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Hartmann, Adam Samuel: Der letzte Wille des Sohnes Gottes. Lissa, 1677.

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Christliche Leich-Predigt.
rer/ Bekenner/ Lehrer/ Zuhörer/ etc. Jch rede mit Paulo nicht
mit Dionysio Areopagita und seiner Hierarchy. * Wiewol
ihm auch/ meines erachtens/ solches nur angedichtet wird.

Wann nu einer GOtt gedienet/ und Jhm zu Ehren was gelit-
ten/ je mehr er umb seinet willen gearbeitet und gelitten/ je mehr
wird er von Jhm gelohnet. GOtt wird doch da an seinen Gläu-
bigen nichts als seine Gnaden-Gaben krönen. Nu dann die Gna-
den-Gaben hier in diesem Leben diversi gradaus, unterschiedlich
gewesen; so ist kein zweiffel Er werde Sie auch unterschiedlich krö-
nen. Hier hat einer den andern übertroffen in den Gaben der
* Gnaden-
Gaben.
Gnade/
* Dort wird Er ihn übertreffen in der Belohnung
* Gnaden-
Belohnun-
gen.
der Herrligkeit.
*

VIII. Bey Christo zu seyn/ ist die allerlieblichste Ergetz-
Genes. 32.
v.
17, 18.
ligkeit.
Viel lieblicher als bey dem güldenen Kalbe der Kinder
Jsrael. Wie soll da nicht die gröste Lust und Ergetzligkeit seyn/ da
die besten vertrawlichsten Hertzens-Freunde und Bekandten zu-
sammen kommen? Nicht nur die welche wir hie kennen/ mit denen
wir etwa verwandt seyn; sondern auch die/ welche wir nie gesehen/
oder von ihnen kaum (oder gar nicht) gehöret/ werden wir voll-
kömlich erkennen/ die aber doch am ersten und besten/ die uns hier
näher und angehörig gewesen. Und/ wie wohl wirds uns doch
umbs Hertz seyn/ wenn da die Kinder werden sagen: das ist un-
sre Mutter/
die uns gebohren hat/ und Sie: das sind meine
Kinder/
die mir GOtt gegeben hat. Und der Lehrer: das sind

mei-
* Nimis audaces sunt, qvi hancsententiam Dionysio Areopagitae adscribunt.
Et hoc qvod ipsi tribuitur scriptum, merito Doctis suspectum est. Neq; enim Pa-
tres ejus Seculi tam cito posuere oblivisci praecepti Apostolici. 1. Cor. 4, 6. Et Elias
ille, qvi Nazianzeno operam sacrare voluit, liberalis est in suo Trichorio. Nudae
certe sunt ejus speculationes, nec scripturae nec rationis calculo fultae. Modestius
cum ipso Nazianzeno dixisset: Angelis pro suae naturae & ordinis ratione tanta
pulchritudinis copia est impressa, ut secundaria qvaedam Lumina sint. (Agnoscit
ordinem, sed non determinat.
) Eadem mansvetudo ingenii est Augustino, qvi
fatetur, se rationem hujus distinctionis ignorare. Aug. C. 11. contra Priscillian [verlorenes Material - 3 Zeichen fehlen]

Chriſtliche Leich-Predigt.
rer/ Bekenner/ Lehrer/ Zuhoͤrer/ ꝛc. Jch rede mit Paulo nicht
mit Dionyſio Areopagita und ſeiner Hierarchy. * Wiewol
ihm auch/ meines erachtens/ ſolches nur angedichtet wird.

Wann nu einer GOtt gedienet/ und Jhm zu Ehren was gelit-
ten/ je mehr er umb ſeinet willen gearbeitet und gelitten/ je mehr
wird er von Jhm gelohnet. GOtt wird doch da an ſeinen Glaͤu-
bigen nichts als ſeine Gnaden-Gaben krönen. Nu dann die Gna-
den-Gaben hier in dieſem Leben diverſi gradûs, unterſchiedlich
geweſen; ſo iſt kein zweiffel Er werde Sie auch unterſchiedlich kroͤ-
nen. Hier hat einer den andern uͤbertroffen in den Gaben der
* Gnaden-
Gaben.
Gnade/
* Dort wird Er ihn übertreffen in der Belohnung
* Gnaden-
Belohnun-
gen.
der Herꝛligkeit.
*

VIII. Bey Chriſto zu ſeyn/ iſt die allerlieblichſte Ergetz-
Geneſ. 32.
v.
17, 18.
ligkeit.
Viel lieblicher als bey dem guͤldenen Kalbe der Kinder
Jſrael. Wie ſoll da nicht die groͤſte Luſt und Ergetzligkeit ſeyn/ da
die beſten vertrawlichſten Hertzens-Freunde und Bekandten zu-
ſam̃en kommen? Nicht nur die welche wir hie kennen/ mit denen
wir etwa verwandt ſeyn; ſondern auch die/ welche wir nie geſehen/
oder von ihnen kaum (oder gar nicht) gehoͤret/ werden wir voll-
koͤmlich erkennen/ die aber doch am erſten und beſten/ die uns hier
naͤher und angehoͤrig geweſen. Und/ wie wohl wirds uns doch
umbs Hertz ſeyn/ wenn da die Kinder werden ſagen: das iſt un-
ſre Mutter/
die uns gebohren hat/ und Sie: das ſind meine
Kinder/
die mir GOtt gegeben hat. Und der Lehrer: das ſind

mei-
* Nimis audaces ſunt, qvi hancſententiam Dionyſio Areopagitæ adſcribunt.
Et hoc qvod ipſi tribuitur ſcriptum, meritò Doctis ſuſpectum eſt. Neq́; enim Pa-
tres ejus Seculi tàm citò poſuere obliviſci præcepti Apoſtolici. 1. Cor. 4, 6. Et Elias
ille, qvi Nazianzeno operam ſacrare voluit, liberalis eſt in ſuo Trichorio. Nudæ
certè ſunt ejus ſpeculationes, nec ſcripturæ nec rationis calculo fultæ. Modeſtiùs
cum ipſo Nazianzeno dixiſſet: Angelis pro ſuæ naturæ & ordinis ratione tanta
pulchritudinis copia eſt impreſſa, ut ſecundaria qvædam Lumina ſint. (Agnoſcit
ordinem, ſed non determinat.
) Eadem manſvetudo ingenii eſt Auguſtino, qvi
fatetur, ſe rationem hujus diſtinctionis ignorare. Aug. C. 11. contra Priſcillian [verlorenes Material – 3 Zeichen fehlen]
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[18/0020] Chriſtliche Leich-Predigt. rer/ Bekenner/ Lehrer/ Zuhoͤrer/ ꝛc. Jch rede mit Paulo nicht mit Dionyſio Areopagita und ſeiner Hierarchy. * Wiewol ihm auch/ meines erachtens/ ſolches nur angedichtet wird. Wann nu einer GOtt gedienet/ und Jhm zu Ehren was gelit- ten/ je mehr er umb ſeinet willen gearbeitet und gelitten/ je mehr wird er von Jhm gelohnet. GOtt wird doch da an ſeinen Glaͤu- bigen nichts als ſeine Gnaden-Gaben krönen. Nu dann die Gna- den-Gaben hier in dieſem Leben diverſi gradûs, unterſchiedlich geweſen; ſo iſt kein zweiffel Er werde Sie auch unterſchiedlich kroͤ- nen. Hier hat einer den andern uͤbertroffen in den Gaben der Gnade/ * Dort wird Er ihn übertreffen in der Belohnung der Herꝛligkeit. * VIII. Bey Chriſto zu ſeyn/ iſt die allerlieblichſte Ergetz- ligkeit. Viel lieblicher als bey dem guͤldenen Kalbe der Kinder Jſrael. Wie ſoll da nicht die groͤſte Luſt und Ergetzligkeit ſeyn/ da die beſten vertrawlichſten Hertzens-Freunde und Bekandten zu- ſam̃en kommen? Nicht nur die welche wir hie kennen/ mit denen wir etwa verwandt ſeyn; ſondern auch die/ welche wir nie geſehen/ oder von ihnen kaum (oder gar nicht) gehoͤret/ werden wir voll- koͤmlich erkennen/ die aber doch am erſten und beſten/ die uns hier naͤher und angehoͤrig geweſen. Und/ wie wohl wirds uns doch umbs Hertz ſeyn/ wenn da die Kinder werden ſagen: das iſt un- ſre Mutter/ die uns gebohren hat/ und Sie: das ſind meine Kinder/ die mir GOtt gegeben hat. Und der Lehrer: das ſind mei- * Nimis audaces ſunt, qvi hancſententiam Dionyſio Areopagitæ adſcribunt. Et hoc qvod ipſi tribuitur ſcriptum, meritò Doctis ſuſpectum eſt. Neq́; enim Pa- tres ejus Seculi tàm citò poſuere obliviſci præcepti Apoſtolici. 1. Cor. 4, 6. Et Elias ille, qvi Nazianzeno operam ſacrare voluit, liberalis eſt in ſuo Trichorio. Nudæ certè ſunt ejus ſpeculationes, nec ſcripturæ nec rationis calculo fultæ. Modeſtiùs cum ipſo Nazianzeno dixiſſet: Angelis pro ſuæ naturæ & ordinis ratione tanta pulchritudinis copia eſt impreſſa, ut ſecundaria qvædam Lumina ſint. (Agnoſcit ordinem, ſed non determinat.) Eadem manſvetudo ingenii eſt Auguſtino, qvi fatetur, ſe rationem hujus diſtinctionis ignorare. Aug. C. 11. contra Priſcillian ___

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Zitationshilfe: Hartmann, Adam Samuel: Der letzte Wille des Sohnes Gottes. Lissa, 1677, S. 18. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/354523/20>, abgerufen am 18.04.2024.