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Gabelentz, Georg von der: Die ostasiatischen Studien und die Sprachwissenschaft. In: Unsere Zeit, Jg. 1881, Bd. 1, S. 279-291.

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Die ostasiatischen Studien und die Sprachwissenschaft.
zeichnen. Die von ihnen aufgenommenen Urkunden wurden in einem geheimen,
dem Fürsten und seinem Cabinet selbst unzugänglichen Archiv aufbewahrt und erst
nach dem Untergange der Dynastie ans Licht gezogen und verarbeitet. So ent¬
stand jenes vielhundertbändige Werk der chinesischen Reichsannalen, der Zeugen
einer viertausendjährigen Geschichte. Einzelwerke über Geschichte und Landeskunde
der Provinzen und der Regierungsbezirke, deren eins allein 160 starke Hefte füllt,
ebenso gewaltige biographische und literaturhistorische Werke schließen sich ihnen
ergänzend an. Und was man uns auch von dem stagnirenden Stillstand des
Chinesenthums erzählen möge: das Reich und sein Volk hat eine Geschichte, in
welcher sich Ideen entwickelt, Staatsformen, gesellschaftliche Sitten und Zustände
umgestaltet, neue Erfindungen und Einrichtungen Bahn gebrochen haben -- lang¬
samer vielleicht als bei uns, doch kaum weniger mächtig. Da erfahren wir von
einem allmählichen Erstarken der feudalistischen Einzelstaaten, von einem jahr¬
hundertelangen Kriegs- und Fehdezustande, landverwüstend und sittenverwildernd
wie unser Dreißigjähriger Krieg; dann von der Errettung der Gesellschaft durch
das reformatorische Wirken des Confucius und seiner Schule; dann wieder von
dem radicalen Regierungssystem des Kaisers Schi-hoang-ti, oder von jenem ephe¬
meren socialistischen Staat zur Zeit der Sung-Dynastie, und von so und so vielen
andern staatsmännischen Experimenten, für welche die Analogien in unserer Ge¬
schichte nicht immer weit her zu suchen sind. Man wirft den Chinesen Mangel
an kriegerischem Heldenmuth vor: nicht mit Unrecht, so scheint es; denn ihre mili¬
tärischen Leistungen gegen europäische Waffen waren bisher kläglich genug. Allein
ich könnte aus den Annalen einer einzigen Dynastie zwei Feldherren nennen,
welche mit ihren Heeren dasselbe geleistet haben, was des Leonidas und seiner
Spartaner unsterblichen Ruhm begründet hat. Und Folgendes ist sozusagen das
Formular zu einer ganzen Menge Episoden der chinesischen Geschichte: der Kaiser
gibt im Staatsrathe eine Absicht kund, ein Minister widerspricht; der Kaiser
schenkt seinen Gegengründen kein Gehör, und -- so drücken sich die Historiker aus
-- "der Minister stirbt". Brauche ich nun noch zu sagen, welche Aufklärungen
wir von dieser Seite für die Geographie und Geschichte Ostasiens und für die
Entstehung der Völkerwanderungen zu erhoffen haben? Wir kennen die beharr¬
liche Ausdehnungskraft des Chinesenvolkes und dürfen ahnen, wie sein stetiges
Vordringen gen Norden und Westen sich bei seinen nomadischen Nachbarn in ein
verheerendes Vorwärtsstürmen umsetzen mochte.

Seit dem 10. Jahrhundert unserer Zeitrechnung wird in China die Buch¬
druckerei allgemein geübt. Das Volk ist seitdem eins der lese- und schreiblustigsten
der Welt geworden; das Streben nach Bildung ist hier verbreiteter als in manchen
Ländern unsers Erdtheiles; Gelehrsamkeit allein berechtigt zu Rang und Macht;
und ich erfahre, daß jene Aermsten des Volkes, welche in Californien ihr Glück
suchen, ihre Schulmeister und Buchhändler mit sich in die neue Heimat geführt
haben. Alle Klassen, aber auch alle Provinzen und Stämme der Nation haben
an der schriftstellerischen Arbeit ihren Antheil, und dem uniformirenden Einflusse
von oben wirkt von unten eine gesunde decentralisirende Macht entgegen. Er¬
leuchtete Kaiser lassen Prachtausgaben der vorzüglichsten Werke drucken: eine der¬

Die oſtaſiatiſchen Studien und die Sprachwiſſenſchaft.
zeichnen. Die von ihnen aufgenommenen Urkunden wurden in einem geheimen,
dem Fürſten und ſeinem Cabinet ſelbſt unzugänglichen Archiv aufbewahrt und erſt
nach dem Untergange der Dynaſtie ans Licht gezogen und verarbeitet. So ent¬
ſtand jenes vielhundertbändige Werk der chineſiſchen Reichsannalen, der Zeugen
einer viertauſendjährigen Geſchichte. Einzelwerke über Geſchichte und Landeskunde
der Provinzen und der Regierungsbezirke, deren eins allein 160 ſtarke Hefte füllt,
ebenſo gewaltige biographiſche und literaturhiſtoriſche Werke ſchließen ſich ihnen
ergänzend an. Und was man uns auch von dem ſtagnirenden Stillſtand des
Chineſenthums erzählen möge: das Reich und ſein Volk hat eine Geſchichte, in
welcher ſich Ideen entwickelt, Staatsformen, geſellſchaftliche Sitten und Zuſtände
umgeſtaltet, neue Erfindungen und Einrichtungen Bahn gebrochen haben — lang¬
ſamer vielleicht als bei uns, doch kaum weniger mächtig. Da erfahren wir von
einem allmählichen Erſtarken der feudaliſtiſchen Einzelſtaaten, von einem jahr¬
hundertelangen Kriegs- und Fehdezuſtande, landverwüſtend und ſittenverwildernd
wie unſer Dreißigjähriger Krieg; dann von der Errettung der Geſellſchaft durch
das reformatoriſche Wirken des Confucius und ſeiner Schule; dann wieder von
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meren ſocialiſtiſchen Staat zur Zeit der Sung-Dynaſtie, und von ſo und ſo vielen
andern ſtaatsmänniſchen Experimenten, für welche die Analogien in unſerer Ge¬
ſchichte nicht immer weit her zu ſuchen ſind. Man wirft den Chineſen Mangel
an kriegeriſchem Heldenmuth vor: nicht mit Unrecht, ſo ſcheint es; denn ihre mili¬
täriſchen Leiſtungen gegen europäiſche Waffen waren bisher kläglich genug. Allein
ich könnte aus den Annalen einer einzigen Dynaſtie zwei Feldherren nennen,
welche mit ihren Heeren daſſelbe geleiſtet haben, was des Leonidas und ſeiner
Spartaner unſterblichen Ruhm begründet hat. Und Folgendes iſt ſozuſagen das
Formular zu einer ganzen Menge Epiſoden der chineſiſchen Geſchichte: der Kaiſer
gibt im Staatsrathe eine Abſicht kund, ein Miniſter widerſpricht; der Kaiſer
ſchenkt ſeinen Gegengründen kein Gehör, und — ſo drücken ſich die Hiſtoriker aus
— „der Miniſter ſtirbt“. Brauche ich nun noch zu ſagen, welche Aufklärungen
wir von dieſer Seite für die Geographie und Geſchichte Oſtaſiens und für die
Entſtehung der Völkerwanderungen zu erhoffen haben? Wir kennen die beharr¬
liche Ausdehnungskraft des Chineſenvolkes und dürfen ahnen, wie ſein ſtetiges
Vordringen gen Norden und Weſten ſich bei ſeinen nomadiſchen Nachbarn in ein
verheerendes Vorwärtsſtürmen umſetzen mochte.

Seit dem 10. Jahrhundert unſerer Zeitrechnung wird in China die Buch¬
druckerei allgemein geübt. Das Volk iſt ſeitdem eins der leſe- und ſchreibluſtigſten
der Welt geworden; das Streben nach Bildung iſt hier verbreiteter als in manchen
Ländern unſers Erdtheiles; Gelehrſamkeit allein berechtigt zu Rang und Macht;
und ich erfahre, daß jene Aermſten des Volkes, welche in Californien ihr Glück
ſuchen, ihre Schulmeiſter und Buchhändler mit ſich in die neue Heimat geführt
haben. Alle Klaſſen, aber auch alle Provinzen und Stämme der Nation haben
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[283/0012] Die oſtaſiatiſchen Studien und die Sprachwiſſenſchaft. zeichnen. Die von ihnen aufgenommenen Urkunden wurden in einem geheimen, dem Fürſten und ſeinem Cabinet ſelbſt unzugänglichen Archiv aufbewahrt und erſt nach dem Untergange der Dynaſtie ans Licht gezogen und verarbeitet. So ent¬ ſtand jenes vielhundertbändige Werk der chineſiſchen Reichsannalen, der Zeugen einer viertauſendjährigen Geſchichte. Einzelwerke über Geſchichte und Landeskunde der Provinzen und der Regierungsbezirke, deren eins allein 160 ſtarke Hefte füllt, ebenſo gewaltige biographiſche und literaturhiſtoriſche Werke ſchließen ſich ihnen ergänzend an. Und was man uns auch von dem ſtagnirenden Stillſtand des Chineſenthums erzählen möge: das Reich und ſein Volk hat eine Geſchichte, in welcher ſich Ideen entwickelt, Staatsformen, geſellſchaftliche Sitten und Zuſtände umgeſtaltet, neue Erfindungen und Einrichtungen Bahn gebrochen haben — lang¬ ſamer vielleicht als bei uns, doch kaum weniger mächtig. Da erfahren wir von einem allmählichen Erſtarken der feudaliſtiſchen Einzelſtaaten, von einem jahr¬ hundertelangen Kriegs- und Fehdezuſtande, landverwüſtend und ſittenverwildernd wie unſer Dreißigjähriger Krieg; dann von der Errettung der Geſellſchaft durch das reformatoriſche Wirken des Confucius und ſeiner Schule; dann wieder von dem radicalen Regierungsſyſtem des Kaiſers Schi-hoang-ti, oder von jenem ephe¬ meren ſocialiſtiſchen Staat zur Zeit der Sung-Dynaſtie, und von ſo und ſo vielen andern ſtaatsmänniſchen Experimenten, für welche die Analogien in unſerer Ge¬ ſchichte nicht immer weit her zu ſuchen ſind. Man wirft den Chineſen Mangel an kriegeriſchem Heldenmuth vor: nicht mit Unrecht, ſo ſcheint es; denn ihre mili¬ täriſchen Leiſtungen gegen europäiſche Waffen waren bisher kläglich genug. Allein ich könnte aus den Annalen einer einzigen Dynaſtie zwei Feldherren nennen, welche mit ihren Heeren daſſelbe geleiſtet haben, was des Leonidas und ſeiner Spartaner unſterblichen Ruhm begründet hat. Und Folgendes iſt ſozuſagen das Formular zu einer ganzen Menge Epiſoden der chineſiſchen Geſchichte: der Kaiſer gibt im Staatsrathe eine Abſicht kund, ein Miniſter widerſpricht; der Kaiſer ſchenkt ſeinen Gegengründen kein Gehör, und — ſo drücken ſich die Hiſtoriker aus — „der Miniſter ſtirbt“. Brauche ich nun noch zu ſagen, welche Aufklärungen wir von dieſer Seite für die Geographie und Geſchichte Oſtaſiens und für die Entſtehung der Völkerwanderungen zu erhoffen haben? Wir kennen die beharr¬ liche Ausdehnungskraft des Chineſenvolkes und dürfen ahnen, wie ſein ſtetiges Vordringen gen Norden und Weſten ſich bei ſeinen nomadiſchen Nachbarn in ein verheerendes Vorwärtsſtürmen umſetzen mochte. Seit dem 10. Jahrhundert unſerer Zeitrechnung wird in China die Buch¬ druckerei allgemein geübt. Das Volk iſt ſeitdem eins der leſe- und ſchreibluſtigſten der Welt geworden; das Streben nach Bildung iſt hier verbreiteter als in manchen Ländern unſers Erdtheiles; Gelehrſamkeit allein berechtigt zu Rang und Macht; und ich erfahre, daß jene Aermſten des Volkes, welche in Californien ihr Glück ſuchen, ihre Schulmeiſter und Buchhändler mit ſich in die neue Heimat geführt haben. Alle Klaſſen, aber auch alle Provinzen und Stämme der Nation haben an der ſchriftſtelleriſchen Arbeit ihren Antheil, und dem uniformirenden Einfluſſe von oben wirkt von unten eine geſunde decentraliſirende Macht entgegen. Er¬ leuchtete Kaiſer laſſen Prachtausgaben der vorzüglichſten Werke drucken: eine der¬

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Zitationshilfe: Gabelentz, Georg von der: Die ostasiatischen Studien und die Sprachwissenschaft. In: Unsere Zeit, Jg. 1881, Bd. 1, S. 279-291, hier S. 283. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/gabelentz_ostasiatische_1881/12>, abgerufen am 15.04.2024.