Die Grenzboten. Jg. 6, 1847, II. Semester. IV. Band.Um Vergebung, meine Herren, Sie haben den Zettel nicht gelesen; hier Grade so ergeht es dem Bruder des berühmten Mannes. DaS Publikum Du bist im Anfang etwas verblüfft, aber Dn weißt Dich zu fassen. Du Nein, meine Gnädige. Das wußte ich wohl; ausgezeichnete Männer mögen nicht wnzen. -- Da sagt die Dame vom Hause zu Dir: Ihr Herr Bruder ist sehr gcistmch. Ich verstehe; seine Augenblicke sind kostbar, er hat sie nicht in unserer lang- So, so -- denkst Du -- meine Augenblicke sind also nicht kostbar? Was Du nimmst eine Droschke, der Kutscher fordert zu viel; Du streitest Dich, er Bauer. Ah, der große Bauer! wollen Sie nicht die Güte haben -- er bringt einen Ich bin nur sein Bruder. So so. -- Er nimmt den Stuhl wieder weg. Der Kutscher fordert zwei Zwei Thaler wegen wäre ich nicht hergekommen, aber man muß diese Leute Ach mein Herr, sagt der Polizeicommissär, um zwei Thaler willen werden Eines Morgeus erzeigt Dein Bruder Dir die Ehre, Dich zu besuche". Ah Ja, Herr Bruder. Herr Bruder, was soll das heißen? Um Vergebung, meine Herren, Sie haben den Zettel nicht gelesen; hier Grade so ergeht es dem Bruder des berühmten Mannes. DaS Publikum Du bist im Anfang etwas verblüfft, aber Dn weißt Dich zu fassen. Du Nein, meine Gnädige. Das wußte ich wohl; ausgezeichnete Männer mögen nicht wnzen. — Da sagt die Dame vom Hause zu Dir: Ihr Herr Bruder ist sehr gcistmch. Ich verstehe; seine Augenblicke sind kostbar, er hat sie nicht in unserer lang- So, so — denkst Du -- meine Augenblicke sind also nicht kostbar? Was Du nimmst eine Droschke, der Kutscher fordert zu viel; Du streitest Dich, er Bauer. Ah, der große Bauer! wollen Sie nicht die Güte haben — er bringt einen Ich bin nur sein Bruder. So so. — Er nimmt den Stuhl wieder weg. Der Kutscher fordert zwei Zwei Thaler wegen wäre ich nicht hergekommen, aber man muß diese Leute Ach mein Herr, sagt der Polizeicommissär, um zwei Thaler willen werden Eines Morgeus erzeigt Dein Bruder Dir die Ehre, Dich zu besuche«. Ah Ja, Herr Bruder. Herr Bruder, was soll das heißen? <TEI> <text> <body> <div> <div n="1"> <pb facs="#f0530" corresp="http://brema.suub.uni-bremen.de/grenzboten/periodical/pageview/185294"/> <p xml:id="ID_1795"> Um Vergebung, meine Herren, Sie haben den Zettel nicht gelesen; hier<lb/> steht, freilich in etwas feinen Buchstaben: ein lebendiger und geistvoller Dialog<lb/> wird die Musik ersetzen, welche die Handlung eigentlich stört!!! —</p><lb/> <p xml:id="ID_1796"> Grade so ergeht es dem Bruder des berühmten Mannes. 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Um Vergebung, meine Herren, Sie haben den Zettel nicht gelesen; hier
steht, freilich in etwas feinen Buchstaben: ein lebendiger und geistvoller Dialog
wird die Musik ersetzen, welche die Handlung eigentlich stört!!! —
Grade so ergeht es dem Bruder des berühmten Mannes. DaS Publikum
des Salons, in den Du eintratest, hat sich betrogen; es glaubte eine berühmte
Person vor sich zu haben, und hatte nichts als ihren Namen, nichts als — Dich.
Du bist im Anfang etwas verblüfft, aber Dn weißt Dich zu fassen. Du
forderst eine Dame auf, Du tanzest nach besten Kräften. Plötzlich fragt sie doch:
Ihr Herr Bruder tanzt wohl nicht?
Nein, meine Gnädige.
Das wußte ich wohl; ausgezeichnete Männer mögen nicht wnzen. —
Du bist pikirt, und das gibt Dir Lebe», Du bist gescheidter als gewöhuliy,
die Einfälle sprudeln aus Deinem Munde. Du bist mit Dir selber zufrieden
und denkst: man wird doch sehen, daß auch Herrmann nicht ganz auf den K'pf
gefallen ist.
Da sagt die Dame vom Hause zu Dir: Ihr Herr Bruder ist sehr gcistmch.
Er hat nicht kommen können?
Nein, gnädige Frau.
Ich verstehe; seine Augenblicke sind kostbar, er hat sie nicht in unserer lang-
weiligen Gesellschaft verschwenden wollen.
So, so — denkst Du -- meine Augenblicke sind also nicht kostbar? Was
meinen Bruder langweilt, ist für mich zu gut.
Du nimmst eine Droschke, der Kutscher fordert zu viel; Du streitest Dich, er
schlägt noch höher auf, Du merkst Dir seine Nummer und citirst ihn vor einen
Commissär. — Wie heißen Sie, Kläger? fragt Dich dieser.
Bauer.
Ah, der große Bauer! wollen Sie nicht die Güte haben — er bringt einen
Stuhl.
Ich bin nur sein Bruder.
So so. — Er nimmt den Stuhl wieder weg. Der Kutscher fordert zwei
Thaler.
Zwei Thaler wegen wäre ich nicht hergekommen, aber man muß diese Leute
doch strafen, die einen betrügen wollen.
Ach mein Herr, sagt der Polizeicommissär, um zwei Thaler willen werden
Sie den schönen Namen, den Sie führen, nicht compromittiren wollen; geben Sie
die zwei Thaler, und lassen Sie uns nicht weiter davon reden.
Eines Morgeus erzeigt Dein Bruder Dir die Ehre, Dich zu besuche«. Ah
da bist Du.
Ja, Herr Bruder.
Herr Bruder, was soll das heißen?
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Kay-Michael Würzner: Bearbeitung der digitalen Edition.
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