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Allgemeine Zeitung. Nr. 141. Augsburg, 20. Mai 1840.

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Augsburger Allgemeine Zeitung.
Mit allerhöchsten Privilegien.
Mittwoch
Nr. 141.
20 Mai 1840.

Spanien.

Die Versuche, den Bürgerkrieg in den Nordprovinzen aufs neue zu entflammen, sind, wie ich Ihnen bereits neulich andeutete, vollkommen mißlungen, und nicht weniger an dem Willen der Einwohner selbst, als an den kräftigen Maaßregeln der Behörden gescheitert. Der General Rivero meldet aus Pamplona den 4, daß keine einzige der Banden, welche in Navarra eingefallen waren, mehr existire, und schickt ein Verzeichniß der bereits erschossenen Rebellen ein. Der Hauptanführer derselben, der Abt von Lecumberry, und dessen Adjutant Alzate, wurden am 3 von den Einwohnern des Landes selbst getödtet. - Espartero zeigt aus Monroyo den 3 an, daß der Krieg in Aragon mit raschen Schritten sich seinem Ende nähere; am 3 stellten sich in Monroyo allein 50 Carlisten, und bei dem General Ayerve in el Horcajo deren 200 ein, die zu der Besatzung von Morella gehörten; 40 andere desertirten aus Cantavieja. Am 2 nahm der General Aspiroz das Fort von Alpuente ein; die aus 21 Officieren und 222 Soldaten bestehende Besatzung ergab sich gegen Zugeständniß des Lebens. Cabrera traf am 30 in einem leichten Wagen, escortirt von 2000 Mann, in Ulldecona ein. Espartero denkt bis Ende Junius in Besitz von Morella zu seyn, und um die Mitte Julius Berga in Catalonien anzugreifen. - Vorgestern ermächtigte der Congreß einstimmig die Regierung, die Steuern fortwährend bis zur Discussion des Budgets zu erheben; durch diese Befugniß gewinnt die Regierung an Festigkeit, und es erhellt zugleich, daß alle Anstrengungen der Opposition vergeblich sind. Man schritt darauf wieder zu der Discussion der Anklage Toreno's; diese wurde, sowohl von dem Grafen selbst, als auch von seinen Gegnern in gemäßigterem Ton als bisher fortgesetzt, und endlich durch die einstimmige Erklärung des Congresses beendigt, daß die Ernennung dieser Commission, welche der Graf Toreno beantragt habe, nicht stattfinden könne.

Das Fort von Alpuente hat am 2 an den General Franc. Aspiroz im Augenblick, wo nach gelungener Sprengung einer Mine der Sturm beginnen sollte, capitulirt. Der Commandant, 21 Officiere, 222 Soldaten, 3 Stück Geschütz, 250 Gewehre und bedeutende Vorräthe an Lebensmitteln und Kriegsbedarf fielen in die Hände der Sieger. Die Einnahme von Alpuente, ungemein fest durch seine Lage, ist von Wichtigkeit durch den Eindruck, den sie auf die Bevölkerung der Umgegend hervorbringen wird. - Die Flucht Cabrera's nach Cherta bestätigt sich; er war am 26 April todkrank und von 100 Reitern geleitet, daselbst angekommen. Man glaubte, er werde von da den Weg nach Valdevivas einschlagen. Seine Schwestern und die vornehmsten Personen seiner bisherigen Umgebung trafen am 3 d. über Flix und Organna in Baga ein, von wo sie die französische Gränze zu erreichen suchen. Vier Carlistische Bataillone und 100 Reiter haben Auftrag, ihre Flucht zu decken, und zugleich die Ebene der Cerdanna auszubeuten, wohin sie über Valdevivas und von Baga aus vorgedrungen sind. Schon flüchten bei ihrer Annäherung die Einwohner mit ihren Heerden und ihrer Habe über die Gränze. Die Unthätigkeit der zahlreichen Besatzung von Puycerda, die allein hinreichend wäre, um das Land von diesen Banden zu säubern, ist unter diesen Umständen schwer zu begreifen. Dreihundert andere mehr oder weniger compromittirte Anhänger Cabrera's sollen sich noch zu Prats de Llusanes, Perafite und Alpens befinden, wo Borjo mit 5 Bataillonen und 300 Reitern steht. - Van Halen war den 5 Mai wieder in Barcelona zurück, wo er mit Jubel empfangen wurde. - Ein Verwandter des Pfarrers Legarra ist am 8, und sechs andere carlistische Officiere sind am 10 auf unsrer Gränze verhaftet, und durch Gendarmen nach Bayonne transportirt worden. Am 9 ward zu Tolosa ein Carlistischer Officier erschossen, und ein zweiter zu 10 Jahren Galeeren verurtheilt. Fünf Colonnen spanischer Truppen haben dieser Tage das Gebirge längs der Gränze durchstreift, aber ohne einem einzigen Carlisten zu begegnen. Die Soldaten wurden allenthalben von dem Landvolke mit Herzlichkeit empfangen.

Großbritannien.

Von der weitern Untersuchung des Mordes Lord William Russells wird das Nähere erst beim zweiten, auf übermorgen festgesetzten Verhör Courvoisiers bekannt werden. Einstweilen erfährt man, daß in dem Schenkzimmer, dessen Dielen und Verschläge man jetzt durchgängig aufgebrochen und durchsucht hat, mehrere andere dem Verstorbenen angehörige Kostbarkeiten gefunden worden sind. Auch soll das Bett C's. am Morgen nach dem Mord das deutliche Ansehen gehabt haben, als

Augsburger Allgemeine Zeitung.
Mit allerhöchsten Privilegien.
Mittwoch
Nr. 141.
20 Mai 1840.

Spanien.

Die Versuche, den Bürgerkrieg in den Nordprovinzen aufs neue zu entflammen, sind, wie ich Ihnen bereits neulich andeutete, vollkommen mißlungen, und nicht weniger an dem Willen der Einwohner selbst, als an den kräftigen Maaßregeln der Behörden gescheitert. Der General Rivero meldet aus Pamplona den 4, daß keine einzige der Banden, welche in Navarra eingefallen waren, mehr existire, und schickt ein Verzeichniß der bereits erschossenen Rebellen ein. Der Hauptanführer derselben, der Abt von Lecumberry, und dessen Adjutant Alzate, wurden am 3 von den Einwohnern des Landes selbst getödtet. – Espartero zeigt aus Monroyo den 3 an, daß der Krieg in Aragon mit raschen Schritten sich seinem Ende nähere; am 3 stellten sich in Monroyo allein 50 Carlisten, und bei dem General Ayerve in el Horcajo deren 200 ein, die zu der Besatzung von Morella gehörten; 40 andere desertirten aus Cantavieja. Am 2 nahm der General Aspiroz das Fort von Alpuente ein; die aus 21 Officieren und 222 Soldaten bestehende Besatzung ergab sich gegen Zugeständniß des Lebens. Cabrera traf am 30 in einem leichten Wagen, escortirt von 2000 Mann, in Ulldecona ein. Espartero denkt bis Ende Junius in Besitz von Morella zu seyn, und um die Mitte Julius Berga in Catalonien anzugreifen. – Vorgestern ermächtigte der Congreß einstimmig die Regierung, die Steuern fortwährend bis zur Discussion des Budgets zu erheben; durch diese Befugniß gewinnt die Regierung an Festigkeit, und es erhellt zugleich, daß alle Anstrengungen der Opposition vergeblich sind. Man schritt darauf wieder zu der Discussion der Anklage Toreno's; diese wurde, sowohl von dem Grafen selbst, als auch von seinen Gegnern in gemäßigterem Ton als bisher fortgesetzt, und endlich durch die einstimmige Erklärung des Congresses beendigt, daß die Ernennung dieser Commission, welche der Graf Toreno beantragt habe, nicht stattfinden könne.

Das Fort von Alpuente hat am 2 an den General Franc. Aspiroz im Augenblick, wo nach gelungener Sprengung einer Mine der Sturm beginnen sollte, capitulirt. Der Commandant, 21 Officiere, 222 Soldaten, 3 Stück Geschütz, 250 Gewehre und bedeutende Vorräthe an Lebensmitteln und Kriegsbedarf fielen in die Hände der Sieger. Die Einnahme von Alpuente, ungemein fest durch seine Lage, ist von Wichtigkeit durch den Eindruck, den sie auf die Bevölkerung der Umgegend hervorbringen wird. – Die Flucht Cabrera's nach Cherta bestätigt sich; er war am 26 April todkrank und von 100 Reitern geleitet, daselbst angekommen. Man glaubte, er werde von da den Weg nach Valdevivas einschlagen. Seine Schwestern und die vornehmsten Personen seiner bisherigen Umgebung trafen am 3 d. über Flix und Orgaña in Baga ein, von wo sie die französische Gränze zu erreichen suchen. Vier Carlistische Bataillone und 100 Reiter haben Auftrag, ihre Flucht zu decken, und zugleich die Ebene der Cerdaña auszubeuten, wohin sie über Valdevivas und von Baga aus vorgedrungen sind. Schon flüchten bei ihrer Annäherung die Einwohner mit ihren Heerden und ihrer Habe über die Gränze. Die Unthätigkeit der zahlreichen Besatzung von Puycerda, die allein hinreichend wäre, um das Land von diesen Banden zu säubern, ist unter diesen Umständen schwer zu begreifen. Dreihundert andere mehr oder weniger compromittirte Anhänger Cabrera's sollen sich noch zu Prats de Llusanes, Perafite und Alpens befinden, wo Borjo mit 5 Bataillonen und 300 Reitern steht. – Van Halen war den 5 Mai wieder in Barcelona zurück, wo er mit Jubel empfangen wurde. – Ein Verwandter des Pfarrers Legarra ist am 8, und sechs andere carlistische Officiere sind am 10 auf unsrer Gränze verhaftet, und durch Gendarmen nach Bayonne transportirt worden. Am 9 ward zu Tolosa ein Carlistischer Officier erschossen, und ein zweiter zu 10 Jahren Galeeren verurtheilt. Fünf Colonnen spanischer Truppen haben dieser Tage das Gebirge längs der Gränze durchstreift, aber ohne einem einzigen Carlisten zu begegnen. Die Soldaten wurden allenthalben von dem Landvolke mit Herzlichkeit empfangen.

Großbritannien.

Von der weitern Untersuchung des Mordes Lord William Russells wird das Nähere erst beim zweiten, auf übermorgen festgesetzten Verhör Courvoisiers bekannt werden. Einstweilen erfährt man, daß in dem Schenkzimmer, dessen Dielen und Verschläge man jetzt durchgängig aufgebrochen und durchsucht hat, mehrere andere dem Verstorbenen angehörige Kostbarkeiten gefunden worden sind. Auch soll das Bett C's. am Morgen nach dem Mord das deutliche Ansehen gehabt haben, als

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[1121/0001] Augsburger Allgemeine Zeitung. Mit allerhöchsten Privilegien. Mittwoch Nr. 141. 20 Mai 1840. Spanien. _ Madrid, 8 Mai. Die Versuche, den Bürgerkrieg in den Nordprovinzen aufs neue zu entflammen, sind, wie ich Ihnen bereits neulich andeutete, vollkommen mißlungen, und nicht weniger an dem Willen der Einwohner selbst, als an den kräftigen Maaßregeln der Behörden gescheitert. Der General Rivero meldet aus Pamplona den 4, daß keine einzige der Banden, welche in Navarra eingefallen waren, mehr existire, und schickt ein Verzeichniß der bereits erschossenen Rebellen ein. Der Hauptanführer derselben, der Abt von Lecumberry, und dessen Adjutant Alzate, wurden am 3 von den Einwohnern des Landes selbst getödtet. – Espartero zeigt aus Monroyo den 3 an, daß der Krieg in Aragon mit raschen Schritten sich seinem Ende nähere; am 3 stellten sich in Monroyo allein 50 Carlisten, und bei dem General Ayerve in el Horcajo deren 200 ein, die zu der Besatzung von Morella gehörten; 40 andere desertirten aus Cantavieja. Am 2 nahm der General Aspiroz das Fort von Alpuente ein; die aus 21 Officieren und 222 Soldaten bestehende Besatzung ergab sich gegen Zugeständniß des Lebens. Cabrera traf am 30 in einem leichten Wagen, escortirt von 2000 Mann, in Ulldecona ein. Espartero denkt bis Ende Junius in Besitz von Morella zu seyn, und um die Mitte Julius Berga in Catalonien anzugreifen. – Vorgestern ermächtigte der Congreß einstimmig die Regierung, die Steuern fortwährend bis zur Discussion des Budgets zu erheben; durch diese Befugniß gewinnt die Regierung an Festigkeit, und es erhellt zugleich, daß alle Anstrengungen der Opposition vergeblich sind. Man schritt darauf wieder zu der Discussion der Anklage Toreno's; diese wurde, sowohl von dem Grafen selbst, als auch von seinen Gegnern in gemäßigterem Ton als bisher fortgesetzt, und endlich durch die einstimmige Erklärung des Congresses beendigt, daß die Ernennung dieser Commission, welche der Graf Toreno beantragt habe, nicht stattfinden könne. _ Bordeaux, 13 Mai. Das Fort von Alpuente hat am 2 an den General Franc. Aspiroz im Augenblick, wo nach gelungener Sprengung einer Mine der Sturm beginnen sollte, capitulirt. Der Commandant, 21 Officiere, 222 Soldaten, 3 Stück Geschütz, 250 Gewehre und bedeutende Vorräthe an Lebensmitteln und Kriegsbedarf fielen in die Hände der Sieger. Die Einnahme von Alpuente, ungemein fest durch seine Lage, ist von Wichtigkeit durch den Eindruck, den sie auf die Bevölkerung der Umgegend hervorbringen wird. – Die Flucht Cabrera's nach Cherta bestätigt sich; er war am 26 April todkrank und von 100 Reitern geleitet, daselbst angekommen. Man glaubte, er werde von da den Weg nach Valdevivas einschlagen. Seine Schwestern und die vornehmsten Personen seiner bisherigen Umgebung trafen am 3 d. über Flix und Orgaña in Baga ein, von wo sie die französische Gränze zu erreichen suchen. Vier Carlistische Bataillone und 100 Reiter haben Auftrag, ihre Flucht zu decken, und zugleich die Ebene der Cerdaña auszubeuten, wohin sie über Valdevivas und von Baga aus vorgedrungen sind. Schon flüchten bei ihrer Annäherung die Einwohner mit ihren Heerden und ihrer Habe über die Gränze. Die Unthätigkeit der zahlreichen Besatzung von Puycerda, die allein hinreichend wäre, um das Land von diesen Banden zu säubern, ist unter diesen Umständen schwer zu begreifen. Dreihundert andere mehr oder weniger compromittirte Anhänger Cabrera's sollen sich noch zu Prats de Llusanes, Perafite und Alpens befinden, wo Borjo mit 5 Bataillonen und 300 Reitern steht. – Van Halen war den 5 Mai wieder in Barcelona zurück, wo er mit Jubel empfangen wurde. – Ein Verwandter des Pfarrers Legarra ist am 8, und sechs andere carlistische Officiere sind am 10 auf unsrer Gränze verhaftet, und durch Gendarmen nach Bayonne transportirt worden. Am 9 ward zu Tolosa ein Carlistischer Officier erschossen, und ein zweiter zu 10 Jahren Galeeren verurtheilt. Fünf Colonnen spanischer Truppen haben dieser Tage das Gebirge längs der Gränze durchstreift, aber ohne einem einzigen Carlisten zu begegnen. Die Soldaten wurden allenthalben von dem Landvolke mit Herzlichkeit empfangen. Großbritannien. _ London, 13 Mai. Von der weitern Untersuchung des Mordes Lord William Russells wird das Nähere erst beim zweiten, auf übermorgen festgesetzten Verhör Courvoisiers bekannt werden. Einstweilen erfährt man, daß in dem Schenkzimmer, dessen Dielen und Verschläge man jetzt durchgängig aufgebrochen und durchsucht hat, mehrere andere dem Verstorbenen angehörige Kostbarkeiten gefunden worden sind. Auch soll das Bett C's. am Morgen nach dem Mord das deutliche Ansehen gehabt haben, als

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Zitationshilfe: Allgemeine Zeitung. Nr. 141. Augsburg, 20. Mai 1840, S. 1121. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/augsburgerallgemeine_141_18400520/1>, abgerufen am 14.08.2022.