Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Sulzer, Johann Georg: Beschreibung einiger Merckwüdigkeiten, Welche er in einer Ao. 1742. gemachten Berg-Reise durch einige Oerter der Schweitz beobachtet hat. Zürich, 1742.

Bild:
<< vorherige Seite

Vorbericht.
zu dem dritten Reich der Natur gehen/ welches die Erzeugung der
Steine und Metalle begreift. Um hierin etwas zu erfahren, sind
unstreitig die bergichten Gegenden allen andern weit vorzuziehen.
Bey dieser Untersuchung kommt es auf zwey Hauptstücke an; 1. daß
man alle verschiedene Arten der Steine und Mineralien kennt/ und
hernach 2. ihre Natur und Erzeugung erforschet. Zu dem erstern
braucht es weiter nichts/ als eine unverdrossene Erforschung und
Durchsuchung aller Winckeln, wo man durchkommt. Da muß
man kein Feld vorbey gehen/ ohne die Erde und Steine zu betrachten/
die darauf liegen/ keine holen Weg/ ohne zu zu sehen/ ob da nicht eine
Abwechslung der Schichten zu sehen/ keine Sand- oder Lett-Gru-
be/ ohne sie zu besuchen/ und alles auf das genauste zu bemercken/
keinen Steinbruch/ oder Felsklippen/ oder Höle/ ohne die Art der
Steine und Mineralien/ die Schichten und den ganzen Zusammen-
hang der Erde daselbst zu betrachten. Unterscheidet sich ein Stück
Landes von andern entweder a) durch grössere Hitze/ welche aus
dem frühzeitigen Abgang des Schnees/ oder Aufsteigen der Dünste
wahrzunehmen/ oder b) durch Dürre und Magerkeit der Pflanzen/
oder c) durch schweflichte und arsenicalische/ dem Viehe schädliche
Ausdünstungen/ oder d) durch besondere Fettigkeit der Pflanzen/
oder endlich e) durch Quellen von Mineral-Wasser/ so muß man
die Erde dieser Orte besonders erforschen/ weil insgemein dahier Mi-
neralien oder Metalle verborgen liegen.

Von allen verschiedenen Arten der Erden/ Steine/ Metallen
und andern Mineralien muß man von ihrem Zeugungs-Ort was
mitnehmen/ um es theils zu Hause näher zu untersuchen/ theils aber
in einer Sammlung von solchen Sachen zu verwahren. Zu diesem
Ende aber ist nöthig/ daß man auf der Reise mit Schlag- und Grab-
Jnstrumenten versehen ist/ damit man von jedem Orte was mitneh-
men kan. Wer die Gelegenheit hat/ einen Erdbohrer mit zu führen/
womit er die Erde/ auch in der sonst unsichtbaren Tieffe erforschen
kan/ der wird nicht geringen Nutzen davon haben.

Die blosse Historische Kenntniß dieser Dinge kan nun schon von
grossem Nutzen seyn. Denn so erfährt man/ was ein jedes Land zum
Gebrauch der Menschen an Erd-Stein- und Mineral-Arten her-

vor

Vorbericht.
zu dem dritten Reich der Natur gehen/ welches die Erzeugung der
Steine und Metalle begreift. Um hierin etwas zu erfahren, ſind
unſtreitig die bergichten Gegenden allen andern weit vorzuziehen.
Bey dieſer Unterſuchung kommt es auf zwey Hauptſtuͤcke an; 1. daß
man alle verſchiedene Arten der Steine und Mineralien kennt/ und
hernach 2. ihre Natur und Erzeugung erforſchet. Zu dem erſtern
braucht es weiter nichts/ als eine unverdroſſene Erforſchung und
Durchſuchung aller Winckeln, wo man durchkommt. Da muß
man kein Feld vorbey gehen/ ohne die Erde und Steine zu betrachten/
die darauf liegen/ keine holen Weg/ ohne zu zu ſehen/ ob da nicht eine
Abwechslung der Schichten zu ſehen/ keine Sand- oder Lett-Gru-
be/ ohne ſie zu beſuchen/ und alles auf das genauſte zu bemercken/
keinen Steinbruch/ oder Felsklippen/ oder Hoͤle/ ohne die Art der
Steine und Mineralien/ die Schichten und den ganzen Zuſammen-
hang der Erde daſelbſt zu betrachten. Unterſcheidet ſich ein Stuͤck
Landes von andern entweder a) durch groͤſſere Hitze/ welche aus
dem fruͤhzeitigen Abgang des Schnees/ oder Aufſteigen der Duͤnſte
wahrzunehmen/ oder b) durch Duͤrre und Magerkeit der Pflanzen/
oder c) durch ſchweflichte und arſenicaliſche/ dem Viehe ſchaͤdliche
Ausduͤnſtungen/ oder d) durch beſondere Fettigkeit der Pflanzen/
oder endlich e) durch Quellen von Mineral-Waſſer/ ſo muß man
die Erde dieſer Orte beſonders erforſchen/ weil insgemein dahier Mi-
neralien oder Metalle verborgen liegen.

Von allen verſchiedenen Arten der Erden/ Steine/ Metallen
und andern Mineralien muß man von ihrem Zeugungs-Ort was
mitnehmen/ um es theils zu Hauſe naͤher zu unterſuchen/ theils aber
in einer Sammlung von ſolchen Sachen zu verwahren. Zu dieſem
Ende aber iſt noͤthig/ daß man auf der Reiſe mit Schlag- und Grab-
Jnſtrumenten verſehen iſt/ damit man von jedem Orte was mitneh-
men kan. Wer die Gelegenheit hat/ einen Erdbohrer mit zu fuͤhren/
womit er die Erde/ auch in der ſonſt unſichtbaren Tieffe erforſchen
kan/ der wird nicht geringen Nutzen davon haben.

Die bloſſe Hiſtoriſche Kenntniß dieſer Dinge kan nun ſchon von
groſſem Nutzen ſeyn. Denn ſo erfaͤhrt man/ was ein jedes Land zum
Gebrauch der Menſchen an Erd-Stein- und Mineral-Arten her-

vor
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div type="preface" n="1">
        <p><pb facs="#f0020" n="16"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Vorbericht.</hi></fw><lb/>
zu dem dritten Reich der Natur gehen/ welches die Erzeugung der<lb/>
Steine und Metalle begreift. Um hierin etwas zu erfahren, &#x017F;ind<lb/>
un&#x017F;treitig die bergichten Gegenden allen andern weit vorzuziehen.<lb/>
Bey die&#x017F;er Unter&#x017F;uchung kommt es auf zwey Haupt&#x017F;tu&#x0364;cke an; 1. daß<lb/>
man alle ver&#x017F;chiedene Arten der Steine und Mineralien kennt/ und<lb/>
hernach 2. ihre Natur und Erzeugung erfor&#x017F;chet. Zu dem er&#x017F;tern<lb/>
braucht es weiter nichts/ als eine unverdro&#x017F;&#x017F;ene Erfor&#x017F;chung und<lb/>
Durch&#x017F;uchung aller Winckeln, wo man durchkommt. Da muß<lb/>
man kein Feld vorbey gehen/ ohne die Erde und Steine zu betrachten/<lb/>
die darauf liegen/ keine holen Weg/ ohne zu zu &#x017F;ehen/ ob da nicht eine<lb/>
Abwechslung der Schichten zu &#x017F;ehen/ keine Sand- oder Lett-Gru-<lb/>
be/ ohne &#x017F;ie zu be&#x017F;uchen/ und alles auf das genau&#x017F;te zu bemercken/<lb/>
keinen Steinbruch/ oder Felsklippen/ oder Ho&#x0364;le/ ohne die Art der<lb/>
Steine und Mineralien/ die Schichten und den ganzen Zu&#x017F;ammen-<lb/>
hang der Erde da&#x017F;elb&#x017F;t zu betrachten. Unter&#x017F;cheidet &#x017F;ich ein Stu&#x0364;ck<lb/>
Landes von andern entweder <hi rendition="#aq">a</hi>) durch gro&#x0364;&#x017F;&#x017F;ere Hitze/ welche aus<lb/>
dem fru&#x0364;hzeitigen Abgang des Schnees/ oder Auf&#x017F;teigen der Du&#x0364;n&#x017F;te<lb/>
wahrzunehmen/ oder <hi rendition="#aq">b</hi>) durch Du&#x0364;rre und Magerkeit der Pflanzen/<lb/>
oder <hi rendition="#aq">c</hi>) durch &#x017F;chweflichte und ar&#x017F;enicali&#x017F;che/ dem Viehe &#x017F;cha&#x0364;dliche<lb/>
Ausdu&#x0364;n&#x017F;tungen/ oder <hi rendition="#aq">d</hi>) durch be&#x017F;ondere Fettigkeit der Pflanzen/<lb/>
oder endlich <hi rendition="#aq">e</hi>) durch Quellen von Mineral-Wa&#x017F;&#x017F;er/ &#x017F;o muß man<lb/>
die Erde die&#x017F;er Orte be&#x017F;onders erfor&#x017F;chen/ weil insgemein dahier Mi-<lb/>
neralien oder Metalle verborgen liegen.</p><lb/>
        <p>Von allen ver&#x017F;chiedenen Arten der Erden/ Steine/ Metallen<lb/>
und andern Mineralien muß man von ihrem Zeugungs-Ort was<lb/>
mitnehmen/ um es theils zu Hau&#x017F;e na&#x0364;her zu unter&#x017F;uchen/ theils aber<lb/>
in einer Sammlung von &#x017F;olchen Sachen zu verwahren. Zu die&#x017F;em<lb/>
Ende aber i&#x017F;t no&#x0364;thig/ daß man auf der Rei&#x017F;e mit Schlag- und Grab-<lb/>
Jn&#x017F;trumenten ver&#x017F;ehen i&#x017F;t/ damit man von jedem Orte was mitneh-<lb/>
men kan. Wer die Gelegenheit hat/ einen Erdbohrer mit zu fu&#x0364;hren/<lb/>
womit er die Erde/ auch in der &#x017F;on&#x017F;t un&#x017F;ichtbaren Tieffe erfor&#x017F;chen<lb/>
kan/ der wird nicht geringen Nutzen davon haben.</p><lb/>
        <p>Die blo&#x017F;&#x017F;e Hi&#x017F;tori&#x017F;che Kenntniß die&#x017F;er Dinge kan nun &#x017F;chon von<lb/>
gro&#x017F;&#x017F;em Nutzen &#x017F;eyn. Denn &#x017F;o erfa&#x0364;hrt man/ was ein jedes Land zum<lb/>
Gebrauch der Men&#x017F;chen an Erd-Stein- und Mineral-Arten her-<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">vor</fw><lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[16/0020] Vorbericht. zu dem dritten Reich der Natur gehen/ welches die Erzeugung der Steine und Metalle begreift. Um hierin etwas zu erfahren, ſind unſtreitig die bergichten Gegenden allen andern weit vorzuziehen. Bey dieſer Unterſuchung kommt es auf zwey Hauptſtuͤcke an; 1. daß man alle verſchiedene Arten der Steine und Mineralien kennt/ und hernach 2. ihre Natur und Erzeugung erforſchet. Zu dem erſtern braucht es weiter nichts/ als eine unverdroſſene Erforſchung und Durchſuchung aller Winckeln, wo man durchkommt. Da muß man kein Feld vorbey gehen/ ohne die Erde und Steine zu betrachten/ die darauf liegen/ keine holen Weg/ ohne zu zu ſehen/ ob da nicht eine Abwechslung der Schichten zu ſehen/ keine Sand- oder Lett-Gru- be/ ohne ſie zu beſuchen/ und alles auf das genauſte zu bemercken/ keinen Steinbruch/ oder Felsklippen/ oder Hoͤle/ ohne die Art der Steine und Mineralien/ die Schichten und den ganzen Zuſammen- hang der Erde daſelbſt zu betrachten. Unterſcheidet ſich ein Stuͤck Landes von andern entweder a) durch groͤſſere Hitze/ welche aus dem fruͤhzeitigen Abgang des Schnees/ oder Aufſteigen der Duͤnſte wahrzunehmen/ oder b) durch Duͤrre und Magerkeit der Pflanzen/ oder c) durch ſchweflichte und arſenicaliſche/ dem Viehe ſchaͤdliche Ausduͤnſtungen/ oder d) durch beſondere Fettigkeit der Pflanzen/ oder endlich e) durch Quellen von Mineral-Waſſer/ ſo muß man die Erde dieſer Orte beſonders erforſchen/ weil insgemein dahier Mi- neralien oder Metalle verborgen liegen. Von allen verſchiedenen Arten der Erden/ Steine/ Metallen und andern Mineralien muß man von ihrem Zeugungs-Ort was mitnehmen/ um es theils zu Hauſe naͤher zu unterſuchen/ theils aber in einer Sammlung von ſolchen Sachen zu verwahren. Zu dieſem Ende aber iſt noͤthig/ daß man auf der Reiſe mit Schlag- und Grab- Jnſtrumenten verſehen iſt/ damit man von jedem Orte was mitneh- men kan. Wer die Gelegenheit hat/ einen Erdbohrer mit zu fuͤhren/ womit er die Erde/ auch in der ſonſt unſichtbaren Tieffe erforſchen kan/ der wird nicht geringen Nutzen davon haben. Die bloſſe Hiſtoriſche Kenntniß dieſer Dinge kan nun ſchon von groſſem Nutzen ſeyn. Denn ſo erfaͤhrt man/ was ein jedes Land zum Gebrauch der Menſchen an Erd-Stein- und Mineral-Arten her- vor

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/sulzer_reise_1742
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/sulzer_reise_1742/20
Zitationshilfe: Sulzer, Johann Georg: Beschreibung einiger Merckwüdigkeiten, Welche er in einer Ao. 1742. gemachten Berg-Reise durch einige Oerter der Schweitz beobachtet hat. Zürich, 1742, S. 16. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/sulzer_reise_1742/20>, abgerufen am 18.10.2019.