Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Spener, Philipp Jakob: Pia Desideria. Frankfurt (Main), 1676.

Bild:
<< vorherige Seite

von den widersachern falscher Religion
keine noht hätten/ und äusserlicher friede
wäre/ meyneten/ die kirche stünde in dem
glückseligsten stande; sehen also deroselben
gefährliche wunden durchauß nicht: wie
sollen sie dann solche verbinden oder hey-
len?

Daher kommets/ da die controversien
zwar freylich auch mit zu der Theologi
gehören/ und wir nicht nur wissen sollen
was wahr ist/ demselben zu folgen/ sondern
auch was falsch ist/ demselben zu begegnen/
aber sie doch weder das einige noch vor-
nehmste sind; daß ihrer nicht wenige fast
alles allein auff die controversien setzen:
und meynen/ es seye der sachen stattlich ge-
rathen/ wo wir nur wissen/ wie Papisten/
Reformirten/ Wiedertäuffern/ etc. auff
ihre irrthume zu antworten seye. Es gehe
nachmahl mit den früchten der jenigen ar-
ticul/ welche wir etwa auch noch mit ihnen
gemein haben/ und mit denen von allen
erkennenden lebens-regeln wie es wolle.
Es klagte der alte und erfahrne Kirchen-
lehrer Gregorius Nazianzenus (Epist. 21.

oder

von den widerſachern falſcher Religion
keine noht haͤtten/ und aͤuſſerlicher friede
waͤre/ meyneten/ die kirche ſtuͤnde in dem
gluͤckſeligſten ſtande; ſehen alſo deroſelben
gefaͤhrliche wunden durchauß nicht: wie
ſollen ſie dann ſolche verbinden oder hey-
len?

Daher kommets/ da die controverſien
zwar freylich auch mit zu der Theologi
gehoͤren/ und wir nicht nur wiſſen ſollen
was wahr iſt/ demſelben zu folgen/ ſondern
auch was falſch iſt/ demſelben zu begegnen/
aber ſie doch weder das einige noch vor-
nehmſte ſind; daß ihrer nicht wenige faſt
alles allein auff die controverſien ſetzen:
und meynen/ es ſeye der ſachen ſtattlich ge-
rathen/ wo wir nur wiſſen/ wie Papiſten/
Reformirten/ Wiedertaͤuffern/ ꝛc. auff
ihre irꝛthume zu antworten ſeye. Es gehe
nachmahl mit den fruͤchten der jenigen ar-
ticul/ welche wir etwa auch noch mit ihnen
gemein haben/ und mit denen von allen
erkennenden lebens-regeln wie es wolle.
Es klagte der alte und erfahrne Kirchen-
lehrer Gregorius Nazianzenus (Epiſt. 21.

oder
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <p><pb facs="#f0045" n="19"/>
von den wider&#x017F;achern fal&#x017F;cher Religion<lb/>
keine noht ha&#x0364;tten/ und a&#x0364;u&#x017F;&#x017F;erlicher friede<lb/>
wa&#x0364;re/ meyneten/ die kirche &#x017F;tu&#x0364;nde in dem<lb/>
glu&#x0364;ck&#x017F;elig&#x017F;ten &#x017F;tande; &#x017F;ehen al&#x017F;o dero&#x017F;elben<lb/>
gefa&#x0364;hrliche wunden durchauß nicht: wie<lb/>
&#x017F;ollen &#x017F;ie dann &#x017F;olche verbinden oder hey-<lb/>
len?</p><lb/>
        <p>Daher kommets/ da die <hi rendition="#aq">controver&#x017F;ien</hi><lb/>
zwar freylich auch mit zu der <hi rendition="#aq">Theologi</hi><lb/>
geho&#x0364;ren/ und wir nicht nur wi&#x017F;&#x017F;en &#x017F;ollen<lb/>
was wahr i&#x017F;t/ dem&#x017F;elben zu folgen/ &#x017F;ondern<lb/>
auch was fal&#x017F;ch i&#x017F;t/ dem&#x017F;elben zu begegnen/<lb/>
aber &#x017F;ie doch weder das einige noch vor-<lb/>
nehm&#x017F;te &#x017F;ind; daß ihrer nicht wenige fa&#x017F;t<lb/>
alles allein auff die <hi rendition="#aq">controver&#x017F;ien</hi> &#x017F;etzen:<lb/>
und meynen/ es &#x017F;eye der &#x017F;achen &#x017F;tattlich ge-<lb/>
rathen/ wo wir nur wi&#x017F;&#x017F;en/ wie Papi&#x017F;ten/<lb/>
Reformirten/ Wiederta&#x0364;uffern/ &#xA75B;c. auff<lb/>
ihre ir&#xA75B;thume zu antworten &#x017F;eye. Es gehe<lb/>
nachmahl mit den fru&#x0364;chten der jenigen ar-<lb/>
ticul/ welche wir etwa auch noch mit ihnen<lb/>
gemein haben/ und mit denen von allen<lb/>
erkennenden lebens-regeln wie es wolle.<lb/>
Es klagte der alte und erfahrne Kirchen-<lb/>
lehrer <hi rendition="#aq">Gregorius Nazianzenus (Epi&#x017F;t.</hi> 21.<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">oder</fw><lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[19/0045] von den widerſachern falſcher Religion keine noht haͤtten/ und aͤuſſerlicher friede waͤre/ meyneten/ die kirche ſtuͤnde in dem gluͤckſeligſten ſtande; ſehen alſo deroſelben gefaͤhrliche wunden durchauß nicht: wie ſollen ſie dann ſolche verbinden oder hey- len? Daher kommets/ da die controverſien zwar freylich auch mit zu der Theologi gehoͤren/ und wir nicht nur wiſſen ſollen was wahr iſt/ demſelben zu folgen/ ſondern auch was falſch iſt/ demſelben zu begegnen/ aber ſie doch weder das einige noch vor- nehmſte ſind; daß ihrer nicht wenige faſt alles allein auff die controverſien ſetzen: und meynen/ es ſeye der ſachen ſtattlich ge- rathen/ wo wir nur wiſſen/ wie Papiſten/ Reformirten/ Wiedertaͤuffern/ ꝛc. auff ihre irꝛthume zu antworten ſeye. Es gehe nachmahl mit den fruͤchten der jenigen ar- ticul/ welche wir etwa auch noch mit ihnen gemein haben/ und mit denen von allen erkennenden lebens-regeln wie es wolle. Es klagte der alte und erfahrne Kirchen- lehrer Gregorius Nazianzenus (Epiſt. 21. oder

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/spener_piadesideria_1676
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/spener_piadesideria_1676/45
Zitationshilfe: Spener, Philipp Jakob: Pia Desideria. Frankfurt (Main), 1676, S. 19. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/spener_piadesideria_1676/45>, abgerufen am 16.09.2019.