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Storm, Theodor: Gedichte. Kiel, 1852.

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Lucie.
Ich seh sie noch, ihr Büchlein in der Hand,
Nach jener Bank dort an der Gartenwand
Vom Spiel der andern Kinder sich entfernen;
Sie wußte wohl, es mühte sie das Lernen.
Nicht war sie klug, nicht schön; mir aber war
Ihr blaß Gesichtchen und ihr blondes Haar,
Mir war es lieb; aus der Erinnrung Düster
Schaut es mich an; wir waren recht Geschwister.
Ihr schmales Bettchen theilte sie mit mir,
Und Nächtens Wang' an Wange schliefen wir;
Das war so schön! Noch weht ein Kinderfrieden
Mich an aus jenen Zeiten, die geschieden.
Lucie.
Ich ſeh ſie noch, ihr Büchlein in der Hand,
Nach jener Bank dort an der Gartenwand
Vom Spiel der andern Kinder ſich entfernen;
Sie wußte wohl, es mühte ſie das Lernen.
Nicht war ſie klug, nicht ſchön; mir aber war
Ihr blaß Geſichtchen und ihr blondes Haar,
Mir war es lieb; aus der Erinnrung Düſter
Schaut es mich an; wir waren recht Geſchwiſter.
Ihr ſchmales Bettchen theilte ſie mit mir,
Und Nächtens Wang' an Wange ſchliefen wir;
Das war ſo ſchön! Noch weht ein Kinderfrieden
Mich an aus jenen Zeiten, die geſchieden.
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[27/0037] Lucie. Ich ſeh ſie noch, ihr Büchlein in der Hand, Nach jener Bank dort an der Gartenwand Vom Spiel der andern Kinder ſich entfernen; Sie wußte wohl, es mühte ſie das Lernen. Nicht war ſie klug, nicht ſchön; mir aber war Ihr blaß Geſichtchen und ihr blondes Haar, Mir war es lieb; aus der Erinnrung Düſter Schaut es mich an; wir waren recht Geſchwiſter. Ihr ſchmales Bettchen theilte ſie mit mir, Und Nächtens Wang' an Wange ſchliefen wir; Das war ſo ſchön! Noch weht ein Kinderfrieden Mich an aus jenen Zeiten, die geſchieden.

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Zitationshilfe: Storm, Theodor: Gedichte. Kiel, 1852, S. 27. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/storm_gedichte_1852/37>, abgerufen am 26.05.2019.