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Glück, Christian Friedrich von: Berichtigungen und Zusätze zum zweyten Bande des Glückischen Commentars über die Pandecten. Für die Besitzer der ersten Ausgabe. Erlangen, 1800.

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wollen ihr dieses Recht ganz absprechen, dahingegen andere 75)
diese Befugniß für unbezweifelt halten. Nun liegt zwar freylich
in dem Miethcontract kein Grund zu dieser Befugniß. Es ist
auch in den gemeinen Rechten kein Gesetz vorhanden, wolches
für die Herrschaft spräche 76). Die Analogie von Sklaven,
und Leibeigenen paßt auch nicht auf unser Gesinde. Da inzwi-
schen bey manchem rohen Gesinde der Zweck des Miethcon-
tracts unmöglich zu erreichen wäre, wenn die Herrschaft um je-
der Verschuldung, oder Widerspenstigkeit desselben, oder Ueber-
tretung ihrer Befehle willen, ihre Zuflucht zum Richter nehmen,
und bey demselben klagen müßte; so ist heutiges Tages sowohl durch
Gewohnheit, als durch die meisten Dienstordnungen der Herr-
schaft eine mäßige Züchtigung erlaubt 77). Sollte jedoch die-
selbe von der Herrschaft überschritten, und das Gesinde gemiß-
handelt werden, so hat es keinen Zweifel, daß die Herrschaft
nicht nur zur Ersetzung aller Schäden und Unkosten, sondern auch
zu jeder andern rechtlichen Genugthuung angehalten werden
kann 78).


II) Die
75) mevius ad Ius Lubec. P. III. Tit. VIII. Art. 10. n. 13. sqq.
leyser in Meditat. ad Pandect. Vol. I. Spec. XVI. med.
4.
und Vol. VIII. Specim. DXLVI. med. 15. müller ad Leyse-
rum
Obs.
86. Struben rechtl. Bedenken Th. III. Bed. 39.
Höpfner im Commentar über die Institutionen §. 70. S. 99.
u. a. m.
76) L. un. C. de emendat. servor. gehört so wenig als L. un. C.
de emendat. propinquor.
hierher, denn das erstere Gesetz redet
von Sklaven, letzteres aber von minderjährigen Verwandten,
welche unartig sich betragen. L. 13. §. 4. D. locati erlaubt
auch nur einem Lehrmeister den ihm übergebenen Lehr-
purschen
durch vernünftige Züchtigung zum Fleiß, Aufmerk-
samkeit und Ordnung anzuhalten; redet also ebenfalls nicht
vom Miethgesinde.
77) Dorn in dem angef. Versuch §. 112.--§. 116. Man sehe
auch das allgemeine Gesetzbuch für die Preuß.
Staaten
2. Th. 5. Tit. §. 77.
78) leyser Meditat ad Pandect. Specim. XVI. med. 4. Qui-
storps
Grundsätze des peinl. Rechts I. Th. §. 309. Dorn
in dem angef. Versuch § 118.
C 5

wollen ihr dieſes Recht ganz abſprechen, dahingegen andere 75)
dieſe Befugniß fuͤr unbezweifelt halten. Nun liegt zwar freylich
in dem Miethcontract kein Grund zu dieſer Befugniß. Es iſt
auch in den gemeinen Rechten kein Geſetz vorhanden, wolches
fuͤr die Herrſchaft ſpraͤche 76). Die Analogie von Sklaven,
und Leibeigenen paßt auch nicht auf unſer Geſinde. Da inzwi-
ſchen bey manchem rohen Geſinde der Zweck des Miethcon-
tracts unmoͤglich zu erreichen waͤre, wenn die Herrſchaft um je-
der Verſchuldung, oder Widerſpenſtigkeit deſſelben, oder Ueber-
tretung ihrer Befehle willen, ihre Zuflucht zum Richter nehmen,
und bey demſelben klagen muͤßte; ſo iſt heutiges Tages ſowohl durch
Gewohnheit, als durch die meiſten Dienſtordnungen der Herr-
ſchaft eine maͤßige Zuͤchtigung erlaubt 77). Sollte jedoch die-
ſelbe von der Herrſchaft uͤberſchritten, und das Geſinde gemiß-
handelt werden, ſo hat es keinen Zweifel, daß die Herrſchaft
nicht nur zur Erſetzung aller Schaͤden und Unkoſten, ſondern auch
zu jeder andern rechtlichen Genugthuung angehalten werden
kann 78).


II) Die
75) mevius ad Ius Lubec. P. III. Tit. VIII. Art. 10. n. 13. ſqq.
leyser in Meditat. ad Pandect. Vol. I. Spec. XVI. med.
4.
und Vol. VIII. Specim. DXLVI. med. 15. müller ad Leyſe-
rum
Obſ.
86. Struben rechtl. Bedenken Th. III. Bed. 39.
Hoͤpfner im Commentar uͤber die Inſtitutionen §. 70. S. 99.
u. a. m.
76) L. un. C. de emendat. ſervor. gehoͤrt ſo wenig als L. un. C.
de emendat. propinquor.
hierher, denn das erſtere Geſetz redet
von Sklaven, letzteres aber von minderjaͤhrigen Verwandten,
welche unartig ſich betragen. L. 13. §. 4. D. locati erlaubt
auch nur einem Lehrmeiſter den ihm uͤbergebenen Lehr-
purſchen
durch vernuͤnftige Zuͤchtigung zum Fleiß, Aufmerk-
ſamkeit und Ordnung anzuhalten; redet alſo ebenfalls nicht
vom Miethgeſinde.
77) Dorn in dem angef. Verſuch §. 112.—§. 116. Man ſehe
auch das allgemeine Geſetzbuch fuͤr die Preuß.
Staaten
2. Th. 5. Tit. §. 77.
78) leyser Meditat ad Pandect. Specim. XVI. med. 4. Qui-
ſtorps
Grundſaͤtze des peinl. Rechts I. Th. §. 309. Dorn
in dem angef. Verſuch § 118.
C 5
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[41/0047] wollen ihr dieſes Recht ganz abſprechen, dahingegen andere 75) dieſe Befugniß fuͤr unbezweifelt halten. Nun liegt zwar freylich in dem Miethcontract kein Grund zu dieſer Befugniß. Es iſt auch in den gemeinen Rechten kein Geſetz vorhanden, wolches fuͤr die Herrſchaft ſpraͤche 76). Die Analogie von Sklaven, und Leibeigenen paßt auch nicht auf unſer Geſinde. Da inzwi- ſchen bey manchem rohen Geſinde der Zweck des Miethcon- tracts unmoͤglich zu erreichen waͤre, wenn die Herrſchaft um je- der Verſchuldung, oder Widerſpenſtigkeit deſſelben, oder Ueber- tretung ihrer Befehle willen, ihre Zuflucht zum Richter nehmen, und bey demſelben klagen muͤßte; ſo iſt heutiges Tages ſowohl durch Gewohnheit, als durch die meiſten Dienſtordnungen der Herr- ſchaft eine maͤßige Zuͤchtigung erlaubt 77). Sollte jedoch die- ſelbe von der Herrſchaft uͤberſchritten, und das Geſinde gemiß- handelt werden, ſo hat es keinen Zweifel, daß die Herrſchaft nicht nur zur Erſetzung aller Schaͤden und Unkoſten, ſondern auch zu jeder andern rechtlichen Genugthuung angehalten werden kann 78). II) Die 75) mevius ad Ius Lubec. P. III. Tit. VIII. Art. 10. n. 13. ſqq. leyser in Meditat. ad Pandect. Vol. I. Spec. XVI. med. 4. und Vol. VIII. Specim. DXLVI. med. 15. müller ad Leyſe- rum Obſ. 86. Struben rechtl. Bedenken Th. III. Bed. 39. Hoͤpfner im Commentar uͤber die Inſtitutionen §. 70. S. 99. u. a. m. 76) L. un. C. de emendat. ſervor. gehoͤrt ſo wenig als L. un. C. de emendat. propinquor. hierher, denn das erſtere Geſetz redet von Sklaven, letzteres aber von minderjaͤhrigen Verwandten, welche unartig ſich betragen. L. 13. §. 4. D. locati erlaubt auch nur einem Lehrmeiſter den ihm uͤbergebenen Lehr- purſchen durch vernuͤnftige Zuͤchtigung zum Fleiß, Aufmerk- ſamkeit und Ordnung anzuhalten; redet alſo ebenfalls nicht vom Miethgeſinde. 77) Dorn in dem angef. Verſuch §. 112.—§. 116. Man ſehe auch das allgemeine Geſetzbuch fuͤr die Preuß. Staaten 2. Th. 5. Tit. §. 77. 78) leyser Meditat ad Pandect. Specim. XVI. med. 4. Qui- ſtorps Grundſaͤtze des peinl. Rechts I. Th. §. 309. Dorn in dem angef. Verſuch § 118. C 5

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Zitationshilfe: Glück, Christian Friedrich von: Berichtigungen und Zusätze zum zweyten Bande des Glückischen Commentars über die Pandecten. Für die Besitzer der ersten Ausgabe. Erlangen, 1800, S. 41. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/glueck_pandecten02verbesserungen_1800/47>, abgerufen am 26.02.2024.