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Allgemeine Zeitung. Nr. 110. Augsburg, 19. April 1840.

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weil der Staatsanwalt klagte, in eine bedenklichere Lage käme. Baumgärtner, Christ und Schaaff sprechen noch für den Entwurf, und v. Rotteck für Sanders Vorschlag, welcher sofort verworfen wurde. Bei Anlaß des §. 286 trug Welcker darauf an, daß die Regel des §. 266 b, wonach bei den durch die Presse verübten Verleumdungen und Ehrenkränkungen der Beweis der Wahrheit, wenn zur Aussage kein staatsbürgerliches oder privatrechtliches Interesse vorlag, unstatthaft ist, dahin beschränkt werde, daß der Ankläger selbst den Beweis fordern könne, um als rein zu erscheinen. Bekk: da wäre die Regel des §. 266 b ganz aufgehoben, denn der Ankläger müßte, wenn die Beweiserhebung von seiner Wahl abhinge, dieselbe immer verlangen, wenn er den Schein der Wahrheit nicht auf sich laden wollte. Auch v. Rotteck sprach gegen den Antrag, indem es dem Ankläger, um rein zu erscheinen, wenn er es wirklich sey, wohl nicht nöthig sey, den Gegner vorerst zum Beweis der Wahrheit aufzufordern. Der Vorschlag wurde verworfen.

Rußland.

Der Akademiker Hr. v. Baer macht in der St. Petersburgischen Zeitung Mittheilungen über das Klima der Kirgisensteppe, von denen jedoch bis jetzt erst einige allgemeine Bemerkungen über Meteorologie, als Einleitung, abgedruckt sind. Hr. v. Baer verdankt die Notizen zu diesen Mittheilungen Hrn. Tschichatschew, einem Gelehrten, der die Expedition des Generals Perowsky, zur Erweiterung seiner Kenntnisse, aus freien Stücken begleitet hat. In der Einleitung heißt es unter Anderm: "Man erstaunte über die ersten hierher kommenden Nachrichten von der Kälte, die der Zug schon im December zu bestehen hatte - und sie schienen häufig auf große Zweifel zu stoßen. Ja bei dem ersten Bekanntwerden vom Abgange der Expedition, als die früheren Erfahrungen, die man theils in Orenburg, theils während des Nivelle, ments des Generals Berg vom kaspischen Meere zum Aralsee, ebenfalls im Winter, gesammelt hatte, noch nicht von Mund zu Mund gegangen waren, stieß man mitunter auf die Ansicht, das kleine Heer würde, nach dem kurzen Intermezzo eines italienischen Winters, bald an Frühlingslüften sich erquicken. Glücklicherweise war man in Orenburg besser unterrichtet, und der General Perowsky hat daher mit einer Sorgfalt, die jetzt in allen Briefen aus der Steppe dankbar anerkannt wird, nichts versäumt, um die seiner Sorge Anbefohlenen gegen einen Winter zu schützen, welcher, wie ich zeigen werde, in Europa seines Gleichen nicht einmal im Innern von Lappland, sondern nur im Lande der Syrjänen und Samojeden hat, aber dadurch noch ein ganz anderes Gewicht erhält als der Winter im Innern von Lappland und im Lande der Syrjänen, daß er über Gegenden herrscht, die theils ganz arm an Holz, theils in sehr weiter Ausdehnung völlig ohne Holz sind."

Die heutige Senatszeitung enthält nachstehenden Ukas vom 24 März: "Zum Collegen des Finanzministers und Generaldirectors vom Corps der Berg-Ingenieure ernennen wir den in diesem Ministerium dienenden Geheimenrath Wrontschenko. Unter seiner Controle sollen sich auch die Angelegenheiten des Creditwesens, deren nächster Verwaltung ein Vicedirector vorsteht, befinden." - Der Stadtgemeinde Libau hat der Kaiser unter besondern Begünstigungen gestattet, auf ihre Kosten eine Chaussee von Libau bis Mitau, in einer Länge von fünf Wersten auszuführen. - Die Arbeiten an der dortigen Eisenbahn schreiten rasch vor. Bereits ist die dazu bestimmte Linie bis zur kurländischen Gränze völlig abgesteckt und am 16 März betrat man schon die litthauische. Das Terrain erweist sich für dieses Unternehmen ungemein günstig. Hr. Schäffer, Ingenieur der Bank von Warschau, ist beauftragt worden, nach ähnlicher Grundlage wie in Kurland und Litthauen das Terrain von Augustowo nach Georgenburg aufzunehmen. - Für die Handelsstadt Libau ist in diesen Tagen noch ein neues Institut, die Organisation einer Matrosen-Innung, ins Leben getreten. - Das neuredigirte Particular-Gesetzbuch für die Ostseeprovinzen, von den dazu drei Jahre lang hier versammelt gewesenen Delegirten jener Provinzen schon im vergangenen Sommer vollendet, unterlag in den letzten Monaten der Revision des Reichsraths. Wie man jetzt bestimmt vernimmt, soll es in diesen Tagen noch der höchsten Sanction des Kaisers unterlegt und unmittelbar darauf in der Gerichtspraxis jener Provinzen eingeführt werden. - Gestern beging die St. Petersburger Universität, welche an 300 Studirende zählt, das Stiftungsfest ihres 23jährigen Bestehens. Der kurz zuvor auf vier Jahre bestätigte Rector, der Professor der russischen Litteratur, Plettnew, hielt dabei seine Antrittsrede. - Der rühmlich bekannte Akademiker v. Baer beabsichtigt im nächsten Mai eine zweite Reise in unsere Polargegenden, gleich der im Jahr 1837 von ihm nach Nowaja-Semla vollendeten. Sie bezweckt dießmal zunächst eine Besichtigung der Küsten Lapplands, wird sich aber darauf nicht beschränken, sondern sich noch weiter in nordöstlicher Richtung ausdehnen. Hr. v. Baer wird Forschungen über die Thier- und Pflanzenwelt der Polarregionen anstellen und seine naturgeschichtlichen Resultate mit denen der französischen wissenschaftlichen Expedition, die nach jenen Gegenden in diesem Jahre einen zweiten Besuch beabsichtigt, vergleichen. Bei dieser Gelegenheit will auch Hr. v. Baer die von Hrn. Schrenk im vergangenen Sommer aufgefundenen versteinerten Ueberreste eines großen angeblich unbekannten Landthiers, über die der Akademie schon ein Bericht von Hrn. Schrenk vorliegt und die, Baers Meinung zufolge, wahrscheinlich einem Nashorn angehören, aufsuchen, und sie einer genauern Prüfung unterwerfen. - Unser bekannter Orientalist und Akademiker Frehn ist fortdauernd fast ausschließlich mit seinen Forschungen über muhammedanische Numismatik beschäftigt. Neuerlich gab er zu seinem früheren Werke über die Medaillensammlung aus der Zeit der Chalifen von der Dynastie der Umajaden und Abassiden zwei Fortsetzungen.

[93]

Titel und Register dieser Zeitung.

In der Unterzeichneten ist erschienen und durch alle Postämter und Buchhandlungen zu beziehen:

Alphabetisch-chronologisches Namen- und Sachregister nebst Titelblatt für den Jahrgang 1839 der Allgemeinen Zeitung.

Preis 45 kr.

Stuttgart u. Tübingen.

J. G. Cotta'sche Verlagshandlung.

weil der Staatsanwalt klagte, in eine bedenklichere Lage käme. Baumgärtner, Christ und Schaaff sprechen noch für den Entwurf, und v. Rotteck für Sanders Vorschlag, welcher sofort verworfen wurde. Bei Anlaß des §. 286 trug Welcker darauf an, daß die Regel des §. 266 b, wonach bei den durch die Presse verübten Verleumdungen und Ehrenkränkungen der Beweis der Wahrheit, wenn zur Aussage kein staatsbürgerliches oder privatrechtliches Interesse vorlag, unstatthaft ist, dahin beschränkt werde, daß der Ankläger selbst den Beweis fordern könne, um als rein zu erscheinen. Bekk: da wäre die Regel des §. 266 b ganz aufgehoben, denn der Ankläger müßte, wenn die Beweiserhebung von seiner Wahl abhinge, dieselbe immer verlangen, wenn er den Schein der Wahrheit nicht auf sich laden wollte. Auch v. Rotteck sprach gegen den Antrag, indem es dem Ankläger, um rein zu erscheinen, wenn er es wirklich sey, wohl nicht nöthig sey, den Gegner vorerst zum Beweis der Wahrheit aufzufordern. Der Vorschlag wurde verworfen.

Rußland.

Der Akademiker Hr. v. Baer macht in der St. Petersburgischen Zeitung Mittheilungen über das Klima der Kirgisensteppe, von denen jedoch bis jetzt erst einige allgemeine Bemerkungen über Meteorologie, als Einleitung, abgedruckt sind. Hr. v. Baer verdankt die Notizen zu diesen Mittheilungen Hrn. Tschichatschew, einem Gelehrten, der die Expedition des Generals Perowsky, zur Erweiterung seiner Kenntnisse, aus freien Stücken begleitet hat. In der Einleitung heißt es unter Anderm: „Man erstaunte über die ersten hierher kommenden Nachrichten von der Kälte, die der Zug schon im December zu bestehen hatte – und sie schienen häufig auf große Zweifel zu stoßen. Ja bei dem ersten Bekanntwerden vom Abgange der Expedition, als die früheren Erfahrungen, die man theils in Orenburg, theils während des Nivelle, ments des Generals Berg vom kaspischen Meere zum Aralsee, ebenfalls im Winter, gesammelt hatte, noch nicht von Mund zu Mund gegangen waren, stieß man mitunter auf die Ansicht, das kleine Heer würde, nach dem kurzen Intermezzo eines italienischen Winters, bald an Frühlingslüften sich erquicken. Glücklicherweise war man in Orenburg besser unterrichtet, und der General Perowsky hat daher mit einer Sorgfalt, die jetzt in allen Briefen aus der Steppe dankbar anerkannt wird, nichts versäumt, um die seiner Sorge Anbefohlenen gegen einen Winter zu schützen, welcher, wie ich zeigen werde, in Europa seines Gleichen nicht einmal im Innern von Lappland, sondern nur im Lande der Syrjänen und Samojeden hat, aber dadurch noch ein ganz anderes Gewicht erhält als der Winter im Innern von Lappland und im Lande der Syrjänen, daß er über Gegenden herrscht, die theils ganz arm an Holz, theils in sehr weiter Ausdehnung völlig ohne Holz sind.“

Die heutige Senatszeitung enthält nachstehenden Ukas vom 24 März: „Zum Collegen des Finanzministers und Generaldirectors vom Corps der Berg-Ingenieure ernennen wir den in diesem Ministerium dienenden Geheimenrath Wrontschenko. Unter seiner Controle sollen sich auch die Angelegenheiten des Creditwesens, deren nächster Verwaltung ein Vicedirector vorsteht, befinden.“ – Der Stadtgemeinde Libau hat der Kaiser unter besondern Begünstigungen gestattet, auf ihre Kosten eine Chaussée von Libau bis Mitau, in einer Länge von fünf Wersten auszuführen. – Die Arbeiten an der dortigen Eisenbahn schreiten rasch vor. Bereits ist die dazu bestimmte Linie bis zur kurländischen Gränze völlig abgesteckt und am 16 März betrat man schon die litthauische. Das Terrain erweist sich für dieses Unternehmen ungemein günstig. Hr. Schäffer, Ingenieur der Bank von Warschau, ist beauftragt worden, nach ähnlicher Grundlage wie in Kurland und Litthauen das Terrain von Augustowo nach Georgenburg aufzunehmen. – Für die Handelsstadt Libau ist in diesen Tagen noch ein neues Institut, die Organisation einer Matrosen-Innung, ins Leben getreten. – Das neuredigirte Particular-Gesetzbuch für die Ostseeprovinzen, von den dazu drei Jahre lang hier versammelt gewesenen Delegirten jener Provinzen schon im vergangenen Sommer vollendet, unterlag in den letzten Monaten der Revision des Reichsraths. Wie man jetzt bestimmt vernimmt, soll es in diesen Tagen noch der höchsten Sanction des Kaisers unterlegt und unmittelbar darauf in der Gerichtspraxis jener Provinzen eingeführt werden. – Gestern beging die St. Petersburger Universität, welche an 300 Studirende zählt, das Stiftungsfest ihres 23jährigen Bestehens. Der kurz zuvor auf vier Jahre bestätigte Rector, der Professor der russischen Litteratur, Plettnew, hielt dabei seine Antrittsrede. – Der rühmlich bekannte Akademiker v. Baer beabsichtigt im nächsten Mai eine zweite Reise in unsere Polargegenden, gleich der im Jahr 1837 von ihm nach Nowaja-Semla vollendeten. Sie bezweckt dießmal zunächst eine Besichtigung der Küsten Lapplands, wird sich aber darauf nicht beschränken, sondern sich noch weiter in nordöstlicher Richtung ausdehnen. Hr. v. Baer wird Forschungen über die Thier- und Pflanzenwelt der Polarregionen anstellen und seine naturgeschichtlichen Resultate mit denen der französischen wissenschaftlichen Expedition, die nach jenen Gegenden in diesem Jahre einen zweiten Besuch beabsichtigt, vergleichen. Bei dieser Gelegenheit will auch Hr. v. Baer die von Hrn. Schrenk im vergangenen Sommer aufgefundenen versteinerten Ueberreste eines großen angeblich unbekannten Landthiers, über die der Akademie schon ein Bericht von Hrn. Schrenk vorliegt und die, Baers Meinung zufolge, wahrscheinlich einem Nashorn angehören, aufsuchen, und sie einer genauern Prüfung unterwerfen. – Unser bekannter Orientalist und Akademiker Frehn ist fortdauernd fast ausschließlich mit seinen Forschungen über muhammedanische Numismatik beschäftigt. Neuerlich gab er zu seinem früheren Werke über die Medaillensammlung aus der Zeit der Chalifen von der Dynastie der Umajaden und Abassiden zwei Fortsetzungen.

[93]

Titel und Register dieser Zeitung.

In der Unterzeichneten ist erschienen und durch alle Postämter und Buchhandlungen zu beziehen:

Alphabetisch-chronologisches Namen- und Sachregister nebst Titelblatt für den Jahrgang 1839 der Allgemeinen Zeitung.

Preis 45 kr.

Stuttgart u. Tübingen.

J. G. Cotta'sche Verlagshandlung.

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[0877/0013] weil der Staatsanwalt klagte, in eine bedenklichere Lage käme. Baumgärtner, Christ und Schaaff sprechen noch für den Entwurf, und v. Rotteck für Sanders Vorschlag, welcher sofort verworfen wurde. Bei Anlaß des §. 286 trug Welcker darauf an, daß die Regel des §. 266 b, wonach bei den durch die Presse verübten Verleumdungen und Ehrenkränkungen der Beweis der Wahrheit, wenn zur Aussage kein staatsbürgerliches oder privatrechtliches Interesse vorlag, unstatthaft ist, dahin beschränkt werde, daß der Ankläger selbst den Beweis fordern könne, um als rein zu erscheinen. Bekk: da wäre die Regel des §. 266 b ganz aufgehoben, denn der Ankläger müßte, wenn die Beweiserhebung von seiner Wahl abhinge, dieselbe immer verlangen, wenn er den Schein der Wahrheit nicht auf sich laden wollte. Auch v. Rotteck sprach gegen den Antrag, indem es dem Ankläger, um rein zu erscheinen, wenn er es wirklich sey, wohl nicht nöthig sey, den Gegner vorerst zum Beweis der Wahrheit aufzufordern. Der Vorschlag wurde verworfen. Rußland. _ St. Petersburg, 4 April. Der Akademiker Hr. v. Baer macht in der St. Petersburgischen Zeitung Mittheilungen über das Klima der Kirgisensteppe, von denen jedoch bis jetzt erst einige allgemeine Bemerkungen über Meteorologie, als Einleitung, abgedruckt sind. Hr. v. Baer verdankt die Notizen zu diesen Mittheilungen Hrn. Tschichatschew, einem Gelehrten, der die Expedition des Generals Perowsky, zur Erweiterung seiner Kenntnisse, aus freien Stücken begleitet hat. In der Einleitung heißt es unter Anderm: „Man erstaunte über die ersten hierher kommenden Nachrichten von der Kälte, die der Zug schon im December zu bestehen hatte – und sie schienen häufig auf große Zweifel zu stoßen. Ja bei dem ersten Bekanntwerden vom Abgange der Expedition, als die früheren Erfahrungen, die man theils in Orenburg, theils während des Nivelle, ments des Generals Berg vom kaspischen Meere zum Aralsee, ebenfalls im Winter, gesammelt hatte, noch nicht von Mund zu Mund gegangen waren, stieß man mitunter auf die Ansicht, das kleine Heer würde, nach dem kurzen Intermezzo eines italienischen Winters, bald an Frühlingslüften sich erquicken. Glücklicherweise war man in Orenburg besser unterrichtet, und der General Perowsky hat daher mit einer Sorgfalt, die jetzt in allen Briefen aus der Steppe dankbar anerkannt wird, nichts versäumt, um die seiner Sorge Anbefohlenen gegen einen Winter zu schützen, welcher, wie ich zeigen werde, in Europa seines Gleichen nicht einmal im Innern von Lappland, sondern nur im Lande der Syrjänen und Samojeden hat, aber dadurch noch ein ganz anderes Gewicht erhält als der Winter im Innern von Lappland und im Lande der Syrjänen, daß er über Gegenden herrscht, die theils ganz arm an Holz, theils in sehr weiter Ausdehnung völlig ohne Holz sind.“ _ St. Petersburg, 7 April. Die heutige Senatszeitung enthält nachstehenden Ukas vom 24 März: „Zum Collegen des Finanzministers und Generaldirectors vom Corps der Berg-Ingenieure ernennen wir den in diesem Ministerium dienenden Geheimenrath Wrontschenko. Unter seiner Controle sollen sich auch die Angelegenheiten des Creditwesens, deren nächster Verwaltung ein Vicedirector vorsteht, befinden.“ – Der Stadtgemeinde Libau hat der Kaiser unter besondern Begünstigungen gestattet, auf ihre Kosten eine Chaussée von Libau bis Mitau, in einer Länge von fünf Wersten auszuführen. – Die Arbeiten an der dortigen Eisenbahn schreiten rasch vor. Bereits ist die dazu bestimmte Linie bis zur kurländischen Gränze völlig abgesteckt und am 16 März betrat man schon die litthauische. Das Terrain erweist sich für dieses Unternehmen ungemein günstig. Hr. Schäffer, Ingenieur der Bank von Warschau, ist beauftragt worden, nach ähnlicher Grundlage wie in Kurland und Litthauen das Terrain von Augustowo nach Georgenburg aufzunehmen. – Für die Handelsstadt Libau ist in diesen Tagen noch ein neues Institut, die Organisation einer Matrosen-Innung, ins Leben getreten. – Das neuredigirte Particular-Gesetzbuch für die Ostseeprovinzen, von den dazu drei Jahre lang hier versammelt gewesenen Delegirten jener Provinzen schon im vergangenen Sommer vollendet, unterlag in den letzten Monaten der Revision des Reichsraths. Wie man jetzt bestimmt vernimmt, soll es in diesen Tagen noch der höchsten Sanction des Kaisers unterlegt und unmittelbar darauf in der Gerichtspraxis jener Provinzen eingeführt werden. – Gestern beging die St. Petersburger Universität, welche an 300 Studirende zählt, das Stiftungsfest ihres 23jährigen Bestehens. Der kurz zuvor auf vier Jahre bestätigte Rector, der Professor der russischen Litteratur, Plettnew, hielt dabei seine Antrittsrede. – Der rühmlich bekannte Akademiker v. Baer beabsichtigt im nächsten Mai eine zweite Reise in unsere Polargegenden, gleich der im Jahr 1837 von ihm nach Nowaja-Semla vollendeten. Sie bezweckt dießmal zunächst eine Besichtigung der Küsten Lapplands, wird sich aber darauf nicht beschränken, sondern sich noch weiter in nordöstlicher Richtung ausdehnen. Hr. v. Baer wird Forschungen über die Thier- und Pflanzenwelt der Polarregionen anstellen und seine naturgeschichtlichen Resultate mit denen der französischen wissenschaftlichen Expedition, die nach jenen Gegenden in diesem Jahre einen zweiten Besuch beabsichtigt, vergleichen. Bei dieser Gelegenheit will auch Hr. v. Baer die von Hrn. Schrenk im vergangenen Sommer aufgefundenen versteinerten Ueberreste eines großen angeblich unbekannten Landthiers, über die der Akademie schon ein Bericht von Hrn. Schrenk vorliegt und die, Baers Meinung zufolge, wahrscheinlich einem Nashorn angehören, aufsuchen, und sie einer genauern Prüfung unterwerfen. – Unser bekannter Orientalist und Akademiker Frehn ist fortdauernd fast ausschließlich mit seinen Forschungen über muhammedanische Numismatik beschäftigt. Neuerlich gab er zu seinem früheren Werke über die Medaillensammlung aus der Zeit der Chalifen von der Dynastie der Umajaden und Abassiden zwei Fortsetzungen. [93] Titel und Register dieser Zeitung. In der Unterzeichneten ist erschienen und durch alle Postämter und Buchhandlungen zu beziehen: Alphabetisch-chronologisches Namen- und Sachregister nebst Titelblatt für den Jahrgang 1839 der Allgemeinen Zeitung. Preis 45 kr. Stuttgart u. Tübingen. J. G. Cotta'sche Verlagshandlung.

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Zitationshilfe: Allgemeine Zeitung. Nr. 110. Augsburg, 19. April 1840, S. 0877. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/augsburgerallgemeine_110_18400419/13>, abgerufen am 28.02.2024.