Die Grenzboten. Jg. 37, 1878, II. Semester. I. Band.es, daß Eroberung und Kolonisation schon in sehr früher Zeit große Verbrei¬ Die ältesten Spuren deuten auf Bewohner keltischen Ursprungs; dahin zählen Es ist sehr merkwürdig, daß nicht diese üppigen Gestade Groß-Griechen- *) Nach G. A. v. Klöden: Handbuch der Erdkunde, 3. Aufl. 187S und uach Kiepert's
Erläuterungen zu seinem Atlas der antiken Welt. 1843. es, daß Eroberung und Kolonisation schon in sehr früher Zeit große Verbrei¬ Die ältesten Spuren deuten auf Bewohner keltischen Ursprungs; dahin zählen Es ist sehr merkwürdig, daß nicht diese üppigen Gestade Groß-Griechen- *) Nach G. A. v. Klöden: Handbuch der Erdkunde, 3. Aufl. 187S und uach Kiepert's
Erläuterungen zu seinem Atlas der antiken Welt. 1843. <TEI> <text> <body> <div> <div n="1"> <pb facs="#f0090" corresp="http://brema.suub.uni-bremen.de/grenzboten/periodical/pageview/140441"/> <p xml:id="ID_259" prev="#ID_258"> es, daß Eroberung und Kolonisation schon in sehr früher Zeit große Verbrei¬<lb/> tung auf dem Boden der Apeuninenhalbinsel gewannen und die ursprüngliche<lb/> Bevölkerung bis auf geringe, kaum erkennbare Reste verdrängten, vermischten<lb/> und aufsogen.</p><lb/> <p xml:id="ID_260"> Die ältesten Spuren deuten auf Bewohner keltischen Ursprungs; dahin zählen<lb/> die Ligurer, die Siculer, Sicaner und vielleicht auch die Andrer. Altpelasgische,<lb/> den Griechen verwandte Stämme, kühne Seefahrer und Städteerbauer, siedelten<lb/> sich an den Küsten des Westmeeres an, das von ihnen den Namen des<lb/> Tyrrhenischen erhielt, und verstärkt durch Einwanderung aus dem nordischen<lb/> Rätier, breiteten diese Etrusker ihre Herrschaft vom Tiber bis an den Fuß<lb/> der Alpen aus. — Südlich und südöstlich von ihnen hausten die, wohl über<lb/> das adriatische Meer eingewanderten, den äolischen Griechen nahe stehenden<lb/> Ausvnier Mittelitaliens: Latiner, Scibiner, Samniter u. A., welche in der<lb/> Folge vorzugsweise als eigentliche Italer betrachtet und bezeichnet werden.<lb/> Den Süden aber erfüllt das bunteste Völkergemisch. Da sitzen in Campanien<lb/> pelasgische Tyrrhener, die Brüder der Etrusker, daneben im Kyme ionische<lb/> Griechen; das ganze Sndgebiet steht unter der Herrschaft hellenischer Kolonie¬<lb/> städte, zum Theil achäischen Ursprungs wie Sybaris und Kroton, zum Theil<lb/> dorischer Abstammung wie Tarent; auf Sizilien endlich stoßen die Dorer mit<lb/> den Phoenikern zusammen; jenen fällt der Osten, diesen der Westen zu, und<lb/> von dem alten sikulischen Stammvolke bleibt fast nur der Name übrig. ^)</p><lb/> <p xml:id="ID_261"> Es ist sehr merkwürdig, daß nicht diese üppigen Gestade Groß-Griechen-<lb/> lands der Ausgangspunkt der weltgeschichtlichen Machtstellung Italiens wurden,<lb/> sondern die Küstengcme am Fuße der sabinischen und aequischen Apenninen:<lb/> das Gebiet von Latium (d. h. Plattland); und wieder sind es nicht die alten<lb/> Kultursitze dieser Gegend: Lavininm, Alba, Ardea und Tibur, an die sich jene<lb/> große Entwickelung knüpft, sondern ein Städtchen, das aus der Vereinigung<lb/> einer altlatinischen Ansiedlung auf dem Palatinischen Hügel mit einem sabinischen<lb/> Nachbarorte auf dem Quirinal und einer vielleicht etruskischen Beimischung<lb/> hervorging: Rom. — Hegel hat darauf hingewiesen, daß Rom nicht<lb/> eigentlich das natürliche Centrum der Halbinsel sei, höchstens das der<lb/> Westküste. Seine zwingende Macht liege nicht in der dominirenden Lage,<lb/> sondern in seiner Energie, in jenem Momente der Gewaltsamkeit, das allem<lb/> römischen Wesen und Wirken seinen Stempel aufpräge. Das Werkzeug dieses<lb/> großartigsten Egoismus der Weltgeschichte, das Werkzeug der kapitolinischen<lb/> Staatskunst war aber das römische Heer.</p><lb/> <note xml:id="FID_17" place="foot"> *) Nach G. A. v. Klöden: Handbuch der Erdkunde, 3. Aufl. 187S und uach Kiepert's<lb/> Erläuterungen zu seinem Atlas der antiken Welt. 1843.</note><lb/> </div> </div> </body> </text> </TEI> [0090]
es, daß Eroberung und Kolonisation schon in sehr früher Zeit große Verbrei¬
tung auf dem Boden der Apeuninenhalbinsel gewannen und die ursprüngliche
Bevölkerung bis auf geringe, kaum erkennbare Reste verdrängten, vermischten
und aufsogen.
Die ältesten Spuren deuten auf Bewohner keltischen Ursprungs; dahin zählen
die Ligurer, die Siculer, Sicaner und vielleicht auch die Andrer. Altpelasgische,
den Griechen verwandte Stämme, kühne Seefahrer und Städteerbauer, siedelten
sich an den Küsten des Westmeeres an, das von ihnen den Namen des
Tyrrhenischen erhielt, und verstärkt durch Einwanderung aus dem nordischen
Rätier, breiteten diese Etrusker ihre Herrschaft vom Tiber bis an den Fuß
der Alpen aus. — Südlich und südöstlich von ihnen hausten die, wohl über
das adriatische Meer eingewanderten, den äolischen Griechen nahe stehenden
Ausvnier Mittelitaliens: Latiner, Scibiner, Samniter u. A., welche in der
Folge vorzugsweise als eigentliche Italer betrachtet und bezeichnet werden.
Den Süden aber erfüllt das bunteste Völkergemisch. Da sitzen in Campanien
pelasgische Tyrrhener, die Brüder der Etrusker, daneben im Kyme ionische
Griechen; das ganze Sndgebiet steht unter der Herrschaft hellenischer Kolonie¬
städte, zum Theil achäischen Ursprungs wie Sybaris und Kroton, zum Theil
dorischer Abstammung wie Tarent; auf Sizilien endlich stoßen die Dorer mit
den Phoenikern zusammen; jenen fällt der Osten, diesen der Westen zu, und
von dem alten sikulischen Stammvolke bleibt fast nur der Name übrig. ^)
Es ist sehr merkwürdig, daß nicht diese üppigen Gestade Groß-Griechen-
lands der Ausgangspunkt der weltgeschichtlichen Machtstellung Italiens wurden,
sondern die Küstengcme am Fuße der sabinischen und aequischen Apenninen:
das Gebiet von Latium (d. h. Plattland); und wieder sind es nicht die alten
Kultursitze dieser Gegend: Lavininm, Alba, Ardea und Tibur, an die sich jene
große Entwickelung knüpft, sondern ein Städtchen, das aus der Vereinigung
einer altlatinischen Ansiedlung auf dem Palatinischen Hügel mit einem sabinischen
Nachbarorte auf dem Quirinal und einer vielleicht etruskischen Beimischung
hervorging: Rom. — Hegel hat darauf hingewiesen, daß Rom nicht
eigentlich das natürliche Centrum der Halbinsel sei, höchstens das der
Westküste. Seine zwingende Macht liege nicht in der dominirenden Lage,
sondern in seiner Energie, in jenem Momente der Gewaltsamkeit, das allem
römischen Wesen und Wirken seinen Stempel aufpräge. Das Werkzeug dieses
großartigsten Egoismus der Weltgeschichte, das Werkzeug der kapitolinischen
Staatskunst war aber das römische Heer.
*) Nach G. A. v. Klöden: Handbuch der Erdkunde, 3. Aufl. 187S und uach Kiepert's
Erläuterungen zu seinem Atlas der antiken Welt. 1843.
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