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[Bodmer, Johann Jacob]: Sammlung Critischer, Poetischer, und anderer geistvollen Schriften. Bd. 6. Zürich, 1742.

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Echo
"so blindlings lincks und rechts um sich greiffen.
"Ey! der Sprung ist zu arg! und fast so tief,
"als möglich ist."

Das merckwürdigste Beyspiel von einer aus-
nehmenden critischen Deemuth und Geduld fin-
det sich in dem XVI. St. der Beyträge auf der
610ten Seite, wo der ungenannte Verfasser
eines critischen Schreibens die unverschämte Un-
höflichkeit und Grobheit begangen, und sich selbst
bey dem Schlusse des Briefs einen aufrichtigen
Gönner
der Verfasser der Critischen Beyträge
hat nennen dürffen. Sein grobes Compliment
nach der Schweitzerischen Höflichkeit lautet:

"Uebrigens können sie sich mich als einen auf-
"richtigen + Gönner ihrer Bemühungen vorstel-
"len. Jch werde es mit Vergnügen lesen,
"wenn sie mich in ihren Beyträgen versichern
"wollen, daß ihnen diese Zuschrift angenehm
"gewesen. Und ich möchte nur wünschen, alle
"Unannehmlichkeiten in derselben vermieden zu
"haben. Fahren sie fort, dem menschlichen
"Geschlechte Nutzen zu schaffen, und leben sie
"wohl und vergnügt."

Ein anderer wäre über
so viele grobe Unhöflichkeiten in einen rechten Ei-
fer gerathen; aber unsre sanftmüthigen Hoch-
deutschen lassen es bey folgender deemüthigen
Antung bewenden:

"+ Das klingt ein wenig
"groß! Es fehlt nur noch, daß uns der Hr.
"Verfasser auch seinen Schutz und seine Gnade
"versprochen hätte. Gleichwohl scheinet aus
"allen diesen bisher gemachten Anmerckungen
"nicht, daß ihr Urheber viel vornehmer sey,
"als
Echo
„ſo blindlings lincks und rechts um ſich greiffen.
„Ey! der Sprung iſt zu arg! und faſt ſo tief,
„als moͤglich iſt.„

Das merckwuͤrdigſte Beyſpiel von einer aus-
nehmenden critiſchen Deemuth und Geduld fin-
det ſich in dem XVI. St. der Beytraͤge auf der
610ten Seite, wo der ungenannte Verfaſſer
eines critiſchen Schreibens die unverſchaͤmte Un-
hoͤflichkeit und Grobheit begangen, und ſich ſelbſt
bey dem Schluſſe des Briefs einen aufrichtigen
Goͤnner
der Verfaſſer der Critiſchen Beytraͤge
hat nennen duͤrffen. Sein grobes Compliment
nach der Schweitzeriſchen Hoͤflichkeit lautet:

„Uebrigens koͤnnen ſie ſich mich als einen auf-
„richtigen † Goͤnner ihrer Bemuͤhungen vorſtel-
„len. Jch werde es mit Vergnuͤgen leſen,
„wenn ſie mich in ihren Beytraͤgen verſichern
„wollen, daß ihnen dieſe Zuſchrift angenehm
„geweſen. Und ich moͤchte nur wuͤnſchen, alle
„Unannehmlichkeiten in derſelben vermieden zu
„haben. Fahren ſie fort, dem menſchlichen
„Geſchlechte Nutzen zu ſchaffen, und leben ſie
„wohl und vergnuͤgt.„

Ein anderer waͤre uͤber
ſo viele grobe Unhoͤflichkeiten in einen rechten Ei-
fer gerathen; aber unſre ſanftmuͤthigen Hoch-
deutſchen laſſen es bey folgender deemuͤthigen
Antung bewenden:

„† Das klingt ein wenig
„groß! Es fehlt nur noch, daß uns der Hr.
„Verfaſſer auch ſeinen Schutz und ſeine Gnade
„verſprochen haͤtte. Gleichwohl ſcheinet aus
„allen dieſen bisher gemachten Anmerckungen
„nicht, daß ihr Urheber viel vornehmer ſey,
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[28/0028] Echo „ſo blindlings lincks und rechts um ſich greiffen. „Ey! der Sprung iſt zu arg! und faſt ſo tief, „als moͤglich iſt.„ Das merckwuͤrdigſte Beyſpiel von einer aus- nehmenden critiſchen Deemuth und Geduld fin- det ſich in dem XVI. St. der Beytraͤge auf der 610ten Seite, wo der ungenannte Verfaſſer eines critiſchen Schreibens die unverſchaͤmte Un- hoͤflichkeit und Grobheit begangen, und ſich ſelbſt bey dem Schluſſe des Briefs einen aufrichtigen Goͤnner der Verfaſſer der Critiſchen Beytraͤge hat nennen duͤrffen. Sein grobes Compliment nach der Schweitzeriſchen Hoͤflichkeit lautet: „Uebrigens koͤnnen ſie ſich mich als einen auf- „richtigen † Goͤnner ihrer Bemuͤhungen vorſtel- „len. Jch werde es mit Vergnuͤgen leſen, „wenn ſie mich in ihren Beytraͤgen verſichern „wollen, daß ihnen dieſe Zuſchrift angenehm „geweſen. Und ich moͤchte nur wuͤnſchen, alle „Unannehmlichkeiten in derſelben vermieden zu „haben. Fahren ſie fort, dem menſchlichen „Geſchlechte Nutzen zu ſchaffen, und leben ſie „wohl und vergnuͤgt.„ Ein anderer waͤre uͤber ſo viele grobe Unhoͤflichkeiten in einen rechten Ei- fer gerathen; aber unſre ſanftmuͤthigen Hoch- deutſchen laſſen es bey folgender deemuͤthigen Antung bewenden: „† Das klingt ein wenig „groß! Es fehlt nur noch, daß uns der Hr. „Verfaſſer auch ſeinen Schutz und ſeine Gnade „verſprochen haͤtte. Gleichwohl ſcheinet aus „allen dieſen bisher gemachten Anmerckungen „nicht, daß ihr Urheber viel vornehmer ſey, „als

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Zitationshilfe: [Bodmer, Johann Jacob]: Sammlung Critischer, Poetischer, und anderer geistvollen Schriften. Bd. 6. Zürich, 1742, S. 28. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/bodmer_sammlung06_1742/28>, abgerufen am 26.02.2024.