stimme rührenden Laut zum Donner zu
schwellen.
„Sey uns gegrüsst, o Sohn der Fremde! Und
seh' ich den starken
„Ritogar hier in Ketten, in Ketten den Ersten der
Helden?“

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[23/0039] Unaufhaltsam, zwey Deich und Damm durchbre- chende Ströme, Stürzten die Freunde hinein in die drängenden Tau- sende, brachen, Pflasterten mitten hindurch sich eine blutige, weite, Öde Strasse. Der König entkam. Der wackere Gut- hart Strauchelt' und fiel auf gethürmten Leichen. Es jauchzten die Feinde. Herzhaft umringten die Feigen den Fallenden, ban- den ihn kläglich Mit zwey mächtigen Stricken, und führten ihn stolz zu der Fürstin. Wanda, noch bleich und verstört, erblickte den Jüngling. Sein Anblick Regt' ihr Mitleid. Vergebens sucht sie zu zürnen, vergebens Ihr sanftschmachtendes Auge mit Blitzen zu waffnen, vergebens Ihrer Stimme rührenden Laut zum Donner zu schwellen. „Sey uns gegrüsst, o Sohn der Fremde! Und seh' ich den starken „Ritogar hier in Ketten, in Ketten den Ersten der Helden?“

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Zitationshilfe: Kosegarten, Ludwig Gotthard: Poesieen. Bd. 2. Leipzig, 1798, S. 23. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/kosegarten_poesieen02_1798/39>, abgerufen am 14.05.2021.