Valentini, Michael Bernhard: Museum Museorum [...] Schau-Bühne Aller Materialien und Specereyen. Frankfurt (Main), 1704.ob er schon an sich selbsten nicht unrecht wäre / so sollen doch die Türcken solchen den Christen nicht gantz zukommen lassen/ sondern sollen die beste essentz zum Färben außziehen und nachgehends mit Honig wieder anschmieren/ dahero er zum mahlen oder stosen untüchtig ist: wird sonsten zu Venedig mit current Geld eingekaufft / welches 20. pro Cento geringer/ dann Banco-Wehrung ist/ und kombt in ledernen Säcken oder Puti, deren jeder 30. Pfund Nürnberger Gewicht schwer ist/ wie theils Schurtzius, theils Marxius in den Teutschen Material-Kammeru pag. 72. berichten. Von dem Spanischen Saffran hat man sehr viele Sorten/ als den Adler Saffran oder Zima de Aquila: den Maglianischen / Aragonischen/ Puglianischen/ Ruschavoca, Catalonischen sc. unter welchen die erstere am besten sind/ und wird der Aragonische wieder in fein/ mittel und gemein Gut unterschieden. Sie werden alle von den Land-Leuten auff gewissen Jahr-Märcken zum Adler/ zu Albiges und anderstwo in Spanien/ entweder nach der Voce, oder nach eigemen Accord verkaufft/ wie Schurtzius hiervon in seiner Material-Kammer pag. 17. &amp; seqq. einen sehr weitläufftigen Bericht erstattet. Unterdessen will auch von dem Spanischen Saffran Pomet in seiner Frantzöischen Material-Kammer pag. 178. deßwegen kein groß Wesen machen/ weilen sie / aus der Meynung/ daß er sich sonsten nicht halten liesse/ Oehl darunter thäten und also denselben untüchtig machten; weßwegen er den Frantzöischen Saffran/ absonderlich denjenigen / welcher SAFRAN du GATINOIS heisset/ allen andern vorziehet/ welchen auch Charas deßwegen zum Theriac erkohren/ doch also/ daß er den Oranien-Saffran demselben gleich halte/ wie in dessen Histoire Nat. des animaux, des Plantes &amp; des Mineraux, qui entrent dans la compos. de la Theriaque pag. 129. zu sehen. Die andere aber als Safran de Toulose, d' Angouleme &amp;c. sind nicht so gut. Der Englische Saffran ist wie ein grosser runder Teller zu sammen gepresset/ wird in Engeland in 4. Saffran Märckt/ zwischen Michaelis und Allerheiligen verkaufft/ und wann er schön trucken und roth von Farben/ so ist er gut. Jetziger Zeit aber wächst und ist der beste Saffran in Oestreich unter dem Fluß der Ens/ und heisset deßwegen CROCUS AUSTRIACUS, welcher am berümbtesten/ und nicht allein alle andere Europäische Saffran / sondern auch den Orientalischen übertrifft/ wie obgemeldte Materialisten/ absonderlich aber Georg Nic. Schurtzius (welcher diesen Handel selbsten getrieben und am besten verstehet) pag. 17. in seiner Material-Kammer bezeuget/ welchem auch Vielheuer in Beschreibung frembder Materialien pag. 99. beyspringet. Einige als Tabernaemontanus wollen vorgeben/ es wächse auch umb Landau/ Wormbs und andere Orten am Rhein dergleichen Saffran; allein solches wird von dem falschen oder wilden Saffran zu verstehen seyn/ welcher von diesen Orten in Franckreich und anderstwo geführet wird/ wie Pomet cit. libr. pag. 179. berichtet. §. 4. Die Prob des Saffrans ist/ daß er 1. eine breite/ lange und starcke Blume hat/ welche 2. licht-roth an der Farb/ auch 3. einen guten und starcken Geruch hat. 4. Soll er nicht zu viel weisse oder gelbe Ende an der Blume haben/ 5. nicht putzicht noch zapfficht/ 6. nicht schmiericht/ kleberig/ noch schwartz/ noch 7. feucht oder naß seyn. Alle alte Saffran geben mehr Meel als der neue/ aber die Farb ist bey weitem nicht so schön. Er will in einem leinen oder wüllenen Sack hart auffeinander gepackt/ und in eine Kist oder Faß geleget seyn/ daß keine Lufft darzu kommen könne: dann an einem truckenen Ort er 2. biß 3. Jahr gut bleibt. Es können zwar betrügliche Leut dem abgestorbenen Saffran auch wieder helffen/ allein der Betrug ist aus obigen Proben leicht zu erkennen/ Conf. Schroederus pag. 54. §. 5. Seine Kräffte und Qualitäten sind so vortrefflich und vielfaltig/ daß er vor ein Gewürtz der Weisen/ König der Vegetabilien, ja gar vor eine Panacee will gehalten werden/ wie in des Hoffmanni Clavi Schroed. pag. 459. zu sehen. Absonderlich ist er wegen seiner theils aufflösenden/ theils stillender und balsamischen Natur der Lungen sehr dienlich/ und wird derowegen Anima Pulmonum oder die Seeleder Lungen genennet: Stärcke anbey das Hertz und Lebens-Geister/ und wird derowegen in sehr vielen Kranckheiten mit Nutzen gebraucht/ wie solches Doct. Hertodt in seiner Crocologie weitläufftig erwiesen/ dessen Begriffe man in meiner Historia Literaria, in Appendic, Miscellan. Acad. Nat. Cur. Dec. II. Ann. III. pag. 582. lesen kan. Unterdessen muß man dem Ding nicht zu viel thun/ dann er sonsten übermäsig genommen bey den Weibsleuten durch sein sehr volatilisches Saltz die Monatliche Reinigungen gar zu sehr treiben und eine Blut-Stürtzung verursachen/ bey andern aber durch seine öhlichte und zum theil narcotische Theilger truncken und gar närrisch machen kan; wie dann Dörinngius in seinem Tr. de Usu Opii pag. 108. aus dem Amato Lusitano erzehlet/ daß ein Kramer/ welcher zu viel Saffran in das Essen gethan/ dadurch in ein so übernatürliches Lachen gefallen/ daß er bald davon hätte sterben müssen. Ein anderer ist gar gestorben/ als er die Nacht durch auff den Saffran Säcken geschlaffen/ welches dann auch ob er schon an sich selbsten nicht unrecht wäre / so sollen doch die Türcken solchen den Christen nicht gantz zukommen lassen/ sondern sollen die beste essentz zum Färben außziehen und nachgehends mit Honig wieder anschmieren/ dahero er zum mahlen oder stosen untüchtig ist: wird sonsten zu Venedig mit current Geld eingekaufft / welches 20. pro Cento geringer/ dann Banco-Wehrung ist/ und kombt in ledernen Säcken oder Puti, deren jeder 30. Pfund Nürnberger Gewicht schwer ist/ wie theils Schurtzius, theils Marxius in den Teutschen Material-Kammeru pag. 72. berichten. Von dem Spanischen Saffran hat man sehr viele Sorten/ als den Adler Saffran oder Zima de Aquila: den Maglianischen / Aragonischen/ Puglianischen/ Ruschavoca, Catalonischen sc. unter welchen die erstere am besten sind/ und wird der Aragonische wieder in fein/ mittel und gemein Gut unterschieden. Sie werden alle von den Land-Leuten auff gewissen Jahr-Märcken zum Adler/ zu Albiges und anderstwo in Spanien/ entweder nach der Voce, oder nach eigemen Accord verkaufft/ wie Schurtzius hiervon in seiner Material-Kammer pag. 17. &amp; seqq. einen sehr weitläufftigen Bericht erstattet. Unterdessen will auch von dem Spanischen Saffran Pomet in seiner Frantzöischen Material-Kammer pag. 178. deßwegen kein groß Wesen machen/ weilen sie / aus der Meynung/ daß er sich sonsten nicht halten liesse/ Oehl darunter thäten und also denselben untüchtig machten; weßwegen er den Frantzöischen Saffran/ absonderlich denjenigen / welcher SAFRAN du GATINOIS heisset/ allen andern vorziehet/ welchen auch Charas deßwegen zum Theriac erkohren/ doch also/ daß er den Oranien-Saffran demselben gleich halte/ wie in dessen Histoire Nat. des animaux, des Plantes &amp; des Mineraux, qui entrent dans la compos. de la Theriaque pag. 129. zu sehen. Die andere aber als Safran de Toulose, d' Angoulême &amp;c. sind nicht so gut. Der Englische Saffran ist wie ein grosser runder Teller zu sammen gepresset/ wird in Engeland in 4. Saffran Märckt/ zwischen Michaelis und Allerheiligen verkaufft/ und wann er schön trucken und roth von Farben/ so ist er gut. Jetziger Zeit aber wächst und ist der beste Saffran in Oestreich unter dem Fluß der Ens/ und heisset deßwegen CROCUS AUSTRIACUS, welcher am berümbtesten/ und nicht allein alle andere Europäische Saffran / sondern auch den Orientalischen übertrifft/ wie obgemeldte Materialisten/ absonderlich aber Georg Nic. Schurtzius (welcher diesen Handel selbsten getrieben und am besten verstehet) pag. 17. in seiner Material-Kammer bezeuget/ welchem auch Vielheuer in Beschreibung frembder Materialien pag. 99. beyspringet. Einige als Tabernaemontanus wollen vorgeben/ es wächse auch umb Landau/ Wormbs und andere Orten am Rhein dergleichen Saffran; allein solches wird von dem falschen oder wilden Saffran zu verstehen seyn/ welcher von diesen Orten in Franckreich und anderstwo geführet wird/ wie Pomet cit. libr. pag. 179. berichtet. §. 4. Die Prob des Saffrans ist/ daß er 1. eine breite/ lange und starcke Blume hat/ welche 2. licht-roth an der Farb/ auch 3. einen guten und starcken Geruch hat. 4. Soll er nicht zu viel weisse oder gelbe Ende an der Blume haben/ 5. nicht putzicht noch zapfficht/ 6. nicht schmiericht/ kleberig/ noch schwartz/ noch 7. feucht oder naß seyn. Alle alte Saffran geben mehr Meel als der neue/ aber die Farb ist bey weitem nicht so schön. Er will in einem leinen oder wüllenen Sack hart auffeinander gepackt/ und in eine Kist oder Faß geleget seyn/ daß keine Lufft darzu kommen könne: dann an einem truckenen Ort er 2. biß 3. Jahr gut bleibt. Es können zwar betrügliche Leut dem abgestorbenen Saffran auch wieder helffen/ allein der Betrug ist aus obigen Proben leicht zu erkennen/ Conf. Schroederus pag. 54. §. 5. Seine Kräffte und Qualitäten sind so vortrefflich und vielfaltig/ daß er vor ein Gewürtz der Weisen/ König der Vegetabilien, ja gar vor eine Panacee will gehalten werden/ wie in des Hoffmanni Clavi Schroed. pag. 459. zu sehen. Absonderlich ist er wegen seiner theils aufflösenden/ theils stillender und balsamischen Natur der Lungen sehr dienlich/ und wird derowegen Anima Pulmonum oder die Seeleder Lungen genennet: Stärcke anbey das Hertz und Lebens-Geister/ und wird derowegen in sehr vielen Kranckheiten mit Nutzen gebraucht/ wie solches Doct. Hertodt in seiner Crocologie weitläufftig erwiesen/ dessen Begriffe man in meiner Historia Literaria, in Appendic, Miscellan. Acad. Nat. Cur. Dec. II. Ann. III. pag. 582. lesen kan. Unterdessen muß man dem Ding nicht zu viel thun/ dann er sonsten übermäsig genommen bey den Weibsleuten durch sein sehr volatilisches Saltz die Monatliche Reinigungen gar zu sehr treiben und eine Blut-Stürtzung verursachen/ bey andern aber durch seine öhlichte und zum theil narcotische Theilger truncken und gar närrisch machen kan; wie dann Döriñgius in seinem Tr. de Usu Opii pag. 108. aus dem Amato Lusitano erzehlet/ daß ein Kramer/ welcher zu viel Saffran in das Essen gethan/ dadurch in ein so übernatürliches Lachen gefallen/ daß er bald davon hätte sterben müssen. 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Von dem Spanischen Saffran hat man sehr viele Sorten/ als den Adler Saffran oder Zima de Aquila: den Maglianischen / Aragonischen/ Puglianischen/ Ruschavoca, Catalonischen sc. unter welchen die erstere am besten sind/ und wird der Aragonische wieder in fein/ mittel und gemein Gut unterschieden. Sie werden alle von den Land-Leuten auff gewissen Jahr-Märcken zum Adler/ zu Albiges und anderstwo in Spanien/ entweder nach der Voce, oder nach eigemen Accord verkaufft/ wie Schurtzius hiervon in seiner Material-Kammer pag. 17. &amp;amp; seqq. einen sehr weitläufftigen Bericht erstattet. Unterdessen will auch von dem Spanischen Saffran Pomet in seiner Frantzöischen Material-Kammer pag. 178. deßwegen kein groß Wesen machen/ weilen sie / aus der Meynung/ daß er sich sonsten nicht halten liesse/ Oehl darunter thäten und also denselben untüchtig machten; weßwegen er den Frantzöischen Saffran/ absonderlich denjenigen / welcher SAFRAN du GATINOIS heisset/ allen andern vorziehet/ welchen auch Charas deßwegen zum Theriac erkohren/ doch also/ daß er den Oranien-Saffran demselben gleich halte/ wie in dessen Histoire Nat. des animaux, des Plantes &amp;amp; des Mineraux, qui entrent dans la compos. de la Theriaque pag. 129. zu sehen. Die andere aber als Safran de Toulose, d' Angoulême &amp;amp;c. sind nicht so gut. Der Englische Saffran ist wie ein grosser runder Teller zu sammen gepresset/ wird in Engeland in 4. Saffran Märckt/ zwischen Michaelis und Allerheiligen verkaufft/ und wann er schön trucken und roth von Farben/ so ist er gut. Jetziger Zeit aber wächst und ist der beste Saffran in Oestreich unter dem Fluß der Ens/ und heisset deßwegen CROCUS AUSTRIACUS, welcher am berümbtesten/ und nicht allein alle andere Europäische Saffran / sondern auch den Orientalischen übertrifft/ wie obgemeldte Materialisten/ absonderlich aber Georg Nic. Schurtzius (welcher diesen Handel selbsten getrieben und am besten verstehet) pag. 17. in seiner Material-Kammer bezeuget/ welchem auch Vielheuer in Beschreibung frembder Materialien pag. 99. beyspringet. Einige als Tabernaemontanus wollen vorgeben/ es wächse auch umb Landau/ Wormbs und andere Orten am Rhein dergleichen Saffran; allein solches wird von dem falschen oder wilden Saffran zu verstehen seyn/ welcher von diesen Orten in Franckreich und anderstwo geführet wird/ wie Pomet cit. libr. pag. 179. berichtet.</p> </div> <div> <head>§. 4.</head> <p>Die Prob des Saffrans ist/ daß er 1. eine breite/ lange und starcke Blume hat/ welche 2. licht-roth an der Farb/ auch 3. einen guten und starcken Geruch hat. 4. Soll er nicht zu viel weisse oder gelbe Ende an der Blume haben/ 5. nicht putzicht noch zapfficht/ 6. nicht schmiericht/ kleberig/ noch schwartz/ noch 7. feucht oder naß seyn. Alle alte Saffran geben mehr Meel als der neue/ aber die Farb ist bey weitem nicht so schön. Er will in einem leinen oder wüllenen Sack hart auffeinander gepackt/ und in eine Kist oder Faß geleget seyn/ daß keine Lufft darzu kommen könne: dann an einem truckenen Ort er 2. biß 3. Jahr gut bleibt. Es können zwar betrügliche Leut dem abgestorbenen Saffran auch wieder helffen/ allein der Betrug ist aus obigen Proben leicht zu erkennen/ Conf. Schroederus pag. 54.</p> </div> <div> <head>§. 5.</head> <p>Seine Kräffte und Qualitäten sind so vortrefflich und vielfaltig/ daß er vor ein Gewürtz der Weisen/ König der Vegetabilien, ja gar vor eine Panacee will gehalten werden/ wie in des Hoffmanni Clavi Schroed. pag. 459. zu sehen. Absonderlich ist er wegen seiner theils aufflösenden/ theils stillender und balsamischen Natur der Lungen sehr dienlich/ und wird derowegen Anima Pulmonum oder die Seeleder Lungen genennet: Stärcke anbey das Hertz und Lebens-Geister/ und wird derowegen in sehr vielen Kranckheiten mit Nutzen gebraucht/ wie solches Doct. Hertodt in seiner Crocologie weitläufftig erwiesen/ dessen Begriffe man in meiner Historia Literaria, in Appendic, Miscellan. Acad. Nat. Cur. Dec. II. Ann. III. pag. 582. lesen kan. Unterdessen muß man dem Ding nicht zu viel thun/ dann er sonsten übermäsig genommen bey den Weibsleuten durch sein sehr volatilisches Saltz die Monatliche Reinigungen gar zu sehr treiben und eine Blut-Stürtzung verursachen/ bey andern aber durch seine öhlichte und zum theil narcotische Theilger truncken und gar närrisch machen kan; wie dann Döriñgius in seinem Tr. de Usu Opii pag. 108. aus dem Amato Lusitano erzehlet/ daß ein Kramer/ welcher zu viel Saffran in das Essen gethan/ dadurch in ein so übernatürliches Lachen gefallen/ daß er bald davon hätte sterben müssen. Ein anderer ist gar gestorben/ als er die Nacht durch auff den Saffran Säcken geschlaffen/ welches dann auch </p> </div> </body> </text> </TEI> [236/0282]
ob er schon an sich selbsten nicht unrecht wäre / so sollen doch die Türcken solchen den Christen nicht gantz zukommen lassen/ sondern sollen die beste essentz zum Färben außziehen und nachgehends mit Honig wieder anschmieren/ dahero er zum mahlen oder stosen untüchtig ist: wird sonsten zu Venedig mit current Geld eingekaufft / welches 20. pro Cento geringer/ dann Banco-Wehrung ist/ und kombt in ledernen Säcken oder Puti, deren jeder 30. Pfund Nürnberger Gewicht schwer ist/ wie theils Schurtzius, theils Marxius in den Teutschen Material-Kammeru pag. 72. berichten. Von dem Spanischen Saffran hat man sehr viele Sorten/ als den Adler Saffran oder Zima de Aquila: den Maglianischen / Aragonischen/ Puglianischen/ Ruschavoca, Catalonischen sc. unter welchen die erstere am besten sind/ und wird der Aragonische wieder in fein/ mittel und gemein Gut unterschieden. Sie werden alle von den Land-Leuten auff gewissen Jahr-Märcken zum Adler/ zu Albiges und anderstwo in Spanien/ entweder nach der Voce, oder nach eigemen Accord verkaufft/ wie Schurtzius hiervon in seiner Material-Kammer pag. 17. &amp; seqq. einen sehr weitläufftigen Bericht erstattet. Unterdessen will auch von dem Spanischen Saffran Pomet in seiner Frantzöischen Material-Kammer pag. 178. deßwegen kein groß Wesen machen/ weilen sie / aus der Meynung/ daß er sich sonsten nicht halten liesse/ Oehl darunter thäten und also denselben untüchtig machten; weßwegen er den Frantzöischen Saffran/ absonderlich denjenigen / welcher SAFRAN du GATINOIS heisset/ allen andern vorziehet/ welchen auch Charas deßwegen zum Theriac erkohren/ doch also/ daß er den Oranien-Saffran demselben gleich halte/ wie in dessen Histoire Nat. des animaux, des Plantes &amp; des Mineraux, qui entrent dans la compos. de la Theriaque pag. 129. zu sehen. Die andere aber als Safran de Toulose, d' Angoulême &amp;c. sind nicht so gut. Der Englische Saffran ist wie ein grosser runder Teller zu sammen gepresset/ wird in Engeland in 4. Saffran Märckt/ zwischen Michaelis und Allerheiligen verkaufft/ und wann er schön trucken und roth von Farben/ so ist er gut. Jetziger Zeit aber wächst und ist der beste Saffran in Oestreich unter dem Fluß der Ens/ und heisset deßwegen CROCUS AUSTRIACUS, welcher am berümbtesten/ und nicht allein alle andere Europäische Saffran / sondern auch den Orientalischen übertrifft/ wie obgemeldte Materialisten/ absonderlich aber Georg Nic. Schurtzius (welcher diesen Handel selbsten getrieben und am besten verstehet) pag. 17. in seiner Material-Kammer bezeuget/ welchem auch Vielheuer in Beschreibung frembder Materialien pag. 99. beyspringet. Einige als Tabernaemontanus wollen vorgeben/ es wächse auch umb Landau/ Wormbs und andere Orten am Rhein dergleichen Saffran; allein solches wird von dem falschen oder wilden Saffran zu verstehen seyn/ welcher von diesen Orten in Franckreich und anderstwo geführet wird/ wie Pomet cit. libr. pag. 179. berichtet.
§. 4. Die Prob des Saffrans ist/ daß er 1. eine breite/ lange und starcke Blume hat/ welche 2. licht-roth an der Farb/ auch 3. einen guten und starcken Geruch hat. 4. Soll er nicht zu viel weisse oder gelbe Ende an der Blume haben/ 5. nicht putzicht noch zapfficht/ 6. nicht schmiericht/ kleberig/ noch schwartz/ noch 7. feucht oder naß seyn. Alle alte Saffran geben mehr Meel als der neue/ aber die Farb ist bey weitem nicht so schön. Er will in einem leinen oder wüllenen Sack hart auffeinander gepackt/ und in eine Kist oder Faß geleget seyn/ daß keine Lufft darzu kommen könne: dann an einem truckenen Ort er 2. biß 3. Jahr gut bleibt. Es können zwar betrügliche Leut dem abgestorbenen Saffran auch wieder helffen/ allein der Betrug ist aus obigen Proben leicht zu erkennen/ Conf. Schroederus pag. 54.
§. 5. Seine Kräffte und Qualitäten sind so vortrefflich und vielfaltig/ daß er vor ein Gewürtz der Weisen/ König der Vegetabilien, ja gar vor eine Panacee will gehalten werden/ wie in des Hoffmanni Clavi Schroed. pag. 459. zu sehen. Absonderlich ist er wegen seiner theils aufflösenden/ theils stillender und balsamischen Natur der Lungen sehr dienlich/ und wird derowegen Anima Pulmonum oder die Seeleder Lungen genennet: Stärcke anbey das Hertz und Lebens-Geister/ und wird derowegen in sehr vielen Kranckheiten mit Nutzen gebraucht/ wie solches Doct. Hertodt in seiner Crocologie weitläufftig erwiesen/ dessen Begriffe man in meiner Historia Literaria, in Appendic, Miscellan. Acad. Nat. Cur. Dec. II. Ann. III. pag. 582. lesen kan. Unterdessen muß man dem Ding nicht zu viel thun/ dann er sonsten übermäsig genommen bey den Weibsleuten durch sein sehr volatilisches Saltz die Monatliche Reinigungen gar zu sehr treiben und eine Blut-Stürtzung verursachen/ bey andern aber durch seine öhlichte und zum theil narcotische Theilger truncken und gar närrisch machen kan; wie dann Döriñgius in seinem Tr. de Usu Opii pag. 108. aus dem Amato Lusitano erzehlet/ daß ein Kramer/ welcher zu viel Saffran in das Essen gethan/ dadurch in ein so übernatürliches Lachen gefallen/ daß er bald davon hätte sterben müssen. Ein anderer ist gar gestorben/ als er die Nacht durch auff den Saffran Säcken geschlaffen/ welches dann auch
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Zitationshilfe: | Valentini, Michael Bernhard: Museum Museorum [...] Schau-Bühne Aller Materialien und Specereyen. Frankfurt (Main), 1704, S. 236. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/valentini_museum_1704/282>, abgerufen am 23.02.2025. |