Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Glaßbrenner, Adolf: Der Weihnachtsmarkt. Aus: Berliner Volksleben. Band 1, S. 233–272. Leipzig, 1847.

Bild:
<< vorherige Seite

gedenken. Die kleinen Knaben in den Bürgerfamilien haben zu Hause von Vater, Mutter, Tante und vom großen Bruder jeder einen Groschen bekommen, springen dafür fröhlich und dankend an ihnen hinauf, küssen, und versprechen etwas Pfefferkuchen mitzubringen. Das Mitbringen ist Sache der Alten, und der Kinder süßestes Glück ist es, die Großen zu spielen. Inzwischen wartet das Dienstmädchen schon, das sie begleiten soll; sie hat den dreijährigen schnatternden Engel der Familie, die kleine naseweise Louise oder Marie, auf dem Arme, zieht ihr das schwarze Sammetkäppchen noch ein Mal recht in's Gesicht hinein, wickelt sie fest in ihr großes Umschlagetuch, damit die Schneeflocken das Püppchen nicht treffen, und ruft nun den schnell zur Thür hinauspolternden Jungen das erste: Aber Wilhelm! Aber Karl! zu.



Fritz (hat einen Kranz großer und kleiner Waldteufel um den Leib, und macht mit einem Riesenexemplar derselben furchtbaren Lärm; schreit) Walddeibelverkoof! Hallohverkoof!
Stephan (mit bunten Papier-Fahnen handelnd; schreit). Fahniverkoof! Hallohverkoof! (zu Fritz). Na hör' mal, Fritze, Dein Walddeibel! Allens wat recht is, aber sonn Jebrumse wie des, des jeht eenen bis in de Elsteroogen! Mir wundert, deß Dir des die Nachtwächter nich übel nehmen.
Fritz. Ach wat, Nachtwächter! Wat jehn die mir an, die Hornissen! Mir wächtert Keener Nacht; mein Hausschlüssel liegt an de Ecke unter de Feuertiene. Wenn meine Schwester ehr zu Hause kommt, denn wart' se uf mir, un wenn ick eher komme,

gedenken. Die kleinen Knaben in den Bürgerfamilien haben zu Hause von Vater, Mutter, Tante und vom großen Bruder jeder einen Groschen bekommen, springen dafür fröhlich und dankend an ihnen hinauf, küssen, und versprechen etwas Pfefferkuchen mitzubringen. Das Mitbringen ist Sache der Alten, und der Kinder süßestes Glück ist es, die Großen zu spielen. Inzwischen wartet das Dienstmädchen schon, das sie begleiten soll; sie hat den dreijährigen schnatternden Engel der Familie, die kleine naseweise Louise oder Marie, auf dem Arme, zieht ihr das schwarze Sammetkäppchen noch ein Mal recht in’s Gesicht hinein, wickelt sie fest in ihr großes Umschlagetuch, damit die Schneeflocken das Püppchen nicht treffen, und ruft nun den schnell zur Thür hinauspolternden Jungen das erste: Aber Wilhelm! Aber Karl! zu.



Fritz (hat einen Kranz großer und kleiner Waldteufel um den Leib, und macht mit einem Riesenexemplar derselben furchtbaren Lärm; schreit) Walddeibelverkoof! Hallohverkoof!
Stephan (mit bunten Papier-Fahnen handelnd; schreit). Fahniverkoof! Hallohverkoof! (zu Fritz). Na hör’ mal, Fritze, Dein Walddeibel! Allens wat recht is, aber sonn Jebrumse wie des, des jeht eenen bis in de Elsteroogen! Mir wundert, deß Dir des die Nachtwächter nich übel nehmen.
Fritz. Ach wat, Nachtwächter! Wat jehn die mir an, die Hornissen! Mir wächtert Keener Nacht; mein Hausschlüssel liegt an de Ecke unter de Feuertiene. Wenn meine Schwester ehr zu Hause kommt, denn wart’ se uf mir, un wenn ick eher komme,
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <p><pb facs="#f0004" n="236"/>
gedenken. Die kleinen Knaben in den Bürgerfamilien haben zu Hause von Vater, Mutter, Tante und vom großen Bruder jeder einen Groschen bekommen, springen dafür fröhlich und dankend an ihnen hinauf, küssen, und versprechen etwas Pfefferkuchen mitzubringen. Das Mitbringen ist Sache der Alten, und der Kinder süßestes Glück ist es, die Großen zu spielen. Inzwischen wartet das Dienstmädchen schon, das sie begleiten soll; sie hat den dreijährigen schnatternden Engel der Familie, die kleine naseweise Louise oder Marie, auf dem Arme, zieht ihr das schwarze Sammetkäppchen noch ein Mal recht in&#x2019;s Gesicht hinein, wickelt sie fest in ihr großes Umschlagetuch, damit die Schneeflocken das Püppchen nicht treffen, und ruft nun den schnell zur Thür hinauspolternden Jungen das erste: Aber Wilhelm! Aber Karl! zu.</p>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
        <sp>
          <speaker> <hi rendition="#g">Fritz</hi> </speaker>
          <stage>(hat einen Kranz großer und kleiner Waldteufel um den Leib, und macht mit einem Riesenexemplar derselben furchtbaren Lärm; schreit)</stage>
          <p>Walddeibelverkoof! <hi rendition="#g">Halloh</hi>verkoof!</p>
        </sp>
        <sp>
          <speaker> <hi rendition="#g">Stephan</hi> </speaker>
          <stage>(mit bunten Papier-Fahnen handelnd; schreit).</stage>
          <p>Fahniverkoof! <hi rendition="#g">Halloh</hi>verkoof! <stage>(zu Fritz).</stage> Na hör&#x2019; mal, Fritze, <hi rendition="#g">Dein</hi> Walddeibel! Allens wat recht is, aber <hi rendition="#g">sonn</hi> Jebrumse wie des, des jeht eenen bis in de Elsteroogen! Mir wundert, deß Dir des die Nachtwächter nich übel nehmen.</p>
        </sp>
        <sp>
          <speaker><hi rendition="#g">Fritz</hi>.</speaker>
          <p>Ach wat, Nachtwächter! Wat jehn die mir an, die Hornissen! Mir wächtert Keener Nacht; mein Hausschlüssel liegt an de Ecke unter de Feuertiene. Wenn meine Schwester ehr zu Hause kommt, denn wart&#x2019; se uf mir, un wenn ick eher komme,
</p>
        </sp>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[236/0004] gedenken. Die kleinen Knaben in den Bürgerfamilien haben zu Hause von Vater, Mutter, Tante und vom großen Bruder jeder einen Groschen bekommen, springen dafür fröhlich und dankend an ihnen hinauf, küssen, und versprechen etwas Pfefferkuchen mitzubringen. Das Mitbringen ist Sache der Alten, und der Kinder süßestes Glück ist es, die Großen zu spielen. Inzwischen wartet das Dienstmädchen schon, das sie begleiten soll; sie hat den dreijährigen schnatternden Engel der Familie, die kleine naseweise Louise oder Marie, auf dem Arme, zieht ihr das schwarze Sammetkäppchen noch ein Mal recht in’s Gesicht hinein, wickelt sie fest in ihr großes Umschlagetuch, damit die Schneeflocken das Püppchen nicht treffen, und ruft nun den schnell zur Thür hinauspolternden Jungen das erste: Aber Wilhelm! Aber Karl! zu. Fritz (hat einen Kranz großer und kleiner Waldteufel um den Leib, und macht mit einem Riesenexemplar derselben furchtbaren Lärm; schreit) Walddeibelverkoof! Hallohverkoof! Stephan (mit bunten Papier-Fahnen handelnd; schreit). Fahniverkoof! Hallohverkoof! (zu Fritz). Na hör’ mal, Fritze, Dein Walddeibel! Allens wat recht is, aber sonn Jebrumse wie des, des jeht eenen bis in de Elsteroogen! Mir wundert, deß Dir des die Nachtwächter nich übel nehmen. Fritz. Ach wat, Nachtwächter! Wat jehn die mir an, die Hornissen! Mir wächtert Keener Nacht; mein Hausschlüssel liegt an de Ecke unter de Feuertiene. Wenn meine Schwester ehr zu Hause kommt, denn wart’ se uf mir, un wenn ick eher komme,

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Wikisource: Bereitstellung der Texttranskription und Auszeichnung in Wikisource-Syntax. (2012-12-17T12:18:31Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme aus Wikisource entsprechen muss.
Wikimedia Commons: Bereitstellung der Bilddigitalisate (2012-12-17T12:18:31Z)
Frank Wiegand: Konvertierung von Wikisource-Markup nach XML/TEI gemäß DTA-Basisformat. (2012-12-17T12:18:31Z)

Weitere Informationen:

Anmerkungen zur Transkription:




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/glassbrenner_weihnachtsmarkt_1847
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/glassbrenner_weihnachtsmarkt_1847/4
Zitationshilfe: Glaßbrenner, Adolf: Der Weihnachtsmarkt. Aus: Berliner Volksleben. Band 1, S. 233–272. Leipzig, 1847, S. 236. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/glassbrenner_weihnachtsmarkt_1847/4>, abgerufen am 17.04.2024.