Von den ausserdeutschen Staaten hat sich besonders Frank- reich um das technische Lehrwesen im vorigen Jahrhundert ver- dient gemacht. Dem Minister Trudaine gebührt darum grosses Ver- dienst, welcher um 1750 eine höhere technische Lehranstalt, die Ecole des ponts et chaussees, ins Leben gerufen hatte und sich mit der Absicht trug, eine Bergakademie in Frankreich zu gründen. Zu diesem Zwecke suchte er die befähigtsten Schüler der obengenannten Anstalt, namentlich Jars und Duhamel, zu Lehrern heranzu- bilden und liess sie auf Staatskosten im Auslande reisen. Die trau- rigen Finanzzustände Frankreichs verhinderten aber die Ausführung dieses schönen Planes. Erst der Republik war es vorbehalten, darin Grosses zu leisten. Sie gründete 1794 die Ecole polytechnique, an der Männer wie Monge, Berthollet und Guyton de Mor- veau wirkten. Um dieselbe Zeit entstand die Ecole des Mines. Schon am 18. Messidor des Jahres II (1793) wurden durch Beschluss des Wohlfahrtsausschusses Vorlesungen über Mineralogie, Bergbau, Probierkunde und Hüttenkunde gehalten und durch Gesetz vom 30. Vendemiaire des Jahres IV bestätigt. Die Berginspektoren mussten dieselben halten, und zwar öffentlich und kostenfrei. Lehrer waren Duhamel (Jars Reisegefährte), Hassenfratz, Miche, Tonnellier, Boillet, Vauquelin, Brogniart, Hauy, Clouet etc. 1).
Frankreich, in dem namentlich das Kunstgewerbe blühte, unter- stützte schon früh den Zeichenunterricht. Schon unter Ludwig XIV. bestand eine gewerbliche Zeichenschule zu Besancon; 1766 wurde eine solche zu Paris gegründet, welcher ähnliche Schulen 1773 zu Troyes, 1782 zu St. Quentin und 1794 zu Versailles folgten.
In England, wo der Staat sich um das Schulwesen nicht be- kümmerte, blieb auch das technische Unterrichtswesen sehr ver- nachlässigt. Gegen Ende des Jahrhunderts entstanden die Mechanics institutions, welche Fortbildungsunterricht erteilten, ähnlich den Abendschulen unserer gewerblichen Fortbildungsschulen oder Ar- beiterbildungsvereine. Solche Anstalten gab es 1789 zu Birming- ham und 1799 zu Glasgow. Nach Calvörs Angaben müssen aber schon früher (vor 1763) in England und Irland Werkschulen bestanden haben.
Die erste Gewerbeausstellung fand 1791 zu Prag statt; die erste Industrieausstellung 1798 zu Paris; dieselbe dauerte vom 19. September bis 2. Oktober und war von 110 Ausstellern beschickt.
1) Siehe Journal des mines, an VII, No. 51.
Wissenschaftliche Anstalten.
Von den auſserdeutschen Staaten hat sich besonders Frank- reich um das technische Lehrwesen im vorigen Jahrhundert ver- dient gemacht. Dem Minister Trudaine gebührt darum groſses Ver- dienst, welcher um 1750 eine höhere technische Lehranstalt, die École des ponts et chausseés, ins Leben gerufen hatte und sich mit der Absicht trug, eine Bergakademie in Frankreich zu gründen. Zu diesem Zwecke suchte er die befähigtsten Schüler der obengenannten Anstalt, namentlich Jars und Duhamel, zu Lehrern heranzu- bilden und lieſs sie auf Staatskosten im Auslande reisen. Die trau- rigen Finanzzustände Frankreichs verhinderten aber die Ausführung dieses schönen Planes. Erst der Republik war es vorbehalten, darin Groſses zu leisten. Sie gründete 1794 die École polytechnique, an der Männer wie Monge, Berthollet und Guyton de Mor- veau wirkten. Um dieselbe Zeit entstand die École des Mines. Schon am 18. Messidor des Jahres II (1793) wurden durch Beschluſs des Wohlfahrtsausschusses Vorlesungen über Mineralogie, Bergbau, Probierkunde und Hüttenkunde gehalten und durch Gesetz vom 30. Vendémiaire des Jahres IV bestätigt. Die Berginspektoren muſsten dieselben halten, und zwar öffentlich und kostenfrei. Lehrer waren Duhamel (Jars Reisegefährte), Hassenfratz, Miché, Tonnellier, Boillet, Vauquelin, Brogniart, Hauy, Clouet etc. 1).
Frankreich, in dem namentlich das Kunstgewerbe blühte, unter- stützte schon früh den Zeichenunterricht. Schon unter Ludwig XIV. bestand eine gewerbliche Zeichenschule zu Besançon; 1766 wurde eine solche zu Paris gegründet, welcher ähnliche Schulen 1773 zu Troyes, 1782 zu St. Quentin und 1794 zu Versailles folgten.
In England, wo der Staat sich um das Schulwesen nicht be- kümmerte, blieb auch das technische Unterrichtswesen sehr ver- nachlässigt. Gegen Ende des Jahrhunderts entstanden die Mechanics institutions, welche Fortbildungsunterricht erteilten, ähnlich den Abendschulen unserer gewerblichen Fortbildungsschulen oder Ar- beiterbildungsvereine. Solche Anstalten gab es 1789 zu Birming- ham und 1799 zu Glasgow. Nach Calvörs Angaben müssen aber schon früher (vor 1763) in England und Irland Werkschulen bestanden haben.
Die erste Gewerbeausstellung fand 1791 zu Prag statt; die erste Industrieausstellung 1798 zu Paris; dieselbe dauerte vom 19. September bis 2. Oktober und war von 110 Ausstellern beschickt.
1) Siehe Journal des mines, an VII, No. 51.
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Wissenschaftliche Anstalten.
Von den auſserdeutschen Staaten hat sich besonders Frank-
reich um das technische Lehrwesen im vorigen Jahrhundert ver-
dient gemacht. Dem Minister Trudaine gebührt darum groſses Ver-
dienst, welcher um 1750 eine höhere technische Lehranstalt, die
École des ponts et chausseés, ins Leben gerufen hatte und sich
mit der Absicht trug, eine Bergakademie in Frankreich zu gründen. Zu
diesem Zwecke suchte er die befähigtsten Schüler der obengenannten
Anstalt, namentlich Jars und Duhamel, zu Lehrern heranzu-
bilden und lieſs sie auf Staatskosten im Auslande reisen. Die trau-
rigen Finanzzustände Frankreichs verhinderten aber die Ausführung
dieses schönen Planes. Erst der Republik war es vorbehalten, darin
Groſses zu leisten. Sie gründete 1794 die École polytechnique,
an der Männer wie Monge, Berthollet und Guyton de Mor-
veau wirkten. Um dieselbe Zeit entstand die École des Mines.
Schon am 18. Messidor des Jahres II (1793) wurden durch Beschluſs
des Wohlfahrtsausschusses Vorlesungen über Mineralogie, Bergbau,
Probierkunde und Hüttenkunde gehalten und durch Gesetz vom
30. Vendémiaire des Jahres IV bestätigt. Die Berginspektoren muſsten
dieselben halten, und zwar öffentlich und kostenfrei. Lehrer waren
Duhamel (Jars Reisegefährte), Hassenfratz, Miché, Tonnellier,
Boillet, Vauquelin, Brogniart, Hauy, Clouet etc. 1).
Frankreich, in dem namentlich das Kunstgewerbe blühte, unter-
stützte schon früh den Zeichenunterricht. Schon unter Ludwig XIV.
bestand eine gewerbliche Zeichenschule zu Besançon; 1766 wurde
eine solche zu Paris gegründet, welcher ähnliche Schulen 1773 zu
Troyes, 1782 zu St. Quentin und 1794 zu Versailles folgten.
In England, wo der Staat sich um das Schulwesen nicht be-
kümmerte, blieb auch das technische Unterrichtswesen sehr ver-
nachlässigt. Gegen Ende des Jahrhunderts entstanden die Mechanics
institutions, welche Fortbildungsunterricht erteilten, ähnlich den
Abendschulen unserer gewerblichen Fortbildungsschulen oder Ar-
beiterbildungsvereine. Solche Anstalten gab es 1789 zu Birming-
ham und 1799 zu Glasgow. Nach Calvörs Angaben müssen aber
schon früher (vor 1763) in England und Irland Werkschulen bestanden
haben.
Die erste Gewerbeausstellung fand 1791 zu Prag statt; die
erste Industrieausstellung 1798 zu Paris; dieselbe dauerte vom
19. September bis 2. Oktober und war von 110 Ausstellern beschickt.
1) Siehe Journal des mines, an VII, No. 51.
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Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 3: Das XVIII. Jahrhundert. Braunschweig, 1897, S. 62. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/beck_eisen03_1897/76>, abgerufen am 26.11.2024.
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