Grimmelshausen, Hans Jakob Christoffel von: Deß Weltberuffenen SIMPLICISSIMI Pralerey und Gepräng mit seinem Teutschen Michel. [Nürnberg], 1673.mit Waffen nit zwingen noch im Zaum halten kan / so muß man Seitenspiel gebrauchen. Darumb lobe ich die Russen oder Moscowiter / daß sie ihr Inheimische zu Hauß behalten / und sich nach Müglichkeit befleissen / keine solche schädliche Neuerungen bey ihnen einschleichen zu lassen. Ob wir sie im übrigen gleich vor grobe Barbaren halten möchten. Ja / möchte mancher sagen / soll man drumb keine Sprachen lernen / sonder ein unwissender gEsell bleiben / wie du villeicht einer bist? Nein / mein Freund / behüt GOtt / das rath ich nicht; die frembde Sprachen schaden an sich selbst nichts / sonder die angenommene mit eingeschlichene Sitten; Als einsmals ein Schmied mit neuen Aexten durch einen Wald zu Marckt gieng / erschracken alle Bäum und avisirten ihren König /was vor eine grosse Mäng ihrer Feind und Verderber vorhanden wäre! Der König fragte / ob auch jemand aus ihnen bey den Feinden sich befände? das ist / ob die Aext auch Helm hätten? Und als ihm darauff mit Nein geantwortet mit Waffen nit zwingen noch im Zaum halten kan / so muß man Seitenspiel gebrauchen. Darumb lobe ich die Russen oder Moscowiter / daß sie ihr Inheimische zu Hauß behalten / und sich nach Müglichkeit befleissen / keine solche schädliche Neuerungen bey ihnen einschleichen zu lassen. Ob wir sie im übrigen gleich vor grobe Barbaren halten möchten. Ja / möchte mancher sagen / soll man drumb keine Sprachen lernen / sonder ein unwissender gEsell bleiben / wie du villeicht einer bist? Nein / mein Freund / behüt GOtt / das rath ich nicht; die frembde Sprachen schaden an sich selbst nichts / sonder die angenommene mit eingeschlichene Sitten; Als einsmals ein Schmied mit neuen Aexten durch einen Wald zu Marckt gieng / erschracken alle Bäum und avisirten ihren König /was vor eine grosse Mäng ihrer Feind und Verderber vorhanden wäre! Der König fragte / ob auch jemand aus ihnen bey den Feinden sich befände? das ist / ob die Aext auch Helm hätten? Und als ihm darauff mit Nein geantwortet <TEI> <text> <body> <div n="1"> <p><pb facs="#f0128" n="118"/> mit Waffen nit zwingen noch im Zaum halten kan / so muß man Seitenspiel gebrauchen. Darumb lobe ich die Russen oder Moscowiter / daß sie ihr Inheimische zu Hauß behalten / und sich nach Müglichkeit befleissen / keine solche schädliche Neuerungen bey ihnen einschleichen zu lassen. Ob wir sie im übrigen gleich vor grobe Barbaren halten möchten.</p> <p>Ja / möchte mancher sagen / soll man drumb keine Sprachen lernen / sonder ein unwissender gEsell bleiben / wie du villeicht einer bist? Nein / mein Freund / behüt GOtt / das rath ich nicht; die frembde Sprachen schaden an sich selbst nichts / sonder die angenommene mit eingeschlichene Sitten; Als einsmals ein Schmied mit neuen Aexten durch einen Wald zu Marckt gieng / erschracken alle Bäum und <hi rendition="#aq">avisi</hi>rten ihren König /was vor eine grosse Mäng ihrer Feind und Verderber vorhanden wäre! Der König fragte / ob auch jemand aus ihnen bey den Feinden sich befände? das ist / ob die Aext auch Helm hätten? Und als ihm darauff mit Nein geantwortet </p> </div> </body> </text> </TEI> [118/0128]
mit Waffen nit zwingen noch im Zaum halten kan / so muß man Seitenspiel gebrauchen. Darumb lobe ich die Russen oder Moscowiter / daß sie ihr Inheimische zu Hauß behalten / und sich nach Müglichkeit befleissen / keine solche schädliche Neuerungen bey ihnen einschleichen zu lassen. Ob wir sie im übrigen gleich vor grobe Barbaren halten möchten.
Ja / möchte mancher sagen / soll man drumb keine Sprachen lernen / sonder ein unwissender gEsell bleiben / wie du villeicht einer bist? Nein / mein Freund / behüt GOtt / das rath ich nicht; die frembde Sprachen schaden an sich selbst nichts / sonder die angenommene mit eingeschlichene Sitten; Als einsmals ein Schmied mit neuen Aexten durch einen Wald zu Marckt gieng / erschracken alle Bäum und avisirten ihren König /was vor eine grosse Mäng ihrer Feind und Verderber vorhanden wäre! Der König fragte / ob auch jemand aus ihnen bey den Feinden sich befände? das ist / ob die Aext auch Helm hätten? Und als ihm darauff mit Nein geantwortet
Suche im WerkInformationen zum Werk
Download dieses Werks
XML (TEI P5) ·
HTML ·
Text Metadaten zum WerkTEI-Header · CMDI · Dublin Core Ansichten dieser Seite
Voyant Tools ?Language Resource Switchboard?FeedbackSie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden. Kommentar zur DTA-AusgabeDieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen … Wikisource: Bereitstellung der Texttranskription und Auszeichnung in Wikisource-Syntax.
(2012-11-15T13:54:31Z)
Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme aus Wikisource entsprechen muss.
MDZ München: Bereitstellung der Bilddigitalisate
(2012-11-15T13:54:31Z)
Frank Wiegand: Konvertierung von Wikisource-Markup nach XML/TEI gemäß DTA-Basisformat.
(2012-11-15T13:54:31Z)
Weitere Informationen:Anmerkungen zur Transkription:
|
Insbesondere im Hinblick auf die §§ 86a StGB und 130 StGB wird festgestellt, dass die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte weder in irgendeiner Form propagandistischen Zwecken dienen, oder Werbung für verbotene Organisationen oder Vereinigungen darstellen, oder nationalsozialistische Verbrechen leugnen oder verharmlosen, noch zum Zwecke der Herabwürdigung der Menschenwürde gezeigt werden. Die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte (in Wort und Bild) dienen im Sinne des § 86 StGB Abs. 3 ausschließlich historischen, sozial- oder kulturwissenschaftlichen Forschungszwecken. Ihre Veröffentlichung erfolgt in der Absicht, Wissen zur Anregung der intellektuellen Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft des Staatsbürgers zu vermitteln und damit der Förderung seiner Mündigkeit zu dienen.
2007–2024 Deutsches Textarchiv, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften.
Kontakt: redaktion(at)deutschestextarchiv.de. |