sein, warum man bisher in der Marck den Anbau derselben so sehr vernachläßiget hat, daß die Kaufleute solche von den entlegensten Oer- tern, und oft ausserhalb Landes verschreiben müssen. Die Aufhebung der Gemeinheiten verschaffet nun diese Gelegenheit in aller Ab- sicht und allein durch diese Pflanzen kann der Eigenthümer eines Ackers denselben vier bis fünfmahl höher nutzen, als wenn er ihn selbst mit Weitzen besäet hätte.
§. 41.
Der Anbau der Farbekräuter und anderer ähnlichen Gewächse ist ferner eine glückliche Folge der Aufhebung der Gemeinheiten. Jst es denn nothwendig, daß aller Acker nur bloß mit Getreide bestellet werden muß? so bald ich finde, daß andere Pflanzen mir mehreren Vor- theil bringen als dieses, so verdiente ich billig den Nahmen eines Thoren, wenn ich nicht von diesem mehr und von jenem weniger erbauen wollte, so bald ich es nach meinen übrigen Verhältnissen thun kann. Denn als Land- wirth handele ich nach dem Satz: was mir das meiste einbringt, das ist mir das angenehmste, und folglich ist meine Pflicht, hierauf meine meisten Bemühungen zu richten. Wenn ich also finde, daß mir nichts im Wege stehet, z. E. Safran, Süßholz u. d. g. in Menge anzubauen, weil mir die Lage meines Ackers und der über-
flüßige
ſein, warum man bisher in der Marck den Anbau derſelben ſo ſehr vernachlaͤßiget hat, daß die Kaufleute ſolche von den entlegenſten Oer- tern, und oft auſſerhalb Landes verſchreiben muͤſſen. Die Aufhebung der Gemeinheiten verſchaffet nun dieſe Gelegenheit in aller Ab- ſicht und allein durch dieſe Pflanzen kann der Eigenthuͤmer eines Ackers denſelben vier bis fuͤnfmahl hoͤher nutzen, als wenn er ihn ſelbſt mit Weitzen beſaͤet haͤtte.
§. 41.
Der Anbau der Farbekraͤuter und anderer aͤhnlichen Gewaͤchſe iſt ferner eine gluͤckliche Folge der Aufhebung der Gemeinheiten. Jſt es denn nothwendig, daß aller Acker nur bloß mit Getreide beſtellet werden muß? ſo bald ich finde, daß andere Pflanzen mir mehreren Vor- theil bringen als dieſes, ſo verdiente ich billig den Nahmen eines Thoren, wenn ich nicht von dieſem mehr und von jenem weniger erbauen wollte, ſo bald ich es nach meinen uͤbrigen Verhaͤltniſſen thun kann. Denn als Land- wirth handele ich nach dem Satz: was mir das meiſte einbringt, das iſt mir das angenehmſte, und folglich iſt meine Pflicht, hierauf meine meiſten Bemuͤhungen zu richten. Wenn ich alſo finde, daß mir nichts im Wege ſtehet, z. E. Safran, Suͤßholz u. d. g. in Menge anzubauen, weil mir die Lage meines Ackers und der uͤber-
fluͤßige
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ſein, warum man bisher in der Marck den
Anbau derſelben ſo ſehr vernachlaͤßiget hat, daß
die Kaufleute ſolche von den entlegenſten Oer-
tern, und oft auſſerhalb Landes verſchreiben
muͤſſen. Die Aufhebung der Gemeinheiten
verſchaffet nun dieſe Gelegenheit in aller Ab-
ſicht und allein durch dieſe Pflanzen kann der
Eigenthuͤmer eines Ackers denſelben vier bis
fuͤnfmahl hoͤher nutzen, als wenn er ihn ſelbſt
mit Weitzen beſaͤet haͤtte.
§. 41.
Der Anbau der Farbekraͤuter und anderer
aͤhnlichen Gewaͤchſe iſt ferner eine gluͤckliche
Folge der Aufhebung der Gemeinheiten. Jſt
es denn nothwendig, daß aller Acker nur bloß
mit Getreide beſtellet werden muß? ſo bald ich
finde, daß andere Pflanzen mir mehreren Vor-
theil bringen als dieſes, ſo verdiente ich billig
den Nahmen eines Thoren, wenn ich nicht von
dieſem mehr und von jenem weniger erbauen
wollte, ſo bald ich es nach meinen uͤbrigen
Verhaͤltniſſen thun kann. Denn als Land-
wirth handele ich nach dem Satz: was mir das
meiſte einbringt, das iſt mir das angenehmſte,
und folglich iſt meine Pflicht, hierauf meine
meiſten Bemuͤhungen zu richten. Wenn ich
alſo finde, daß mir nichts im Wege ſtehet, z. E.
Safran, Suͤßholz u. d. g. in Menge anzubauen,
weil mir die Lage meines Ackers und der uͤber-
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Wöllner, Johann Christoph von: Die Aufhebung der Gemeinheiten in der Marck Brandenburg. Berlin, 1766, S. 70. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/woellner_aufhebung_1766/88>, abgerufen am 04.03.2025.
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