Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Allgemeine Zeitung. Nr. 52. Augsburg, 21. Februar 1840.

Bild:
erste Seite

Augsburger Allgemeine Zeitung.
Mit allerhöchsten Privilegien.
Freitag
Nr. 52.
21 Februar 1840
Vereinigte Staaten von Nordamerika.

Durch das Paketboot Sheridan hat man in England Briefe und Blätter aus New-York bis zum 25 Jan. Der greise General Jackson hatte die Stadt Neu-Orleans, den Schauplatz seines kriegerischen Ruhms, besucht, und war mit Enthusiasmus empfangen worden. Der Congreß war mit langen und langweiligen Debatten über die Sub-Treasury-Bill beschäftigt gewesen; der Hauptsprecher der Opposition war Hr. Adams, welcher dieses Project als einen Kunstgriff bezeichnete, das ganze Land mit Patronat zu "überschatten" und in den Cassen der Executivgewalt baares Geld anzuhäufen. Die nordöstliche Gränzfrage nimmt wieder ein etwas kriegerisches Aussehen an. "In der Congreßsitzung vom 23 Jan.", sagt der Advertiser, "ward, in Bezug auf die Resolutionen des Senats des Staats Maine, eine wichtige Botschaft des Präsidenten über diese Angelegenheit eingebracht. Diese Botschaft umfaßt alle Correspondenz zwischen dem brittischen Gesandten, Hrn. Fox, dem amerikanischen Minister des Auswärtigen, Hrn. Forsyth, und dem Gouverneur von Maine in Bezug auf die Besetzung eines Theils des strittigen Gränzgebiets durch brittische Truppen. Auf Verlangen der HH. Ruggles und Williams wurden Stücke der Correspondenz gelesen, nämlich die Briefe der HH. Fox und Forsyth, deren sich jeder beklagt, daß die von dem General Scott und dem Generallieutenant Sir John Harvey eingegangenen Stipulationen sowohl von Seite des Staats Maine als der brittischen Behörden verletzt worden seyen. Was die Besetzung des Gränzgebiets durch brittische Truppen betrifft, so entschuldigt Hr. Fox diesen Vorgang damit, die Occupation habe als eine Präventionsmaaßregel auf das Gerücht hin stattgefunden, daß von Seite Maine's eine Verletzung des eingegangenen Vertrags im Werke sey - ein Gerücht, das durch die letzte leidenschaftliche Botschaft des Gouverneurs Fairfield an die Legislatur von Maine einen Grad von Glaubwürdigkeit erlangt. Hr. Forsyth andrerseits findet den Einmarsch brittischer Truppen ganz und gar unentschuldbar, und nennt ihn einen Bruch der Uebereinkunft zwischen beiden Regierungen. Hr. Fox antwortet, er habe darüber an seine Regierung berichtet, worauf Hr. Forsyth erwiedert, er sey überzeugt, daß die brittische Regierung die Besetzung als eine rechtswidrige betrachten, und die Zurückziehung der Truppen befehlen werde. So liegt zur Zeit die Sache. Der Washingtoner Correspondent des New-York Daily Expreß bemerkt darüber: ""Die Correspondenz zwischen dem Minister des Auswärtigen und dem brittischen Gesandten, wiewohl in achtungsvoller und würdiger Sprache gehalten, verräth einige Gereiztheit. Ein leichter Windhauch könnte die glühende Asche zur Flamme anfachen."" Die Präsidentenbotschaft wurde in 5000 Exemplaren gedruckt. Gleichzeitig hat der Gouverneur der brittischen Colonie Neu-Braunschweig, Sir J. Harvey, ein Memorandum erlassen, worin er die Gränzer ermahnt, "falls es zwischen England und den Vereinigten Staaten zu Feindseligkeiten kommen sollte, sich ruhig zu verhalten, und die Ausfechtung des Kampfs der beiderseitigen Militärmacht zu überlassen." Die letzte Gränzaufnahme durch die beiden brittischen Commissäre scheint sehr zu Gunsten der brittischen Ansprüche ausgefallen zu seyn. - Im Senat zu Washington ist zum drittenmal eine Bill verlesen worden, die, um Florida zu colonisiren und die Eingebornen zu vernichten oder zu vertreiben, den ersten 10,000 waffenfähigen Weißen, die sich östlich von den Sumanees und südlich vom Cap Sable anbauen wollen, 320 Acker Landes für jeden auf eine bestimmte Reihe von Jahren abgabenfrei und selbst gerichtlich unantastbar bewilligt. Zu Anfang und bis die Eingebornen dieß geschehen lassen, müssen solche Ansiedler sich stationsweise zu 40 bis 100 Mann unter Beihülfe der Truppen ein Blockhaus errichten und in dessen Umgebung selbst ihre Nahrung bauen. Waffen, Kleidung und ersten Unterhalt liefern die Vereinigten Staaten. Der Plan des Kriegsministeriums, zur Aufspürung und Niederhetzung der Indianer in Florida große Schweißhunde aus Cuba zu gebrauchen, wurde von einigen menschlichgesinnten Mitgliedern des Congresses mit Indignation zur Sprache gebracht. - Nachrichten aus der Negercolonie Liberia zufolge dauerte der Sklavenhandel an der Küste von Westafrika trotz aller Bemühungen der englischen und amerikanischen Regierung lebhaft fort, und die meisten dazu gebrauchten Schiffe sind Eigenthum amerikanischer Bürger. Durch brittische Kreuzer wurden in letzterer Zeit über 20 solcher Fahrzeuge weggenommen. - In der Stadt Wilmington (Nord-Carolina) wurden durch einen Brand 150 Häuser in Asche gelegt.

Oesterreich.

Ihre Maj. die Königin von Sachsen wird bestimmt im Laufe des heutigen Tags in der kais. Hofburg erwartet, und dem Vernehmen nach etwa drei Wochen in Mitte der nahe anverwandten Kaiserfamilie verweilen. - Allerhöchster Anordnung gemäß wird das erledigte Infanterieregiment, Wilhelm Herzog von Nassau, von nun an den Namen seines bisherigen zweiten Inhabers des Feldmarschalllieutenants v. Fölseis führen. Der Generalmajor v. Neu ist gestorben - Der k. k. Gesandte am Hofe von St. Petersburg, Graf v. Fiquelmont, trifft nun bereits Vorkehrungen, um sich in Bälde wieder auf seinen Posten zu begeben. - Graf St. Aulaire, der französische Botschafter am hiesigen Hofe, verweilt noch hier, und der Antritt seines, schon seit längerer Zeit beabsichtigten Urlaubs scheint noch keineswegs genau bestimmt zu seyn.

Ihre Maj. die Königin von Sachsen ist gestern im Laufe des Nachmittags zum Besuche des allerhöchsten Hofes hier angekommen und in der Hofburg abgestiegen. Man sagt sich, dieser überraschende Besuch sey die Eingebung zartsinniger Theilnahme an dem Verluste, welchen die Schwester Ihrer Maj., die durchlauchtigste Frau Erzherzogin Sophie, durch das Ableben ihrer Tochter, der jungen Erzherzogin Maria Anna Carolina, erlitten hat. Die Ihnen von Neapel zugekommene Nachricht, daß der König von Neapel unsern Hof besuchen werde, bestätigt sich. Er wird in Begleitung seiner erlauchten Gemahlin kommendes Frühjahr in Wien erwartet. - Aus Pesth wird geschrieben, daß der General der Cavallerie und Capitän der ungarischen Leibgarde, Baron Ignaz Splenyi, schwer erkrankt sey.

Türkei.

Der Sultan kränkelt und nimmt in seiner Gesundheit zusehends ab. Man will wissen, daß Se. Hoheit an Brustbeschwerden leide und besorgt, dieselbe Krankheit, die dem Leben Mahmuds ein Ende machte, habe bereits auch seinen Sohn ergriffen. Indessen versichern gut unterrichtete Personen aus den Umgebungen des Großherrn, daß sich noch kein Symptom einer bedenklichen Brustaffection eingestellt habe; sie schreiben vielmehr die Abmagerung und den geschwächten Zustand Sr. Hoh. andern Ursachen zu. Der sechszehnjährige Monarch pflegt täglich bei Sonnenuntergang seinen Harem zu besuchen, wo er gewöhnlich bis spät in die Nacht verweilt. Vier seiner Frauen sind bereits gesegneten Leibes, und der Padischah dürfte schon im nächsten Mai mit vier Nachkommen beglückt werden.

In der Festung Podgoritza sind kürzlich Spuren einer Verschwörung entdeckt worden, welche zum Zweck hatte, diese Festung den Montenegrinern ohne Schwertstreich zu überliefern. Zur Ausführung dieses Planes sollte ein mit vieler Bestimmtheit als nahe bevorstehend angekündigter allgemeiner Aufstand der Christen in sämmtlichen europäisch-türkischen Provinzen das Signal geben. Offenbar ist diese Conspiration im Zusammenhang mit der in den ersten Tagen dieses Jahrs in Griechenland entdeckten Verschwörung, und es gibt Leute genug, die eine ähnliche Zwecke hegende geheime Correspondenz des Vladika mit christlichen Bewohnern Albaniens und Thessaliens schon seit einigen Jahren bemerkt haben wollen. (Ich kann nicht umhin, Ihre Leser auf den Bericht aus Konstantinopel vom 4 Jan. 1837 [S. Allgem. Zeitung vom Jahr 1837 Nr. 34 Beilage.] wo schon von dem Bestehen eines der Hatärie ähnlichen Bundes die Rede ist, aufmerksam zu machen. Damals wurde diese Behauptung als zu gewagt betrachtet.) Ein solches Verhältniß erklärt auch das bisherige übermüthige und rücksichtslos feindselige Benehmen der Montenegriner gegen ihre türkischen Nachbarn. - In der Familie des Vladika dauert der Zwiespalt fort, und scheint in neuerer Zeit sogar noch ernstlicher geworden zu seyn.

Großbritannien.

Aus den neulichen Oberhausdebatten über die Marine ist folgende Notiz nachzutragen. Als Lord Melbourne unter Anderm behauptete, der Herzog von Wellington habe im Jahr 1830, als er noch Premierminister war, Vorstellungen gegen


Augsburger Allgemeine Zeitung.
Mit allerhöchsten Privilegien.
Freitag
Nr. 52.
21 Februar 1840
Vereinigte Staaten von Nordamerika.

Durch das Paketboot Sheridan hat man in England Briefe und Blätter aus New-York bis zum 25 Jan. Der greise General Jackson hatte die Stadt Neu-Orleans, den Schauplatz seines kriegerischen Ruhms, besucht, und war mit Enthusiasmus empfangen worden. Der Congreß war mit langen und langweiligen Debatten über die Sub-Treasury-Bill beschäftigt gewesen; der Hauptsprecher der Opposition war Hr. Adams, welcher dieses Project als einen Kunstgriff bezeichnete, das ganze Land mit Patronat zu „überschatten“ und in den Cassen der Executivgewalt baares Geld anzuhäufen. Die nordöstliche Gränzfrage nimmt wieder ein etwas kriegerisches Aussehen an. „In der Congreßsitzung vom 23 Jan.“, sagt der Advertiser, „ward, in Bezug auf die Resolutionen des Senats des Staats Maine, eine wichtige Botschaft des Präsidenten über diese Angelegenheit eingebracht. Diese Botschaft umfaßt alle Correspondenz zwischen dem brittischen Gesandten, Hrn. Fox, dem amerikanischen Minister des Auswärtigen, Hrn. Forsyth, und dem Gouverneur von Maine in Bezug auf die Besetzung eines Theils des strittigen Gränzgebiets durch brittische Truppen. Auf Verlangen der HH. Ruggles und Williams wurden Stücke der Correspondenz gelesen, nämlich die Briefe der HH. Fox und Forsyth, deren sich jeder beklagt, daß die von dem General Scott und dem Generallieutenant Sir John Harvey eingegangenen Stipulationen sowohl von Seite des Staats Maine als der brittischen Behörden verletzt worden seyen. Was die Besetzung des Gränzgebiets durch brittische Truppen betrifft, so entschuldigt Hr. Fox diesen Vorgang damit, die Occupation habe als eine Präventionsmaaßregel auf das Gerücht hin stattgefunden, daß von Seite Maine's eine Verletzung des eingegangenen Vertrags im Werke sey – ein Gerücht, das durch die letzte leidenschaftliche Botschaft des Gouverneurs Fairfield an die Legislatur von Maine einen Grad von Glaubwürdigkeit erlangt. Hr. Forsyth andrerseits findet den Einmarsch brittischer Truppen ganz und gar unentschuldbar, und nennt ihn einen Bruch der Uebereinkunft zwischen beiden Regierungen. Hr. Fox antwortet, er habe darüber an seine Regierung berichtet, worauf Hr. Forsyth erwiedert, er sey überzeugt, daß die brittische Regierung die Besetzung als eine rechtswidrige betrachten, und die Zurückziehung der Truppen befehlen werde. So liegt zur Zeit die Sache. Der Washingtoner Correspondent des New-York Daily Expreß bemerkt darüber: „„Die Correspondenz zwischen dem Minister des Auswärtigen und dem brittischen Gesandten, wiewohl in achtungsvoller und würdiger Sprache gehalten, verräth einige Gereiztheit. Ein leichter Windhauch könnte die glühende Asche zur Flamme anfachen.““ Die Präsidentenbotschaft wurde in 5000 Exemplaren gedruckt. Gleichzeitig hat der Gouverneur der brittischen Colonie Neu-Braunschweig, Sir J. Harvey, ein Memorandum erlassen, worin er die Gränzer ermahnt, „falls es zwischen England und den Vereinigten Staaten zu Feindseligkeiten kommen sollte, sich ruhig zu verhalten, und die Ausfechtung des Kampfs der beiderseitigen Militärmacht zu überlassen.“ Die letzte Gränzaufnahme durch die beiden brittischen Commissäre scheint sehr zu Gunsten der brittischen Ansprüche ausgefallen zu seyn. – Im Senat zu Washington ist zum drittenmal eine Bill verlesen worden, die, um Florida zu colonisiren und die Eingebornen zu vernichten oder zu vertreiben, den ersten 10,000 waffenfähigen Weißen, die sich östlich von den Sumanees und südlich vom Cap Sable anbauen wollen, 320 Acker Landes für jeden auf eine bestimmte Reihe von Jahren abgabenfrei und selbst gerichtlich unantastbar bewilligt. Zu Anfang und bis die Eingebornen dieß geschehen lassen, müssen solche Ansiedler sich stationsweise zu 40 bis 100 Mann unter Beihülfe der Truppen ein Blockhaus errichten und in dessen Umgebung selbst ihre Nahrung bauen. Waffen, Kleidung und ersten Unterhalt liefern die Vereinigten Staaten. Der Plan des Kriegsministeriums, zur Aufspürung und Niederhetzung der Indianer in Florida große Schweißhunde aus Cuba zu gebrauchen, wurde von einigen menschlichgesinnten Mitgliedern des Congresses mit Indignation zur Sprache gebracht. – Nachrichten aus der Negercolonie Liberia zufolge dauerte der Sklavenhandel an der Küste von Westafrika trotz aller Bemühungen der englischen und amerikanischen Regierung lebhaft fort, und die meisten dazu gebrauchten Schiffe sind Eigenthum amerikanischer Bürger. Durch brittische Kreuzer wurden in letzterer Zeit über 20 solcher Fahrzeuge weggenommen. – In der Stadt Wilmington (Nord-Carolina) wurden durch einen Brand 150 Häuser in Asche gelegt.

Oesterreich.

Ihre Maj. die Königin von Sachsen wird bestimmt im Laufe des heutigen Tags in der kais. Hofburg erwartet, und dem Vernehmen nach etwa drei Wochen in Mitte der nahe anverwandten Kaiserfamilie verweilen. – Allerhöchster Anordnung gemäß wird das erledigte Infanterieregiment, Wilhelm Herzog von Nassau, von nun an den Namen seines bisherigen zweiten Inhabers des Feldmarschalllieutenants v. Fölseis führen. Der Generalmajor v. Neu ist gestorben – Der k. k. Gesandte am Hofe von St. Petersburg, Graf v. Fiquelmont, trifft nun bereits Vorkehrungen, um sich in Bälde wieder auf seinen Posten zu begeben. – Graf St. Aulaire, der französische Botschafter am hiesigen Hofe, verweilt noch hier, und der Antritt seines, schon seit längerer Zeit beabsichtigten Urlaubs scheint noch keineswegs genau bestimmt zu seyn.

Ihre Maj. die Königin von Sachsen ist gestern im Laufe des Nachmittags zum Besuche des allerhöchsten Hofes hier angekommen und in der Hofburg abgestiegen. Man sagt sich, dieser überraschende Besuch sey die Eingebung zartsinniger Theilnahme an dem Verluste, welchen die Schwester Ihrer Maj., die durchlauchtigste Frau Erzherzogin Sophie, durch das Ableben ihrer Tochter, der jungen Erzherzogin Maria Anna Carolina, erlitten hat. Die Ihnen von Neapel zugekommene Nachricht, daß der König von Neapel unsern Hof besuchen werde, bestätigt sich. Er wird in Begleitung seiner erlauchten Gemahlin kommendes Frühjahr in Wien erwartet. – Aus Pesth wird geschrieben, daß der General der Cavallerie und Capitän der ungarischen Leibgarde, Baron Ignaz Splenyi, schwer erkrankt sey.

Türkei.

Der Sultan kränkelt und nimmt in seiner Gesundheit zusehends ab. Man will wissen, daß Se. Hoheit an Brustbeschwerden leide und besorgt, dieselbe Krankheit, die dem Leben Mahmuds ein Ende machte, habe bereits auch seinen Sohn ergriffen. Indessen versichern gut unterrichtete Personen aus den Umgebungen des Großherrn, daß sich noch kein Symptom einer bedenklichen Brustaffection eingestellt habe; sie schreiben vielmehr die Abmagerung und den geschwächten Zustand Sr. Hoh. andern Ursachen zu. Der sechszehnjährige Monarch pflegt täglich bei Sonnenuntergang seinen Harem zu besuchen, wo er gewöhnlich bis spät in die Nacht verweilt. Vier seiner Frauen sind bereits gesegneten Leibes, und der Padischah dürfte schon im nächsten Mai mit vier Nachkommen beglückt werden.

In der Festung Podgoritza sind kürzlich Spuren einer Verschwörung entdeckt worden, welche zum Zweck hatte, diese Festung den Montenegrinern ohne Schwertstreich zu überliefern. Zur Ausführung dieses Planes sollte ein mit vieler Bestimmtheit als nahe bevorstehend angekündigter allgemeiner Aufstand der Christen in sämmtlichen europäisch-türkischen Provinzen das Signal geben. Offenbar ist diese Conspiration im Zusammenhang mit der in den ersten Tagen dieses Jahrs in Griechenland entdeckten Verschwörung, und es gibt Leute genug, die eine ähnliche Zwecke hegende geheime Correspondenz des Vladika mit christlichen Bewohnern Albaniens und Thessaliens schon seit einigen Jahren bemerkt haben wollen. (Ich kann nicht umhin, Ihre Leser auf den Bericht aus Konstantinopel vom 4 Jan. 1837 [S. Allgem. Zeitung vom Jahr 1837 Nr. 34 Beilage.] wo schon von dem Bestehen eines der Hatärie ähnlichen Bundes die Rede ist, aufmerksam zu machen. Damals wurde diese Behauptung als zu gewagt betrachtet.) Ein solches Verhältniß erklärt auch das bisherige übermüthige und rücksichtslos feindselige Benehmen der Montenegriner gegen ihre türkischen Nachbarn. – In der Familie des Vladika dauert der Zwiespalt fort, und scheint in neuerer Zeit sogar noch ernstlicher geworden zu seyn.

Großbritannien.

Aus den neulichen Oberhausdebatten über die Marine ist folgende Notiz nachzutragen. Als Lord Melbourne unter Anderm behauptete, der Herzog von Wellington habe im Jahr 1830, als er noch Premierminister war, Vorstellungen gegen

<TEI>
  <text>
    <front>
      <pb facs="#f0001" n="0409"/><lb/>
      <titlePage type="heading">
        <docTitle>
          <titlePart type="main">Augsburger Allgemeine Zeitung.</titlePart><lb/>
          <titlePart type="jImprimatur">Mit allerhöchsten Privilegien.</titlePart>
        </docTitle><lb/>
        <docImprint>
          <docDate>Freitag</docDate>
        </docImprint><lb/>
        <titlePart type="volume">Nr. 52.</titlePart><lb/>
        <docImprint>
          <docDate>21 Februar 1840</docDate>
        </docImprint>
      </titlePage>
    </front>
    <body>
      <div n="1">
        <head> <hi rendition="#b">Vereinigte Staaten von Nordamerika.</hi> </head><lb/>
        <p>Durch das Paketboot Sheridan hat man in England Briefe und Blätter aus <hi rendition="#b">New-York</hi> bis zum 25 Jan. Der greise General Jackson hatte die Stadt Neu-Orleans, den Schauplatz seines kriegerischen Ruhms, besucht, und war mit Enthusiasmus empfangen worden. Der Congreß war mit langen und langweiligen Debatten über die Sub-Treasury-Bill beschäftigt gewesen; der Hauptsprecher der Opposition war Hr. Adams, welcher dieses Project als einen Kunstgriff bezeichnete, das ganze Land mit Patronat zu &#x201E;überschatten&#x201C; und in den Cassen der Executivgewalt baares Geld anzuhäufen. Die nordöstliche Gränzfrage nimmt wieder ein etwas kriegerisches Aussehen an. &#x201E;In der Congreßsitzung vom 23 Jan.&#x201C;, sagt der <hi rendition="#g">Advertiser</hi>, &#x201E;ward, in Bezug auf die Resolutionen des Senats des Staats Maine, eine wichtige Botschaft des Präsidenten über diese Angelegenheit eingebracht. Diese Botschaft umfaßt alle Correspondenz zwischen dem brittischen Gesandten, Hrn. Fox, dem amerikanischen Minister des Auswärtigen, Hrn. Forsyth, und dem Gouverneur von Maine in Bezug auf die Besetzung eines Theils des strittigen Gränzgebiets durch brittische Truppen. Auf Verlangen der HH. Ruggles und Williams wurden Stücke der Correspondenz gelesen, nämlich die Briefe der HH. Fox und Forsyth, deren sich jeder beklagt, daß die von dem General Scott und dem Generallieutenant Sir John Harvey eingegangenen Stipulationen sowohl von Seite des Staats Maine als der brittischen Behörden verletzt worden seyen. Was die Besetzung des Gränzgebiets durch brittische Truppen betrifft, so entschuldigt Hr. Fox diesen Vorgang damit, die Occupation habe als eine Präventionsmaaßregel auf das Gerücht hin stattgefunden, daß von Seite Maine's eine Verletzung des eingegangenen Vertrags im Werke sey &#x2013; ein Gerücht, das durch die letzte leidenschaftliche Botschaft des Gouverneurs Fairfield an die Legislatur von Maine einen Grad von Glaubwürdigkeit erlangt. Hr. Forsyth andrerseits findet den Einmarsch brittischer Truppen ganz und gar unentschuldbar, und nennt ihn einen Bruch der Uebereinkunft zwischen beiden Regierungen. Hr. Fox antwortet, er habe darüber an seine Regierung berichtet, worauf Hr. Forsyth erwiedert, er sey überzeugt, daß die brittische Regierung die Besetzung als eine rechtswidrige betrachten, und die Zurückziehung der Truppen befehlen werde. So liegt zur Zeit die Sache. Der Washingtoner Correspondent des <hi rendition="#g">New</hi>-<hi rendition="#g">York Daily Expreß</hi> bemerkt darüber: &#x201E;&#x201E;Die Correspondenz zwischen dem Minister des Auswärtigen und dem brittischen Gesandten, wiewohl in achtungsvoller und würdiger Sprache gehalten, verräth einige Gereiztheit. Ein leichter Windhauch könnte die glühende Asche zur Flamme anfachen.&#x201C;&#x201C; Die Präsidentenbotschaft wurde in 5000 Exemplaren gedruckt. Gleichzeitig hat der Gouverneur der brittischen Colonie Neu-Braunschweig, Sir J. Harvey, ein Memorandum erlassen, worin er die Gränzer ermahnt, &#x201E;falls es zwischen England und den Vereinigten Staaten zu Feindseligkeiten kommen sollte, sich ruhig zu verhalten, und die Ausfechtung des Kampfs der beiderseitigen Militärmacht zu überlassen.&#x201C; Die letzte Gränzaufnahme durch die beiden brittischen Commissäre scheint sehr zu Gunsten der brittischen Ansprüche ausgefallen zu seyn. &#x2013; Im Senat zu Washington ist zum drittenmal eine Bill verlesen worden, die, um <hi rendition="#g">Florida</hi> zu colonisiren und die Eingebornen zu vernichten oder zu vertreiben, den ersten 10,000 waffenfähigen Weißen, die sich östlich von den Sumanees und südlich vom Cap Sable anbauen wollen, 320 Acker Landes für jeden auf eine bestimmte Reihe von Jahren abgabenfrei und selbst gerichtlich unantastbar bewilligt. Zu Anfang und bis die Eingebornen dieß geschehen lassen, müssen solche Ansiedler sich stationsweise zu 40 bis 100 Mann unter Beihülfe der Truppen ein Blockhaus errichten und in dessen Umgebung selbst ihre Nahrung bauen. Waffen, Kleidung und ersten Unterhalt liefern die Vereinigten Staaten. Der Plan des Kriegsministeriums, zur Aufspürung und Niederhetzung der Indianer in Florida große Schweißhunde aus Cuba zu gebrauchen, wurde von einigen menschlichgesinnten Mitgliedern des Congresses mit Indignation zur Sprache gebracht. &#x2013; Nachrichten aus der Negercolonie <hi rendition="#g">Liberia</hi> zufolge dauerte der Sklavenhandel an der Küste von Westafrika trotz aller Bemühungen der englischen und amerikanischen Regierung lebhaft fort, und die meisten dazu gebrauchten Schiffe sind Eigenthum amerikanischer Bürger. Durch brittische Kreuzer wurden in letzterer Zeit über 20 solcher Fahrzeuge weggenommen. &#x2013; In der Stadt Wilmington (Nord-Carolina) wurden durch einen Brand 150 Häuser in Asche gelegt.</p><lb/>
      </div>
      <div n="1">
        <head> <hi rendition="#b">Oesterreich.</hi> </head><lb/>
        <div n="2">
          <byline>
            <docAuthor>
              <gap reason="insignificant"/>
            </docAuthor>
          </byline>
          <dateline><hi rendition="#b">Wien,</hi> 15 Febr.</dateline>
          <p> Ihre Maj. die Königin von Sachsen wird bestimmt im Laufe des heutigen Tags in der kais. Hofburg erwartet, und dem Vernehmen nach etwa drei Wochen in Mitte der nahe anverwandten Kaiserfamilie verweilen. &#x2013; Allerhöchster Anordnung gemäß wird das erledigte Infanterieregiment, Wilhelm Herzog von Nassau, von nun an den Namen seines bisherigen zweiten Inhabers des Feldmarschalllieutenants v. Fölseis führen. Der Generalmajor v. Neu ist gestorben &#x2013; Der k. k. Gesandte am Hofe von St. Petersburg, Graf v. Fiquelmont, trifft nun bereits Vorkehrungen, um sich in Bälde wieder auf seinen Posten zu begeben. &#x2013; Graf St. Aulaire, der französische Botschafter am hiesigen Hofe, verweilt noch hier, und der Antritt seines, schon seit längerer Zeit beabsichtigten Urlaubs scheint noch keineswegs genau bestimmt zu seyn.</p>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <byline>
            <gap reason="insignificant" unit="chars" quantity="1"/>
          </byline>
          <dateline><hi rendition="#b">Wien,</hi> 16 Febr.</dateline>
          <p> Ihre Maj. die Königin von Sachsen ist gestern im Laufe des Nachmittags zum Besuche des allerhöchsten Hofes hier angekommen und in der Hofburg abgestiegen. Man sagt sich, dieser überraschende Besuch sey die Eingebung zartsinniger Theilnahme an dem Verluste, welchen die Schwester Ihrer Maj., die durchlauchtigste Frau Erzherzogin Sophie, durch das Ableben ihrer Tochter, der jungen Erzherzogin Maria Anna Carolina, erlitten hat. Die Ihnen von Neapel zugekommene Nachricht, daß der König von Neapel unsern Hof besuchen werde, bestätigt sich. Er wird in Begleitung seiner erlauchten Gemahlin kommendes Frühjahr in Wien erwartet. &#x2013; Aus Pesth wird geschrieben, daß der General der Cavallerie und Capitän der ungarischen Leibgarde, Baron Ignaz Splenyi, schwer erkrankt sey.</p><lb/>
        </div>
      </div>
      <div type="jArticle" n="1">
        <head> <hi rendition="#b">Türkei.</hi> </head><lb/>
        <div n="2">
          <byline>
            <docAuthor>
              <gap reason="insignificant"/>
            </docAuthor>
          </byline>
          <dateline><hi rendition="#b">Konstantinopel,</hi> 31 Jan.</dateline>
          <p> Der Sultan kränkelt und nimmt in seiner Gesundheit zusehends ab. Man will wissen, daß Se. Hoheit an Brustbeschwerden leide und besorgt, dieselbe Krankheit, die dem Leben Mahmuds ein Ende machte, habe bereits auch seinen Sohn ergriffen. Indessen versichern gut unterrichtete Personen aus den Umgebungen des Großherrn, daß sich noch kein Symptom einer bedenklichen Brustaffection eingestellt habe; sie schreiben vielmehr die Abmagerung und den geschwächten Zustand Sr. Hoh. andern Ursachen zu. Der sechszehnjährige Monarch pflegt täglich bei Sonnenuntergang seinen Harem zu besuchen, wo er gewöhnlich bis spät in die Nacht verweilt. Vier seiner Frauen sind bereits gesegneten Leibes, und der Padischah dürfte schon im nächsten Mai mit vier Nachkommen beglückt werden.</p>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <byline>
            <gap reason="insignificant" unit="chars" quantity="1"/>
          </byline>
          <dateline><hi rendition="#b">Von der montenegrinischen Gränze,</hi> 4 Febr.</dateline>
          <p> In der Festung Podgoritza sind kürzlich Spuren einer Verschwörung entdeckt worden, welche zum Zweck hatte, diese Festung den Montenegrinern ohne Schwertstreich zu überliefern. Zur Ausführung dieses Planes sollte ein mit vieler Bestimmtheit als nahe bevorstehend angekündigter allgemeiner Aufstand der Christen in sämmtlichen europäisch-türkischen Provinzen das Signal geben. Offenbar ist diese Conspiration im Zusammenhang mit der in den ersten Tagen dieses Jahrs in Griechenland entdeckten Verschwörung, und es gibt Leute genug, die eine ähnliche Zwecke hegende geheime Correspondenz des Vladika mit christlichen Bewohnern Albaniens und Thessaliens schon seit einigen Jahren bemerkt haben wollen. (Ich kann nicht umhin, Ihre Leser auf den Bericht aus Konstantinopel vom 4 Jan. 1837 [S. Allgem. Zeitung vom Jahr 1837 Nr. 34 Beilage.] wo schon von dem Bestehen eines der Hatärie ähnlichen Bundes die Rede ist, aufmerksam zu machen. Damals wurde diese Behauptung als zu gewagt betrachtet.) Ein solches Verhältniß erklärt auch das bisherige übermüthige und rücksichtslos feindselige Benehmen der Montenegriner gegen ihre türkischen Nachbarn. &#x2013; In der Familie des Vladika dauert der Zwiespalt fort, und scheint in neuerer Zeit sogar noch ernstlicher geworden zu seyn.</p>
        </div>
      </div><lb/>
      <div n="1">
        <head> <hi rendition="#b">Großbritannien.</hi> </head><lb/>
        <div n="2">
          <byline>
            <docAuthor>
              <gap reason="insignificant"/>
            </docAuthor>
          </byline>
          <dateline><hi rendition="#b">London,</hi> 14 Febr.</dateline><lb/>
          <p>Aus den neulichen Oberhausdebatten über die Marine ist folgende Notiz nachzutragen. Als Lord Melbourne unter Anderm behauptete, der Herzog von Wellington habe im Jahr 1830, als er noch Premierminister war, Vorstellungen gegen<lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[0409/0001] Augsburger Allgemeine Zeitung. Mit allerhöchsten Privilegien. Freitag Nr. 52. 21 Februar 1840 Vereinigte Staaten von Nordamerika. Durch das Paketboot Sheridan hat man in England Briefe und Blätter aus New-York bis zum 25 Jan. Der greise General Jackson hatte die Stadt Neu-Orleans, den Schauplatz seines kriegerischen Ruhms, besucht, und war mit Enthusiasmus empfangen worden. Der Congreß war mit langen und langweiligen Debatten über die Sub-Treasury-Bill beschäftigt gewesen; der Hauptsprecher der Opposition war Hr. Adams, welcher dieses Project als einen Kunstgriff bezeichnete, das ganze Land mit Patronat zu „überschatten“ und in den Cassen der Executivgewalt baares Geld anzuhäufen. Die nordöstliche Gränzfrage nimmt wieder ein etwas kriegerisches Aussehen an. „In der Congreßsitzung vom 23 Jan.“, sagt der Advertiser, „ward, in Bezug auf die Resolutionen des Senats des Staats Maine, eine wichtige Botschaft des Präsidenten über diese Angelegenheit eingebracht. Diese Botschaft umfaßt alle Correspondenz zwischen dem brittischen Gesandten, Hrn. Fox, dem amerikanischen Minister des Auswärtigen, Hrn. Forsyth, und dem Gouverneur von Maine in Bezug auf die Besetzung eines Theils des strittigen Gränzgebiets durch brittische Truppen. Auf Verlangen der HH. Ruggles und Williams wurden Stücke der Correspondenz gelesen, nämlich die Briefe der HH. Fox und Forsyth, deren sich jeder beklagt, daß die von dem General Scott und dem Generallieutenant Sir John Harvey eingegangenen Stipulationen sowohl von Seite des Staats Maine als der brittischen Behörden verletzt worden seyen. Was die Besetzung des Gränzgebiets durch brittische Truppen betrifft, so entschuldigt Hr. Fox diesen Vorgang damit, die Occupation habe als eine Präventionsmaaßregel auf das Gerücht hin stattgefunden, daß von Seite Maine's eine Verletzung des eingegangenen Vertrags im Werke sey – ein Gerücht, das durch die letzte leidenschaftliche Botschaft des Gouverneurs Fairfield an die Legislatur von Maine einen Grad von Glaubwürdigkeit erlangt. Hr. Forsyth andrerseits findet den Einmarsch brittischer Truppen ganz und gar unentschuldbar, und nennt ihn einen Bruch der Uebereinkunft zwischen beiden Regierungen. Hr. Fox antwortet, er habe darüber an seine Regierung berichtet, worauf Hr. Forsyth erwiedert, er sey überzeugt, daß die brittische Regierung die Besetzung als eine rechtswidrige betrachten, und die Zurückziehung der Truppen befehlen werde. So liegt zur Zeit die Sache. Der Washingtoner Correspondent des New-York Daily Expreß bemerkt darüber: „„Die Correspondenz zwischen dem Minister des Auswärtigen und dem brittischen Gesandten, wiewohl in achtungsvoller und würdiger Sprache gehalten, verräth einige Gereiztheit. Ein leichter Windhauch könnte die glühende Asche zur Flamme anfachen.““ Die Präsidentenbotschaft wurde in 5000 Exemplaren gedruckt. Gleichzeitig hat der Gouverneur der brittischen Colonie Neu-Braunschweig, Sir J. Harvey, ein Memorandum erlassen, worin er die Gränzer ermahnt, „falls es zwischen England und den Vereinigten Staaten zu Feindseligkeiten kommen sollte, sich ruhig zu verhalten, und die Ausfechtung des Kampfs der beiderseitigen Militärmacht zu überlassen.“ Die letzte Gränzaufnahme durch die beiden brittischen Commissäre scheint sehr zu Gunsten der brittischen Ansprüche ausgefallen zu seyn. – Im Senat zu Washington ist zum drittenmal eine Bill verlesen worden, die, um Florida zu colonisiren und die Eingebornen zu vernichten oder zu vertreiben, den ersten 10,000 waffenfähigen Weißen, die sich östlich von den Sumanees und südlich vom Cap Sable anbauen wollen, 320 Acker Landes für jeden auf eine bestimmte Reihe von Jahren abgabenfrei und selbst gerichtlich unantastbar bewilligt. Zu Anfang und bis die Eingebornen dieß geschehen lassen, müssen solche Ansiedler sich stationsweise zu 40 bis 100 Mann unter Beihülfe der Truppen ein Blockhaus errichten und in dessen Umgebung selbst ihre Nahrung bauen. Waffen, Kleidung und ersten Unterhalt liefern die Vereinigten Staaten. Der Plan des Kriegsministeriums, zur Aufspürung und Niederhetzung der Indianer in Florida große Schweißhunde aus Cuba zu gebrauchen, wurde von einigen menschlichgesinnten Mitgliedern des Congresses mit Indignation zur Sprache gebracht. – Nachrichten aus der Negercolonie Liberia zufolge dauerte der Sklavenhandel an der Küste von Westafrika trotz aller Bemühungen der englischen und amerikanischen Regierung lebhaft fort, und die meisten dazu gebrauchten Schiffe sind Eigenthum amerikanischer Bürger. Durch brittische Kreuzer wurden in letzterer Zeit über 20 solcher Fahrzeuge weggenommen. – In der Stadt Wilmington (Nord-Carolina) wurden durch einen Brand 150 Häuser in Asche gelegt. Oesterreich. _ Wien, 15 Febr. Ihre Maj. die Königin von Sachsen wird bestimmt im Laufe des heutigen Tags in der kais. Hofburg erwartet, und dem Vernehmen nach etwa drei Wochen in Mitte der nahe anverwandten Kaiserfamilie verweilen. – Allerhöchster Anordnung gemäß wird das erledigte Infanterieregiment, Wilhelm Herzog von Nassau, von nun an den Namen seines bisherigen zweiten Inhabers des Feldmarschalllieutenants v. Fölseis führen. Der Generalmajor v. Neu ist gestorben – Der k. k. Gesandte am Hofe von St. Petersburg, Graf v. Fiquelmont, trifft nun bereits Vorkehrungen, um sich in Bälde wieder auf seinen Posten zu begeben. – Graf St. Aulaire, der französische Botschafter am hiesigen Hofe, verweilt noch hier, und der Antritt seines, schon seit längerer Zeit beabsichtigten Urlaubs scheint noch keineswegs genau bestimmt zu seyn. _ Wien, 16 Febr. Ihre Maj. die Königin von Sachsen ist gestern im Laufe des Nachmittags zum Besuche des allerhöchsten Hofes hier angekommen und in der Hofburg abgestiegen. Man sagt sich, dieser überraschende Besuch sey die Eingebung zartsinniger Theilnahme an dem Verluste, welchen die Schwester Ihrer Maj., die durchlauchtigste Frau Erzherzogin Sophie, durch das Ableben ihrer Tochter, der jungen Erzherzogin Maria Anna Carolina, erlitten hat. Die Ihnen von Neapel zugekommene Nachricht, daß der König von Neapel unsern Hof besuchen werde, bestätigt sich. Er wird in Begleitung seiner erlauchten Gemahlin kommendes Frühjahr in Wien erwartet. – Aus Pesth wird geschrieben, daß der General der Cavallerie und Capitän der ungarischen Leibgarde, Baron Ignaz Splenyi, schwer erkrankt sey. Türkei. _ Konstantinopel, 31 Jan. Der Sultan kränkelt und nimmt in seiner Gesundheit zusehends ab. Man will wissen, daß Se. Hoheit an Brustbeschwerden leide und besorgt, dieselbe Krankheit, die dem Leben Mahmuds ein Ende machte, habe bereits auch seinen Sohn ergriffen. Indessen versichern gut unterrichtete Personen aus den Umgebungen des Großherrn, daß sich noch kein Symptom einer bedenklichen Brustaffection eingestellt habe; sie schreiben vielmehr die Abmagerung und den geschwächten Zustand Sr. Hoh. andern Ursachen zu. Der sechszehnjährige Monarch pflegt täglich bei Sonnenuntergang seinen Harem zu besuchen, wo er gewöhnlich bis spät in die Nacht verweilt. Vier seiner Frauen sind bereits gesegneten Leibes, und der Padischah dürfte schon im nächsten Mai mit vier Nachkommen beglückt werden. _ Von der montenegrinischen Gränze, 4 Febr. In der Festung Podgoritza sind kürzlich Spuren einer Verschwörung entdeckt worden, welche zum Zweck hatte, diese Festung den Montenegrinern ohne Schwertstreich zu überliefern. Zur Ausführung dieses Planes sollte ein mit vieler Bestimmtheit als nahe bevorstehend angekündigter allgemeiner Aufstand der Christen in sämmtlichen europäisch-türkischen Provinzen das Signal geben. Offenbar ist diese Conspiration im Zusammenhang mit der in den ersten Tagen dieses Jahrs in Griechenland entdeckten Verschwörung, und es gibt Leute genug, die eine ähnliche Zwecke hegende geheime Correspondenz des Vladika mit christlichen Bewohnern Albaniens und Thessaliens schon seit einigen Jahren bemerkt haben wollen. (Ich kann nicht umhin, Ihre Leser auf den Bericht aus Konstantinopel vom 4 Jan. 1837 [S. Allgem. Zeitung vom Jahr 1837 Nr. 34 Beilage.] wo schon von dem Bestehen eines der Hatärie ähnlichen Bundes die Rede ist, aufmerksam zu machen. Damals wurde diese Behauptung als zu gewagt betrachtet.) Ein solches Verhältniß erklärt auch das bisherige übermüthige und rücksichtslos feindselige Benehmen der Montenegriner gegen ihre türkischen Nachbarn. – In der Familie des Vladika dauert der Zwiespalt fort, und scheint in neuerer Zeit sogar noch ernstlicher geworden zu seyn. Großbritannien. _ London, 14 Febr. Aus den neulichen Oberhausdebatten über die Marine ist folgende Notiz nachzutragen. Als Lord Melbourne unter Anderm behauptete, der Herzog von Wellington habe im Jahr 1830, als er noch Premierminister war, Vorstellungen gegen

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Deutsches Textarchiv: Bereitstellung der Texttranskription. (2016-06-28T11:37:15Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Matthias Boenig: Bearbeitung der digitalen Edition. (2016-06-28T11:37:15Z)

Weitere Informationen:

Bogensignaturen: gekennzeichnet; Druckfehler: keine Angabe; fremdsprachliches Material: gekennzeichnet; Geminations-/Abkürzungsstriche: keine Angabe; Hervorhebungen (Antiqua, Sperrschrift, Kursive etc.): wie Vorlage; i/j in Fraktur: Lautwert transkribiert; I/J in Fraktur: Lautwert transkribiert; Kolumnentitel: gekennzeichnet; Kustoden: gekennzeichnet; langes s (ſ): als s transkribiert; Normalisierungen: keine Angabe; rundes r (&#xa75b;): als r/et transkribiert; Seitenumbrüche markiert: ja; Silbentrennung: aufgelöst; u/v bzw. U/V: Lautwert transkribiert; Vokale mit übergest. e: als ä/ö/ü transkribiert; Vollständigkeit: teilweise erfasst; Zeichensetzung: wie Vorlage; Zeilenumbrüche markiert: nein;




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/augsburgerallgemeine_052_18400221
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/augsburgerallgemeine_052_18400221/1
Zitationshilfe: Allgemeine Zeitung. Nr. 52. Augsburg, 21. Februar 1840, S. 0409. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/augsburgerallgemeine_052_18400221/1>, abgerufen am 12.04.2021.