Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Brockes, Barthold Heinrich: Physikalische und moralische Gedanken über die drey Reiche der Natur. Bd. 9. Hamburg u. a., 1748.

Bild:
<< vorherige Seite
Betrachtungen
Doch der Jrrthum ist verschwunden,
Und, durch der Erfahrung Licht,
Hat es sich nunmehr befunden,
Daß, was hier bey uns geschicht,
Durch die Sonn' und durch die Erde
Bloß allein gewirket werde:
Denn ein Jrrstern hat den Schein,
So wie wir, von ihr allein.
Wenn man also überleget,
Was das Bley, und was für Kraft
Sein metallisch Wesen heget,
Findet man die Eigenschaft:
Es hat keinen Klang, ist dichte,
Von besonderem Gewichte,
Grau, geziehg', ein Feind vom Test,
Ob sichs gleich leicht schmelzen läßt.
Daß sein Urstand, Stoff und Wesen
Meist Merkurius allein;
Kann man gnug in Büchern lesen,
Scheinet auch fast wahr zu seyn:
Denn man findet, daß, von allen,
Auch der schweresten, Metallen,
Keines ihm an Schwere gleicht;
Gold allein ist minder leicht.
Eben wie das Gold nicht klinget,
Also klingt auch dieses nicht,
Da kein Ton aus beyden dringet;
Doch, am Klang und am Gewicht
Gleichen sich nur diese beyden,
Sonst kann Gold das Bley nicht leiden,
Denn es wird, kömmt Bley darinn,
Spröd', als Silber durch das Zinn.
Ferner
Betrachtungen
Doch der Jrrthum iſt verſchwunden,
Und, durch der Erfahrung Licht,
Hat es ſich nunmehr befunden,
Daß, was hier bey uns geſchicht,
Durch die Sonn’ und durch die Erde
Bloß allein gewirket werde:
Denn ein Jrrſtern hat den Schein,
So wie wir, von ihr allein.
Wenn man alſo uͤberleget,
Was das Bley, und was fuͤr Kraft
Sein metalliſch Weſen heget,
Findet man die Eigenſchaft:
Es hat keinen Klang, iſt dichte,
Von beſonderem Gewichte,
Grau, geziehg’, ein Feind vom Teſt,
Ob ſichs gleich leicht ſchmelzen laͤßt.
Daß ſein Urſtand, Stoff und Weſen
Meiſt Merkurius allein;
Kann man gnug in Buͤchern leſen,
Scheinet auch faſt wahr zu ſeyn:
Denn man findet, daß, von allen,
Auch der ſchwereſten, Metallen,
Keines ihm an Schwere gleicht;
Gold allein iſt minder leicht.
Eben wie das Gold nicht klinget,
Alſo klingt auch dieſes nicht,
Da kein Ton aus beyden dringet;
Doch, am Klang und am Gewicht
Gleichen ſich nur dieſe beyden,
Sonſt kann Gold das Bley nicht leiden,
Denn es wird, koͤmmt Bley darinn,
Sproͤd’, als Silber durch das Zinn.
Ferner
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0038" n="18"/>
        <fw place="top" type="header">Betrachtungen</fw><lb/>
        <lg n="64">
          <l>Doch der Jrrthum i&#x017F;t ver&#x017F;chwunden,</l><lb/>
          <l>Und, durch der Erfahrung Licht,</l><lb/>
          <l>Hat es &#x017F;ich nunmehr befunden,</l><lb/>
          <l>Daß, was hier bey uns ge&#x017F;chicht,</l><lb/>
          <l>Durch die Sonn&#x2019; und durch die Erde</l><lb/>
          <l>Bloß allein gewirket werde:</l><lb/>
          <l>Denn ein Jrr&#x017F;tern hat den Schein,</l><lb/>
          <l>So wie wir, von ihr allein.</l>
        </lg><lb/>
        <lg n="65">
          <l>Wenn man al&#x017F;o u&#x0364;berleget,</l><lb/>
          <l>Was das Bley, und was fu&#x0364;r Kraft</l><lb/>
          <l>Sein metalli&#x017F;ch We&#x017F;en heget,</l><lb/>
          <l>Findet man die Eigen&#x017F;chaft:</l><lb/>
          <l>Es hat keinen Klang, i&#x017F;t dichte,</l><lb/>
          <l>Von be&#x017F;onderem Gewichte,</l><lb/>
          <l>Grau, geziehg&#x2019;, ein Feind vom Te&#x017F;t,</l><lb/>
          <l>Ob &#x017F;ichs gleich leicht &#x017F;chmelzen la&#x0364;ßt.</l>
        </lg><lb/>
        <lg n="66">
          <l>Daß &#x017F;ein Ur&#x017F;tand, Stoff und We&#x017F;en</l><lb/>
          <l>Mei&#x017F;t Merkurius allein;</l><lb/>
          <l>Kann man gnug in Bu&#x0364;chern le&#x017F;en,</l><lb/>
          <l>Scheinet auch fa&#x017F;t wahr zu &#x017F;eyn:</l><lb/>
          <l>Denn man findet, daß, von allen,</l><lb/>
          <l>Auch der &#x017F;chwere&#x017F;ten, Metallen,</l><lb/>
          <l>Keines ihm an Schwere gleicht;</l><lb/>
          <l>Gold allein i&#x017F;t minder leicht.</l>
        </lg><lb/>
        <lg n="67">
          <l>Eben wie das Gold nicht klinget,</l><lb/>
          <l>Al&#x017F;o klingt auch die&#x017F;es nicht,</l><lb/>
          <l>Da kein Ton aus beyden dringet;</l><lb/>
          <l>Doch, am Klang und am Gewicht</l><lb/>
          <l>Gleichen &#x017F;ich nur die&#x017F;e beyden,</l><lb/>
          <l>Son&#x017F;t kann Gold das Bley nicht leiden,</l><lb/>
          <l>Denn es wird, ko&#x0364;mmt Bley darinn,</l><lb/>
          <l>Spro&#x0364;d&#x2019;, als Silber durch das Zinn.</l>
        </lg><lb/>
        <fw place="bottom" type="catch">Ferner</fw><lb/>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[18/0038] Betrachtungen Doch der Jrrthum iſt verſchwunden, Und, durch der Erfahrung Licht, Hat es ſich nunmehr befunden, Daß, was hier bey uns geſchicht, Durch die Sonn’ und durch die Erde Bloß allein gewirket werde: Denn ein Jrrſtern hat den Schein, So wie wir, von ihr allein. Wenn man alſo uͤberleget, Was das Bley, und was fuͤr Kraft Sein metalliſch Weſen heget, Findet man die Eigenſchaft: Es hat keinen Klang, iſt dichte, Von beſonderem Gewichte, Grau, geziehg’, ein Feind vom Teſt, Ob ſichs gleich leicht ſchmelzen laͤßt. Daß ſein Urſtand, Stoff und Weſen Meiſt Merkurius allein; Kann man gnug in Buͤchern leſen, Scheinet auch faſt wahr zu ſeyn: Denn man findet, daß, von allen, Auch der ſchwereſten, Metallen, Keines ihm an Schwere gleicht; Gold allein iſt minder leicht. Eben wie das Gold nicht klinget, Alſo klingt auch dieſes nicht, Da kein Ton aus beyden dringet; Doch, am Klang und am Gewicht Gleichen ſich nur dieſe beyden, Sonſt kann Gold das Bley nicht leiden, Denn es wird, koͤmmt Bley darinn, Sproͤd’, als Silber durch das Zinn. Ferner

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/brockes_vergnuegen09_1748
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/brockes_vergnuegen09_1748/38
Zitationshilfe: Brockes, Barthold Heinrich: Physikalische und moralische Gedanken über die drey Reiche der Natur. Bd. 9. Hamburg u. a., 1748, S. 18. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/brockes_vergnuegen09_1748/38>, abgerufen am 14.05.2021.