Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Allgemeine Zeitung. Nr. 137. Augsburg, 16. Mai 1840.

Bild:
<< vorherige Seite

den 31 d. M. angemeldet. Der Kaiser wird seine erlauchte Gemahlin nicht, wie es anfangs hieß, nach Deutschland begleiten, sondern nur bis Warschau die Reise mit ihr zusammen machen, dann aber sich in die innern Provinzen des Kaiserreichs zurückbegeben, um die dort stationirten Truppen, wahrscheinlich auch die Südarmee, zu inspiciren. Hier in Posen dürfte die Kaiserin von ihrem erlauchten Bruder, dem Prinzen Wilhelm, der dem Vernehmen nach schon einige Tage früher zur Inspection des hier unter dem Commando des Generals der Infanterie, v. Grolman, stationirten fünften Armeecorps hier eintreffen soll, empfangen werden. - Von einem Immediatgesuche, welches Hr. v. Dunin von Colberg aus neuerdings an Se. Maj. den König gerichtet haben soll, wie mehrere Zeitungen gemeldet, weiß man hier durchaus nichts; ebenso ist es eine reine Mystification, wenn jene Blätter eine aus zwölf Schulzen bestehende Bauerndeputation, nach Präcedenz der Adels- und Bürgerdeputation, nach der Residenz ziehen lassen, um die Freigebung des Hrn. Erzbischofs zu erbitten. In unserer kirchlichen Angelegenheit hat sich seit längerer Zeit überhaupt gar nichts geändert, und der status quo dauert in seitheriger Weise fort. Man hat sich auch bereits von allen Seiten hineingefunden, und so ist die Sache allmählich zur Gewohnheit geworden. Mitunter versucht man zwar, neue Gerüchte in Curs zu setzen, doch erweisen sich diese immer als haltlos und können höchstens auf ein paar Tage die Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen. - Die hiesige Regierung hat ganz kürzlich einen herben Verlust durch den ganz unerwartet und plötzlich erfolgten Tod des geheimen Oberregierungsraths und Regierungspräsidenten Leo erlitten, eines bewährten Geschäftsmannes, der auch im großen Befreiungskampfe mitgefochten und sich das eiserne Kreuz errungen hatte.

Rußland.

Der Univers behauptet nach einem Schreiben aus Rom, daß der Papst dem durch den Kaiser von Rußland zum Erzbischof von Mohilew und Metropoliten der katholischen Kirche in Rußland erwählten Ignaz Pawlowski die canonische Bestätigung verweigert habe.

Oesterreich.

Heute um Mittag sind Se. Maj. der Kaiser und Se. Durchl. der Staatskanzler, Fürst v. Metternich nach Preßburg abgereist, wo morgen der Landtagsschluß stattfindet. Se. kais. Hoh. der Erzherzog Karl, im Begriff eine Besuchsreise nach seinen Besitzungen in Ungarn zu unternehmen, ist heute früh mit dem Dampfschiff ebenfalls nach Preßburg abgegangen. - Der Landtag ist fortwährend in angestrengter Thätigkeit. In der gestern (Sonntag) gehaltenen Sitzung wurde zu allgemeiner freudiger Ueberraschung schon die königliche Resolution auf den von der Magnatentafel bekanntlich modificirten Gesetzesentwurf, die Emancipation der Israeliten in Ungarn betreffend, verlesen; es enthält dieselbe weitere Modificationen und ist folgenden wesentlichen Inhalts: "Daß es den Juden erlaubt seyn solle, auch in den königlichen Freistädten so wie an andern Orten im Königreiche zu domiciliren; nur die königlichen Bergstädte bleiben ausgenommen; daß ferner die Israeliten in Ungarn in die Gewerbsinnungen aufgenommen werden und diese Gewerbe gesetzlich ausüben dürfen, wobei sie sich aber über die Erlernung sowohl, als über Moralität und entsprechendes Vermögen auszuweisen haben; Grundbesitz in Pacht zu nehmen soll ihnen aller Orts in Ungarn unverwehrt bleiben; was jedoch den Ankauf von Häusern und Gütern betrifft, so behält die Regierung einer spätern Resolution die dießfällige Entscheidung vor, indem sie die betreffenden ungarischen Landesstellen vorerst darüber einzuvernehmen und deren Gutachten einzuholen erachtet." - In dieser allerhöchsten Entschließung erblickt man mit Freuden ebensowohl eine Anerkennung des Princips des menschenfreundlichen Entwurfes als eine Würdigung der billigen Wünsche des Landes und seiner Vertreter. Es ist damit ein Anfang gemacht, bei dem man gewiß nicht stehen bleiben wird; zufrieden und vertrauensvoll wird darum das Gebotene gewiß dankbare Annahme finden. (Ich kann bei diesem Anlasse nicht umhin, auf die Prophezeiung Ihres Pesther Correspondenten, der eine Verwerfung von Seite der Magnaten, noch sicherer aber von Seite der Krone mit Bestimmtheit ankündigte, zurückzuweisen.) - Zu Mitte dieses Monats erwartet man hier auf der Durchreise von Görz nach Kirchberg die königliche Familie des ältern Zweiges der Bourbons. - Der k. sicilianische Gesandte am hiesigen Hofe, Marquis Gagliati, ist der von seinem Hof erhaltenen Weisung gemäß schon vorgestern eiligst von hier abgegangen. - Aus Konstantinopel bringt die heute hier eingetroffene Post keine wichtige Neuigkeit. Im Stande der Politik hatte sich durchaus keine Veränderung ergeben. Auf Seite der Pforte bemerkte man fortdauernde Zweifel und Unentschlossenheit, obgleich die Repräsentanten der Großmächte, mit Ausnahme des Hrn. v. Pontois, keine Ermahnung sparten, fest bei ihrem einmal gefaßten Entschlusse zu verharren, den Mächten die Lösung der ägyptischen Frage zu überlassen.

Türkei.

Se. k. Hoh. der Prinz Heinrich von Oranien hatte am 25 eine Audienz bei Sr. Hoh. dem Sultan. An demselben Tage empfing dieser Monarch in einer Privataudienz den hier durchreisenden Duc de Maille, und sodann den Deputirten des Fürsten von Serbien, den Logothet Aristarchi, den Redacteur des Moniteur Ottoman, Hrn. Franceschi und den Bankier der Pforte, Hrn. Alleon. - Seit einiger Zeit hat sich in den Vorstädten Pera und Galata ein Wohlthätigkeitsverein gebildet, dessen Zweck ist, der nothleidenden Classe zu Hülfe zu kommen. Dieser aus den vorzüglichsten katholischen Mitgliedern der hiesigen fränkischen Colonie zusammengesetzte Verein hat neuerlich außerhalb Pera einige Grundstücke angekauft, welche zum Bau eines Spitals und Armeninstituts verwendet werden sollen. Als hiezu die Erlaubniß des Sultans eingeholt wurde, hat Se. Hoh. nicht nur dieselbe sogleich zu ertheilen, sondern noch überdieß mit der Summe von 10,000 Piastern zu den menschenfreundlichen Zwecken dieser Anstalt beizusteuern geruht. - Den neuesten Berichten aus Salonich zufolge war daselbst ein Kauffahrteischiff von Alexandria angelangt, welches mehrere Pestkranke an Bord hatte; die dortige Contumaz ergriff sogleich die nöthigen Maaßregeln, um der Ausbreitung der Seuche vorzubeugen und zwar mit dem besten Erfolge, indem dieses Ereigniß nicht den geringsten Einfluß auf den Gesundheitszustand jener Stadt ausübte. Eben so werden die Quarantänemaaßregeln in Smyrna und hier mit vieler Strenge und Genauigkeit gehandhabt, was bis jetzt von den heilsamsten Folgen war, und ohne Zweifel die Landesbehörden aufmuntern wird, auf der eingeschlagenen Bahn mit Beharrlichkeit fortzuschreiten. Der öffentliche Gesundheitsstand in dieser Hauptstadt ist fortwährend befriedigend.

China.

Das Journal des Debats enthält einen längern Artikel über den Opiumstreit zwischen England und China. Es handle sich, meint der Verfasser, für England um etwas weit

den 31 d. M. angemeldet. Der Kaiser wird seine erlauchte Gemahlin nicht, wie es anfangs hieß, nach Deutschland begleiten, sondern nur bis Warschau die Reise mit ihr zusammen machen, dann aber sich in die innern Provinzen des Kaiserreichs zurückbegeben, um die dort stationirten Truppen, wahrscheinlich auch die Südarmee, zu inspiciren. Hier in Posen dürfte die Kaiserin von ihrem erlauchten Bruder, dem Prinzen Wilhelm, der dem Vernehmen nach schon einige Tage früher zur Inspection des hier unter dem Commando des Generals der Infanterie, v. Grolman, stationirten fünften Armeecorps hier eintreffen soll, empfangen werden. – Von einem Immediatgesuche, welches Hr. v. Dunin von Colberg aus neuerdings an Se. Maj. den König gerichtet haben soll, wie mehrere Zeitungen gemeldet, weiß man hier durchaus nichts; ebenso ist es eine reine Mystification, wenn jene Blätter eine aus zwölf Schulzen bestehende Bauerndeputation, nach Präcedenz der Adels- und Bürgerdeputation, nach der Residenz ziehen lassen, um die Freigebung des Hrn. Erzbischofs zu erbitten. In unserer kirchlichen Angelegenheit hat sich seit längerer Zeit überhaupt gar nichts geändert, und der status quo dauert in seitheriger Weise fort. Man hat sich auch bereits von allen Seiten hineingefunden, und so ist die Sache allmählich zur Gewohnheit geworden. Mitunter versucht man zwar, neue Gerüchte in Curs zu setzen, doch erweisen sich diese immer als haltlos und können höchstens auf ein paar Tage die Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen. – Die hiesige Regierung hat ganz kürzlich einen herben Verlust durch den ganz unerwartet und plötzlich erfolgten Tod des geheimen Oberregierungsraths und Regierungspräsidenten Leo erlitten, eines bewährten Geschäftsmannes, der auch im großen Befreiungskampfe mitgefochten und sich das eiserne Kreuz errungen hatte.

Rußland.

Der Univers behauptet nach einem Schreiben aus Rom, daß der Papst dem durch den Kaiser von Rußland zum Erzbischof von Mohilew und Metropoliten der katholischen Kirche in Rußland erwählten Ignaz Pawlowski die canonische Bestätigung verweigert habe.

Oesterreich.

Heute um Mittag sind Se. Maj. der Kaiser und Se. Durchl. der Staatskanzler, Fürst v. Metternich nach Preßburg abgereist, wo morgen der Landtagsschluß stattfindet. Se. kais. Hoh. der Erzherzog Karl, im Begriff eine Besuchsreise nach seinen Besitzungen in Ungarn zu unternehmen, ist heute früh mit dem Dampfschiff ebenfalls nach Preßburg abgegangen. – Der Landtag ist fortwährend in angestrengter Thätigkeit. In der gestern (Sonntag) gehaltenen Sitzung wurde zu allgemeiner freudiger Ueberraschung schon die königliche Resolution auf den von der Magnatentafel bekanntlich modificirten Gesetzesentwurf, die Emancipation der Israeliten in Ungarn betreffend, verlesen; es enthält dieselbe weitere Modificationen und ist folgenden wesentlichen Inhalts: „Daß es den Juden erlaubt seyn solle, auch in den königlichen Freistädten so wie an andern Orten im Königreiche zu domiciliren; nur die königlichen Bergstädte bleiben ausgenommen; daß ferner die Israeliten in Ungarn in die Gewerbsinnungen aufgenommen werden und diese Gewerbe gesetzlich ausüben dürfen, wobei sie sich aber über die Erlernung sowohl, als über Moralität und entsprechendes Vermögen auszuweisen haben; Grundbesitz in Pacht zu nehmen soll ihnen aller Orts in Ungarn unverwehrt bleiben; was jedoch den Ankauf von Häusern und Gütern betrifft, so behält die Regierung einer spätern Resolution die dießfällige Entscheidung vor, indem sie die betreffenden ungarischen Landesstellen vorerst darüber einzuvernehmen und deren Gutachten einzuholen erachtet.“ – In dieser allerhöchsten Entschließung erblickt man mit Freuden ebensowohl eine Anerkennung des Princips des menschenfreundlichen Entwurfes als eine Würdigung der billigen Wünsche des Landes und seiner Vertreter. Es ist damit ein Anfang gemacht, bei dem man gewiß nicht stehen bleiben wird; zufrieden und vertrauensvoll wird darum das Gebotene gewiß dankbare Annahme finden. (Ich kann bei diesem Anlasse nicht umhin, auf die Prophezeiung Ihres Pesther Correspondenten, der eine Verwerfung von Seite der Magnaten, noch sicherer aber von Seite der Krone mit Bestimmtheit ankündigte, zurückzuweisen.) – Zu Mitte dieses Monats erwartet man hier auf der Durchreise von Görz nach Kirchberg die königliche Familie des ältern Zweiges der Bourbons. – Der k. sicilianische Gesandte am hiesigen Hofe, Marquis Gagliati, ist der von seinem Hof erhaltenen Weisung gemäß schon vorgestern eiligst von hier abgegangen. – Aus Konstantinopel bringt die heute hier eingetroffene Post keine wichtige Neuigkeit. Im Stande der Politik hatte sich durchaus keine Veränderung ergeben. Auf Seite der Pforte bemerkte man fortdauernde Zweifel und Unentschlossenheit, obgleich die Repräsentanten der Großmächte, mit Ausnahme des Hrn. v. Pontois, keine Ermahnung sparten, fest bei ihrem einmal gefaßten Entschlusse zu verharren, den Mächten die Lösung der ägyptischen Frage zu überlassen.

Türkei.

Se. k. Hoh. der Prinz Heinrich von Oranien hatte am 25 eine Audienz bei Sr. Hoh. dem Sultan. An demselben Tage empfing dieser Monarch in einer Privataudienz den hier durchreisenden Duc de Maillé, und sodann den Deputirten des Fürsten von Serbien, den Logothet Aristarchi, den Redacteur des Moniteur Ottoman, Hrn. Franceschi und den Bankier der Pforte, Hrn. Alléon. – Seit einiger Zeit hat sich in den Vorstädten Pera und Galata ein Wohlthätigkeitsverein gebildet, dessen Zweck ist, der nothleidenden Classe zu Hülfe zu kommen. Dieser aus den vorzüglichsten katholischen Mitgliedern der hiesigen fränkischen Colonie zusammengesetzte Verein hat neuerlich außerhalb Pera einige Grundstücke angekauft, welche zum Bau eines Spitals und Armeninstituts verwendet werden sollen. Als hiezu die Erlaubniß des Sultans eingeholt wurde, hat Se. Hoh. nicht nur dieselbe sogleich zu ertheilen, sondern noch überdieß mit der Summe von 10,000 Piastern zu den menschenfreundlichen Zwecken dieser Anstalt beizusteuern geruht. – Den neuesten Berichten aus Salonich zufolge war daselbst ein Kauffahrteischiff von Alexandria angelangt, welches mehrere Pestkranke an Bord hatte; die dortige Contumaz ergriff sogleich die nöthigen Maaßregeln, um der Ausbreitung der Seuche vorzubeugen und zwar mit dem besten Erfolge, indem dieses Ereigniß nicht den geringsten Einfluß auf den Gesundheitszustand jener Stadt ausübte. Eben so werden die Quarantänemaaßregeln in Smyrna und hier mit vieler Strenge und Genauigkeit gehandhabt, was bis jetzt von den heilsamsten Folgen war, und ohne Zweifel die Landesbehörden aufmuntern wird, auf der eingeschlagenen Bahn mit Beharrlichkeit fortzuschreiten. Der öffentliche Gesundheitsstand in dieser Hauptstadt ist fortwährend befriedigend.

China.

Das Journal des Débats enthält einen längern Artikel über den Opiumstreit zwischen England und China. Es handle sich, meint der Verfasser, für England um etwas weit

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div type="jArticle" n="2">
          <p><pb facs="#f0007" n="1095"/>
den 31 d. M. angemeldet. Der Kaiser wird seine erlauchte Gemahlin nicht, wie es anfangs hieß, nach Deutschland begleiten, sondern nur bis Warschau die Reise mit ihr zusammen machen, dann aber sich in die innern Provinzen des Kaiserreichs zurückbegeben, um die dort stationirten Truppen, wahrscheinlich auch die Südarmee, zu inspiciren. Hier in Posen dürfte die Kaiserin von ihrem erlauchten Bruder, dem Prinzen Wilhelm, der dem Vernehmen nach schon einige Tage früher zur Inspection des hier unter dem Commando des Generals der Infanterie, v. Grolman, stationirten fünften Armeecorps hier eintreffen soll, empfangen werden. &#x2013; Von einem Immediatgesuche, welches Hr. v. Dunin von Colberg aus neuerdings an Se. Maj. den König gerichtet haben soll, wie mehrere Zeitungen gemeldet, weiß man hier durchaus nichts; ebenso ist es eine reine Mystification, wenn jene Blätter eine aus zwölf Schulzen bestehende Bauerndeputation, nach Präcedenz der Adels- und Bürgerdeputation, nach der Residenz ziehen lassen, um die Freigebung des Hrn. Erzbischofs zu erbitten. In unserer kirchlichen Angelegenheit hat sich seit längerer Zeit überhaupt gar nichts geändert, und der status quo dauert in seitheriger Weise fort. Man hat sich auch bereits von allen Seiten hineingefunden, und so ist die Sache allmählich zur Gewohnheit geworden. Mitunter versucht man zwar, neue Gerüchte in Curs zu setzen, doch erweisen sich diese immer als haltlos und können höchstens auf ein paar Tage die Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen. &#x2013; Die hiesige Regierung hat ganz kürzlich einen herben Verlust durch den ganz unerwartet und plötzlich erfolgten Tod des geheimen Oberregierungsraths und Regierungspräsidenten Leo erlitten, eines bewährten Geschäftsmannes, der auch im großen Befreiungskampfe mitgefochten und sich das eiserne Kreuz errungen hatte.</p>
        </div>
      </div><lb/>
      <div n="1">
        <head> <hi rendition="#b">Rußland.</hi> </head><lb/>
        <p>Der <hi rendition="#g">Univers</hi> behauptet nach einem Schreiben aus <hi rendition="#b">Rom,</hi> daß der Papst dem durch den Kaiser von Rußland zum Erzbischof von Mohilew und Metropoliten der katholischen Kirche in Rußland erwählten Ignaz Pawlowski die canonische Bestätigung verweigert habe.</p><lb/>
      </div><lb/>
      <div n="1">
        <head> <hi rendition="#b">Oesterreich.</hi> </head><lb/>
        <div type="jArticle" n="2">
          <byline>
            <docAuthor>
              <gap reason="insignificant"/>
            </docAuthor>
          </byline>
          <dateline><hi rendition="#b">Wien,</hi> 11 Mai.</dateline>
          <p> Heute um Mittag sind Se. Maj. der Kaiser und Se. Durchl. der Staatskanzler, Fürst v. Metternich nach Preßburg abgereist, wo morgen der Landtagsschluß stattfindet. Se. kais. Hoh. der Erzherzog Karl, im Begriff eine Besuchsreise nach seinen Besitzungen in Ungarn zu unternehmen, ist heute früh mit dem Dampfschiff ebenfalls nach Preßburg abgegangen. &#x2013; Der Landtag ist fortwährend in angestrengter Thätigkeit. In der gestern (Sonntag) gehaltenen Sitzung wurde zu allgemeiner freudiger Ueberraschung schon die königliche Resolution auf den von der Magnatentafel bekanntlich modificirten Gesetzesentwurf, die Emancipation der Israeliten in Ungarn betreffend, verlesen; es enthält dieselbe weitere Modificationen und ist folgenden wesentlichen Inhalts: &#x201E;Daß es den Juden erlaubt seyn solle, auch in den königlichen Freistädten so wie an andern Orten im Königreiche zu domiciliren; nur die königlichen Bergstädte bleiben ausgenommen; daß ferner die Israeliten in Ungarn in die Gewerbsinnungen aufgenommen werden und diese Gewerbe gesetzlich ausüben dürfen, wobei sie sich aber über die Erlernung sowohl, als über Moralität und entsprechendes Vermögen auszuweisen haben; Grundbesitz in <hi rendition="#g">Pacht</hi> zu nehmen soll ihnen aller Orts in Ungarn unverwehrt bleiben; was jedoch den <hi rendition="#g">Ankauf</hi> von Häusern und Gütern betrifft, so behält die Regierung einer spätern Resolution die dießfällige Entscheidung vor, indem sie die betreffenden ungarischen Landesstellen vorerst darüber einzuvernehmen und deren Gutachten einzuholen erachtet.&#x201C; &#x2013; In dieser allerhöchsten Entschließung erblickt man mit Freuden ebensowohl eine Anerkennung des Princips des menschenfreundlichen Entwurfes als eine Würdigung der billigen Wünsche des Landes und seiner Vertreter. Es ist damit ein Anfang gemacht, bei dem man gewiß nicht stehen bleiben wird; zufrieden und vertrauensvoll wird darum das Gebotene gewiß dankbare Annahme finden. (Ich kann bei diesem Anlasse nicht umhin, auf die Prophezeiung Ihres Pesther Correspondenten, der eine Verwerfung von Seite der Magnaten, noch sicherer aber von Seite der Krone mit Bestimmtheit ankündigte, zurückzuweisen.) &#x2013; Zu Mitte dieses Monats erwartet man hier auf der Durchreise von Görz nach Kirchberg die königliche Familie des ältern Zweiges der Bourbons. &#x2013; Der k. sicilianische Gesandte am hiesigen Hofe, Marquis Gagliati, ist der von seinem Hof erhaltenen Weisung gemäß schon vorgestern eiligst von hier abgegangen. &#x2013; Aus Konstantinopel bringt die heute hier eingetroffene Post keine wichtige Neuigkeit. Im Stande der Politik hatte sich durchaus keine Veränderung ergeben. Auf Seite der Pforte bemerkte man fortdauernde Zweifel und Unentschlossenheit, obgleich die Repräsentanten der Großmächte, mit Ausnahme des Hrn. v. Pontois, keine Ermahnung sparten, fest bei ihrem einmal gefaßten Entschlusse zu verharren, den Mächten die Lösung der ägyptischen Frage zu überlassen.</p><lb/>
        </div>
      </div><lb/>
      <div n="1">
        <head> <hi rendition="#b">Türkei.</hi> </head><lb/>
        <div type="jArticle" n="2">
          <byline>
            <docAuthor>
              <gap reason="insignificant"/>
            </docAuthor>
          </byline>
          <dateline><hi rendition="#b">Konstantinopel,</hi> 29 April.</dateline>
          <p> Se. k. Hoh. der Prinz Heinrich von Oranien hatte am 25 eine Audienz bei Sr. Hoh. dem Sultan. An demselben Tage empfing dieser Monarch in einer Privataudienz den hier durchreisenden Duc de Maillé, und sodann den Deputirten des Fürsten von Serbien, den Logothet Aristarchi, den Redacteur des Moniteur Ottoman, Hrn. Franceschi und den Bankier der Pforte, Hrn. Alléon. &#x2013; Seit einiger Zeit hat sich in den Vorstädten Pera und Galata ein Wohlthätigkeitsverein gebildet, dessen Zweck ist, der nothleidenden Classe zu Hülfe zu kommen. Dieser aus den vorzüglichsten katholischen Mitgliedern der hiesigen fränkischen Colonie zusammengesetzte Verein hat neuerlich außerhalb Pera einige Grundstücke angekauft, welche zum Bau eines Spitals und Armeninstituts verwendet werden sollen. Als hiezu die Erlaubniß des Sultans eingeholt wurde, hat Se. Hoh. nicht nur dieselbe sogleich zu ertheilen, sondern noch überdieß mit der Summe von 10,000 Piastern zu den menschenfreundlichen Zwecken dieser Anstalt beizusteuern geruht. &#x2013; Den neuesten Berichten aus Salonich zufolge war daselbst ein Kauffahrteischiff von Alexandria angelangt, welches mehrere Pestkranke an Bord hatte; die dortige Contumaz ergriff sogleich die nöthigen Maaßregeln, um der Ausbreitung der Seuche vorzubeugen und zwar mit dem besten Erfolge, indem dieses Ereigniß nicht den geringsten Einfluß auf den Gesundheitszustand jener Stadt ausübte. Eben so werden die Quarantänemaaßregeln in Smyrna und hier mit vieler Strenge und Genauigkeit gehandhabt, was bis jetzt von den heilsamsten Folgen war, und ohne Zweifel die Landesbehörden aufmuntern wird, auf der eingeschlagenen Bahn mit Beharrlichkeit fortzuschreiten. Der öffentliche Gesundheitsstand in dieser Hauptstadt ist fortwährend befriedigend.</p>
        </div>
      </div><lb/>
      <div n="1">
        <head> <hi rendition="#b">China.</hi> </head><lb/>
        <p>Das <hi rendition="#g">Journal des Débats</hi> enthält einen längern Artikel über den Opiumstreit zwischen England und China. Es handle sich, meint der Verfasser, für England um etwas weit<lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[1095/0007] den 31 d. M. angemeldet. Der Kaiser wird seine erlauchte Gemahlin nicht, wie es anfangs hieß, nach Deutschland begleiten, sondern nur bis Warschau die Reise mit ihr zusammen machen, dann aber sich in die innern Provinzen des Kaiserreichs zurückbegeben, um die dort stationirten Truppen, wahrscheinlich auch die Südarmee, zu inspiciren. Hier in Posen dürfte die Kaiserin von ihrem erlauchten Bruder, dem Prinzen Wilhelm, der dem Vernehmen nach schon einige Tage früher zur Inspection des hier unter dem Commando des Generals der Infanterie, v. Grolman, stationirten fünften Armeecorps hier eintreffen soll, empfangen werden. – Von einem Immediatgesuche, welches Hr. v. Dunin von Colberg aus neuerdings an Se. Maj. den König gerichtet haben soll, wie mehrere Zeitungen gemeldet, weiß man hier durchaus nichts; ebenso ist es eine reine Mystification, wenn jene Blätter eine aus zwölf Schulzen bestehende Bauerndeputation, nach Präcedenz der Adels- und Bürgerdeputation, nach der Residenz ziehen lassen, um die Freigebung des Hrn. Erzbischofs zu erbitten. In unserer kirchlichen Angelegenheit hat sich seit längerer Zeit überhaupt gar nichts geändert, und der status quo dauert in seitheriger Weise fort. Man hat sich auch bereits von allen Seiten hineingefunden, und so ist die Sache allmählich zur Gewohnheit geworden. Mitunter versucht man zwar, neue Gerüchte in Curs zu setzen, doch erweisen sich diese immer als haltlos und können höchstens auf ein paar Tage die Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen. – Die hiesige Regierung hat ganz kürzlich einen herben Verlust durch den ganz unerwartet und plötzlich erfolgten Tod des geheimen Oberregierungsraths und Regierungspräsidenten Leo erlitten, eines bewährten Geschäftsmannes, der auch im großen Befreiungskampfe mitgefochten und sich das eiserne Kreuz errungen hatte. Rußland. Der Univers behauptet nach einem Schreiben aus Rom, daß der Papst dem durch den Kaiser von Rußland zum Erzbischof von Mohilew und Metropoliten der katholischen Kirche in Rußland erwählten Ignaz Pawlowski die canonische Bestätigung verweigert habe. Oesterreich. _ Wien, 11 Mai. Heute um Mittag sind Se. Maj. der Kaiser und Se. Durchl. der Staatskanzler, Fürst v. Metternich nach Preßburg abgereist, wo morgen der Landtagsschluß stattfindet. Se. kais. Hoh. der Erzherzog Karl, im Begriff eine Besuchsreise nach seinen Besitzungen in Ungarn zu unternehmen, ist heute früh mit dem Dampfschiff ebenfalls nach Preßburg abgegangen. – Der Landtag ist fortwährend in angestrengter Thätigkeit. In der gestern (Sonntag) gehaltenen Sitzung wurde zu allgemeiner freudiger Ueberraschung schon die königliche Resolution auf den von der Magnatentafel bekanntlich modificirten Gesetzesentwurf, die Emancipation der Israeliten in Ungarn betreffend, verlesen; es enthält dieselbe weitere Modificationen und ist folgenden wesentlichen Inhalts: „Daß es den Juden erlaubt seyn solle, auch in den königlichen Freistädten so wie an andern Orten im Königreiche zu domiciliren; nur die königlichen Bergstädte bleiben ausgenommen; daß ferner die Israeliten in Ungarn in die Gewerbsinnungen aufgenommen werden und diese Gewerbe gesetzlich ausüben dürfen, wobei sie sich aber über die Erlernung sowohl, als über Moralität und entsprechendes Vermögen auszuweisen haben; Grundbesitz in Pacht zu nehmen soll ihnen aller Orts in Ungarn unverwehrt bleiben; was jedoch den Ankauf von Häusern und Gütern betrifft, so behält die Regierung einer spätern Resolution die dießfällige Entscheidung vor, indem sie die betreffenden ungarischen Landesstellen vorerst darüber einzuvernehmen und deren Gutachten einzuholen erachtet.“ – In dieser allerhöchsten Entschließung erblickt man mit Freuden ebensowohl eine Anerkennung des Princips des menschenfreundlichen Entwurfes als eine Würdigung der billigen Wünsche des Landes und seiner Vertreter. Es ist damit ein Anfang gemacht, bei dem man gewiß nicht stehen bleiben wird; zufrieden und vertrauensvoll wird darum das Gebotene gewiß dankbare Annahme finden. (Ich kann bei diesem Anlasse nicht umhin, auf die Prophezeiung Ihres Pesther Correspondenten, der eine Verwerfung von Seite der Magnaten, noch sicherer aber von Seite der Krone mit Bestimmtheit ankündigte, zurückzuweisen.) – Zu Mitte dieses Monats erwartet man hier auf der Durchreise von Görz nach Kirchberg die königliche Familie des ältern Zweiges der Bourbons. – Der k. sicilianische Gesandte am hiesigen Hofe, Marquis Gagliati, ist der von seinem Hof erhaltenen Weisung gemäß schon vorgestern eiligst von hier abgegangen. – Aus Konstantinopel bringt die heute hier eingetroffene Post keine wichtige Neuigkeit. Im Stande der Politik hatte sich durchaus keine Veränderung ergeben. Auf Seite der Pforte bemerkte man fortdauernde Zweifel und Unentschlossenheit, obgleich die Repräsentanten der Großmächte, mit Ausnahme des Hrn. v. Pontois, keine Ermahnung sparten, fest bei ihrem einmal gefaßten Entschlusse zu verharren, den Mächten die Lösung der ägyptischen Frage zu überlassen. Türkei. _ Konstantinopel, 29 April. Se. k. Hoh. der Prinz Heinrich von Oranien hatte am 25 eine Audienz bei Sr. Hoh. dem Sultan. An demselben Tage empfing dieser Monarch in einer Privataudienz den hier durchreisenden Duc de Maillé, und sodann den Deputirten des Fürsten von Serbien, den Logothet Aristarchi, den Redacteur des Moniteur Ottoman, Hrn. Franceschi und den Bankier der Pforte, Hrn. Alléon. – Seit einiger Zeit hat sich in den Vorstädten Pera und Galata ein Wohlthätigkeitsverein gebildet, dessen Zweck ist, der nothleidenden Classe zu Hülfe zu kommen. Dieser aus den vorzüglichsten katholischen Mitgliedern der hiesigen fränkischen Colonie zusammengesetzte Verein hat neuerlich außerhalb Pera einige Grundstücke angekauft, welche zum Bau eines Spitals und Armeninstituts verwendet werden sollen. Als hiezu die Erlaubniß des Sultans eingeholt wurde, hat Se. Hoh. nicht nur dieselbe sogleich zu ertheilen, sondern noch überdieß mit der Summe von 10,000 Piastern zu den menschenfreundlichen Zwecken dieser Anstalt beizusteuern geruht. – Den neuesten Berichten aus Salonich zufolge war daselbst ein Kauffahrteischiff von Alexandria angelangt, welches mehrere Pestkranke an Bord hatte; die dortige Contumaz ergriff sogleich die nöthigen Maaßregeln, um der Ausbreitung der Seuche vorzubeugen und zwar mit dem besten Erfolge, indem dieses Ereigniß nicht den geringsten Einfluß auf den Gesundheitszustand jener Stadt ausübte. Eben so werden die Quarantänemaaßregeln in Smyrna und hier mit vieler Strenge und Genauigkeit gehandhabt, was bis jetzt von den heilsamsten Folgen war, und ohne Zweifel die Landesbehörden aufmuntern wird, auf der eingeschlagenen Bahn mit Beharrlichkeit fortzuschreiten. Der öffentliche Gesundheitsstand in dieser Hauptstadt ist fortwährend befriedigend. China. Das Journal des Débats enthält einen längern Artikel über den Opiumstreit zwischen England und China. Es handle sich, meint der Verfasser, für England um etwas weit

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Deutsches Textarchiv: Bereitstellung der Texttranskription. (2016-06-28T11:37:15Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Matthias Boenig: Bearbeitung der digitalen Edition. (2016-06-28T11:37:15Z)

Weitere Informationen:

Bogensignaturen: gekennzeichnet; Druckfehler: keine Angabe; fremdsprachliches Material: gekennzeichnet; Geminations-/Abkürzungsstriche: keine Angabe; Hervorhebungen (Antiqua, Sperrschrift, Kursive etc.): wie Vorlage; i/j in Fraktur: Lautwert transkribiert; I/J in Fraktur: Lautwert transkribiert; Kolumnentitel: gekennzeichnet; Kustoden: gekennzeichnet; langes s (ſ): als s transkribiert; Normalisierungen: keine Angabe; rundes r (&#xa75b;): als r/et transkribiert; Seitenumbrüche markiert: ja; Silbentrennung: aufgelöst; u/v bzw. U/V: Lautwert transkribiert; Vokale mit übergest. e: als ä/ö/ü transkribiert; Vollständigkeit: teilweise erfasst; Zeichensetzung: wie Vorlage; Zeilenumbrüche markiert: nein;




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/augsburgerallgemeine_137_18400516
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/augsburgerallgemeine_137_18400516/7
Zitationshilfe: Allgemeine Zeitung. Nr. 137. Augsburg, 16. Mai 1840, S. 1095. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/augsburgerallgemeine_137_18400516/7>, abgerufen am 24.04.2024.