Die Gatten eines Paares scheinen sich sehr zu lieben. Sie liegen bei Tage dicht neben einander, laufen abends zusammen umher und putzen, kratzen und lecken sich gegenseitig auch zwischen den Stacheln, welche das Eine dann soweit auseinandersträubt, daß das Andere mit der Klaue der Zunge zwischen ihnen hindurchkommen kann. Doch haben wir freilich auch erfahren, daß eine beiden vorgeworfene Leckerei den Frieden stören und Streit erregen kann; ja, wir haben in Folge eines solchen Streites den Gatten eines Paares verloren; der Andere hatte ihm im Zorn einen Biß in den Kopf versetzt, welcher seinen Tod herbeiführte.
Es scheint, als ob die Quastenstachler nicht so lichtschen wären, wie die übrigen Stachelschweine. Bei Tage freilich wenden sie sich immer vom Lichte ab; ihr großes, lebhaftes Auge scheint die Helle schmerzlich zu empfinden. Sie erscheinen aber bereits vor der Dämmerung, während andere Arten regelmäßig die dunkle Nacht abwarten, bevor sie sich zeigen.
Die echten Stachelschweine sind die plumpest gestalteten der ganzen Familie und an ihrem kur- zen, gedrungenen Leibesbau, dem dicken, stumpfschnäuzigen, auf starkem Halse sitzenden Kopfe, dem kurzen, mit hohlen, federspulartigen Stacheln besetzten Schwanze und dem außer allem Verhältniß entwickelten Stachelkleide leicht zu erkennen. Bezeichnend für sie sind außerdem die kleinen, rundlichen Ohren, die breiten Oberlippen und die gespaltenen Nasenlöcher. Der Fußbau stimmt mit dem der Vorigen im wesentlichen überein, das Stachelkleid bedeckt hauptsächlich die letzten zwei Dritttheile oder die Hinterhälfte des Leibes, der Vordertheil pflegt mit Haaren oder Borsten bedeckt zu sein, welche bei einzelnen Arten eine Mähne bilden. Die Stacheln sind die größten, welche überhaupt vorkommen; eine genaue Beschreibung derselben erscheint mir aber unnöthig, weil sie so vielfache Ver- wendung finden, daß sie wohl den meisten meiner Leser aus eigener Anschauung bekannt sein dürften. Einige Arten haben keine Mähne auf dem Nacken, sondern nur kurze Borsten, welche erst allmählich sich verlängern und dann nach und nach in platte, fein zugespitzte, auf der Außenseite von einer tiefen Rinne durchzogene Stacheln übergehen. Diese Stacheln werden nach hinten rundlich, sehr hart und fest, erreichen aber niemals eine sehr große Länge. Dieses eine Merkmal würde, gemäß des gegenwärtig giltigen Verfahrens, genügend sein, die betreffenden Arten von den übrigen Stachel- schweinen zu trennen und einer besonderen Sippe einzuverleiben; es kommen aber noch andere Merk- male dazu, um Solches zu rechtfertigen, namentlich die verschiedene Zahl der Wirbel. Man vereinigt die Thiere also unter dem Namen Acanthion in einer besonderen Sippe.
Das javanische Stachelschwein (Acanthion javanicum), welches Java, Sumatra und Bor- neo bewohnt, kommt von den bisjetzt bekannten hierher zu zählenden Arten am häufigsten zu uns. Es ist etwas kleiner, als das gemeine Stachelschwein, immerhin aber noch ein mittelgroßes Glied der Familie von anscheinend dunkelbrauner Hauptfärbung, hinten weiß gescheckt, mit ziemlich lan- gen Ohren und dicht behaarter Nasenkuppe und Lippen. Die Stacheln und Borsten sind einfarbig dunkelkastanienbraun, die hinteren weißgescheckt.
Ueber das Freileben der Thiere ist wenig bekannt; doch wissen wir wenigstens soviel, daß das javanische Stachelschwein sich in seinem Betragen wesentlich nicht von dem gemeinen unterscheidet. Jch habe das Thier hauptsächlich deshalb hier aufgeführt, weil es sich in der Gefangenschaft, und zwar im Thiergarten zu Köln, fortgepflanzt und hierdurch Gelegenheit zu anziehenden Beobachtungen gegeben hat. Der Vorsteher des gedachten, in jeder Hinsicht rühmenswerthen Thiergartens, mein verehrter Freund, Dr.Bodinus, hat die Güte gehabt, mir hierüber Folgendes mitzutheilen:
"Wenn die javanischen Stachelschweine an Schönheit auch lange nicht den gewöhnlichen afrika- nischen gleichkommen, so zeichnen sie sich doch durch größere Zutraulichkeit gegen den Menschen aus. Jhre Haltung stößt durchaus nicht auf Schwierigkeiten. Gras, Klee, Wurzeln und Brod sind die
Brehm, Thierleben. II. 15
Das javaniſche Stachelſchwein.
Die Gatten eines Paares ſcheinen ſich ſehr zu lieben. Sie liegen bei Tage dicht neben einander, laufen abends zuſammen umher und putzen, kratzen und lecken ſich gegenſeitig auch zwiſchen den Stacheln, welche das Eine dann ſoweit auseinanderſträubt, daß das Andere mit der Klaue der Zunge zwiſchen ihnen hindurchkommen kann. Doch haben wir freilich auch erfahren, daß eine beiden vorgeworfene Leckerei den Frieden ſtören und Streit erregen kann; ja, wir haben in Folge eines ſolchen Streites den Gatten eines Paares verloren; der Andere hatte ihm im Zorn einen Biß in den Kopf verſetzt, welcher ſeinen Tod herbeiführte.
Es ſcheint, als ob die Quaſtenſtachler nicht ſo lichtſchen wären, wie die übrigen Stachelſchweine. Bei Tage freilich wenden ſie ſich immer vom Lichte ab; ihr großes, lebhaftes Auge ſcheint die Helle ſchmerzlich zu empfinden. Sie erſcheinen aber bereits vor der Dämmerung, während andere Arten regelmäßig die dunkle Nacht abwarten, bevor ſie ſich zeigen.
Die echten Stachelſchweine ſind die plumpeſt geſtalteten der ganzen Familie und an ihrem kur- zen, gedrungenen Leibesbau, dem dicken, ſtumpfſchnäuzigen, auf ſtarkem Halſe ſitzenden Kopfe, dem kurzen, mit hohlen, federſpulartigen Stacheln beſetzten Schwanze und dem außer allem Verhältniß entwickelten Stachelkleide leicht zu erkennen. Bezeichnend für ſie ſind außerdem die kleinen, rundlichen Ohren, die breiten Oberlippen und die geſpaltenen Naſenlöcher. Der Fußbau ſtimmt mit dem der Vorigen im weſentlichen überein, das Stachelkleid bedeckt hauptſächlich die letzten zwei Dritttheile oder die Hinterhälfte des Leibes, der Vordertheil pflegt mit Haaren oder Borſten bedeckt zu ſein, welche bei einzelnen Arten eine Mähne bilden. Die Stacheln ſind die größten, welche überhaupt vorkommen; eine genaue Beſchreibung derſelben erſcheint mir aber unnöthig, weil ſie ſo vielfache Ver- wendung finden, daß ſie wohl den meiſten meiner Leſer aus eigener Anſchauung bekannt ſein dürften. Einige Arten haben keine Mähne auf dem Nacken, ſondern nur kurze Borſten, welche erſt allmählich ſich verlängern und dann nach und nach in platte, fein zugeſpitzte, auf der Außenſeite von einer tiefen Rinne durchzogene Stacheln übergehen. Dieſe Stacheln werden nach hinten rundlich, ſehr hart und feſt, erreichen aber niemals eine ſehr große Länge. Dieſes eine Merkmal würde, gemäß des gegenwärtig giltigen Verfahrens, genügend ſein, die betreffenden Arten von den übrigen Stachel- ſchweinen zu trennen und einer beſonderen Sippe einzuverleiben; es kommen aber noch andere Merk- male dazu, um Solches zu rechtfertigen, namentlich die verſchiedene Zahl der Wirbel. Man vereinigt die Thiere alſo unter dem Namen Acanthion in einer beſonderen Sippe.
Das javaniſche Stachelſchwein (Acanthion javanicum), welches Java, Sumatra und Bor- neo bewohnt, kommt von den bisjetzt bekannten hierher zu zählenden Arten am häufigſten zu uns. Es iſt etwas kleiner, als das gemeine Stachelſchwein, immerhin aber noch ein mittelgroßes Glied der Familie von anſcheinend dunkelbrauner Hauptfärbung, hinten weiß geſcheckt, mit ziemlich lan- gen Ohren und dicht behaarter Naſenkuppe und Lippen. Die Stacheln und Borſten ſind einfarbig dunkelkaſtanienbraun, die hinteren weißgeſcheckt.
Ueber das Freileben der Thiere iſt wenig bekannt; doch wiſſen wir wenigſtens ſoviel, daß das javaniſche Stachelſchwein ſich in ſeinem Betragen weſentlich nicht von dem gemeinen unterſcheidet. Jch habe das Thier hauptſächlich deshalb hier aufgeführt, weil es ſich in der Gefangenſchaft, und zwar im Thiergarten zu Köln, fortgepflanzt und hierdurch Gelegenheit zu anziehenden Beobachtungen gegeben hat. Der Vorſteher des gedachten, in jeder Hinſicht rühmenswerthen Thiergartens, mein verehrter Freund, Dr.Bodinus, hat die Güte gehabt, mir hierüber Folgendes mitzutheilen:
„Wenn die javaniſchen Stachelſchweine an Schönheit auch lange nicht den gewöhnlichen afrika- niſchen gleichkommen, ſo zeichnen ſie ſich doch durch größere Zutraulichkeit gegen den Menſchen aus. Jhre Haltung ſtößt durchaus nicht auf Schwierigkeiten. Gras, Klee, Wurzeln und Brod ſind die
Brehm, Thierleben. II. 15
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Das javaniſche Stachelſchwein.
Die Gatten eines Paares ſcheinen ſich ſehr zu lieben. Sie liegen bei Tage dicht neben einander,
laufen abends zuſammen umher und putzen, kratzen und lecken ſich gegenſeitig auch zwiſchen den
Stacheln, welche das Eine dann ſoweit auseinanderſträubt, daß das Andere mit der Klaue der
Zunge zwiſchen ihnen hindurchkommen kann. Doch haben wir freilich auch erfahren, daß eine beiden
vorgeworfene Leckerei den Frieden ſtören und Streit erregen kann; ja, wir haben in Folge eines
ſolchen Streites den Gatten eines Paares verloren; der Andere hatte ihm im Zorn einen Biß in den
Kopf verſetzt, welcher ſeinen Tod herbeiführte.
Es ſcheint, als ob die Quaſtenſtachler nicht ſo lichtſchen wären, wie die übrigen Stachelſchweine.
Bei Tage freilich wenden ſie ſich immer vom Lichte ab; ihr großes, lebhaftes Auge ſcheint die Helle
ſchmerzlich zu empfinden. Sie erſcheinen aber bereits vor der Dämmerung, während andere Arten
regelmäßig die dunkle Nacht abwarten, bevor ſie ſich zeigen.
Die echten Stachelſchweine ſind die plumpeſt geſtalteten der ganzen Familie und an ihrem kur-
zen, gedrungenen Leibesbau, dem dicken, ſtumpfſchnäuzigen, auf ſtarkem Halſe ſitzenden Kopfe, dem
kurzen, mit hohlen, federſpulartigen Stacheln beſetzten Schwanze und dem außer allem Verhältniß
entwickelten Stachelkleide leicht zu erkennen. Bezeichnend für ſie ſind außerdem die kleinen, rundlichen
Ohren, die breiten Oberlippen und die geſpaltenen Naſenlöcher. Der Fußbau ſtimmt mit dem der
Vorigen im weſentlichen überein, das Stachelkleid bedeckt hauptſächlich die letzten zwei Dritttheile
oder die Hinterhälfte des Leibes, der Vordertheil pflegt mit Haaren oder Borſten bedeckt zu ſein,
welche bei einzelnen Arten eine Mähne bilden. Die Stacheln ſind die größten, welche überhaupt
vorkommen; eine genaue Beſchreibung derſelben erſcheint mir aber unnöthig, weil ſie ſo vielfache Ver-
wendung finden, daß ſie wohl den meiſten meiner Leſer aus eigener Anſchauung bekannt ſein dürften.
Einige Arten haben keine Mähne auf dem Nacken, ſondern nur kurze Borſten, welche erſt allmählich
ſich verlängern und dann nach und nach in platte, fein zugeſpitzte, auf der Außenſeite von einer
tiefen Rinne durchzogene Stacheln übergehen. Dieſe Stacheln werden nach hinten rundlich, ſehr hart
und feſt, erreichen aber niemals eine ſehr große Länge. Dieſes eine Merkmal würde, gemäß des
gegenwärtig giltigen Verfahrens, genügend ſein, die betreffenden Arten von den übrigen Stachel-
ſchweinen zu trennen und einer beſonderen Sippe einzuverleiben; es kommen aber noch andere Merk-
male dazu, um Solches zu rechtfertigen, namentlich die verſchiedene Zahl der Wirbel. Man vereinigt
die Thiere alſo unter dem Namen Acanthion in einer beſonderen Sippe.
Das javaniſche Stachelſchwein (Acanthion javanicum), welches Java, Sumatra und Bor-
neo bewohnt, kommt von den bisjetzt bekannten hierher zu zählenden Arten am häufigſten zu uns.
Es iſt etwas kleiner, als das gemeine Stachelſchwein, immerhin aber noch ein mittelgroßes Glied
der Familie von anſcheinend dunkelbrauner Hauptfärbung, hinten weiß geſcheckt, mit ziemlich lan-
gen Ohren und dicht behaarter Naſenkuppe und Lippen. Die Stacheln und Borſten ſind einfarbig
dunkelkaſtanienbraun, die hinteren weißgeſcheckt.
Ueber das Freileben der Thiere iſt wenig bekannt; doch wiſſen wir wenigſtens ſoviel, daß das
javaniſche Stachelſchwein ſich in ſeinem Betragen weſentlich nicht von dem gemeinen unterſcheidet.
Jch habe das Thier hauptſächlich deshalb hier aufgeführt, weil es ſich in der Gefangenſchaft, und
zwar im Thiergarten zu Köln, fortgepflanzt und hierdurch Gelegenheit zu anziehenden Beobachtungen
gegeben hat. Der Vorſteher des gedachten, in jeder Hinſicht rühmenswerthen Thiergartens, mein
verehrter Freund, Dr. Bodinus, hat die Güte gehabt, mir hierüber Folgendes mitzutheilen:
„Wenn die javaniſchen Stachelſchweine an Schönheit auch lange nicht den gewöhnlichen afrika-
niſchen gleichkommen, ſo zeichnen ſie ſich doch durch größere Zutraulichkeit gegen den Menſchen aus.
Jhre Haltung ſtößt durchaus nicht auf Schwierigkeiten. Gras, Klee, Wurzeln und Brod ſind die
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Brehm, Alfred Edmund: Illustrirtes Thierleben. Bd. 2. Hildburghausen, 1865, S. 225. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/brehm_thierleben02_1865/243>, abgerufen am 23.11.2024.
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