Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Fouqué, Caroline de La Motte-: Die Frauen in der großen Welt. Berlin, 1826.

Bild:
<< vorherige Seite

dem eigentlichen Heiligthum Eurer Brust.
Bis dahin dringt nichts, was nicht dort
weilen dürfte. Mit andern Worten: Jhr
empfindet den Unterschied zwischen Vergäng-
lichem und Unvergänglichem. Und wenn
Euch auch das Erstre anzieht, so nennt Jhr
doch Eitelkeit Eitelkeit, und flüchtet, so
oft Jhr Euch ganz und vollständig fühlen
wollt, zu dem, was bleibt. Leicht und froh
mögt Jhr daher sagen: wo mein Herz ist,
da ist auch mein Gott.

Mag deshalb immerhin das Auge bei'm
ersten Aufblick in die reiche, glänzende Welt
ein wenig geblendet, der Sinn gefangen, der
Wunsch allzulebhaft angesprochen werden,
ist Wahrheit im Kerne des Wesens, so be-
siegt sie schnell die unbequeme Spannung,
und stellt in unangefochtener Gesundheit, das
natürliche Gleichgewicht wieder her.

Hierüber müssen sich bald, die den-
kende Mutter und das vertrauende Kind,
Eine durch die Andre, belehren. Und wenn
ihnen dann auch der Eintritt in die Welt
nicht gerade wie ein Uebel erscheint, so wer-

dem eigentlichen Heiligthum Eurer Bruſt.
Bis dahin dringt nichts, was nicht dort
weilen duͤrfte. Mit andern Worten: Jhr
empfindet den Unterſchied zwiſchen Vergaͤng-
lichem und Unvergaͤnglichem. Und wenn
Euch auch das Erſtre anzieht, ſo nennt Jhr
doch Eitelkeit Eitelkeit, und fluͤchtet, ſo
oft Jhr Euch ganz und vollſtaͤndig fuͤhlen
wollt, zu dem, was bleibt. Leicht und froh
moͤgt Jhr daher ſagen: wo mein Herz iſt,
da iſt auch mein Gott.

Mag deshalb immerhin das Auge bei’m
erſten Aufblick in die reiche, glaͤnzende Welt
ein wenig geblendet, der Sinn gefangen, der
Wunſch allzulebhaft angeſprochen werden,
iſt Wahrheit im Kerne des Weſens, ſo be-
ſiegt ſie ſchnell die unbequeme Spannung,
und ſtellt in unangefochtener Geſundheit, das
natuͤrliche Gleichgewicht wieder her.

Hieruͤber muͤſſen ſich bald, die den-
kende Mutter und das vertrauende Kind,
Eine durch die Andre, belehren. Und wenn
ihnen dann auch der Eintritt in die Welt
nicht gerade wie ein Uebel erſcheint, ſo wer-

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0108" n="104"/>
dem eigentlichen Heiligthum Eurer Bru&#x017F;t.<lb/>
Bis dahin dringt nichts, was nicht dort<lb/>
weilen du&#x0364;rfte. Mit andern Worten: Jhr<lb/>
empfindet den Unter&#x017F;chied zwi&#x017F;chen Verga&#x0364;ng-<lb/>
lichem und Unverga&#x0364;nglichem. Und wenn<lb/>
Euch auch das Er&#x017F;tre anzieht, &#x017F;o nennt Jhr<lb/>
doch Eitelkeit Eitelkeit, und flu&#x0364;chtet, &#x017F;o<lb/>
oft Jhr Euch ganz und voll&#x017F;ta&#x0364;ndig fu&#x0364;hlen<lb/>
wollt, zu dem, was bleibt. Leicht und froh<lb/>
mo&#x0364;gt Jhr daher &#x017F;agen: wo mein Herz i&#x017F;t,<lb/>
da i&#x017F;t auch mein Gott.</p><lb/>
          <p>Mag deshalb immerhin das Auge bei&#x2019;m<lb/>
er&#x017F;ten Aufblick in die reiche, gla&#x0364;nzende Welt<lb/>
ein wenig geblendet, der Sinn gefangen, der<lb/>
Wun&#x017F;ch allzulebhaft ange&#x017F;prochen werden,<lb/>
i&#x017F;t Wahrheit im Kerne des We&#x017F;ens, &#x017F;o be-<lb/>
&#x017F;iegt <hi rendition="#g">&#x017F;ie</hi> &#x017F;chnell die unbequeme Spannung,<lb/>
und &#x017F;tellt in unangefochtener Ge&#x017F;undheit, das<lb/>
natu&#x0364;rliche Gleichgewicht wieder her.</p><lb/>
          <p>Hieru&#x0364;ber mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en &#x017F;ich bald, die den-<lb/>
kende Mutter und das vertrauende Kind,<lb/>
Eine durch die Andre, belehren. Und wenn<lb/>
ihnen dann auch der Eintritt in die Welt<lb/>
nicht gerade wie ein Uebel er&#x017F;cheint, &#x017F;o wer-<lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[104/0108] dem eigentlichen Heiligthum Eurer Bruſt. Bis dahin dringt nichts, was nicht dort weilen duͤrfte. Mit andern Worten: Jhr empfindet den Unterſchied zwiſchen Vergaͤng- lichem und Unvergaͤnglichem. Und wenn Euch auch das Erſtre anzieht, ſo nennt Jhr doch Eitelkeit Eitelkeit, und fluͤchtet, ſo oft Jhr Euch ganz und vollſtaͤndig fuͤhlen wollt, zu dem, was bleibt. Leicht und froh moͤgt Jhr daher ſagen: wo mein Herz iſt, da iſt auch mein Gott. Mag deshalb immerhin das Auge bei’m erſten Aufblick in die reiche, glaͤnzende Welt ein wenig geblendet, der Sinn gefangen, der Wunſch allzulebhaft angeſprochen werden, iſt Wahrheit im Kerne des Weſens, ſo be- ſiegt ſie ſchnell die unbequeme Spannung, und ſtellt in unangefochtener Geſundheit, das natuͤrliche Gleichgewicht wieder her. Hieruͤber muͤſſen ſich bald, die den- kende Mutter und das vertrauende Kind, Eine durch die Andre, belehren. Und wenn ihnen dann auch der Eintritt in die Welt nicht gerade wie ein Uebel erſcheint, ſo wer-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/fouque_frauen_1826
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/fouque_frauen_1826/108
Zitationshilfe: Fouqué, Caroline de La Motte-: Die Frauen in der großen Welt. Berlin, 1826, S. 104. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/fouque_frauen_1826/108>, abgerufen am 16.04.2024.