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François, Louise von: Die letzte Reckenburgerin. Bd. 2. Berlin, 1871.

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indem sie mit der einen Hand gab, was sie mit der
andern gefordert hatte; aber sie sparte den Leuten
Zeit, zerstreute sie nicht durch Handel und Wandel,
stärkte den Rechtssinn, der durch kleine Uebertretun¬
gen am sichersten untergraben wird und ein Ehrgefühl,
das mit dem Begriffe des Verdienstes anfängt und
mit dem der Duldung endet.

In ähnlicher Weise wurde auch der Neubau der
Dörfer nach einem voraus entworfenen Plane allmä¬
lig zu Stande gebracht.

Der bisherige Besitzer, der sein hinfälliges Ge¬
höft an die mir gelegene Stelle verrückte, der neue
Ansiedler, der es nach meinem Muster aufrichtete, ein
Jeder, der sich verpflichtete, sein Anwesen nach einer
strengen Polizeiordnung reinlich und zweckmäßig zu
erhalten, sie empfingen den Bauplatz, das Material
und eine Unterstützung der Arbeitskräfte während der
Anlage unentgeltlich, später gegen Zins und raten¬
weise Abzahlung; und zwar ohne, daß auch hier bis
zur letztgültigen Regulation eine Feder oder ein Schuld-
und Grundbuch in Bewegung gesetzt worden wären.
Der einfache Handschlag genügte und die Unerbittlich¬
keit, mit welcher ich bei jeder hinterhältigen Bauern¬
list die Aushülfe zurückzog, verbürgte mir die Treue

indem ſie mit der einen Hand gab, was ſie mit der
andern gefordert hatte; aber ſie ſparte den Leuten
Zeit, zerſtreute ſie nicht durch Handel und Wandel,
ſtärkte den Rechtsſinn, der durch kleine Uebertretun¬
gen am ſicherſten untergraben wird und ein Ehrgefühl,
das mit dem Begriffe des Verdienſtes anfängt und
mit dem der Duldung endet.

In ähnlicher Weiſe wurde auch der Neubau der
Dörfer nach einem voraus entworfenen Plane allmä¬
lig zu Stande gebracht.

Der bisherige Beſitzer, der ſein hinfälliges Ge¬
höft an die mir gelegene Stelle verrückte, der neue
Anſiedler, der es nach meinem Muſter aufrichtete, ein
Jeder, der ſich verpflichtete, ſein Anweſen nach einer
ſtrengen Polizeiordnung reinlich und zweckmäßig zu
erhalten, ſie empfingen den Bauplatz, das Material
und eine Unterſtützung der Arbeitskräfte während der
Anlage unentgeltlich, ſpäter gegen Zins und raten¬
weiſe Abzahlung; und zwar ohne, daß auch hier bis
zur letztgültigen Regulation eine Feder oder ein Schuld-
und Grundbuch in Bewegung geſetzt worden wären.
Der einfache Handſchlag genügte und die Unerbittlich¬
keit, mit welcher ich bei jeder hinterhältigen Bauern¬
liſt die Aushülfe zurückzog, verbürgte mir die Treue

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[159/0163] indem ſie mit der einen Hand gab, was ſie mit der andern gefordert hatte; aber ſie ſparte den Leuten Zeit, zerſtreute ſie nicht durch Handel und Wandel, ſtärkte den Rechtsſinn, der durch kleine Uebertretun¬ gen am ſicherſten untergraben wird und ein Ehrgefühl, das mit dem Begriffe des Verdienſtes anfängt und mit dem der Duldung endet. In ähnlicher Weiſe wurde auch der Neubau der Dörfer nach einem voraus entworfenen Plane allmä¬ lig zu Stande gebracht. Der bisherige Beſitzer, der ſein hinfälliges Ge¬ höft an die mir gelegene Stelle verrückte, der neue Anſiedler, der es nach meinem Muſter aufrichtete, ein Jeder, der ſich verpflichtete, ſein Anweſen nach einer ſtrengen Polizeiordnung reinlich und zweckmäßig zu erhalten, ſie empfingen den Bauplatz, das Material und eine Unterſtützung der Arbeitskräfte während der Anlage unentgeltlich, ſpäter gegen Zins und raten¬ weiſe Abzahlung; und zwar ohne, daß auch hier bis zur letztgültigen Regulation eine Feder oder ein Schuld- und Grundbuch in Bewegung geſetzt worden wären. Der einfache Handſchlag genügte und die Unerbittlich¬ keit, mit welcher ich bei jeder hinterhältigen Bauern¬ liſt die Aushülfe zurückzog, verbürgte mir die Treue

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Zitationshilfe: François, Louise von: Die letzte Reckenburgerin. Bd. 2. Berlin, 1871, S. 159. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/francois_reckenburgerin02_1871/163>, abgerufen am 06.03.2021.