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Staats- und Gelehrte Zeitung Des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten. Nr. 120, Hamburg, 27. Julii 1771.

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Mit allergnädigster Kayserlichen Freyheit.
Staats- und [Abbildung] Gelehrte
Zei- [Abbildung] tung

Des Hamburgischen unpartheyischen
CORRESPONDENTEN.

Anno 1771.     (Am Sonnabend, den 27 Julii.)    
Num. 120.



[Beginn Spaltensatz]

Am 5ten dieses, des Abends, ist von dem, die zwote,
Armee en Chef commandirenden General, Fürsten Was-
siley Michailowitsch Dolgorucky, bey dem Kayserl. Hofe
der vorläufige Bericht eingegangen, daß, nachdem er
mit gedachter Armee den 23sten vorigen Monats vor
Perekop angekommen, er den dritten Tag darauf, näm-
lich den 25sten, früh um 6 Uhr, die Krimische Linie bey
dem ersten Angriff erstiegen habe, ungeachtet sie von
der Vestung Perekop geschützt, und hiernächst von feind-
lichen Truppen vertheidigt gewesen, die, nach Aussage
der Gefangenen, in 50000 Tartaren und 7000 Türken,
unter persönlicher Anführung des Chans, Selim Girey,
bestanden. Die Attaque ist, nach dieser Nachricht, früh
um 2 Uhr, rechter Hand von dem schwarzen Meer, durch
4 Colonnen, unter Commando des General- Majors,
Grafen Mußin-Puschkin, unter linker Hand über Siwasch
durch ein Corps, welches der General-Major, Fürst
Prosorowsky, angeführt, formiret worden. Bey jenem
war der Brigadier, Fürst Gallitzin, und bey diesem die
General-Majors, Fürst Peter Gallitzin und Fürst Alexey
Gallitzin. Sobald auf das gegebene Signal der erste
Angriff durch ein besonderes Detaschement auf der lin-
ken Seite geschah, erhob sich der Chan nach der rechten,
woselbst seine Truppen ein Lager aufgeschlagen hatten;
und da solcher auch hier vor sich gieng, so konnte er es
gegen die Tapferkeit Ihrer Kayserl. Majestät Truppen
nicht aushalten, sondern nahm mit allen den Seinigen
die Flucht. Die Contre-Escarpe am Graben, welche
Ihrer Kayserl. Majestät siegreiche Truppen mit der größ-
ten Unerschrockenheit erstiegen, war 61/2 Faden, und die
Escarpe 13 Faden hoch, der Graben aber in seinem
Grunde 8 Faden breit. Von Stab- und Ober-Officiers
ist niemand geblieben, und verwundet nur 4 Officiers;
von Unter-Officiers und Gemeinen dagegen sind theils
todt, theils bleßirt, überhaupt nicht über 100 Mann.
Auf den feindlichen Batterien haben die Unsrigen gegen
40 Kanonen, nebst einigem Vorrath von Pulver und
[Spaltenumbruch] Geräthschaften, zur Beute gemacht. Der commandi-
rende General schließt diese seine Nachricht damit, daß
er meldet, wie sich bereits auch aus der Vestung Perekop
selbst Deputirte bey ihm eingefunden hätten.

Heute, da das Thronbesteigungsfest Ihrer Majestät,
der Kayserinn, in der Stadt gefeyert wurde, traf der
Oberste Gruschewsky, als Courier von der zwoten Armee,
schon mit der Nachricht von der Eroberung von Perekop ein.
Er übertrachte sogleich die Schlüssel der Vestung Or-
copi. Der Fürst Dolgorucky hatte die Linien beym
Eingange der Krimm den 25ten forciret, und den 26ten
ergab sich die Vestung mit der Besatzung und allem
dem, was sich darinn befand, in unsere Gewalt. Der
Chan der Tartarn sollte die Linie mit 600000 Mann ver-
theidigen. Er entfernte sich aber bey der Ankunft un-
serer Armee, und als nachher etwa ein Corps von 20000
Mann unsern linken Flügel anfiel, so ward es so wohl
empfangen, daß es sich nach einem blutigen Gefecht nach
der Flucht umsehen mußte. Den 27ten hat unsere Ar-
mee ihren Marsch weiter fortgesetzet, um tiefer ins Land
zu dringen. Unsere Soldaten haben an allem Nöthigen
einen Ueberfluß, und einen brennenden Eifer, ihre sieg-
reiche Unternehmungen weiter zu verfolgen.

Beschluß der Wünsche der Griechen an das
christliche Europa.

Wir sind gewiß, daß er bey dem bloßen Zweifel, ob
auch das Blut aller dieser Unschuldigen wol auf seine
Seele fallen möchte, welche die Ottomannische Rache
aufgeopfert, und ob Gott nicht wegen der ewigen Ver-
dammniß aller derer, welche aus Verzweifelung und
Furcht ihre Religion verläugnet, Rechenschaft von ihm
fordern möchte, mit Entsetzen werde angefüllet werden.

Es giebt zwischen dem Türken und einem jeden an-
dern Volk keine Verträge. Sein Gesetz giebt ihm
Vollmacht, ja räth ihm, selbige nicht zu halten, weil
diesem Gesetz zufolge derjenige, welcher kein Muhame-
daner ist, gar keines Rechts fähig ist; daher, wenn nun
der Türke, wie es sehr wahrscheinlich ist, belehret durch
[Spaltenumbruch]

Mit allergnaͤdigſter Kayſerlichen Freyheit.
Staats- und [Abbildung] Gelehrte
Zei- [Abbildung] tung

Des Hamburgiſchen unpartheyiſchen
CORRESPONDENTEN.

Anno 1771.     (Am Sonnabend, den 27 Julii.)    
Num. 120.



[Beginn Spaltensatz]

Am 5ten dieſes, des Abends, iſt von dem, die zwote,
Armee en Chef commandirenden General, Fuͤrſten Waſ-
ſiley Michailowitſch Dolgorucky, bey dem Kayſerl. Hofe
der vorlaͤufige Bericht eingegangen, daß, nachdem er
mit gedachter Armee den 23ſten vorigen Monats vor
Perekop angekommen, er den dritten Tag darauf, naͤm-
lich den 25ſten, fruͤh um 6 Uhr, die Krimiſche Linie bey
dem erſten Angriff erſtiegen habe, ungeachtet ſie von
der Veſtung Perekop geſchuͤtzt, und hiernaͤchſt von feind-
lichen Truppen vertheidigt geweſen, die, nach Ausſage
der Gefangenen, in 50000 Tartaren und 7000 Tuͤrken,
unter perſoͤnlicher Anfuͤhrung des Chans, Selim Girey,
beſtanden. Die Attaque iſt, nach dieſer Nachricht, fruͤh
um 2 Uhr, rechter Hand von dem ſchwarzen Meer, durch
4 Colonnen, unter Commando des General- Majors,
Grafen Mußin-Puſchkin, unter linker Hand uͤber Siwaſch
durch ein Corps, welches der General-Major, Fuͤrſt
Proſorowsky, angefuͤhrt, formiret worden. Bey jenem
war der Brigadier, Fuͤrſt Gallitzin, und bey dieſem die
General-Majors, Fuͤrſt Peter Gallitzin und Fuͤrſt Alexey
Gallitzin. Sobald auf das gegebene Signal der erſte
Angriff durch ein beſonderes Detaſchement auf der lin-
ken Seite geſchah, erhob ſich der Chan nach der rechten,
woſelbſt ſeine Truppen ein Lager aufgeſchlagen hatten;
und da ſolcher auch hier vor ſich gieng, ſo konnte er es
gegen die Tapferkeit Ihrer Kayſerl. Majeſtaͤt Truppen
nicht aushalten, ſondern nahm mit allen den Seinigen
die Flucht. Die Contre-Eſcarpe am Graben, welche
Ihrer Kayſerl. Majeſtaͤt ſiegreiche Truppen mit der groͤß-
ten Unerſchrockenheit erſtiegen, war 6½ Faden, und die
Eſcarpe 13 Faden hoch, der Graben aber in ſeinem
Grunde 8 Faden breit. Von Stab- und Ober-Officiers
iſt niemand geblieben, und verwundet nur 4 Officiers;
von Unter-Officiers und Gemeinen dagegen ſind theils
todt, theils bleßirt, uͤberhaupt nicht uͤber 100 Mann.
Auf den feindlichen Batterien haben die Unſrigen gegen
40 Kanonen, nebſt einigem Vorrath von Pulver und
[Spaltenumbruch] Geraͤthſchaften, zur Beute gemacht. Der commandi-
rende General ſchließt dieſe ſeine Nachricht damit, daß
er meldet, wie ſich bereits auch aus der Veſtung Perekop
ſelbſt Deputirte bey ihm eingefunden haͤtten.

Heute, da das Thronbeſteigungsfeſt Ihrer Majeſtaͤt,
der Kayſerinn, in der Stadt gefeyert wurde, traf der
Oberſte Gruſchewsky, als Courier von der zwoten Armee,
ſchon mit der Nachricht von der Eroberung von Perekop ein.
Er uͤbertrachte ſogleich die Schluͤſſel der Veſtung Or-
copi. Der Fuͤrſt Dolgorucky hatte die Linien beym
Eingange der Krimm den 25ten forciret, und den 26ten
ergab ſich die Veſtung mit der Beſatzung und allem
dem, was ſich darinn befand, in unſere Gewalt. Der
Chan der Tartarn ſollte die Linie mit 600000 Mann ver-
theidigen. Er entfernte ſich aber bey der Ankunft un-
ſerer Armee, und als nachher etwa ein Corps von 20000
Mann unſern linken Fluͤgel anfiel, ſo ward es ſo wohl
empfangen, daß es ſich nach einem blutigen Gefecht nach
der Flucht umſehen mußte. Den 27ten hat unſere Ar-
mee ihren Marſch weiter fortgeſetzet, um tiefer ins Land
zu dringen. Unſere Soldaten haben an allem Noͤthigen
einen Ueberfluß, und einen brennenden Eifer, ihre ſieg-
reiche Unternehmungen weiter zu verfolgen.

Beſchluß der Wuͤnſche der Griechen an das
chriſtliche Europa.

Wir ſind gewiß, daß er bey dem bloßen Zweifel, ob
auch das Blut aller dieſer Unſchuldigen wol auf ſeine
Seele fallen moͤchte, welche die Ottomanniſche Rache
aufgeopfert, und ob Gott nicht wegen der ewigen Ver-
dammniß aller derer, welche aus Verzweifelung und
Furcht ihre Religion verlaͤugnet, Rechenſchaft von ihm
fordern moͤchte, mit Entſetzen werde angefuͤllet werden.

Es giebt zwiſchen dem Tuͤrken und einem jeden an-
dern Volk keine Vertraͤge. Sein Geſetz giebt ihm
Vollmacht, ja raͤth ihm, ſelbige nicht zu halten, weil
dieſem Geſetz zufolge derjenige, welcher kein Muhame-
daner iſt, gar keines Rechts faͤhig iſt; daher, wenn nun
der Tuͤrke, wie es ſehr wahrſcheinlich iſt, belehret durch
[Spaltenumbruch]

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[[1]/0001] Mit allergnaͤdigſter Kayſerlichen Freyheit. Staats- und [Abbildung] Gelehrte Zei- [Abbildung] tung Des Hamburgiſchen unpartheyiſchen CORRESPONDENTEN. Anno 1771. (Am Sonnabend, den 27 Julii.) Num. 120. Petersburg, den 9 Julii. Am 5ten dieſes, des Abends, iſt von dem, die zwote, Armee en Chef commandirenden General, Fuͤrſten Waſ- ſiley Michailowitſch Dolgorucky, bey dem Kayſerl. Hofe der vorlaͤufige Bericht eingegangen, daß, nachdem er mit gedachter Armee den 23ſten vorigen Monats vor Perekop angekommen, er den dritten Tag darauf, naͤm- lich den 25ſten, fruͤh um 6 Uhr, die Krimiſche Linie bey dem erſten Angriff erſtiegen habe, ungeachtet ſie von der Veſtung Perekop geſchuͤtzt, und hiernaͤchſt von feind- lichen Truppen vertheidigt geweſen, die, nach Ausſage der Gefangenen, in 50000 Tartaren und 7000 Tuͤrken, unter perſoͤnlicher Anfuͤhrung des Chans, Selim Girey, beſtanden. Die Attaque iſt, nach dieſer Nachricht, fruͤh um 2 Uhr, rechter Hand von dem ſchwarzen Meer, durch 4 Colonnen, unter Commando des General- Majors, Grafen Mußin-Puſchkin, unter linker Hand uͤber Siwaſch durch ein Corps, welches der General-Major, Fuͤrſt Proſorowsky, angefuͤhrt, formiret worden. Bey jenem war der Brigadier, Fuͤrſt Gallitzin, und bey dieſem die General-Majors, Fuͤrſt Peter Gallitzin und Fuͤrſt Alexey Gallitzin. Sobald auf das gegebene Signal der erſte Angriff durch ein beſonderes Detaſchement auf der lin- ken Seite geſchah, erhob ſich der Chan nach der rechten, woſelbſt ſeine Truppen ein Lager aufgeſchlagen hatten; und da ſolcher auch hier vor ſich gieng, ſo konnte er es gegen die Tapferkeit Ihrer Kayſerl. Majeſtaͤt Truppen nicht aushalten, ſondern nahm mit allen den Seinigen die Flucht. Die Contre-Eſcarpe am Graben, welche Ihrer Kayſerl. Majeſtaͤt ſiegreiche Truppen mit der groͤß- ten Unerſchrockenheit erſtiegen, war 6½ Faden, und die Eſcarpe 13 Faden hoch, der Graben aber in ſeinem Grunde 8 Faden breit. Von Stab- und Ober-Officiers iſt niemand geblieben, und verwundet nur 4 Officiers; von Unter-Officiers und Gemeinen dagegen ſind theils todt, theils bleßirt, uͤberhaupt nicht uͤber 100 Mann. Auf den feindlichen Batterien haben die Unſrigen gegen 40 Kanonen, nebſt einigem Vorrath von Pulver und Geraͤthſchaften, zur Beute gemacht. Der commandi- rende General ſchließt dieſe ſeine Nachricht damit, daß er meldet, wie ſich bereits auch aus der Veſtung Perekop ſelbſt Deputirte bey ihm eingefunden haͤtten. Heute, da das Thronbeſteigungsfeſt Ihrer Majeſtaͤt, der Kayſerinn, in der Stadt gefeyert wurde, traf der Oberſte Gruſchewsky, als Courier von der zwoten Armee, ſchon mit der Nachricht von der Eroberung von Perekop ein. Er uͤbertrachte ſogleich die Schluͤſſel der Veſtung Or- copi. Der Fuͤrſt Dolgorucky hatte die Linien beym Eingange der Krimm den 25ten forciret, und den 26ten ergab ſich die Veſtung mit der Beſatzung und allem dem, was ſich darinn befand, in unſere Gewalt. Der Chan der Tartarn ſollte die Linie mit 600000 Mann ver- theidigen. Er entfernte ſich aber bey der Ankunft un- ſerer Armee, und als nachher etwa ein Corps von 20000 Mann unſern linken Fluͤgel anfiel, ſo ward es ſo wohl empfangen, daß es ſich nach einem blutigen Gefecht nach der Flucht umſehen mußte. Den 27ten hat unſere Ar- mee ihren Marſch weiter fortgeſetzet, um tiefer ins Land zu dringen. Unſere Soldaten haben an allem Noͤthigen einen Ueberfluß, und einen brennenden Eifer, ihre ſieg- reiche Unternehmungen weiter zu verfolgen. Beſchluß der Wuͤnſche der Griechen an das chriſtliche Europa. Wir ſind gewiß, daß er bey dem bloßen Zweifel, ob auch das Blut aller dieſer Unſchuldigen wol auf ſeine Seele fallen moͤchte, welche die Ottomanniſche Rache aufgeopfert, und ob Gott nicht wegen der ewigen Ver- dammniß aller derer, welche aus Verzweifelung und Furcht ihre Religion verlaͤugnet, Rechenſchaft von ihm fordern moͤchte, mit Entſetzen werde angefuͤllet werden. Es giebt zwiſchen dem Tuͤrken und einem jeden an- dern Volk keine Vertraͤge. Sein Geſetz giebt ihm Vollmacht, ja raͤth ihm, ſelbige nicht zu halten, weil dieſem Geſetz zufolge derjenige, welcher kein Muhame- daner iſt, gar keines Rechts faͤhig iſt; daher, wenn nun der Tuͤrke, wie es ſehr wahrſcheinlich iſt, belehret durch

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Zitationshilfe: Staats- und Gelehrte Zeitung Des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten. Nr. 120, Hamburg, 27. Julii 1771, S. [1]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hc_1202707_1771/1>, abgerufen am 15.08.2022.