nennt, sind ohne Zweifel die in Fasern sich verlängern- den, mit ihrem Kern versehenen Faserzellen. Henle un- tersuchte das Exsudat, wodurch Wunden, die per primam intentionem heilen, verklebt werden, und fand, dass auch hier Zellen entstehen, die sich auf dieselbe Weise durch Verlängerung ihrer Schale in Zellgewebefasern ver- wandeln, wie beim Fötus. Henle schliesst daraus, dass die Bildung von Exsudationen und Granulationen wesentlich dieselben Prozesse sind. Die von Valentin entdeckten und auch von Gluge beschriebenen Exsudatkugeln, die nach Valentin in jedem Exsudat vorkommen, sind nach ihm den Eiterkörperchen verwandt, und Henle fand auch, dass ihre Kerne eben so durch Essigsäure zerfallen.
Die Eiterung unterscheidet sich daher von der Exu- dation und der Granulation nur dadurch, dass ein mehr flüssiges Cytoblastem gebildet wird, in welchem sich we- niger vollkommne Zellen entwickeln. Sie stellt eine Mit- telform dar zwischen der Bildung der festen Gewebe und dem eigentlichen Secretionsprozesse, welches auch keine wesentlich von einander verschiedene Prozesse sind.
2) Sehnengewebe.
Wie die Sehnenfasern im erwachsenen Zustande sich von den Zellgewebefasern wenig unterscheiden und sich keine Grenze angeben lässt, wo man sagen könnte, das Eine ist Zellgewebe, das Andere muss zum Sehnengewebe gerechnet werden, so ist auch die Entstehung beider Ge- webe dieselbe. Man sieht bei sehr jungen Fötus in den Sehnen dieselben Zellen, wie die Faserzellen des Zellge- webes. Sie liegen mit ihrem Längendurchmesser nach der Länge der Sehne und verlängern sich nach zwei entgegen- gesetzten Richtungen in Fasern, die sich in feinere Fa- sern zertheilen (s. Tab. III. Fig. 11). Die Zellen haben einen eben so gestalteten Zellenkern, zerfallen eben so wie die Faserzellen des Zellgewebes in viele Fasern, während An- fangs der Zellenkern noch fortbesteht, zuletzt aber resor- birt wird, so dass bloss das Faserbündel übrig bleibt. Alle diese Prozesse gehen aber im Sehnengewebe viel früher
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nennt, sind ohne Zweifel die in Fasern sich verlängern- den, mit ihrem Kern versehenen Faserzellen. Henle un- tersuchte das Exsudat, wodurch Wunden, die per primam intentionem heilen, verklebt werden, und fand, daſs auch hier Zellen entstehen, die sich auf dieselbe Weise durch Verlängerung ihrer Schale in Zellgewebefasern ver- wandeln, wie beim Fötus. Henle schlieſst daraus, daſs die Bildung von Exsudationen und Granulationen wesentlich dieselben Prozesse sind. Die von Valentin entdeckten und auch von Gluge beschriebenen Exsudatkugeln, die nach Valentin in jedem Exsudat vorkommen, sind nach ihm den Eiterkörperchen verwandt, und Henle fand auch, daſs ihre Kerne eben so durch Essigsäure zerfallen.
Die Eiterung unterscheidet sich daher von der Exu- dation und der Granulation nur dadurch, daſs ein mehr flüssiges Cytoblastem gebildet wird, in welchem sich we- niger vollkommne Zellen entwickeln. Sie stellt eine Mit- telform dar zwischen der Bildung der festen Gewebe und dem eigentlichen Secretionsprozesse, welches auch keine wesentlich von einander verschiedene Prozesse sind.
2) Sehnengewebe.
Wie die Sehnenfasern im erwachsenen Zustande sich von den Zellgewebefasern wenig unterscheiden und sich keine Grenze angeben läſst, wo man sagen könnte, das Eine ist Zellgewebe, das Andere muſs zum Sehnengewebe gerechnet werden, so ist auch die Entstehung beider Ge- webe dieselbe. Man sieht bei sehr jungen Fötus in den Sehnen dieselben Zellen, wie die Faserzellen des Zellge- webes. Sie liegen mit ihrem Längendurchmesser nach der Länge der Sehne und verlängern sich nach zwei entgegen- gesetzten Richtungen in Fasern, die sich in feinere Fa- sern zertheilen (s. Tab. III. Fig. 11). Die Zellen haben einen eben so gestalteten Zellenkern, zerfallen eben so wie die Faserzellen des Zellgewebes in viele Fasern, während An- fangs der Zellenkern noch fortbesteht, zuletzt aber resor- birt wird, so daſs bloſs das Faserbündel übrig bleibt. Alle diese Prozesse gehen aber im Sehnengewebe viel früher
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nennt, sind ohne Zweifel die in Fasern sich verlängern-
den, mit ihrem Kern versehenen Faserzellen. Henle un-
tersuchte das Exsudat, wodurch Wunden, die per primam
intentionem heilen, verklebt werden, und fand, daſs auch
hier Zellen entstehen, die sich auf dieselbe Weise
durch Verlängerung ihrer Schale in Zellgewebefasern ver-
wandeln, wie beim Fötus. Henle schlieſst daraus, daſs
die Bildung von Exsudationen und Granulationen wesentlich
dieselben Prozesse sind. Die von Valentin entdeckten
und auch von Gluge beschriebenen Exsudatkugeln, die
nach Valentin in jedem Exsudat vorkommen, sind nach
ihm den Eiterkörperchen verwandt, und Henle fand
auch, daſs ihre Kerne eben so durch Essigsäure zerfallen.
Die Eiterung unterscheidet sich daher von der Exu-
dation und der Granulation nur dadurch, daſs ein mehr
flüssiges Cytoblastem gebildet wird, in welchem sich we-
niger vollkommne Zellen entwickeln. Sie stellt eine Mit-
telform dar zwischen der Bildung der festen Gewebe und
dem eigentlichen Secretionsprozesse, welches auch keine
wesentlich von einander verschiedene Prozesse sind.
2) Sehnengewebe.
Wie die Sehnenfasern im erwachsenen Zustande sich
von den Zellgewebefasern wenig unterscheiden und sich
keine Grenze angeben läſst, wo man sagen könnte, das
Eine ist Zellgewebe, das Andere muſs zum Sehnengewebe
gerechnet werden, so ist auch die Entstehung beider Ge-
webe dieselbe. Man sieht bei sehr jungen Fötus in den
Sehnen dieselben Zellen, wie die Faserzellen des Zellge-
webes. Sie liegen mit ihrem Längendurchmesser nach der
Länge der Sehne und verlängern sich nach zwei entgegen-
gesetzten Richtungen in Fasern, die sich in feinere Fa-
sern zertheilen (s. Tab. III. Fig. 11). Die Zellen haben einen
eben so gestalteten Zellenkern, zerfallen eben so wie die
Faserzellen des Zellgewebes in viele Fasern, während An-
fangs der Zellenkern noch fortbesteht, zuletzt aber resor-
birt wird, so daſs bloſs das Faserbündel übrig bleibt. Alle
diese Prozesse gehen aber im Sehnengewebe viel früher
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Schwann, Theodor: Mikroskopische Untersuchungen über die Uebereinstimmung in der Struktur und dem Wachsthum der Thiere und Pflanzen. Berlin, 1839, S. 147. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/schwann_mikroskopische_1839/171>, abgerufen am 22.02.2025.
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