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Busch und Rosenbusch, Hanns Christoph von: Es verändert sich alles in der Welt! Görlitz, 1696.

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Abdanckungs-Rede.
einem halben Jahr der Frau Mutter voran-
gegangen/ Jhm gleichfalls muste sehr empfindlich
gefallen seyn: allein/ wer siehet nicht/ daß der Ver-
lust der Kinder ersetzlich gewesen: das Ableben aber
dieses seines geliebtesten Ehe-Schatzes nicht
könne ersetzet werden: und umb so viel schmertzlicher
sey: weil zugleich mit Jhr die Helffte seines
Hertzens
gestorben? Zumahlen keine genauere
Verbindung derer Hertzen: als diejenige/ welche in
dem Creysse eines Trau-Ringes geschlossen wird.
Der Tod kan selbige zwar auflösen: nicht aber zu-
gleich das Gedächtniß der geliebten Person in dem
Hertzen auslöschen: wie etwan dasjenige/ was der
Pinsel an die Wand mahlet/ durch die Nässe abge-
wischet werden kan. Trauer-Kleider sind zwar ein
äusserliches Zeichen desjenigen Betrübnisses/ so das
Hertze betroffen: es geschiehet aber doch gleichwol
nicht selten: daß unter einem schwartzen Kleide ein
fröliches Gemüthe verborgen lieget. Bey unserm
Hoch-betrübten Herrn Leidtragenden

siehet von aussen das Kleid/ von innen aber das
Gemüthe recht schwartz aus: weil seine höchst-

ange-

Abdanckungs-Rede.
einem halben Jahr der Frau Mutter voran-
gegangen/ Jhm gleichfalls muſte ſehr empfindlich
gefallen ſeyn: allein/ wer ſiehet nicht/ daß der Ver-
luſt der Kinder erſetzlich geweſen: das Ableben aber
dieſes ſeines geliebteſten Ehe-Schatzes nicht
koͤnne erſetzet werden: und umb ſo viel ſchmertzlicher
ſey: weil zugleich mit Jhr die Helffte ſeines
Hertzens
geſtorben? Zumahlen keine genauere
Verbindung derer Hertzen: als diejenige/ welche in
dem Creyſſe eines Trau-Ringes geſchloſſen wird.
Der Tod kan ſelbige zwar aufloͤſen: nicht aber zu-
gleich das Gedaͤchtniß der geliebten Perſon in dem
Hertzen ausloͤſchen: wie etwan dasjenige/ was der
Pinſel an die Wand mahlet/ durch die Naͤſſe abge-
wiſchet werden kan. Trauer-Kleider ſind zwar ein
aͤuſſerliches Zeichen desjenigen Betruͤbniſſes/ ſo das
Hertze betroffen: es geſchiehet aber doch gleichwol
nicht ſelten: daß unter einem ſchwartzen Kleide ein
froͤliches Gemuͤthe verborgen lieget. Bey unſerm
Hoch-betruͤbten Herrn Leidtragenden

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[12/0012] Abdanckungs-Rede. einem halben Jahr der Frau Mutter voran- gegangen/ Jhm gleichfalls muſte ſehr empfindlich gefallen ſeyn: allein/ wer ſiehet nicht/ daß der Ver- luſt der Kinder erſetzlich geweſen: das Ableben aber dieſes ſeines geliebteſten Ehe-Schatzes nicht koͤnne erſetzet werden: und umb ſo viel ſchmertzlicher ſey: weil zugleich mit Jhr die Helffte ſeines Hertzens geſtorben? Zumahlen keine genauere Verbindung derer Hertzen: als diejenige/ welche in dem Creyſſe eines Trau-Ringes geſchloſſen wird. Der Tod kan ſelbige zwar aufloͤſen: nicht aber zu- gleich das Gedaͤchtniß der geliebten Perſon in dem Hertzen ausloͤſchen: wie etwan dasjenige/ was der Pinſel an die Wand mahlet/ durch die Naͤſſe abge- wiſchet werden kan. Trauer-Kleider ſind zwar ein aͤuſſerliches Zeichen desjenigen Betruͤbniſſes/ ſo das Hertze betroffen: es geſchiehet aber doch gleichwol nicht ſelten: daß unter einem ſchwartzen Kleide ein froͤliches Gemuͤthe verborgen lieget. Bey unſerm Hoch-betruͤbten Herrn Leidtragenden ſiehet von auſſen das Kleid/ von innen aber das Gemuͤthe recht ſchwartz aus: weil ſeine hoͤchſt- ange-

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Zitationshilfe: Busch und Rosenbusch, Hanns Christoph von: Es verändert sich alles in der Welt! Görlitz, 1696, S. 12. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/509979/12>, abgerufen am 23.04.2021.