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Gottsched, Johann Christoph: Versuch einer Critischen Dichtkunst vor die Deutschen. Leipzig, 1730.

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Vorrede.
mit solchen Noten heraus, die den Verstand des Textes
erleichterten, und theils die Alterthümer, theils die
schwersten Stellen erklärten: dergleichen die Ausgaben
Bonds, Minellii, Cellarii, ad modum Minellii, u. dergl.
gewesen. Noch andre gaben den bloßen Text, ohn alle
Anmerckungen in kleinerm Formate heraus, um dadurch
denen zu dienen, die schon mit dem Texte bekannt wa-
ren, oder nicht viel auf grosse und theure Bücher wen-
den wollten, wie die Elzevirischen, und zum theil die
Waesbergischen Editionen ausweisen. Mein Vorha-
ben aber ist endlich einmahl die Schaale der Worte
Virgilii, damit man sich so lange aufgehalten, fahren zu
lassen, und auf den Kern seiner Gedichte zu gehen. Man
hat uns bisher den Virgil in die Hände gegeben, um
Wörter und poetische Redensarten daraus zu lernen:
um den Jnhalt aber, der doch das fürnehmste war, oder
um die innere Einrichtung seiner Gedichte nach den Re-
geln der Dicht-Kunst, hat man sich wenig bekümmert.
Dieses soll also meine Arbeit seyn, daß ich I) vor die
Eclogen sowohl, als vor die Georgica und die Eneis,
Poetisch-critische Einleitungen setzen, und die Natur die-
ser Gedichte darinn erklären werde, II) will ich auch un-
ter den Text überall diejenigen Anmerckungen setzen, so
zu desto besserer Einsicht der Poetischen Kunstgriffe Vir-
gilii dienen, und die Ursachen anzeigen werden, warum
er es so, und nicht anders gemacht. III) Werde ich auch
nicht unterlassen, die kleinen Fehler anzumercken, so die-
sem grossen Poeten zuweilen entwischet sind. Die Edi-
tion
soll so sauber werden als eine Holländische, und
in solchem Formate erscheinen, daß man sie um
einen billigen Preis wird geben
können.


Hora-

Vorrede.
mit ſolchen Noten heraus, die den Verſtand des Textes
erleichterten, und theils die Alterthuͤmer, theils die
ſchwerſten Stellen erklaͤrten: dergleichen die Ausgaben
Bonds, Minellii, Cellarii, ad modum Minellii, u. dergl.
geweſen. Noch andre gaben den bloßen Text, ohn alle
Anmerckungen in kleinerm Formate heraus, um dadurch
denen zu dienen, die ſchon mit dem Texte bekannt wa-
ren, oder nicht viel auf groſſe und theure Buͤcher wen-
den wollten, wie die Elzeviriſchen, und zum theil die
Waesbergiſchen Editionen ausweiſen. Mein Vorha-
ben aber iſt endlich einmahl die Schaale der Worte
Virgilii, damit man ſich ſo lange aufgehalten, fahren zu
laſſen, und auf den Kern ſeiner Gedichte zu gehen. Man
hat uns bisher den Virgil in die Haͤnde gegeben, um
Woͤrter und poetiſche Redensarten daraus zu lernen:
um den Jnhalt aber, der doch das fuͤrnehmſte war, oder
um die innere Einrichtung ſeiner Gedichte nach den Re-
geln der Dicht-Kunſt, hat man ſich wenig bekuͤmmert.
Dieſes ſoll alſo meine Arbeit ſeyn, daß ich I) vor die
Eclogen ſowohl, als vor die Georgica und die Eneis,
Poetiſch-critiſche Einleitungen ſetzen, und die Natur die-
ſer Gedichte darinn erklaͤren werde, II) will ich auch un-
ter den Text uͤberall diejenigen Anmerckungen ſetzen, ſo
zu deſto beſſerer Einſicht der Poetiſchen Kunſtgriffe Vir-
gilii dienen, und die Urſachen anzeigen werden, warum
er es ſo, und nicht anders gemacht. III) Werde ich auch
nicht unterlaſſen, die kleinen Fehler anzumercken, ſo die-
ſem groſſen Poeten zuweilen entwiſchet ſind. Die Edi-
tion
ſoll ſo ſauber werden als eine Hollaͤndiſche, und
in ſolchem Formate erſcheinen, daß man ſie um
einen billigen Preis wird geben
koͤnnen.


Hora-
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[0028] Vorrede. mit ſolchen Noten heraus, die den Verſtand des Textes erleichterten, und theils die Alterthuͤmer, theils die ſchwerſten Stellen erklaͤrten: dergleichen die Ausgaben Bonds, Minellii, Cellarii, ad modum Minellii, u. dergl. geweſen. Noch andre gaben den bloßen Text, ohn alle Anmerckungen in kleinerm Formate heraus, um dadurch denen zu dienen, die ſchon mit dem Texte bekannt wa- ren, oder nicht viel auf groſſe und theure Buͤcher wen- den wollten, wie die Elzeviriſchen, und zum theil die Waesbergiſchen Editionen ausweiſen. Mein Vorha- ben aber iſt endlich einmahl die Schaale der Worte Virgilii, damit man ſich ſo lange aufgehalten, fahren zu laſſen, und auf den Kern ſeiner Gedichte zu gehen. Man hat uns bisher den Virgil in die Haͤnde gegeben, um Woͤrter und poetiſche Redensarten daraus zu lernen: um den Jnhalt aber, der doch das fuͤrnehmſte war, oder um die innere Einrichtung ſeiner Gedichte nach den Re- geln der Dicht-Kunſt, hat man ſich wenig bekuͤmmert. Dieſes ſoll alſo meine Arbeit ſeyn, daß ich I) vor die Eclogen ſowohl, als vor die Georgica und die Eneis, Poetiſch-critiſche Einleitungen ſetzen, und die Natur die- ſer Gedichte darinn erklaͤren werde, II) will ich auch un- ter den Text uͤberall diejenigen Anmerckungen ſetzen, ſo zu deſto beſſerer Einſicht der Poetiſchen Kunſtgriffe Vir- gilii dienen, und die Urſachen anzeigen werden, warum er es ſo, und nicht anders gemacht. III) Werde ich auch nicht unterlaſſen, die kleinen Fehler anzumercken, ſo die- ſem groſſen Poeten zuweilen entwiſchet ſind. Die Edi- tion ſoll ſo ſauber werden als eine Hollaͤndiſche, und in ſolchem Formate erſcheinen, daß man ſie um einen billigen Preis wird geben koͤnnen. Hora-

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Zitationshilfe: Gottsched, Johann Christoph: Versuch einer Critischen Dichtkunst vor die Deutschen. Leipzig, 1730, S. . In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/gottsched_versuch_1730/28>, abgerufen am 14.05.2021.