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Kerner, Justinus: Geschichten Besessener neuerer Zeit. Karlsruhe, 1834.

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am Berge eine große Menge Schweine. Und die unsaubern
Geister baten ihn und sprachen: Schicke uns in die Schweine,
damit wir in dieselben hineinfahren! Jesus erlaubte es ihnen
gleich. Da gingen die unreinen Geister aus und in die Schweine
hinein, und mit Ungestüm stürzte die Heerde, die sich auf zwey-
tausend belief, von der Anhöhe in das Meer und ersoffen
im Meer. Und die Schweinhirten entflohen und verkün-
digten das in der Stadt und auf dem Lande; und sie gingen
hinaus und sahen, was sich ereignet hatte. Und sie kamen
zu Jesus und sahen den, der von den unsaubern Geistern
besessen war, daß er saß und war bekleidet und vernünftig,
und sie fürchteten sich. Und die, die es mit angesehen hatten,
erzählten ihnen, wie es mit dem Besessenen ergangen und
von den Schweinen. Und sie fingen an und baten ihn, daß
er aus ihrer Gegend zöge. Und da er in das Schiff trat,
bat ihn der Besessene, er möchte ihn bey sich lassen. Aber
Jesus ließ es nicht zu und sprach zu ihm: Gehe hin in dein
Haus und zu den Deinen, und verkündige ihnen, wie große
Wohlthat dir der Herr gethan und sich deiner erbarmet hat.
Und er ging hin und fing an, in den zehen Städten aus-
zurufen, wie große Wohlthat ihm Jesus erzeigt, und Je-
dermann verwunderte sich." --

Josephus, ein naher Zeitgenosse von den Aposteln, und
der mit ihnen in einer Sprache schrieb, überlieferte uns
auch Mehreres von den Dämonischen. Er stellt die Dä-
monen als in die Dämonischen hineingehend vor und sagt,
daß die Wurzel Baaras sie austreibe.

Er erzählt (Flav. Josephus Antiquit. Lib. 8. Cap. 2.
5.): "Ich habe selbst einen von meinen Landsleuten gesehen,
mit Namen Eleazar, der vor Vespasian, seinen Söhnen,
Hauptleuten und übrigen Soldaten von Dämonen besessene
Leute aus deren Macht befreyte. Die Befreyung geschah
auf folgende Art: Er hielt dem Besessenen einen Ring vor
die Nase, in dessen Kästlein eine von den Wurzeln einge-
schlossen war, die Salomo bekannt gemacht hatte (vorher
erzählte Josephus, daß besonders Salomo Formeln und

am Berge eine große Menge Schweine. Und die unſaubern
Geiſter baten ihn und ſprachen: Schicke uns in die Schweine,
damit wir in dieſelben hineinfahren! Jeſus erlaubte es ihnen
gleich. Da gingen die unreinen Geiſter aus und in die Schweine
hinein, und mit Ungeſtüm ſtürzte die Heerde, die ſich auf zwey-
tauſend belief, von der Anhöhe in das Meer und erſoffen
im Meer. Und die Schweinhirten entflohen und verkün-
digten das in der Stadt und auf dem Lande; und ſie gingen
hinaus und ſahen, was ſich ereignet hatte. Und ſie kamen
zu Jeſus und ſahen den, der von den unſaubern Geiſtern
beſeſſen war, daß er ſaß und war bekleidet und vernünftig,
und ſie fürchteten ſich. Und die, die es mit angeſehen hatten,
erzählten ihnen, wie es mit dem Beſeſſenen ergangen und
von den Schweinen. Und ſie fingen an und baten ihn, daß
er aus ihrer Gegend zöge. Und da er in das Schiff trat,
bat ihn der Beſeſſene, er möchte ihn bey ſich laſſen. Aber
Jeſus ließ es nicht zu und ſprach zu ihm: Gehe hin in dein
Haus und zu den Deinen, und verkündige ihnen, wie große
Wohlthat dir der Herr gethan und ſich deiner erbarmet hat.
Und er ging hin und fing an, in den zehen Städten aus-
zurufen, wie große Wohlthat ihm Jeſus erzeigt, und Je-
dermann verwunderte ſich.“ —

Joſephus, ein naher Zeitgenoſſe von den Apoſteln, und
der mit ihnen in einer Sprache ſchrieb, überlieferte uns
auch Mehreres von den Dämoniſchen. Er ſtellt die Dä-
monen als in die Dämoniſchen hineingehend vor und ſagt,
daß die Wurzel Baaras ſie austreibe.

Er erzählt (Flav. Josephus Antiquit. Lib. 8. Cap. 2.
5.): „Ich habe ſelbſt einen von meinen Landsleuten geſehen,
mit Namen Eleazar, der vor Veſpaſian, ſeinen Söhnen,
Hauptleuten und übrigen Soldaten von Dämonen beſeſſene
Leute aus deren Macht befreyte. Die Befreyung geſchah
auf folgende Art: Er hielt dem Beſeſſenen einen Ring vor
die Naſe, in deſſen Käſtlein eine von den Wurzeln einge-
ſchloſſen war, die Salomo bekannt gemacht hatte (vorher
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[5/0019] am Berge eine große Menge Schweine. Und die unſaubern Geiſter baten ihn und ſprachen: Schicke uns in die Schweine, damit wir in dieſelben hineinfahren! Jeſus erlaubte es ihnen gleich. Da gingen die unreinen Geiſter aus und in die Schweine hinein, und mit Ungeſtüm ſtürzte die Heerde, die ſich auf zwey- tauſend belief, von der Anhöhe in das Meer und erſoffen im Meer. Und die Schweinhirten entflohen und verkün- digten das in der Stadt und auf dem Lande; und ſie gingen hinaus und ſahen, was ſich ereignet hatte. Und ſie kamen zu Jeſus und ſahen den, der von den unſaubern Geiſtern beſeſſen war, daß er ſaß und war bekleidet und vernünftig, und ſie fürchteten ſich. Und die, die es mit angeſehen hatten, erzählten ihnen, wie es mit dem Beſeſſenen ergangen und von den Schweinen. Und ſie fingen an und baten ihn, daß er aus ihrer Gegend zöge. Und da er in das Schiff trat, bat ihn der Beſeſſene, er möchte ihn bey ſich laſſen. Aber Jeſus ließ es nicht zu und ſprach zu ihm: Gehe hin in dein Haus und zu den Deinen, und verkündige ihnen, wie große Wohlthat dir der Herr gethan und ſich deiner erbarmet hat. Und er ging hin und fing an, in den zehen Städten aus- zurufen, wie große Wohlthat ihm Jeſus erzeigt, und Je- dermann verwunderte ſich.“ — Joſephus, ein naher Zeitgenoſſe von den Apoſteln, und der mit ihnen in einer Sprache ſchrieb, überlieferte uns auch Mehreres von den Dämoniſchen. Er ſtellt die Dä- monen als in die Dämoniſchen hineingehend vor und ſagt, daß die Wurzel Baaras ſie austreibe. Er erzählt (Flav. Josephus Antiquit. Lib. 8. Cap. 2. 5.): „Ich habe ſelbſt einen von meinen Landsleuten geſehen, mit Namen Eleazar, der vor Veſpaſian, ſeinen Söhnen, Hauptleuten und übrigen Soldaten von Dämonen beſeſſene Leute aus deren Macht befreyte. Die Befreyung geſchah auf folgende Art: Er hielt dem Beſeſſenen einen Ring vor die Naſe, in deſſen Käſtlein eine von den Wurzeln einge- ſchloſſen war, die Salomo bekannt gemacht hatte (vorher erzählte Joſephus, daß beſonders Salomo Formeln und

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Zitationshilfe: Kerner, Justinus: Geschichten Besessener neuerer Zeit. Karlsruhe, 1834, S. 5. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/kerner_besessene_1834/19>, abgerufen am 03.03.2024.