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Günther, Johann: Send-Schreiben an einen S. Theologum. Leipzig, 1711.

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schmecket haben / denn die wahre Theologie ist practica affectiva, und gehet vom Wissen zum Thun. Nunmehro aber ist die Frage: Was soll einer vor Mittel darzu gebrauchen / die Warheit seiner Religion zu erfahren? Und weil pro diversitate subjectorum auch diversa media seyn / oder doch diversa mediorum applicatio ist / so muß auch hier gesehen werden / was vor ein Subjectum diese Media appliciret hat / da wird sichs denn weisen / daß eines und das andere zu desideriren ist. Da das Subjectum mangelhafftig / so kan auch wohl die vorgenommene Operation nicht ex culpa mediorum sondern subjecti, einen ungleichen effectum produciren. Nun ist aber das Subjectum bißher nicht ohne Religion / sondern der Evangelischen Lutherischen Religion zugethan gewesen / und hat solche öffentlich bekennet; gleichwohl aber lehret ietzt der Ausgang / daß das Bekäntniß dem Hertzens-Glauben ist zuwieder gewesen / und das Gemüthe vielmehr mit allerhand Zweiffel umgegangen; da denn die Frage: Ob man nicht zu diesen Zweiffeln mit seinem Fürwitz Gelegenheit gegeben / und an statt der Warheit / Lügen lieb gewonnen? da denn GOtt aus gerechtem Gerichte solche

schmecket haben / denn die wahre Theologie ist practica affectiva, und gehet vom Wissen zum Thun. Nunmehro aber ist die Frage: Was soll einer vor Mittel darzu gebrauchen / die Warheit seiner Religion zu erfahren? Und weil pro diversitate subjectorum auch diversa media seyn / oder doch diversa mediorum applicatio ist / so muß auch hier gesehen werden / was vor ein Subjectum diese Media appliciret hat / da wird sichs denn weisen / daß eines und das andere zu desideriren ist. Da das Subjectum mangelhafftig / so kan auch wohl die vorgenommene Operation nicht ex culpa mediorum sondern subjecti, einen ungleichen effectum produciren. Nun ist aber das Subjectum bißher nicht ohne Religion / sondern der Evangelischen Lutherischen Religion zugethan gewesen / und hat solche öffentlich bekennet; gleichwohl aber lehret ietzt der Ausgang / daß das Bekäntniß dem Hertzens-Glauben ist zuwieder gewesen / und das Gemüthe vielmehr mit allerhand Zweiffel umgegangen; da denn die Frage: Ob man nicht zu diesen Zweiffeln mit seinem Fürwitz Gelegenheit gegeben / und an statt der Warheit / Lügen lieb gewonnen? da denn GOtt aus gerechtem Gerichte solche

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[8/0008] schmecket haben / denn die wahre Theologie ist practica affectiva, und gehet vom Wissen zum Thun. Nunmehro aber ist die Frage: Was soll einer vor Mittel darzu gebrauchen / die Warheit seiner Religion zu erfahren? Und weil pro diversitate subjectorum auch diversa media seyn / oder doch diversa mediorum applicatio ist / so muß auch hier gesehen werden / was vor ein Subjectum diese Media appliciret hat / da wird sichs denn weisen / daß eines und das andere zu desideriren ist. Da das Subjectum mangelhafftig / so kan auch wohl die vorgenommene Operation nicht ex culpa mediorum sondern subjecti, einen ungleichen effectum produciren. Nun ist aber das Subjectum bißher nicht ohne Religion / sondern der Evangelischen Lutherischen Religion zugethan gewesen / und hat solche öffentlich bekennet; gleichwohl aber lehret ietzt der Ausgang / daß das Bekäntniß dem Hertzens-Glauben ist zuwieder gewesen / und das Gemüthe vielmehr mit allerhand Zweiffel umgegangen; da denn die Frage: Ob man nicht zu diesen Zweiffeln mit seinem Fürwitz Gelegenheit gegeben / und an statt der Warheit / Lügen lieb gewonnen? da denn GOtt aus gerechtem Gerichte solche

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Zitationshilfe: Günther, Johann: Send-Schreiben an einen S. Theologum. Leipzig, 1711, S. 8. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/guenther_sendschreiben_1711/8>, abgerufen am 26.04.2024.