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Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 3: Das XVIII. Jahrhundert. Braunschweig, 1897.

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Litteratur im 18. Jahrhundert.
vor Swedenborg, in Wisby geboren. Er war der Enkel eines
deutsch-ungarischen Edelmannes, der wegen seiner Religion sein
Vaterland hatte verlassen müssen. Von seinem 12. Jahre an war er
gezwungen, für seinen Unterhalt zu sorgen und that dies durch Ab-
schreiben. Später wurde er Rechner bei verschiedenen Grossgrund-
besitzern. Neben seinem Broterwerb beschäftigte er sich von Jugend
an damit, Maschinen zu entwerfen und auszuführen, wofür er ein an-
geborenes Genie besass, denn er brachte mehrere Maschinen eigener
Erfindung zu Stande, ohne noch irgend welche Kenntnis der Mathe-
matik und Mechanik zu besitzen. Der Wunsch, sich mit diesen ver-
traut zu machen, führte ihn dazu ohne fremde Hülfe Lateinisch zu
lernen und seiner Energie, die vor keiner Schwierigkeit zurück-
schreckte, gelang dies auch. 1686 begann er auf der Universität
Upsala Mathematik zu studieren, ohne seine mechanischen Arbeiten
liegen zu lassen. 1686 zog er zuerst die allgemeine Aufmerksamkeit
dadurch auf sich, dass er die grosse Uhr der Domkirche von Upsala
wieder in Stand setzte, nachdem alle Uhrmacher Schwedens dies
für unmöglich erklärt hatten. Zwei Jahre später erfand er eine sehr
bequeme Erzfördermaschine, wofür ihm von der Regierung ein Jahres-
gehalt von 500 Thalern ausgesetzt wurde. 1693 wurde er Berg-
mechanikus in Fahlun. Danach begab er sich auf Reisen und kam
1695 nach Paris, wo er zwei Jahre blieb. Dort fertigte er unter
anderem den Entwurf zu einer höchst komplizierten Uhr, welche die
französische Regierung ausführen liess und dem Sultan der Türkei
zum Geschenk machte. 1697 nach Schweden zurückgekehrt, erhielt
er eine Anstellung im Bergkollegium und führte nun viele mecha-
nische Verbesserungen beim Bergbau und in anderen Industrieen ein.
Zu Anfang des 18. Jahrhunderts gründete er eine Fabrik in Stiern-
sund zur Herstellung von Metallwaren. Er schrieb darüber in seinem
patriotischen Testament (1746): "Da ich vor einigen und 40 Jahren
mit den Stiernsundschen Manufakturen den Anfang machte, bestand
dieser Ort nur aus Felsen, auf welchen kaum eine Ziege ihre Nahrung
haben konnte, gegenwärtig finden nicht nur einige hundert Menschen
ihren Unterhalt von allerlei Eisen und Stahlmanufakturwaren, sondern
man kann sogar alles, was in Eisen, Stahl, Kupfer, Messing, Zinn
und Blei verlangt wird, machen".

Ausserdem führte er im Auftrage der Regierung grosse Ingenieur-
arbeiten, als Anlagen von Dämmen, Kanälen, Docks- und Hafenbauten
aus. 1714 wurde er Bergassessor und 1716 als "Kommersrat" nach
Stockholm berufen, durch Titel und Orden geehrt und auch in den

Litteratur im 18. Jahrhundert.
vor Swedenborg, in Wisby geboren. Er war der Enkel eines
deutsch-ungarischen Edelmannes, der wegen seiner Religion sein
Vaterland hatte verlassen müssen. Von seinem 12. Jahre an war er
gezwungen, für seinen Unterhalt zu sorgen und that dies durch Ab-
schreiben. Später wurde er Rechner bei verschiedenen Groſsgrund-
besitzern. Neben seinem Broterwerb beschäftigte er sich von Jugend
an damit, Maschinen zu entwerfen und auszuführen, wofür er ein an-
geborenes Genie besaſs, denn er brachte mehrere Maschinen eigener
Erfindung zu Stande, ohne noch irgend welche Kenntnis der Mathe-
matik und Mechanik zu besitzen. Der Wunsch, sich mit diesen ver-
traut zu machen, führte ihn dazu ohne fremde Hülfe Lateinisch zu
lernen und seiner Energie, die vor keiner Schwierigkeit zurück-
schreckte, gelang dies auch. 1686 begann er auf der Universität
Upsala Mathematik zu studieren, ohne seine mechanischen Arbeiten
liegen zu lassen. 1686 zog er zuerst die allgemeine Aufmerksamkeit
dadurch auf sich, daſs er die groſse Uhr der Domkirche von Upsala
wieder in Stand setzte, nachdem alle Uhrmacher Schwedens dies
für unmöglich erklärt hatten. Zwei Jahre später erfand er eine sehr
bequeme Erzfördermaschine, wofür ihm von der Regierung ein Jahres-
gehalt von 500 Thalern ausgesetzt wurde. 1693 wurde er Berg-
mechanikus in Fahlun. Danach begab er sich auf Reisen und kam
1695 nach Paris, wo er zwei Jahre blieb. Dort fertigte er unter
anderem den Entwurf zu einer höchst komplizierten Uhr, welche die
französische Regierung ausführen lieſs und dem Sultan der Türkei
zum Geschenk machte. 1697 nach Schweden zurückgekehrt, erhielt
er eine Anstellung im Bergkollegium und führte nun viele mecha-
nische Verbesserungen beim Bergbau und in anderen Industrieen ein.
Zu Anfang des 18. Jahrhunderts gründete er eine Fabrik in Stiern-
sund zur Herstellung von Metallwaren. Er schrieb darüber in seinem
patriotischen Testament (1746): „Da ich vor einigen und 40 Jahren
mit den Stiernsundschen Manufakturen den Anfang machte, bestand
dieser Ort nur aus Felsen, auf welchen kaum eine Ziege ihre Nahrung
haben konnte, gegenwärtig finden nicht nur einige hundert Menschen
ihren Unterhalt von allerlei Eisen und Stahlmanufakturwaren, sondern
man kann sogar alles, was in Eisen, Stahl, Kupfer, Messing, Zinn
und Blei verlangt wird, machen“.

Auſserdem führte er im Auftrage der Regierung groſse Ingenieur-
arbeiten, als Anlagen von Dämmen, Kanälen, Docks- und Hafenbauten
aus. 1714 wurde er Bergassessor und 1716 als „Kommersrat“ nach
Stockholm berufen, durch Titel und Orden geehrt und auch in den

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[22/0036] Litteratur im 18. Jahrhundert. vor Swedenborg, in Wisby geboren. Er war der Enkel eines deutsch-ungarischen Edelmannes, der wegen seiner Religion sein Vaterland hatte verlassen müssen. Von seinem 12. Jahre an war er gezwungen, für seinen Unterhalt zu sorgen und that dies durch Ab- schreiben. Später wurde er Rechner bei verschiedenen Groſsgrund- besitzern. Neben seinem Broterwerb beschäftigte er sich von Jugend an damit, Maschinen zu entwerfen und auszuführen, wofür er ein an- geborenes Genie besaſs, denn er brachte mehrere Maschinen eigener Erfindung zu Stande, ohne noch irgend welche Kenntnis der Mathe- matik und Mechanik zu besitzen. Der Wunsch, sich mit diesen ver- traut zu machen, führte ihn dazu ohne fremde Hülfe Lateinisch zu lernen und seiner Energie, die vor keiner Schwierigkeit zurück- schreckte, gelang dies auch. 1686 begann er auf der Universität Upsala Mathematik zu studieren, ohne seine mechanischen Arbeiten liegen zu lassen. 1686 zog er zuerst die allgemeine Aufmerksamkeit dadurch auf sich, daſs er die groſse Uhr der Domkirche von Upsala wieder in Stand setzte, nachdem alle Uhrmacher Schwedens dies für unmöglich erklärt hatten. Zwei Jahre später erfand er eine sehr bequeme Erzfördermaschine, wofür ihm von der Regierung ein Jahres- gehalt von 500 Thalern ausgesetzt wurde. 1693 wurde er Berg- mechanikus in Fahlun. Danach begab er sich auf Reisen und kam 1695 nach Paris, wo er zwei Jahre blieb. Dort fertigte er unter anderem den Entwurf zu einer höchst komplizierten Uhr, welche die französische Regierung ausführen lieſs und dem Sultan der Türkei zum Geschenk machte. 1697 nach Schweden zurückgekehrt, erhielt er eine Anstellung im Bergkollegium und führte nun viele mecha- nische Verbesserungen beim Bergbau und in anderen Industrieen ein. Zu Anfang des 18. Jahrhunderts gründete er eine Fabrik in Stiern- sund zur Herstellung von Metallwaren. Er schrieb darüber in seinem patriotischen Testament (1746): „Da ich vor einigen und 40 Jahren mit den Stiernsundschen Manufakturen den Anfang machte, bestand dieser Ort nur aus Felsen, auf welchen kaum eine Ziege ihre Nahrung haben konnte, gegenwärtig finden nicht nur einige hundert Menschen ihren Unterhalt von allerlei Eisen und Stahlmanufakturwaren, sondern man kann sogar alles, was in Eisen, Stahl, Kupfer, Messing, Zinn und Blei verlangt wird, machen“. Auſserdem führte er im Auftrage der Regierung groſse Ingenieur- arbeiten, als Anlagen von Dämmen, Kanälen, Docks- und Hafenbauten aus. 1714 wurde er Bergassessor und 1716 als „Kommersrat“ nach Stockholm berufen, durch Titel und Orden geehrt und auch in den

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Zitationshilfe: Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 3: Das XVIII. Jahrhundert. Braunschweig, 1897, S. 22. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/beck_eisen03_1897/36>, abgerufen am 16.04.2024.