Allein man wundert sich billig dar- über, da die Gläser auswendig in freyer Luft leuchten. Jedoch dieses geschiehet, wenn sich ihnen ein unelectrisirter Körper nähert (§. 55). Die Betrachtung dieses Umstandes giebt zu- gleich zu erkennen: warum die in dem Glase eingeschloßne Luft dem electrischen Lichte hin- derlich seyn mag.
Sie liegt an allen Theilen der inwendigen Fläche dergestalt an, daß sie wegen ihrer Flüs- sigkeit auch die Vertiefungen derselben erfül- let; und hat unter ihren eignen Theilen ei- nen stetigen Zusammenhang. Gesetzt nun, sie liesse sich durch die electrische Atmosphäre, wo- mit die inwendige Fläche des Glases überzo- gen ist, electrisiren. Solchergestalt wirkten die electrischen Materien, die einander an der in- wendigen Fläche des Glases entgegen gesetzt sind, vermittelst dieser Luft, gleich stark in ein- ander. Jn gleich starken Bewegungen zwo- er electrischen Atmosphären, denen die Electrici- tät mitgetheilet worden, zeigt sich eben so we- nig ein Licht, als ein electrischer Funken (§. 69). Die Erfahrung bekräftiget das erstere, wenn
man
Der phyſicaliſche Theil
§. 231.
Allein man wundert ſich billig dar- uͤber, da die Glaͤſer auswendig in freyer Luft leuchten. Jedoch dieſes geſchiehet, wenn ſich ihnen ein unelectriſirter Koͤrper naͤhert (§. 55). Die Betrachtung dieſes Umſtandes giebt zu- gleich zu erkennen: warum die in dem Glaſe eingeſchloßne Luft dem electriſchen Lichte hin- derlich ſeyn mag.
Sie liegt an allen Theilen der inwendigen Flaͤche dergeſtalt an, daß ſie wegen ihrer Fluͤſ- ſigkeit auch die Vertiefungen derſelben erfuͤl- let; und hat unter ihren eignen Theilen ei- nen ſtetigen Zuſammenhang. Geſetzt nun, ſie lieſſe ſich durch die electriſche Atmoſphaͤre, wo- mit die inwendige Flaͤche des Glaſes uͤberzo- gen iſt, electriſiren. Solchergeſtalt wirkten die electriſchen Materien, die einander an der in- wendigen Flaͤche des Glaſes entgegen geſetzt ſind, vermittelſt dieſer Luft, gleich ſtark in ein- ander. Jn gleich ſtarken Bewegungen zwo- er electriſchen Atmoſphaͤren, denen die Electrici- taͤt mitgetheilet worden, zeigt ſich eben ſo we- nig ein Licht, als ein electriſcher Funken (§. 69). Die Erfahrung bekraͤftiget das erſtere, wenn
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Der phyſicaliſche Theil
§. 231.
Allein man wundert ſich billig dar-
uͤber, da die Glaͤſer auswendig in freyer Luft
leuchten. Jedoch dieſes geſchiehet, wenn ſich
ihnen ein unelectriſirter Koͤrper naͤhert (§. 55).
Die Betrachtung dieſes Umſtandes giebt zu-
gleich zu erkennen: warum die in dem Glaſe
eingeſchloßne Luft dem electriſchen Lichte hin-
derlich ſeyn mag.
Sie liegt an allen Theilen der inwendigen
Flaͤche dergeſtalt an, daß ſie wegen ihrer Fluͤſ-
ſigkeit auch die Vertiefungen derſelben erfuͤl-
let; und hat unter ihren eignen Theilen ei-
nen ſtetigen Zuſammenhang. Geſetzt nun, ſie
lieſſe ſich durch die electriſche Atmoſphaͤre, wo-
mit die inwendige Flaͤche des Glaſes uͤberzo-
gen iſt, electriſiren. Solchergeſtalt wirkten die
electriſchen Materien, die einander an der in-
wendigen Flaͤche des Glaſes entgegen geſetzt
ſind, vermittelſt dieſer Luft, gleich ſtark in ein-
ander. Jn gleich ſtarken Bewegungen zwo-
er electriſchen Atmoſphaͤren, denen die Electrici-
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nig ein Licht, als ein electriſcher Funken (§. 69).
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Winkler, Johann Heinrich: Gedanken von den Eigenschaften, Wirkungen und Ursachen der Electricität. Leipzig, 1744, S. 166. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/winkler_gedanken_1744/198>, abgerufen am 28.02.2025.
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